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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-24 · Heft 8 (24.2.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Versammlung, den Gegenstand von der Tagesordnung abzufetzen. In der nächsten Sitzung wird die Versammlung sich darüber schlüssig zu machen haben, ob eine weitere Vertagung bis zu dem Augenblick sich empfiehlt, wo der noch ausstehende Bescheid des Ministers auf den in dieser Angelegenheit vom Magistrat erstatteten Bericht eingegangen ist. 8. Berlin, 19. Februar. Die heutige Generalversammlung des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" nahm einen regen und interessanten Verlauf. Der Vorfitzende des Vereins, Rechtsanwalt Breslauer, gab einen Rückblick auf den letzten Wahlerfolg und die Agitation vor demselben, dankte allen Denen, die in so thätiger Weise den Erfolg hatten herbeiführen helfen, gedachte auch dabei der wesentlichen Unterstützung durch die Levinstein'sche Agitation, die noch immer von gegnerischer Seite den Liberalen trotz der zur Zeit geführten lebhaften Bekämpfung als beabfichtigte Trennung unterschoben wird. Es werde die Aufgabe sein, weiter zu arbeiten und danach zu streben, beim nächsten Mal die Majorität zu erreichen. Dazu werde es nothwendig sein, die Organisation des Vereins zu vervollkommnen. In jedem Bezirk müsse ein Lokalkomitee bestehen, das mit den dort wohnenden Mitgliedern des Vereins häufiger Fühlung nehmen und neue Freunde dem Verein zu gewinnen suchen müsse. Der liberale Gedanke sei nicht nur in Berlin aufgewacht, auch an einigen anderen Orten beständen schon ähnliche Vereinigungen, mit denen zum Theil bereits freundschaftliche Beziehungen angeknüpft seien. Durch das Zusammengehen der einzelnen, in sich gekräftigten Vereine werde das angestrebte Ziel zu erreichen sein. Die vom Verein bereits in sechs Nummern herausgegebenen Mittheilungen gingen an sämmtliche Mitglieder der hiesigen Gemeinde. Von verschiedenen Rednern wurde der zielbewußten Leitung des Vereins lebhafte Anerkennung ausgesprochen, mit besonderen Worten des Dankes wurde auch der. außerordentlich rührigen Thätigkeit des Westkomitees und dessen Leiter, der Herren Sanitätsrath Dr. Wiesenthal und Oberlehrer Dr. Schäfer, gedacht, denen es gelungen sei, in so energischer und erfolgreicher Weise den sonst etwas indifferentenWesten aufzurütteln. Syndikus Dr. Minden, der das Ausbleiben der übrigen dem Vereine angehörenden Repräsentanten wegen der Theilnahme an einer wichtigen Berathung entschuldigte, hielt die Zeit noch nicht für gekommen, einen Rechenschaftsbericht zu erstatten. Die Verhältnisse seien vorläufig noch so verworren, Ziele und Zwecke gingen noch so durcheinander, daß es unmöglich sei, ein klares Bild zu geben. Die Thatsache sei erfreulich, daß von liberaler Seite Männer in die Repräsentanten-Versammlung entsandt worden wären, die mit warmem Herzen und kühlem Verstand die liberalen Interessen wahrnehmen werden, welche das ausüben werden, was im Staate auch erstrebt werde, daß in der Gemeinde Jever nach feiner Fa^on selig werden könne. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe sei nicht zu verkennen, da die Fa^ons, zumal bei den Juden, leider äußerst verschiedene seien. Die Ergänzungswahl des Ausschusses, eigentlich der einzige Punkt der Tagesordnung, ergab keine wesentliche Veränderung in der Zusammensetzung. Von 13 ausgeloosten Mitgliedern wurden 12 miedergewählt; an Stelle von Rechtsanwalt Stillschweig wurde Herr Albert Beer in den Ausschuß deputirt. Aus dem von Herrn B enas Le vy erstatteten Kassenbericht war zu ersehen, daß der Verein jetzt ca. 500 Mitglieder zählt, von denen an Beitragszahlungen ungefähr 3000 Mark eingehen. Es wurde noch beschlossen, die Rekonstituirung des Lokalkomitees für den Südosten schleunigst in die Wege zu leiten. Der Vorsitzende konnte zum Schluß mit Recht darauf Hinweisen, daß die Debatte in einer so harmonischen Weise verlaufen sei, wie es selten in einer Generalversammlung der Fall zu sein pflege, und daraus den Schluß ziehen, daß die Mitglieder im Wesentlichen übereinstimmen. 