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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-24 · Heft 8 (24.2.1899) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
Seite 94 (sequence 10)
Language
German
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94 in der er vorkommt, nichts beweist. Aber die Formel zeugt du sich selbst für ihr Alter, sie ist sozusagen das Protoplasma, woraus die eigentlichen Metaphern sich entwickelten. Eine weitere Stufe der Entwickelung und eine freiere Behandlung tritt hervor in dem substantivischen Gebrauch, wie Ps. 4, 7, „Erhebe über uns das Licht Deines Antlitzes, Ewiger!" wo augenscheinlich der zweite und dritte Theil des Priestersegens verschmolzen sind. Hierher gehört auch Ps. 44, 4; 89, 16. Ist in den bisher angeführten Stellen das „Licht des Antlitzes" ans Gott bezogen, so wird es Spr.'16, 15 auch auf den irdischen König übertragen und bedeutet wie dort die göttliche, so hier die königliche Gnade. Ein weiteres Stadium in dem metaphorischen Gebrauch des Lichtes, oder vielmehr erst die eigentliche Matapher, ist seine Loslösung vom Antlitz. Es ist das Licht überhaupt sowie der das (künstliche) Licht verbreitende Gegenstand, die Leuchte, welche im übertragenen Sinn, dazu in einer immer größeren Vielseitigkeit angewendet werden. Statt daß das Licht bisher ausschließlich, vom Priestersegen her, als Licht des Antlitzes, Gnade, Huld bezeichnet, wird es jetzt zur Metapher für Gotteserkenntniß, Gottvertrauen, Seligkeit. So Micha 7, 8. „Wenn ich in Finsterniß weile, ist Gott mein Licht", Ps. 27, 1 „Gott ist mein Licht und meine Hilfe", Ps. 43, 3 „Sende Dein Licht und Deine Treue, daß sie mich geleiten", Ps. 36, 10 „Denn bei Dir ist der Quell des Lebens, in Deinem Licht schauen wir Licht". Ps. 56, 14 wünscht der Dichter „im Lichte des Lebens vor Gott zu wandeln". In gleichem Sinn heißt es unter Anwendung des das Licht verbreitenden Gegenstandes II. Sam. 22, 29 „Denn Du bist meine Leuchte, Ewiger, und der Ewige erleuchtet meine Finsterniß", oder, wie der Satz Ps. 18, 29 lautet: „Denn Du zündest mein Licht an u. s. w.", welche Wendung wiederkehrt in Ps. 118, 27: „Ein Gott ist der Ewige und leuchtet uns". Alle diese Stellen beschränken das Licht auf Gott und die von ihm ausgehende Erleuchtung. Der Gebrauch dieser Metapher wird aber immer häufiger und findet die verschiedenartigste Anwendung. So heißt II. Sam. 31, 17 David die „Leuchte Israels", Ps. 132, 17 sagt Gott: „Ich bereite eine Leuchte meinem Gesalbten", d. h. ich erhöhe seinen Glanz, nach Spr. 20, 27 ist „die Seele des Menschen eine Leuchte Gottes". Vielfach wird die göttliche Lehre mit dieser Metapher bezeichnet, vgl. Spr. 6, 23 mit Ps. 119, 105, ferner Ps. 19, 9. In einem anderen Sinne heißt es Spr. 13, 9 „Das Licht der Gerechten freut sich (brennt heiter), aber die Leuchte der Frevler verlöscht", und ähnlich so Ps. 97, 11, „Licht ist ausgestreut den Gerechten und Freude Denen, die reinen Herzens sind" (vgl. Ps. 112, 4; Richter 5. 31; Mal. 3, 20; Dan. 12, 3). Von Dem, der Vater und Mutter verflucht, wird Spr. 20, 20 gesagt, daß „seine Leuchte in dichtester Finsterniß verlösche", dieselbe Metapher wird auf das Schicksal des Frevlers durch das. 24, 20 und Hiob 18, 5, 6. 21, 17 angewendet. Was das Buch Hiob betrifft, so ist es bei dem Umstand, daß hier das Wort Licht (“iik) sehr häufig (31 mal) und unter allen biblischen Büchern am häufigsten vorkommt, so daß das Buch trotz seiner Dunkelheit in Licht getaucht ist, gewiß bemerkenswerth, daß dabei fast immer nur an das wirkliche Licht im Gegensatz zur Finsterniß, sei es der Nacht oder der Gruft, gedacht wird, die metaphorische Verwendung des Lichtes aber sich nur an den wenigen angeführten Stellen — wo aber zweimal die „Leuchte" gebraucht ist — und etwa noch 22, 28 findet: „Und auf Deinen Wegen strahlt Licht", indem hier das Wort zur Bezeichnung des Wohlergehens dient. Wie es sich mit dem Alter dieses biblischen Buches und der Zeitfolge der anderen angeführten nun auch verhalten möge, so läßt sich doch