Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1899)
- Date
- 1899-03-03
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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. , — --"■•—TaKi"■•sb-wstü; JUKirayBi* - 106 - licht unzugänglich sind, erleuchten kann. Der Prophet Zephania (1,12) Mt Gott sagen: „Ich werde Jerusaleni mit Lichtern durchsuchen." Daraus folgert der Talmud (Pesach. 7 b), daß man überhaupt bei Lichtschein besser als bei Tageslicht suchen kann. Derselben Ansicht muß auch Diogenes gewesen sein, wenn er — sogar bei Tage — einer Laterne sich bediente, um Menschen zu suchen. Er glaubte offenbar, zu diesem Zwecke Verstecke durchsuchen zu muffen, dmn sonst ist „Kerzen- oder Lampenlicht bei Heller Tageszeit etwas Ueberflüssiges", wie der Talmud (Chull. 60b und sonst) sich ausdrückt. Darf man also annehmen, daß die Metapher des Lichts ursprünglich von der Leuchte ausgegangcn sei, so ist doch gewiß bald das Licht im Aügemeiuen an ihre Stelle getreten, und man bediente sich ihrer nur da. wo man einen bestimmten Zweck daniit verfolgte, wie man gleichfalls in bestimmter Absicht Sonne, Mond und Sterne zu Vergleichen heranzog (vgl. Ps. 19, 6; Richter 5, 20, 31; Dan. 12, 3). Wie vieles Andere, so ist auch das Licht aus der Sprache der Bibel in mannigfache Wendungen der deutschen Bildersprache ttbergegangen, aber auch in dem rabbinischen Schriftthum findet sich manche sinnreiche Verwerthung der Lichteffekte, die man später anderwärts antrifft, ohne daß damit eine Entlehnung behauptet werden soll. So ward auf den Marschall Turenne eine Münze geprägt, auf welcher acht bei untergehender Sonne sichtbar werdende Sterne abgebildet sind, und welche die Aufschrift trägt „Unius occasu“ (Durch des Einen Untergang). Bild und Inschrift spielen darauf an, daß nach Turennes Tod an seiner Stelle acht Marschälle ernannt wurden. Deffelben Bildes bediente sich nach dem Talmud (Mosd Kat. 25b) ein Gelehrter in der Trauerrede auf einen anderen Gelehrten, indem er sagte, daß bei seinem Tode die Sterne bei Tage sichtbar geworden wäre». Er war die Sonne, bei deren Untergang die kleinen Lichter erst zum Vorschein kamen. Die Uose von Saron. Line Erzählung. XXXV. er Edomiter schritt fort durch die Dämmerung, welche rasch dem neuen Tage zu weichen begann. Es war hellleuchtender Morgen geworden, und durch das Thor, welches nach Bethanien führte, wallte der Landleute unruhige Menge herein, dazwischen bewaffnete Krieger von fremdartigem Aussehen. Reson drängte sich durch das Gewühl, verließ die Stadt, eilte links über den Kidron und stieg die Abhänge des Oelberges hinan. Jetzt trat er zwischen die Oelbäume, welche die zerstörte Hütte Zeruhas umgaben. Aus den Gebüschen erhob sich eine hohe Kriegergestalt, und Hiram der Phönizier trat dem Edomiter entgegen. Er führte noch die gewaltige Keule. Die Krieger schüttelten sich die Hände, und dann sagte der sidonische Mann: „Meine Späher sind sämmtlich zurück. Allerlei Kriegsvolk, melden sie, wimmele zu den Thoren der Stadt hinein, zwar zerstreut und scheinbar von einander nicht wissend, aber offenbar dienen sie einem Zweck. Es ist kein Zweifel, der Prophet, schlägt heute oder morgen drauf los. Der alte König liegt im Sterben, und die Gährung und Erwartung großer Thaten geht durch ganz Israel." „Ohne Zweifel," versetzte