Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Leichenbestattung in Plekchen hielt kürzlich seine Generalversammlung ab. Der Verein besteht 90 Jahre und hat ein Vermögen von nahezu 3000 Mark. In den Vorstand sind die Herren Kozminski, E. Heppner, Cohn, Barin und Joachim gewählt worden. Der Verein gewährt auch ärmeren Gewerbetreibenden zinslose Darlehen auf ratenweise Rückzahlung bis zum Höchstbetrage von 100 M. — Der kürzlich in Nakel verstorbene Handelsmann Löffler hat der Synagogengemeinde daselbst bedeutende Zuwendungen gemacht. — Der israelitische Krankenpflege- und Beerdigungsverein in Wollstein feierte jüngst sein 57.Stiftungsfest. Die Einnahmen des Vereins betrugen im letzten Jahre 225,70 Mark, die Ausgaben 187 Mark. Der Gesammtbestand des Vereins beläuft sich jetzt auf 1234,55 Mark. Die Mitgliederzahl beträgt 43. -— .Nach dem in der letzten Generalversammlung des israelitischen Wohlthätigkeitsvereins in Buk erstatteten Jahresbericht zählt derselbe 65 Mitglieder. Die Einnahme im letzten Jahre betrug 616,98 Mark, die Ausgabe 394,03 Mark. Der Bestand des Vereins hat eine Höhe von nahezu 3000 Mark erreicht. — Kaufmann I. Jacoby in Neuteich ist zum Stadtverordnetenvorsteher daselbst gewählt worden. — Kürzlich feierte das Kaufmann Meier Baumffche Ehepaar in Wongrowitz das Fest der goldenen Hochzeit, aus welchem Anlasse demselben die Ehejubiläumsmedaille verliehen wurde. — Am 22. d. Mts. hielt der seit 15 Jahren bestehende israelitische Mildthätigkeitsverein in Ostromo seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. In derselben wurde beschlossen, die Höhe der zu gewährenden zinslosen Darlehen von 200 auf 500 Mark zu erhöhen und den Wahlmodus dahin zu ändern, daß die Vorstandsmitglieder anstatt wie bisher auf zwei, auf drei Jahre gewählt werden. Die Mitgliederzahl ist auf fast 100 angewachsen. Im letzten Jahre hat der Verein das erste Ehrenmitglied, nämlich Herrn Rentier Sina Holzmann, ernannt. Breslau, 12. Februar. Die vor zwei Jahren gegründete „Akademische Gesellschaft für jüdische Geschichte und Litteratur" konnte auch in diesem Semester unter zahlreicher Betheiligung jüdischer Studirender der hiesigen Universität ihre Sitzungen regelmäßig abhalten. Es hielten bis jetzt Borträge: Herr Stud. jur. Littmann: Aelteste Geschichte der deutschen Juden im Mittelalter. Stud. med. Beck: Die soziale Lage der deutschen Juden im Mittelalter. Stud. phil. Behrens: Bodo, ein jüdischer Proselyt. Kand. jur. Markowitz: Aelteste Niederlassungen der Juden in Schlesien. Kand. jür. Posener: Der jüdische Student auf den deutschen Universitäten. Dr. phil. Klüger: Der Prophet Jeremia. Vorfitzender der Gesellschaft ist z. Z. Kand. phil. Wilde; Schriftführer Kand. jur. Steiner. Die Gesellschaft entfaltet, wie man sieht, eine wahrhaft gedeihliche Wirksamkeit gerade in den Kreisen, denen eine solche noth thut. Gr. Essen, 14. Februar. (Aus dem Verein der israelitischen Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen, Sitz Essen.) Der Jahresbericht pro 1898 wird wahrscheinlich Ende dieses Monats zur Versendung gelangen. An alle Mitglieder unseres Vereins sowie an die Lehrer in Rheinland und Westfalen, welche bisher noch nicht sich unserem Verein angeschlossen haben, sowie endlich an alle Lehrerfreunde wird das freundliche Ersuchen gerichtet, Purimsammlungen zu veranlassen und diese diesmal nur unserer Unterstützungskasse zuzuwenden. Denen gegenüber, welche uns sonst jährlich, die Purimspenden zuschickten, bedarf es natürlich dieser Erinnerung nicht. Es muß tüchtig gesammelt werden, wenn wir den ungewöhnlich großen Ansprüchen, die an uns gestellt werden, gerecht werden sollen. 8. Frankfurta.M., 12. Februar. Das Deutsch-Israelitische Kinderheim entfaltet immer segensreicher seine Thätigkeit. Im verflossenen Jahre konnte die Anzahl der Zöglinge auf 48 gebracht werden, und wer es weiß, welchen traurigen Verhältnissen arme Waisen und Verlassene durch das Bestehen des Kinderheims entrissen wurden, wie eine sorgfältige Pflege und Erziehung diesen Armen eine menschenwürdige Zukunft vorbereitet, wie auch ' bereits entlassene Zöglinge ein lebendiges Zeugniß dafür sind, wie segensreich diese Anstalt bereits gewirkt hat, der wird gewiß sich einer Bitte, auch sein Scherflein für den Bestand dieser Anstalt beizutragen, nicht verschließen. Das Purimfest naht wieder heran, und wiederum ergeht die Bitte an die