Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1899)
- Date
- 1899-02-24
- Page
- Seite 96 (sequence 12)
- Language
- German
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MWMMWM WWPW^^ 96 Dann, König Israels, tritt hin vor die versammelten Stämme, in Deinen Händen Edoms Krone und des Pharao Ttreitkraft, und so werden wir siegen." Der Hebräer schlug an sein Schwert, doch war seit einigen Sekunden ein düsterer Ausdruck in seinem Auge. „Heiliger Mann," sagte er rasch, „Reson hat sich befreit, und wahrscheinlich sammelt er bereits seine Kämpfer." „Wie? Der Abenteurer könnte es wagen, unsere Pläne zu kreuzen? Er hätte die Kühnheit, inmitten Israels mit einer Handvoll Räuber einen bewaffneten Angriff auf Zion zu thun?" „Es geht ein Gerücht," versetzte Jerobeam, welchen dieser Gedanke eifrig beschäftigte, „die Königin der Sabäer habe ihre Unterstützung ihm zugesagt; steift schön, und ihr Land bringt unermeßliche Schätze hervor." „Ich erinnere niich," sagte der Prophet sinnend und mit einem düsteren Lächeln, „daß Reson einst unter den Zelten Sabas von diesem sonderbaren Weibe geliebt wurde, doch sei es, wie Du sagtest, was hätten wir zu fürchten? Sabas Fürstin ist durch unermeßliche Wüsten von ihrem Land und Volk getrennt, und die Macht, welche sie mitführte, ist so gering, daß sie von Israels König die Gnade freien Rückzuges durch sein Gebiet erflehen muß. Ehe aber Sabas eilende Reiter und rauhe Hirten Israels Boden betreten, ist Jerobeam König von Dan bis Bersaba und bis Ezjon-Geber. Dann dränge immerhin die Macht der Sabäer und Resons zerschellte Kraft, es sind Mückenstiche für Israels gewaltige Macht." „Der Morgen leuchtet über Jericho herauf," sagte Jerobeam. „Laß uns in Dathans Hütte eilen, wo die Führer sich versammeln." Während der Prophet von Silo und sein Schützling die Straßen der Stadt durchzogen, floß in dem lieblichen Garten der Fürstin eine Thräne dem Abschiede, dem letzten, traurigsten Abschiede. Die' Welt lag still in den Armen des Schlafes, nur in dem geschilderten Garten schied mit den erbleichenden Gestirnen Reson von der Königin der Sabäer. Sie standen einander gegenüber, ergriffen von der Einsamkeit, von der Erhabenheit und von dem Schmerze des Augenblickes. „Morgenluft schauert hernieder," sagte Edoms verrathener Kämpfer, „die Welt wird erwachen, und Schmerz und Glück wird von Neuem über das Geschlecht der Menschen rauschen. Uns ward die Entscheidung unter dem Schleier dieser feierlichen Nacht. Und Reson scheidet für immer, edle, großmüthige Iva." „Die Sonne wird kommen," versetzte Iva mit weicher, fast gebrochener Stimme, „und wird meinen Pfad durch die Wüste bestrahlen. Iva hätte nie verlassen sollen die heiteren Zelte Sabas. Ich will zurückkehren, die Fürstin der Wüste ist unglücklich geworden, da sie sich entfernte aus dem Gebiete ihrrr Götter." „Iva," sagte Edoms Sohn, von tiefem Schmerze ergriffen, „Deine milden, segnenden Götter strahlen nicht blos auf die Wüste nieder. Siehe, dort ziehen sie der scheidenden Nacht nach, lieblich, freundlich wie inimer, und sie haben Deine Worte gehört. Ihr Reich ist die stille, einsame Nacht — Dein Reich ist die stille, einsame Wüste. Sie scheiden, um bald wieder zu kommen — scheide auch Du, und leuchte danir glücklicher wieder empor über SabaS stillen Gefilden!" Die Königin sank auf die Kniee neben dem Spiegel des Springquells und hob die gefalteten Hände empor. Ihre edlen, jetzt so sanften Züge waren zugleich traurig und schwärmerisch zum Hinimel gerichtet. „Ihr lieblichen Beschützer meiner Heimath!" rief sie mit melodischer, zitternder Stimme den verblassenden Gestirnen nach. „Nehmt mich mit, nehmt das Kind des fernen Landes init, laßt mich mit euch herabsinken, so still, so lieblich, so schmerzlos! Ihr Holden, die ihr auf das Dach meiner fernen Hütte »iederleuchtet, ihr seid ja Sabas Kindern günstig! Laßt Sabas unglücklichstes Kind verlöschen gleich dem Glanz eurer Strahlen!" Und lange noch kniete die Fürstin, während ein Gestirn nach dem anderen erlosch, und im Osten die gelben Lichter des nahen Aufganges emporschoffen. Und das war auch Jvas Geschick, sie hatte wie Reson geopfert und entsagt, aber der Schmerz der Trennung, welcher diese edelen Wesen jetzt beugte, ließ sie das Verwandte in ihrem Geschicke nicht erkennen. Jvas Opfer war zu Ende, noch die Thränen dieses Abschiedes, und die Königin der Wüste hatte sich abgefunden mit den Täuschungen ihres Schicksals. Vor Reson aber lagen noch Stunden schwerer Entsagung und kläglichen Geschickes. Und diesen Stunden sparte der Edomiter seine letzte Kraft. Endlich erhob sich die Königin der Wüste. Sie hatte die Kraft, zu entsagen, errungen. Sie wollte den schweren Abschied enden. „Ziehe hin, Sohn Edoms," sagte sie mit sanfter, trauriger Stimme, „Du ziehst einen gefahrvollen Pfad, und Dein Beginnen ist hoffnungslos. Du wirst Edoms Rettung, Du wirst Naömis Besitz nie erreichen. Dies ist Jvas letztes Wort. Ziehe hin, und mich laß nach der Wüste eilen." Der Edomiter sprach nicht. Er hielt die Augen zur Erde gesenkt. Eine brennende Thräne fiel auf Resons Wange, und ein Kuß ward auf seine Stirn gehaucht. Das war der Abschied Jvas. (Forts, folgt.) Den Glterrrr zrrrn Vnrirnfeste. Port Gustav Iacobsohn. £X\uxd) die Jahrhunderte geschritten. Von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, Ist Israel und hat erlitten. Was noch kein Volk erlitten hat. Dem einen Haman folgten viele. Die alle bis zu dieser Zeit Sich nahmen Israel zum Ziele Für ihre Rachsucht, ihren Neid. Sie sind vergessen, werden modern Schon lang' im Staube, wenn noch hell Und rein der Liebe Flammen lodern Zu seinem Gott in Israel. Sorgt drum, im Herzen unsrer Jugend, Auf diesem heiligen Altar, Das Feu'r der Gottesfurcht und Tugend Zu pflegen, treu, unwandelbar. Und wie der Priester frommes Walten Einst zu des Ew'gen Ehr' und Ruhm Beständig hat die Gluth erhalten Auf dem Altar im Heiligthum, Wacht, daß dies Feu'r in sich zusammen Nicht sinke, nehmt's in stch're Hut, Daß nicht verlöschen seine Flammen, Und nicht ersterbe seine Gluth. Dann mögen immer neu erstehen i Sie werden schwinden und vergehen. Die Haman, haß- und neiddurchglüht,! Wenn Juda herrlich noch erblüht. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion; Max Bauchwitz in Berlin.