Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1899)
- Date
- 1899-03-03
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 welche nicht allein die Parität der Schüler, sondern auch die Parität der Lehrer voraussetzt." Bei Punkt 3 (Stellennachweis) wurde von der Versammlung bemängelt, daß die Zeitungsberichte den von dem Referenten angeführten wichtigsten Grund für die Stellung des diesseitigen Antrages, d. i. die Abschaffung der bisherigen Protektionswirthschast und des Nepotismus, verschwiegen haben. Zu Punkt 5: Neuwahl des Verbandsvorstandes, faßte die Versammlung, auf Antrag des Delegirten, mit allen gegen die eine Stimme des Vereinsvorsitzenden, Herrn Hauptlehrer Herbst in Lissa, welcher während der Berathung über diesen Gegenstand den Vorsitz seinem Vertreter, Herrn Hauptlehrer Cohn in Rogasen, übertragen hatte, folgende Resolution: „Die am 2. Januar 1899 in Posen tagende zehnte Jahresversammlung des VerUns jüdischer Lehrer der Ostprovinzen spricht ihr schmerzliches Bedauern darüber aus, daß der 1. ordentliche Berbandstag der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche den bisherigen Verbandsschriftführer und diesseitigen Vereinsvorsitzenden, Herrn Hauptlehrer Herbst in Lissa, nicht wieder in den Vorstand gewählt hat. Sie empfindet das Ausscheiden ihres Vorsitzenden um so schmerzlicher, als der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen einer der ersten war, welcher für die Begründung des Verbandes mit allen Kräften eingetreten ist, und trotzdem er der zweitgrößte Provinzialverband mit nahezu 70 staatlich angestellten und fast durchweg staatlich geprüften Lehrern ist, nunmehr im Verbandsvorstande keinen Vertreter mehr hat. In steter Dankbarkeit für die unermüdliche Thätigkeit seines Vorsitzenden bei der Begründung des Verbandes spricht die 10. Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen Herrn Hauptlehrer Herbst in Lissa ihre unentwegte Treue und Ergebenheit aus und beschließt, diese Resolution dem Verbandsvorstande zu übermitteln." Eine längere Debatte rief auch der Punkt 6: Begründung einer Verbandszeitschrift, hervor. Die Versammlung bedauerte lebhaft, daß diese wichtige Frage, welche schon seit Jahrzehnten die jüdische Lehrerwelt so lebhaft bewegt, von dem Delegirtentage so dilatorisch behandelt wurde und erst in der letzten halben Stunde einer mehr als 14 ständigen Berathung, und auch da erst auf Wunsch einer außerhalb der Delegirtenversammlung stehenden Persönlichkeit zum Zwecke persönlicher Bemerkungen zur Berathung kam. Die Versammlung erklärte ihr Einverständniß mit dem Bericht des Delegirten in allen Punkten. Besonders war sie mit dem Delegirten in dem Punkte einig, daß der erste ordentliche Berbandstag der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich sehr wenig positive Resultate hatte, weil die wichtigsten Berathungsgegenstände — mit Ausnahme der Centralpensionskasse — nach kürzerer oder längerer Debatte stets dem Verbandsvorstande „zur weiteren Prüfung" oder als „schätzbares Material" überwiesen wurden. Hierauf referirte der Vereinsvorsitzende, Herr Hauptlehrer Herbst- Lissa, über das Verbandsthema: „Wie ist die jüdische Schule unserer Provinz entstanden, wie hat sie sich entwickelt, und was hat sie geleistet?" In eingehender Weife beleuchtete der Vortragende die Geschichte der jüdischen Schulen in der Provinz Posen, welche vor ea. 100 Jahren entstanden sind, und zwar auf Anregung zweier humaner christlicher höherer Beamten. Er schilderte die Kulturarbeit der jüdischen Schulen für die Juden Posens, wies nach, wie die Schulen in den sechziger Jahren auf ihrem Höhepunkt standen und die beste Vorbildung für Handel, Gewerbe und für den Besuch der höheren Schulen gaben, um endlich immer mehr zu sinken, sowohl an Zahl als an Qualität des Schülermaterials. Dem Referenten wurde reicher Beifall zu Theil. Hierauf referirte Lehrer Grünfeld-Schwersenz über „Die Chronik der jüdischen Schule in Schwersenz mit Bezugnahme auf die jüdischen Schulen unser Provinz". Der Vortragende beleuchtete besonders das Lehr- und Schülermaterial, Disziplin