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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-03 · Heft 9 (3.3.1899) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 9 (3.3.1899)
Date
1899-03-03
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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I ' - ' 103 - Vaterland hoch in Ehren hielt, und aus dem manche der besten Männer des Dänenreiches hervorgegangen sind, welche gewichtige Beiträge zur Entwickelung seines geistigen Lebens geliefert haben. Diese Abstammung ist von Jntereffe für das Verständniß der Persönlichkeit Levins, denn es waren gerade die vorzüglichsten Eigenschaften der jüdischen Raffe, die bei ihm in hohem Grade der Vollkommenheit entwickelt waren: er besaß eine ungewöhnlich schnelle Auffaffung. eine scharfsinnige Intelligenz, ein lebhaftes Jntereffe für alle geistigen Fragen und große Neigung und Talent, diese zu debattiren und einem Gespräch mit ihm Inhalt und Gewicht zu verleihen. Er liebte es zwar nicht, öffentlich aufzutreten, und er nahm vielleicht niemals aktiven Aniheil an den politischen Kämpfen, aber durch private Gespräche und Unterhaltungen hat er in weiten Kreisen durch seinen originellen Gesichtspunkt und durch die oft besonders treffende und gedankenerweckende Art und Weise, womit er seine Ansichten zu begründen wußte, eineu bedeutenden und befruchtenden Einfluß erlangt. Daher war seine Hoffnung auch wohl begründet, für die Sache des Dänenthums im Auslände wirken zu können; diese Hoffnung und seine warme Vaterlandsliebe waren es, die ihn veranlaßten, seine ärztliche Wirksamkeit zunächst in Lügunrkloster und später auf Sylt zu suchen. Als er aber mit Schmerz gewahrte, daß die Verhältnisse in Schleswig unhaltbar waren, war es ihm unmöglich, länger dort zu bleiben, suchte er das Amt eines Distriktsarztes in Farsö in Jütland, das er auch erhielt. Niedergebeugt von der getäuschten Hoffnung, mußte man aus seinen Aeußerungen zu der Annahme gelangen, daß er im Wesentlichsten mit dem aktiven Leben abgeschloffen und nunmehr die Absicht habe, den Rest seiner Tage unbemerkt zu vegetiren. Aber gerade hier erblühte ihm ein neues Leben durch die Bekanntschaft mit einem in der ganzen Gegend hochangesehenen Gutsbesitzer und deffen Familie, indem er in der ältesten Tochter eine treue Gattin fand, die mit ihrer von der seinen sehr verschiedenen Entwickelung und ihrem festen Charakter es vollkommen verstand, Levin gewiffermaßen zu ergänzen und seinem Lebe» einen neuen Inhalt zu verleihen. Für Jeden, der das Naturell des jütländischen Ballern kennt, mußte cs als ein Räthsel erscheinen, wie ein Manu mit solchen dianietral entgegengesetzten Anlagen wie Levin sich für die Bauernpraxis in Jütland eignen konnte. Aber das ist vielleicht der beste Beweis für seine Allseitigkeit und die Lebhaftigkeit seines Geistes, daß er nicht allein durch seine Tüchtigkeit sich die Achtung derselben zu erzwingen und durch die echt menschliche Herzensgestnnung, welche so oft in 'ernsten Augenblicken zum Ausdruck kam, ihre Hingebung zu gewinnen vermochte, sondern sogar ein wirkliches gegenseitiges Verständniß mit ihnen erreichte. Wie der Kreis seiner Patienten, so achteten ihn auch seine Kollegen und Vorgesetzten wegen seiner Tüchtigkeit als Arzt; sichtbare Zeichen derselben empfing er während seiner Wirksamkeit durch die Verleihung des Ritterkreuzes und bei seinem Abgang als Distriktsarzt in dem Ehrenzeichen des Dannebrogordens. Trotz wiederholter harter Krankheiten und ernstlicher Verwundungen, die er sich beim Befahren der schwierigen jütischen Landwege zugezoge» hatte, war Levin im Besitz einer eisernen Konstitution; er vermochte noch in seinem 84. Lebensjahre, ohne Brille zu lesen, und seine übrigen Sinne waren ebenso ungeschwächt. Die Lebhaftigkeit seines Geistes war ganz einzig; er verfolgte bis an sein Lebensende mit großer Aufmerksamkeit und intensivem Verständniß jede Frage, gleichviel ob wiffenschaftlicher, nationaler oder religiöser Natur, ja auch mit allen Fortschritten unserer materiellen Zeit war er vollkommen vertraut. Er war ein Mann, der die Fahne der Idee hochhielt, einer