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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-24 · Heft 8 (24.2.1899) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
Seite 92 (sequence 8)
Language
German
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y-wr«» v v«T^-^^y'sw^,’^yo«*,0'^^,®5s^^ 92 Ich ging dies ein. Aber nach meiner Rückkehr verweigerte er mir die Zahlung unter dem Vorwand, daß mein Vieh mit der Seuche behaftet gewesen wäre, daher noch seine eigene Heerde verpestet hätte und zugleich mit dieser umgekommen sei. Zufällig gerieth ich an einen Advokaten. Dieser zog Nachrichten über die Richtigkeit meiner Angaben ein und gab mir den Rath, nach Potsdam zu reisen, um dem König ein Memorial, welches er mir aufsetzte, zu überreichen. Ich that dies auf der Parade zu Potsdam. Schon am folgenden Tage erhielt ich vom König ein Schreiben an den Minister von Münchow nach Breslau. Dieser ließ meine Sache schleunig untersuchen; ich mußte selbst die Kosten meiner Reise und der Versäumniß angeben und erhielt alles in Dukaten bezahlt. Ich erfuhr: Der König habe dem Minister befohlen, mir, wenn die Angaben meines Gegners als falsch erwiesen wäre», meine Forderung von diesem einzuziehcn, damit ich aber, wenn solches nicht augenblicklich geschehen könne, nicht aufgehalten würde, mir das Geld aus der königlichen Kasse vorzuschießen. Da nun mir, einem fremden Juden, von Ihrem gerechten König eine solche Hilfe geleistet wurde, so freue ich mich, gegen einen seiner Unterthaneu, dem man Unrecht thun wollte, meine Dankbarkeit beweisen zu können!" So wurde diese edle Handlung Friedrichs des Großen seinen Unterthanen vergolten, und so lange die preußischen Offiziere ihre Remonte aus der Moldau holten, war ihnen die durch den redlichen Märkel bewirkte Befreiung von der Abgabe des Sakarit von nicht geringem Vortheil. Mit dem Verfasser sind wir der Meinung, daß, obgleich Friedrich der Große keines neuen Ruhmes bedarf, diese kleine Erzählung der Aufbewahrung nicht unwürdig zu sein scheint. Und zwar erscheint sie für uns der Aufbewahrung Werth in mehr als einer Hinsicht. Auch in kulturgeschichtlicher Beziehung sehr lesenswerth, offenbart sie uns einen Zug hoher Gerechtigkeitsliebe des großen Preußenkönigs, der nicht genug bewundert werden kann. Wenn sich jetzt, hundertundfünfzig Jahre später, bei unserem Nachbarvolk nicht nur die aufregende Dreyfus-Tragödie hat abspielen können, sondern auch bei uns, in gewiffen antisemitischen Kreisen, der unglückliche Held derselben unbedingt als Verbrecher gilt, weil er „ein Jude" ist, wie muß man über den Scharfblick Friedrichs des Großen staunen! Ein Jude aus dem fernen Osten, ein „walachischer" Unterthan, beschwert sich und sucht Recht gegen einen eingeborenen Sohn des Landes, gegen einen wohlhabenden, angesehenen schlesischen Gutsbesitzerl Man weiß, daß Friedrich der Große die so mühsam errungene Provinz Schlesien und seine getreuen Schlesier ganz besonders liebte. Trotzdem täuschen ihn die so ungleichen Verhältnisse der Parteien keinen Augenblick. Er. durchschaut sofort, daß der noble Gutsbesitzer eines planmäßigen Betruges sich schuldig gemacht, und daß der „fremde. Handelsjude" ei» braver Mann ist; sonst würde er diesem nicht die strittige Summe aus seiner eigenen Kaffe auszahlen laffen. Eine besonders hervorzuhebende Rücksicht gegen den unbekannten Ausländer zeigte der große König auch darin, daß er seinen Bescheid schon am folgenden Tage ertheilte, damit dem Fremden keinerlei Zeitversäumniß mehr aus dem Handel erwachse. Wie die Folge. lehrte, hat aber auch „der brave Märkel" sich der Handlungsweise des Königs würdig gezeigt. Baczko selbst ist ebenfalls mit Juden mehrfach in Berührung gekommen. Wie er