und Lehrgegenstände sowie die soziale Stellung der jüdischen Lehrer aus alter Zeit, wie wir sie besonders aus den Schilderungen eines Aron Bernstein, Franzos und Kompert kennen. Er wies in interessanter Weise auf die Männer der Kunst und Wissenschaft hin, welche den jüdischen Schulen der Provinz ihre erste Bildung verdanken. Auch diesem Referenten wurde mit reichem Beifall gelohnt. — Die Besprechung über drei eingesandte Lehrbücher wurde wegen vorgerückter Zeit von der Tagesordnung abgesetzt^ Die nächste Versammlung findet am 25. Mai, dem sogenannten Zedlitz- Tage, in Posen statt. Kollege Falkenstein-Birnbaum übernimmt das Referat über das Vereinsthema: „Welche Anforderungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden?" — Ein gemeinsames Mittagsmahl vereinigte nach der Konferenz die Theilnehmer im Jaretzky'schen Restaurant. Die Schriftführer: Becker-Wollstein. Hopp-Kurnik. Bas Licht als Metapher in der Bidet. Von Oberrabbiner Dr. M. Güdemann. II. un aber möchte ich an das VorhergegangenedenVersuch knüpfen, dem pragmatischen Zusammenhang dieser geschichtlichen Entwickelung nachzugehen. Ihr Verlauf führt uns in zu entlegene Zeiten zurück, als daß man Sicheres darüber ermitteln könnte. Es sind eben dunkle Zeiten, in welchen zuerst die Metapher des Lichtes entstand. Andererseits ist die Bereicherung der Sprache mit neuen Bildern gewiß überall und immer aus den gleichen Ursachen hervorgegangen und hat sich nach denselben Gesetzen vollzogen. Man wird bei der Wahl einer Metapher stets auf einen solchen versinnbildlichenden Gegenstand oder Zustand verfallen sein, von dem man die allgemeine Bekanntschaft und übereinstimmende Beurtheiluug des Lebenskreises, dem man selber angehörte, voraussetzen durste. Exotische Metaphern, welche Einem erst durch Nachschlagebücher verständlich werden, hat es in alten Zeiten gewiß nicht gegeben. Der Dichter des Hohenliedes (4, 3; 6, 7) vergleicht die Schläfe der Geliebten mit dem Grauatapfelspalt. Dieses Bild wird in dem rabbinischen Schriftthum weiter ausgesponnen. Der Kernreichthum der Granate wird zum Vergleich mit dem Reichthum an Tugenden herangezogcn, den selbst der Unbedeutendste in Israel besitze (Syuhedr. 37 s). Sogar der ursprüngliche Name von Sepphoris, der an die Schläfe erinnert, welche wieder das Bild der Granate wachruft, wird aus dieser Beziehung erklärt (Megilla 6 a). Diese Vergleichungen konnten nur in einem Lebens- und Anschaunngskreise aufkonnnen und Anwerth finden, in welchem Granaten bekannt und geschätzt waren. Niemand wird in unseren Gegenden einen kräftigen Menschen einen „starkknochigen Esel" (1. B. M. 49, 14) nennen oder eine Gesellschaft von Aristokraten als „Kühe" (Amos 4, 1) ansprechen, wenn er nicht Gefahr lausen will, sich eine Ehrenbeleidigungsklage auf den Hals zu ziehen. Wir denken beim Anhören einer ohne Stocken vorgetragenen Rede an den glatten Lauf eines Flusses und bezeichnen sie als eine fließende. Der Hebräer verglich sie mit dem Regen und dem Thau (5.B.M. 32,2). Der Unterschied ist darin begründet, daß bei der Armuth Palästinas an Flußläufen und Quellen Regen und Thau eine weit größere Rolle svielen als in unseren Gegenden, wo sie etwas Gewöhnliches sind, und zahlreiche Flußläufe die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Sänger des 19. Psalms läßt den Himmel die Ehre Gottes erzählen. Er denkt natürlich, wenn dies auch nicht ausgesprochen ist, zunächst an den Nachthimmel. Erst im Verlaufe des Psalms ist voin Sonnenaufgang die Rede. Das Bild des erzählenden Nachthimmels aber beruht offenbar auf der sinnlichen Vorstellung der flimmernden Sterne als im Reden begriffener Feuerzuugen. Auch Hiob 38, 7 spricht von dem „einstimmigen Jubel der Morgensterne". Man muß sich hier darair erinnern, daß die großen Ebenen des Orients und die wolkenlosen Nächte zur Betrachtung des Nachthimmels einluden, und ebenso die Astronomie wie die Astrologie beförderten. Aus Tacitus weiß man, daß die „Ehaldäer" als Astrologen in Rom eine große Rolle spielten, und je nach ihren Wahrsagungen von den politischen Machthabern begünstigt oder