8. Berlin, 20. Februar. In der heutigen dritten Montagsvorlesung zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums hielt Herr Justizrath Dr. Friedemann vor sehr zahlreicher Zuhörerschaft einen beifällig aufgenommenen Vortrag über „Börne und Heine". Wohl kann, so führte der Redner aus, die deutsche Litteratur noch zwei Gestalten aufweisen, die nicht nur im äußeren Kampfe gegen die Hindernisse stehen, die sich ihnen in der Umgebung entgegenstellen, sondern vor allen Dingen, in deren Innern selbst die Widersprüche sich so lebhaft bekämpfen, wie bei Börne und Heine. Die Lösung des Räthsels liege wesentlich in der geschichtlichen Stellung, welche die beiden Männer in der Entwickelung des deutschen und auch des jüdisch-deutschen Geistes eingenommen hätten. Beide stehen in einer Uebergangsepoche und müssen alles das, rvas^ letztere an Unbequemlichkeiten und Mißlichkeiten mit sich bringe, auskosten. Große Männer dürfen aber nur nach der Zeitströmung, deren Führer sie seien, beurtheilt werden. Aus diesem Grunde träfen mannigfache Vorwürfe, die man gegen Börne und Heine, die Hauptsührer des jungen Deutschlands, erhoben, wie der der Vaterlandslosigkeit und der Irreligiosität, nicht zu. Börne und Heine hätten niemals vergessen, daß sie Juden gewesen, und daß sie den Kampf, der gegen das Judenthum geführt wurde, mit zu kämpfen hätten. Mit Männern, die eine solche psychologisch und historisch interessante Uebergangsepoche durchgemacht hätten, müsse man großes Mitgefühl haben, weil sie, indem sie den schweren Kampf mit sich selbst durchringen müssen, niemals zum Vollgenuß des Lebens gelangen können. So müsse man auch mit den Konflikten in Börne und Heine empfinden, und dürfe nicht in das gegen sie erhobene harte Urtheil einstimmen. Mit zahlreichen, sorgsam ausgewählten Citaten belegte der Redner seine interessanten Ausführungen. £2 Berlin, 15. Februar. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt gestern Abend ihre Monatsversammlung ab. Nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes erstattete Herr Kollege Hanff Bericht über den Delegirtentag des „Verbandes jüdischer Lehrervereiue im Deutschen Reiche". Da die Anwesenden in ihrer großen Mehrzahl den Verhandlungen beigewohnt hatten, beschränkte sich der Referent darauf, in wenigen Worten darzuthun, wie er selbst sein Mandat als Delegirter ausgeübt habe. Die Vereinigung sprach ihm für seine Thätigkeit ihren Dank aus. Darauf hielt der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, ein Referat über Professor Tachaus „Biblisches Lesebuch für die jüdische Jugend in Schule und Haus". In der an das Referat sich anreihenden Diskussion wurden mannigfache Bedenken gegen die Auswahl der hebräischen Texte sowie gegen einzelne Ausdrücke, stilistische Unebenheiten und die Häufung von Namen an einzelnen Stellen laut. Das als erster Gegenstand auf die Tagesordnung gesetzte Referat über Lazarus' „Ethik des Judenthums" mußte infolge Verhinderung des Referenten abgesetzt werden und wird nunmehr in der März-Sitzung gehalten werden. Kp. Ostrowo, 15. Februar. Unsere Gemeinde hat leider einen schweren Verlust erlitten. Herr Rentier Sina Holzmann, der Vater des Herrn Seminardirektors Dr. Holzmann in Berlin, ist heute plötzlich am Herzschlag im Alter von 82 Jahren verschieden. In dem Verstorbenen verband sich ein reiches Wissen auf dem Gebiete des Talmuds und der hebräischen Litteratur mit einer umfassenden Kenntniß der profanen Wissenschaften und den bemerkenswerthesten litterarischen Erzeugnissen der alten und neuen Zeit. So mit geistigen Gaben ausgerüstet, hat er dieselben stets in den Dienst der Menschheit gestellt und sie bei allen Interessen des hiesigen Gemeindelebens nutzbar zu machen sich bestrebt. Seit mehr als 40 Jahren gehörte der Verblichene bis zu seinem Lebensende der diesseitigen Gemeinde- und Schulverwaltung an, und als Synagogenvorsteher hat er eine noch längere Zeit hier segensreich gewirkt. Den israelitischen Vereinen und gemeinnützigen Bestrebungen brachte er stets ein freudig und warmes Herz entgegen, und seine Ernennung zum Ehrenmitglied mancher Vereine brachte nur in geringem Maße den Dank zum Ausdruck, den er wirklich verdient hat. Unter überaus reger Betheiligung von Bewohnern Ostrowos und Umgegend fand am 16. v. M. die Beerdigung des Verblichenen, der eine Zierde unserer Gemeinde und eine feste Säule des Judenthums gewesen, statt. An der Bahre sprachen in ergreifenden Worten die Herren Rabbiner Dr. Freund-Ostrowo und Seminardirektor Dr. Holzmann-Berlin. Ein zweiter Sohn des Dahingeschiedenen ist Herr Amtsgerichtsrath Holzmann in Jnowrazlaw. Möge dem Verklärten, dessen Heim in unserem Gemeindeleben für immer eine unausfüllbare Lücke zurückläßt, die Erde leicht sein! W. Breslau, 16. Februar. Im großen Saal der Lessing-Loge fand heute eine Versammlung statt, die vom Central-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufen war. Nachdem schon im vergangenen Jahre zwei Mitglieder des Berliner Vorstandes (die Herren Dr. Horwitz und Dr. Pariser) mit großem Erfolge gesprochen hatten, hatte diesmal wieder der Berliner Vorstand zwei seiner Mitglieder, die Herren Rechtsanwalt Dr. jur. M. Loevinson und Dr. med. Jos. Lewy entsandt. Bor überfülltem Saale eröffnete Herr Dr. Reich

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