von Denen, welche ihren Stand und deffen Vertreter erheben; durch seinen Tod wurde ein Platz leer, der schwierig auszufüllen sein dürfte. E. J. 3 Protokoll der Jahresversammlung des Vereins jüdischer Fehrer der Ostseeprovinzen am 2. Januar 1899 in Posen. Sie Versammlung wurde um 11 Uhr Vormittags im Stern'schen Saale eröffnet. Erschienen waren 36 Mitglieder und als Gäste die Herren: Rabbinatsaffessor Silberberg als Vertreter der jüdischen Gemeinde zu Posen, Rabbiner Dr. Kaatz aus Zabrze in Oberschlefien und ein außerhalb des Vereins stehender Kollege, zur Zeit Wanderlehrer des Bezirksverbandes der Synagogengemeinden zu Magdeburg. Nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes „Brüder, reicht die Hand zum Bunde" begrüßte der Vorsitzende, Hauptlehrer Herbst- Liffa, die Gäste und die Mitglieder in herzlichen Worten. Er warf einen kurzen Rückblick auf die Ereignisse des verflossenen Vereinsjahres, wobei er insbesondere der Durchführung des Lehrerbesoldungsgesetzes und des ersten ordentlichen Verbandstages der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche gedachte. Den im Bereinsjahr dahingeschiedenen Vereinsmitgliedern, insbesondere dem langjährigen Rendanten, Lehrer Auerbach in Tremessen, wurde die übliche Ehrung zu Theil. Zu Schriftführern wurden die Lehrer Becker-Wollstein und Hopp-Kurnik gewählt. An Stelle des verstorbenen Rendanten Auerbach wurde Kollege Grünfeld-Schwersenz zum Vereinsrendanten gewählt. Hierauf erstattete Lehrer Becker-Wollstein als Delegirter Bericht über den ersten ordentlichen Verbandstag, welcher am 27. und 28. Dezember v. I. in Berlin versammelt war. Der Referent betonte zunächst die Nothwendigkeit einer mündlichen Berichterstattung neben den Zeitungsberichten, im Hinblick auf wichtige Interna, worüber die Zeitungen naturgemäß nicht berichten können, sowie im Hinblick auf die gedrängte Darstellung der Zeitungsreferate. Er bat gleichzeitig, an die einzelnen Punkte des Referats eine Debatte knüpfen zu wollen, welchem Wunsch die Versammlung in ausgiebigster Weise nachkam. In Rücksicht auf die reichhaltige Tagesordnung des Berbandstages berichtete der Referent über die wichtigsten Berathungsgegenstände in längerer Darstellung, während die minder wichtigen nur gestreift wurden. Als die wichtigsten Berathungsgegenstände bezeichnete der Referent folgende. 1. Die Gründung der Central-Pensions- und Reliktenkaffe. 2. Die Anregung des Kollegen Amram zur Abfassung einer Denkschrift über die Bedeutung der jüdischen Schulen. 3. Der Stellennachweis (Antrag des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen). 4. Die Vorbildung der jüdischen Lehrer. 5. Neuwahl und anderweitige Zusammensetzung des Verbandsvorstandes sowie Abänderungen der Verbandssatzungen. 6. Begründung einer periodischen Verbandszeitschrift. Punkt 1, 2, 5 und 6 führten zu einer besonders lebhaften Debatte. Bei Punkt 1: Gründung der Centralkasse, wurde besonders lebhaft bedauert, daß die staatlich angestellten Lehrer zunächst von den Bortheilen der Kaffe ausgeschlossen bleiben. Hier empfahl der Vorsitzende als Ergänzung den Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen mit dem Sitz in Berlin, Vorsitzender Herr Seminardirektor Dr. Holzman, ferner die Unterstützungskasse des Vereins jüdischer Lehrer in Schlefien und Posen. Für den ersteren Verein erfolgen zahlreiche Beitrittserklärungen und Beitragszahlungen. Zu Punkt 2 empfahl der Delegirte, in Rücksicht auf die Mißverständnisse, welche das Eintreten des Verbandstages für die jüdischen Volksschule in den gegnerischen Zeitungen erfahren hatte, folgende Resolution, welche nach längerer Debatte mit großer Majorität angenommen wurde: „Die am 2. Januar 1899 in Posen tagende zehnte Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen erklärt: Wir treten für die Aufrechterhaltung und Neubegründung der jüdischen Volksschulen so lange ein, als an Simultanschulen bezw. paritätischen Schulen jüdische Lehrkräfte gar nicht oder nur in äußerst geringer Anzahl Anstellung finden. Im Prinzip stehen wir auf dem Boden der Simultanschule,

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