Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 25 (27.2.1838)
- Date
- 1838-02-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ii. z°hrg°,g. Allgemeine N». ss. Zeitung des Zu-enthums. Ein unpartheiischeS Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Colicession.) Leipzig, den 27. Februar 1838. Politische Controle. Namen der Juden. (Schluß.) Wie sonderbar sind die Anforderungen, die in Deutschland an die Juden gestellt werden. Der Eine sagt: der Jude kann nur emaneipirt werden, wenn er alles Nationale von sich streift. Der Andere sagt: der Jude muß sein Charakteristisches behalten, sonst ist er sich selbst treulos, ist begehrlich, streckt die Hand nach fremdem Gute aus! Der Jude aber läßt sich nicht irre machen, sondern geht unverdrossen seinen Weg zum Bessern und Bestcn! — Da aber, wo der Zwang von Unterbeamten sein Glück, unter erleuchteten Regierungen bürgerlich und geistig in friedlichem Wandel vorwärts zu gehen, stören wollen, retten wir uns in das Heiligthum des Thrones, stellen wir uns unter die Aegide des gerechtesten Königs, der ausgesprochen, daß ihm alle seine Unterthanen gleich werth seien, ihnen allen, weß Glaubens sie auch seien, gleichen Schutz gewahrt! Auf den Schutz dieses Königs vertrauen wir fest, und erwarten von Ihm- Abstellung alles Drückenden. Wir können nicht umhin, noch folgende Stellen aus einem Aussatze über diesen Gegenstand, den uns Herr D. G. Riesser mitzutheilen die Güte gehabt, hier zu geben. „Die in Europa, insbesondere in Deutschland, bisher ohne Unterschied der Religion üblichen Vornamen sind, mit Ausnahme einiger weniger, entweder jüdischen oder heidnischen, die letztem meist römischen oder germanischen Ursprungs. Wollte man nun von diesen beiden Classen eine als eine vorzugsweise christliche betrachten, so müßte es wol ohne Zweifel die dem Judenthume entsprossene sein, da diese mit der Geschichte der christlichen Religion in vielfacher Beziehung steht, die hier der. Mehrzahl ihrer ersten Bekenner Namen geliehen hat. Es kann aber doch unmöglich in der Absicht jenes Verbotes liegen, den Juden das Eigenthum an den ihrem eigenen Schooße entsprossenen Namen — man verzeihe uns, daß wir genöthigt sind, auf den Unsinn des Systems, das wir bekämpfen, einigermaßen einzugehen, indem wir von einem Eigenthum an Namen reden — zu bestreiten, und ihnen den Gebrauch von Namen wie Jakob, Joseph, Samuel, Ephraim und unzählige andere zu wehren, weil die Bekenner, des Christenthums dieselben entlehnt, und sich' ihrer durch Jahrhunderte bedient haben. Dies scheint auch in der That die ohne Zweifel höchst harmlose und wohlmeinende Absicht, die jene Verfügung ins Dasein gerufen hat, durchaus nicht gewollt zu haben. Kann man nun aber den Juden diese zahlreiche Abtheilung christlicher Kalendernamen, ohne eine wahrhafte Beraubung zu üben, nicht nehmen wollen, so kann..man das in Rede stehende Privilegium nur für die andere Klasse von Namen, also für die von heidnischem Ursprung, ansprechen. So würde man dann zu dem Resultate gelangen, daß die Qualität eines vorzugsweise christlichen Namens in seiner heidnischen Beschaffenheit beruhe, während man die den Quellen der christlichen Religion entlehnten Namen als ein unchristtiches Gemeingut preisgeben müßte." Der Judenhaß hat bei dieser Namensangelegenheit seine Waffen auf eine gar wunderliche Weise gewechselt, und dieser Umstand hat zu den nicht uninteressantesten bei dem ganzen Vorfall gehört. Ein rechter Judenfeind brauchte sonst nur seinen Paulus und Streckfuß gelesen zu haben, um auswendig zu wissen, welcher Abscheu den Juden vor aller europäischen Sitte, vor Allem, was sie ihren christlichen Mitbürgern ähnlich machen könnte, beiwohnt. Seitdem man aber, die allgemeine Entrüstung wahrgenommen hat, die sich allen Juden ohne Unterschied ihrer Ansichten bemächtigte , als der abenteuerliche Versuch, ihren Kindern die europäischen Namen, deren sich die Vater und Großvater nach Belieben bedient hatten, streitig zu machen, ruchbar wurde, — seitdem hat man umgeschlagen. Man hat es von gar manchen Seiten gottlos und ruchlos, seicht und flach, oberflächlich und ungeschichtlich gefunden, daß die Juden sich nicht mehr ausschließlich der alten ehrwürdigen jüdischen