Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 25 (27.2.1838)
- Date
- 1838-02-27
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Namen bedienten, daß sie nicht mehr sammt und sonders Hirsch «nd Schmatz! und Breindrl u. f. w. chnßen n»llt«n. Umsonst hat Aunz «uft tckndizste bewiese«, daß fast die sammtlichen seit vielen Jahrhunderten bei den Juden und Jüdinnen üblichen Namen eben so wenig jüdisch wie ehrwürdig, sondern das mehr oder weniger verzerrte Erzeugniß aller möglichen europäischen Sprachen und Dialekte sind. Die Bosheit hat darauf keine Rücksicht genommen, hat sich, wie immer, in den undurchdringlichen Mantel ihrer Unwissenheit und Unverschämtheit gehüllt, und die Vorwürfe der Abtrünnigkeit, der Verachtung des eignen Alterthums gehen jetzt brüderlich einher neben denen der Hartnäckigkeit, des Haftens am Altcrthum, der asiatischen Sitte u. s. w. Wir wollen uns durch das eine Hirngespinnst des Hasses so wenig irre machen lassen, wie durch das andere. Wir wollen fortfahren, das Ehrwürdige in der Gesinnung und im Charakter, nicht im Namen und iw der Kleidung zu suchen; wir wollen die Liebe zu dem, was wahrhaft innig und fromm und selbstverläugnend war in der Vergangenheit, im tiefsten Gemüthe hegen, ohne uns, wie ohnmächtige Affen der Vorzeit, an ihre geschmacklosen Aeußerlichkeiten zu hangen. Wir wollen treu, und wenn es sein muß, aufopfernd, an dem geistigen Wcrthe unsers Glaubens halten; wir wollen uns aber durch keine hochmüthige Sophistik irre macken lassen in der schlichten Ueberzeugung, daß die Seele Und das Gotteshaus die einzigen würdigen Wohnplatze find für die heiligen Beziehungen zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer, und daß derdie Religion entweiht und befleckt, der sie in den Staub bürgerlicher Interessen und politischer Vortheile, der sie in die Region der Polizeistuben und in das Gebiet lächerlicher Erörterungen herabzieht." — Theologie. Zwei theologische Briefe. I. -. Das Zudenthum wird in der neuesten Seit auf vierfache Weise aufgefaßt, oder mit andern Worten, die Israeliten der jetzigen Zeit, so weit ich deren Gesinnungen in einem großen Theile von Deutschland theils mündlich, theils durch öffentliche Schriften, theils auch durch Correspondenz kennen gelernt habe, lassen sich in vier Haupt-Kathegorieen theiltn, welche allerdings wieder in einzelne Nuancen und Meinungsschattirungen zerfallen. I. Die Orthodoxie der alten Schute, die jede Verbesserung, auch wenn sie nur die 8 ehr weise betrifft, oder irgend eine unbedeutende Formel der Litmgih, als Ealamltat betrachtet. Die neuen, sogenannten studirten Rabbinen, selbst wenn sie äußerlich noch so fromm leben, werden von den Strenggestnnten dieser Parthei immer mit mißtrauischem Auge betrachtet, und gewissermaßen noch mehr verabscheut (?), als die entschiedenen sogenannten DTO2* Zum Theit ist zwar Obscuranz, zumTheil aber auch ein gutmüthiger Hang zum Alten, Hergebrachten das Motiv zur Handlungsweise dieser Parthei; die Intelligenteren derselben sehen wot ein, daß manche Verbesserungen Noth thaten, sie fürchten aber durch den kleinsten Angriff das ganze Gebäude zu erschüttern, und es sodann in die Hände jener — nach ihrer Ansicht unbefugten — Restauratoren zu liefern. — Ich möchte die eben geschilderte Parthei nach der französisch-politischen Sprechweise die rechte Seite nennen, die wot auch in manchen sehr achtbaren Nuancirungen, einen Theil des rechten Centrums einnimmt, wie z. B. die jetzigen Vorstände der israelit. Gemeinde zu Mainz, während einige Ruinen der Vorzeit kaum mehr der Gegenwart beizuzählen sind, z. B. Trier, M. Sofer rc. Die Klagen dieser Männer über den jetzigen Zustand Zsrales gleichen den Jammertönen eines Hoffnungslosen; von Reactionen der Menschen erwarten sie Nichts, „Gott möge sich selbst helfen," Wir 1*7 ym-a ist ihr Wahlspruch: II. Der vorigen entgegengesetzt ist die entschiedene rationale Parthei, oder^ die linke Seite, die, je nach individuellen Modulationen und Verhältnissen, eine mehr oder minder umfassende Reform des Judenthums in Lehre und Leben verlangt. Umbildungen des Gottesdienstes, womit man sich vor 10 — 15 Jahren zu begnügen schien, sind ihr jetzt nicht hinreichend, .um den-Bedürfnissen der fortgeschrittenen Zeit zu entsprechen. Sei es nun Abolition des Talmuds oder veränderte Interpretation der heiligen Schrift mitZugrundelegung der im Talmud aufgestellten Hauptprincipien, kurz das Mittel ist den Meisten am Ende gleich, wenn das Ziel dadurch erreicht wird, nemlich: Abschaffung oder wenigstens bedeutende Modificirung des Ceremonialgesetzes, als Sabbatsfeier, verbotene Speisen rc. — In dieser Parthei ist jedoch wieder die dynastische von der ganz puritanischen oder republikanischen Linken, oder diejenige Nuance, welche — bei allen Reformen — doch innerhalb des Bereichs des Judenthums stehen bleiben will (Geiger), von derjenigen zu unterscheiden, die auch das offenbarte Judenthum nur als zufälligesMoment betrachtet, hingegen im Innern, ohne Rücksicht auf die uns umgebenden Erscheinungen, einen Monotheismus ohne alle Ceremonien sogleich ohne Weiteres