schreibt, lernte er mit Hilfe des Inspizienten Hoffmann Hebräisch lesen und durchblätterte wenigstens die hebräische Grammatik: „Späterhin erlernte ich von einem Studirenden jüdischer Nation, dem ich dafür Unterricht im Lateinischen gab, das Hebräische." Im Jahre 1783, nachdem Kreuzfeld, Profeffor der Beredsamkeit, gestorben war, bewarb sich der damals 33jährige, aber schon seit 12 Jahren völlig erblindete Baczko um dessen Lehramt an der Universität zu Königsberg. Er begab sich zu Hamann, dem „Magus aus Norden", der sich, wie Baczko angiebt, mit der ihm eigenthümlichen Güte und Herzlichkeit für die Sache erklärte und ihm verschiedene Empfehlungen, darunter auch an Moses Mendelssohn, der einige Zeit vorher in Königsberg gewesen war, zusagte. „Auch von den Gebrüdern Friedländer erhielt ich eine Empfehlung an Mendelssohn, der mir sehr gütig antwortete, daß er sich mit Hilfe seines Freundes Nicolai, aber vergeblich, zu meinem Besten verwandt hätte." Interessant ist auch der Fakultätsbeschluß, der für die Weigerung, Baczko als Profeffor anzustellen, als Grund, wie ausdrücklich hervorgehoben wird, nicht den „Mangel an Gesicht" angiebt, sondern nur. die Fakultätsstatuten: „Diese machen es zur Bedingung, einen Eid zu fordern, den ein Genosse der katholischen Kirche (Baczko war Katholik) nicht leisten könne". Dieser vom 4. November 178ß datirte und vom Dechanten, Senior und den Professoren der philosophischen Fakultät auf der Universität Königsberg unterschriebene Bescheid enthält auch folgenden Passus: „Daß kürzlich dem jüdischen Studiosos Euchel die Erlaubniß zum akademischen Lehrunterricht, die er sogar beim Ober-Kuratorio gesucht hatte, aus eben dem Grunde, die uns jetzt außer Stand setzen, Ew. usw. zu willfahren, nämlich der philosophischen Fakultätsstatuten wegen, abgeschlagen worden ist." Dieser Euchel war kein Anderer als der berühmte Freund Mendelssohns, Jsak Euchel. Zum Schluffe sei hier noch Folgendes erwähnt, was Baczko aus der Zeit seiner Erblindung erzählt: „Vier Gulden preußisch oder ein Thaler acht gute Groschen war, als ich erkrankte, meine ganze Baarschaft. Der Ruf von meinem erlittenen Unfall verbreitete sich bald. Ein ehrlicher >) Jude, den ich nur aus dem Loreck'schen Kaffeehause als einen vernünftigen Mann kannte, und mit dem ich zuweilen einige Stunden verplaudert hatte, besuchte mich. Das Gespräch war meine Krankheit. „Sie kam Ihnen", sagte er, „unerwartet, und Ihre Kasse war vielleicht nicht vorbereitet." Ich gestand ihm, daß er Recht habe. „Nun," sagte er, „ich habe gerade einiges Geld bei mir, wollen Sie nicht bis zu Ihrer Genesung dies Darlehen annehmen?" Er steckte den Beutel unter mein Kopfkissen und half mir hierdurch aus einer drückenden Verlegenheit. Nach einiger Zeit bezahlte ich ihm das Geld wieder. Ich habe ihn nachher verschiedentlich gesprochen, er hat jede Erinnerung sorgfältig vermieden, und ich glaube daher dem Manne, der gerade die gute That ohne jeden Nebenzweck verrichtete, seinen edlen Empfindungen gemäß zu danken, wenn ich seinen Namen nicht nenne." Aas Ficht ats Metapher in -er Sibei. Von Oberrabbiner Dr. M. Güdemann. I. CJfen unserer Zeit, in welcher die Beleuchtung — leider im um- TÄ gekehrten Verhältniß zur Erleuchtung — sich immer mehr Qp vervollkommnet, so daß sie jetzt schon eine Feinheit, Stärke und Verschiedenartigkeit erreicht hat, wovon man noch vor wenigen Jahren keine Ahnung hatte, ist es vielleicht nicht uninteressant, den Weg zu verfolgen, den der metaphorische Gebrauch des Lichtes in >) Der Verfasser, der diese Thatsache aus seiner Jugend (1778) berichtet, benutzt das Wort „ehrlich" hier in dem Sinne, wie wir heutzutage „edelmüthig" sagen.

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