Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-24 · Heft 8 (24.2.1899) · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
Seite 95 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228320--55292-3291484
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

MWWWWWWNWWWWWWWNWWWWWWWW^WWMMMWWWWWWMMMWMMWWM? - 95 - 5. B. M. 28, 10: „Es werden sehen alle Völker der Erde, daß der Name des Ewigen über dir genannt ist". Der Satz kehrt, weil er ihn eben so nachdrücklich betont, bei dem zweiten Jesajas öfter mit geringeren oder größeren Variationen wieder, so 40, 5; 52, 10; 62, 2. 66, 18. Ich will versuchen, meine Meinung durch ein einem anderen Sprach- und Gedankenbereich entlehntes Beispiel zu erläutern. Es giebt ein Sinngedicht von Loga» auf den Mai, welches Lessing als das schönste deutsche Sinngedicht bezeichnet haben soll — ich erinnere mich der Stelle nicht —, und welches so lautet: „Dieser Monat ist ein Kuß, — Den der Himmel giebt der Erde, — Daß sie jetzo seine Braut — Künftig eine Mutter werde". Ein Gedicht desselben Inhalts, „Danas" betitelt, das sich meines Erachtens mit dem Logau'schen an Schönheit messen kau», findet sich im „Helden- und Liederbuch" von L. A. Frankl. (Frankl sagte mir einmal, Anastasius Grün habe ihm bemerkt, er pardonnire wegen dieses Gedichts die anderen der genannten Sammlung.) Nun, der in diesen Gedichten ausgedrückte Gedanke ist gewiß nicht neu. Jeder weiß, daß der Frühling durch Sonnenschein und Regen Blüthen und der Herbst Früchte hervorbringt. Aber die metaphorische Einkleidung dieser Erscheinung in die Freude des Brautstandes und des Kindersegens ist das Neue und Reizvolle. Hat man diese Metapher einmal gefunden, dann wird sie vielseitig ausgestaltet und in immer neuen Wendungen variirt werden. Es vollzieht sich jedoch hierin nicht blos ein poetischer oder rhetorischer Fortschritt, denn wie neue Gedanken zu neuen Worten anregen, so neue Worte zu neuen Gedanken. So ist denn allerdings der jesajanische Gedanke Israel sei das Licht der Völker, schon in dem angeführten Satz aus dem 5. B. M. sachlich, ohne Metapher, deutlich ausgesprochen. Aber der Prophet sah sich durch die Verhältnisse seiner Zeit gedrängt, sich, wie man sagt, auf diesen Gedanken zu werfen, ihn zu betonen und in den Vordergrund zu rücken, und indem er sich dafür der Metapher des Lichtes bediente, so erhielt der zwar vorhandene, aber früher weniger beachtete Gedanke nunmehr neue Beleuchtung und zog die Aufmerksamkeit auf sich. Deshalb ist es nur natürlich, daß die Christologie der durch den zweiten Jesajas in Schwung gebrachten Metapher des Lichtes sich bemächtigte. Der zweite Jesajas, oder vielmehr seine Prophetie, liefert die Phraseologie für das Neue Testament. Zunächst für die Polemik. Röm. 2, 17 s.: „Du heißest ein Jude . . und vermisiest dich zu sein ein Leiter der Blinden, ein Licht Derer, die in der Finsterniß sind". Eph. 5, 8: „Ihr wäret Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn" u. s. w. Verschwenderisch wird das Licht in apologetischer und paränetischer Hinsicht angewendet. Johannes 1,7 sagt von dem Läufer: „Derselbige kam zum Zeugniß, daß er von dem Lichte zeugte. ... Er war nicht das Licht, sondern nur bestimmt, zu zeugen von dem Lichte. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in die Welt kommen". Das. 12, 35 sagt Jesus von sich: „Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, dieweil ihr das Licht habt . . . Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid" u. s. w. Hier gilt auch, was man von Nikolaus von Lyra und Luther sagte: Si Lyra non lyrasset, Lutherus non saltasset; der zweite Jesajas hat den Autoren des Neuen Testaments erst das Licht angezündet. Doch genug hiervon. Hier sollte nur gezeigt werden, daß die Metapher des Lichtes innerhalb der Grenzen unserer Heiligen Schrift ihre Geschichte, daß sie, von einem noch fast stnnenfälligen Protoplasma ausgehend, sich immer mehr sublimirt, verfeinert und vielseitig ausgebildet habe. Es sind in dieser Absicht alle in der Bibel befindlichen Stellen, an welchen das Wort Licht in metaphorischem Sinn vorkommt, untersucht worden, so daß der Leser sich selbst überzeugen kann. Es würde sich verlohnen, diese Metapher auch durch das rabbinische Schriftthum zu verfolgen, wo sie in der Auslegung und Sage (vgl. meine Religionsgeschichtlichen Studien, Seite 8) lebt und webt, so daß sie i» eigenthümlicher Rückbildung vom Bildlichen ins Wirkliche zahlreiche sinnige Verwendungen des Lichts in unserem synagogalen und häuslichen Kultus, aber auch unklare Gebräuche, wie das Jahrzeitlicht (vgl. meine Gesch. I, 128) veranlaßt hat, — jedoch ist es nicht dieses Orts, hierauf einzugehen. (Schluß folgt.) EUILLETON Nie Nose von Saron. Line Erzählung. XXXIV. c^^erobeam wurde gewaltsam fortgerissen durch den Propheten. M Er fühlte, welche mächtige, ausdauernde Stütze er an Ahija gewonnen, und dies Gefühl vereinte sich mit einer gewissen dankbar-zärtlichen Regung. Er vermochte dem Einflüsse des Augenblickes nicht zu widerstehen und warf sich in des Propheten Arme. Ahijas Züge rangen nach gewohnter Ruhe und erreichten sie bald wieder. Nur seine Augen hafteten auf der Heldengestalt des Jünglings mit einem frohlockenden, zärtlichen und fast feuchten Ausdruck. Dann drängte er ihn sanft aus seinen Armen, und seine Stimme hatte die gewohnte düstere Ruhe gewonnen, als er sprach: „Und nun laß uns des bevorstehenden Kampfes Gelingen erwägen, König Israels, denn wenig Stunden werden vergehe», und Israels begeisterte Kraft wird gegen Davids Haus losbrechen und Zions ewigen Felsen den Namen des neuen Königs zudonnern. Aus allen Gegenden ist des Volkes Menge herzugeströmt, und unserer Sache sind alle Stämme beigetreten, bis auf Juda und Benjamin. Denn Benjamin ist stolz, daß Zion in seinem Gebiet liegt, und fürchtet, der neue König werde eine andere Stadt zu seinem Sitze erwählen. Und dann ist Davids Haus aus dem Samen Juda entsprossen, und deß rühmen sich die Männer des Stamnies. Benjamin ist klein und schwach, aber es gehorcht dem mächtigen Juda." Jerobeam erwiederte mit finsteren Zügen: „Und deshalb wollen sie bei Davids Haus bleiben und diesen Rehabeam zum König haben, diesen hochmüthigen, grausamen Knaben, welcher ungeduldig ist. daß sein weiserer Vater sterbe!" Der Prophet sprach tiefsinnig weiter: „Es wird kein Heil über der Herrschaft dieses Knaben sein. Er verachtet die alten Diener des Königs und hört die Worte thörichter Jünglinge. Juda wird ihu vertheidigen, aber es wird der stolzen Zio» Untergang sein." „Die anderen Stämme aber, weiser Mann, sind des Joches überdrüssig und uns zugefallen. Mit denen wollen wir Israel abreißen von dem stolzen Stamm Juda." „Die Männer sind übereingekommen, es solle jeder Stamm Abgeordnete gen Sichem senden, damit Jeder in offener Volksversammlung erkläre, unter wessen Herrschaft er stehen wolle. Zuerst wollen wir das Panier des Aufstandes zu Jerusalem heben, damit die Männer ihre Führer kennen lernen, und die Treuen des neuen Königs sich sammeln. Zwar, Sethron ist todt und kein Anführer seiner Söldner da. Aber ich will selbst an die Spitze der auserlesensten Krieger in die königliche Burg dringen und die Erbin Edoms rauben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.