Reson sinnend. „Die Krieger sind bestimmt, das Schwert des Aufruhrs zu heben und den anrückenden Aegyptern vorzuarbeite». Der nahe Aufruhr ist unserem Plan günstig. Wie viel der Wüstensöhne sind versammelt?" „Wohl zweihundert," sagte der Phönizier, indem er mit einem Ausdruck der Befriedigung über die dichten Gebüsche des Oelberges hinwies. „Gut, hast Du Zeruhas Spuren entdeckt?" „Die Wahnsinnige schläft unter den Oelbäumen." Der Edomiter war überrascht und traurig. Dann wurde sein Gesicht von finsterem Wesen überflogen. „Sie haben die Unglückliche um ihren Verstand gebracht, — dieser Prophet und dieser Jerobeam. Möge ein Fluch auf ihre sündigen Häupter fallen! Was ist das Beginnen Zeruhas? Spricht sie von ihrem Schicksal?" „Sie schreit unablässig, vor die Fürstin der Sabäer gebracht zu werden," sagte der Sidonier achselzuckend. „Vor die Fürstin der Sabäer?" rief Reson, der sich einer fürchterlichen Nacht erinnerte, wo die Edomiter!» ebenfalls zu Iva gebracht werden wollte. „Wohlan, so führe Du sie in den Palast der Königin. Ich erinnere mich, daß irgend ein Geschick Zeruha ehedem unter den Zelten Sabas festhielt. Führe sie hin, Iva wird ihr sein wie eine milde Göttin, denn dies großmüthige Herz hat Liebe und Opfer für unglückliche Wesen." „Du sagst es, und es soll geschehen!" versetzte der Phönizier ernst. „Und dann, treuer Hiram," fuhr der Edomiter rasch fort, indem seine Aufmerksamkeit sich einem näheren, aufregenden Gegenstand zuwandte; „dann sende die Treuen auf heimlichen Pfaden nach dem Thale Ben Hinom, dorthin, wo die Mauern von Salomos Gärten emporragen. Dort wollen wir den Tönen des nahenden Aufruhrs horchen, und während Zion sich streitfertig erhebt gegen das alte Herrscherhaus, dringen wir von unbewachten Seiten in den Palast." Reson stockte. Er wandte sich heftig ab, denn er wollte seinen Treuen den Sturm nicht merken lassen, der seine Seele erschütterte. „Und retten Edoms gesunkenen Stern!" setzte der Phönizier in tiefen Tönen hinzu. „Das schworen die Wüstensöhne auf ihre geprüfte» Schwerter." Reson winkte mit der Hand und verschwand rasch in dem Gebüsch. Der Sidonier blickte ihm mit ernstem Ausdruck nach, hob dann seine Keule und näherte sich der zerstörten Hütte. £ König Salomo lag sterbend in seinem Palast auf Zion. Das Alter hatte plötzlich, aber sanft die Kraft des Weisen gebrochen, doch die Ruhe des Geistes war geblieben, während der Körper allmälig und unrettbar hinwelkte. Es war mehrere Stunden nach Sonnenaufgang, als einige Männer aus des Königs Sterbegemach traten und mit heftigen Schritten einen großen Saal erreichten, aus deffeu Fenstern man den größten Theil von Jerusalem und besonders die Straßen, welche an dem Hügel Zion hinabliefe», übersehen konnte. Es waren aber diese Männer der Thronfolger Rehabeani, dann der Patriarch und Oberste des Stammes Juda, Adoniram, und mehrere Räthe und Kriegshelden des sterbenden Königs. Rehabeam war eine fast überkräftig entwickelte Jünglingsgestalt mit finsteren Zügen und gebieterischen Augen. Diese Augen, welche zu Zeiten Mißtrauen, zu Zeiten trotzigen Stolz und ebenso leicht zügellosen Zorn sprühten, bezeichneten allein schon den rücksichtslosen Tyrannen. Ihm gegenüber stand der grauhaarige Patriarch Judas, eine ehrwürdige, gebietende Gestalt, dessen dunkles, noch immer lebhaftes