eine stufenmäßige Entwickelung unserer Metapher nicht verkennen. Es muß doch auffallen, daß 5. Buch Moses 4, 24 auf Gott die Metapher angewendet wird, er sei „ein verzehrendes Feuer", oder daß das. 33, 2 von dem „Feuer des Gesetzes" die Rede ist, unter welcher Metapher doch auch eine Lichterscheinung vorgestellt wird, dagegen eine ausdrückliche metaphorische Beziehung des Lichtes auf Gott oder seine Lehre, also ein den oben aus den Psalmen und den Sprüchen angeführten ähnlicher Ausspruch, etwa dahin lautend: „Gott oder sein Wort ist euer Licht u. s. w.", im ganzen Pentateuch nicht vorkommt, obwohl, was mit dieser Metapher gesagt sein soll, im Pentateuch ohne Metapher hundertmal deutlich und unzweideutig gesagt ist, und es an anderen Metaphern nicht fehlt. Nun denke man sich den Ausdruck im Priestersegen: „Gott lasse dir sein Antlitz leuchten", welchem noch nicht der Charakter einer eigentlichen Metapher beizumeffen ist, als Ausgangspunkt, als terminus a quo, so bezeichnen die Uebertraguugen des Lichtes auf Gott, auf die göttliche Lehre, auf die menschliche Seele, auf die menschliche» Schicksale u. s. w. unstreitig die Stadien einer fortschreitenden Ausbildung dieser Metapher. Diese Behauptung läßt sich aber auch dadurch erhärten, daß wir in der Lage sind, den terminus ad quem, die äußerste Grenze der Entwickelung dieser Metapher, ganz genau zu bestimmen. Dieser Höhepunkt wird durch den zweiten Jesajas bezeichnet, welcher sich der Metapher des Lichtes in einer ganz eigenartigen, neuen und selbständigen Weise bedient. Zwar findet sich diese Metapher bereits bei den älteren Propheten, wenngleich davon im Ganzen nur wenig Gebrauch gemacht wird. Die Bedeutung der Stellen entspricht derjenigen, welcher wir in manchen der angeführten Stellen aus den Psalmen, Hiob u. s. w. begegnen. So Jes. 2, 5: „Haus Jakob, wohlan, lastet uns wandeln im Lichte des Ewigen", das. 9, 1: „Das Volk, das im . Finstern wandelt, schaut großes Licht, die im Lande des Todesschatten wohnen, Licht glänzt über ihnen" (wozu Micha 7, 8. 9, Hiob 22, 28 z. vgl.) — andere prophetische Stellen, an welchen das Wort Licht gebraucht wird, kommen bei genauer Erwägung hier nicht in Betracht —, aber der zweite Jesajas ragt dadurch hervor, daß er, und zwar nur er allein, das Volk Israel als Licht, als Licht der Völker darstellt oder, was daffelbe ist, Gott in ihm als das ewige Licht zur Erscheinung kommen läßt. Er thut dies mit solcher Vorliebe, daß in seinen 26 Kapiteln die charakterisirte metaphorische Anwendung des Wortes "TIK nahezu so oft vorkommt wie, um anderer biblischer Bücher zu geschweigen, in den 150 Kapiteln der Psalmen zusanrmen. Es verlohnt sich, die Stellen übersichtlich zusammenzufassen. Jes. 42, 6: „Ich, der Ewige, habe . . . dich eingesetzt zum Bunde für oas Volk, zum Lichte von Nationen". Das. 49,6: „So stell'ich dich hin zum Lichte der Völker". Das. 51,4: „Denn Lehre geht von mir aus, und mein Recht erwecke ich zum Lichte der Völker." Das. 60,19: „Nicht wird ferner die Sonne sein zum Lichte bei Tage..... sondern es wird dir der Ewige sein zum ewigen Lichte." Das. das. 20: „Denn der Ewige wird dir sein zum ewigen Lichte." Das. 42, 16: „Wandle Finsterniß vor ihnen in Licht." Das. 60, 1: „Steh' auf, leuchte, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Ewigen bestrahlt dich". Das. das. 2: „Doch dich wird bestrahlen der Etvige, und seine Herrlichkeit wird über dir erscheinen". Das. das. 3: „Und es wandeln Nationen bei deinem Lichte und Könige bei deinem Strahlenglanz". Das. 58, 8: „Dann wird anbrechen gleich dem Morgenroth dein Licht". Das. das. 10: „So wird im Finstern scheinen dein Licht, und dein Dunkel wird wie Mittagshelle" (vgl. Sach. 9, 14). Wenn ich mit Rücksicht auf den vielfachen und neuartigen Gebrauch der Metapher des Lichtes den zweiten Jesajas als einen Höhepunkt bezeichnet habe, so meine ich nicht den Höhepunkt des Gedankens, sondern den der Ausbildung dieser Metapher. Denn der Gedanke findet sich schon

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