Glaubensgenossen um eine kleine Spende für das Kinderheim. Gerade die Purimspende bildet den Lebensquell für die Anstalt, sie ermöglicht es der Verwaltung, den Unterhalt so vieler Zöglinge zu bestreiten, und Jedem bietet sich hier die Gelegenheit, durch weniges mitzuwirken an dem großen Liebeswerk, das 'WMMM so Biele beglückt, so Vielen zu einem menschenwürdigen Dasein verhilft. Der bewährte Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen ist die sicherste Gewähr dafür, daß die Bitte nicht ungehört verhallt. L. Kaiserslautern, 11. Februar. Eines unserer ältesten Gemeindemitglieder, Herr Jsaae Becker, feierte am 4. d. M. in voller körperlicher und geistiger Frische seinen achtzigsten Geburtstag, umgeben von seinen sämmtlichen Kindern und Enkeln, die zum Theil aus weiter Ferne herbeigeeilt waren. Nachdem in der Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Landsberger für den Jubilar eine ergreifende Fürbitte unter Hervorhebung seiner stets einfachen und religiösen Lebensweise, seiner in der Stille doppelt wirksamen Wohlthätigkeit gehalten worden war, fand im Hause der Gratulationsakt statt. Hierzu fand sich bei der Beliebtheit des Herrn Becker der größte Theil der Gemeinde ein; ebenso erhielt er, auch von Nichtjuden, zahlreiche briefliche und telegraphische Glückwünsche. Ein Festmahl beschloß den seltenen Tag, in dessen heiterem Verlauf der Jubelgreis nicht die geringste Ermüdung zeigte. Am Sonntag fand dann noch eine Extrasitzung der jüdischen Vereine statt, die Herrn Beckergroße Ehrungen brachte. Möge dem Jubilar ein fernerer glücklicher Lebensabend beschieden sein! Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 13. Februar. Wieder eine kleine Etappe auf dem schierendlosen Wege zur vollen Gleichberechtigung! Seit einer Woche haben wir in Oesterreich den ersten jüdischen Oberlandesgerichtsrath, nämlich Dr. Samuel Sare, der auch der erste Jude war, der es zum Gerichtssekretär und zum Landgerichtsrath brachte. Dr. Sare hat sich durch seine Anstrengungen im Justizdienst ein Augenleiden zugezogen, so daß er sich die Akten stets durch einen Sekretär vorlesen lassen muß. Ein Bruder des Genannten ist Baurath bei der Bezirkshauptmannschaft in Krakau. — Dagegen steht wieder, gleichfalls in Galizien, ein neuer Fall Färber in Aussicht! Der polnische Abgeordnete Danielak hat eine Interpellation eingebracht, in der das Kreisgericht Neu-Sandee in schmählicher Weise verunglimpft wird, weil dieses auf Grund von gerichtsärztlichen Gutachten die Untersuchung gegen eine des Todtschlags an dem Soldaten Stephowicz angeklagte Jüdin eingestellt hatte. Wie es heißt, ist nunmehr diese Angelegenheit neuerdings in das Stadium der Untersuchung zurückversetzt und — genau wie im Fall Färber — ein Gutachten von der Krakauer medizinischen Fakultät verlangt worden. — Der Kaiser hat dem ordentlichen Universitätsprofessor Dr. G. Schwarz und dem außerordentlichen Professor Dr. Armin Neumann, Beide in Budapest, den Hofrathstitel verliehen. — Nun werden die ungarischen Juden, wie es heißt, auch den ersten Rabbiner im Herrenhause haben. Dr. Samuel Kohn, Rabbiner in Budapest, soll in nächster Zeit anläßlich der Vollendung seiner dreißigjährigen Wirksamkeit in der gegenwärtigen Stellung zum Mitglied des Magnatenhauses ernannt werden. — Der Berlagsbuchhändler Max Herzig hat das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens erhalten. — Wegen Beleidigung der jüdischen Konfession hat der Präsident des kroatischen Landtages dem antisemitischen Abgeordneten Tuskan eine Rüge ertheilt. Es geschieht leider recht selten, daß in denjenigen Parlamenten, in welchen Aeußerungen des Judenhasses fallen, diese den Gegenstand auch nur eines einfachen Ordnungsrufes bilden. Deshalb verdient dieser Fall ganz besonders verzeichnet zu werden. Als Abgeordneter Dr. Frank seine Thätigkeit im Interesse seiner Partei rühmte, unterbrach ihn Tuskan mit lärmenden Zwischenrufen, worauf der Präsident Letzteren zur Ruhe ermahnte. — Tuskan: Aber wenn er lügt! — Dr. Frank: Mich haben Sie noch auf keiner Lüge ertappt; Sie sind aber schon verurtheilt worden. — Abgeordneter Tuskan wendet sich in persönlicher Bemerkung gegen die Behauptung Franks, daß er wegen einer Lüge verurtheilt worden sei, und ruft: Das kann nur so ein Jude thun, der aus Polen dahergelaufen ist! So ein impertinenter Saujud, so ein polnischer Judenkerl! (Entrüstung und Gelächter.) — Dr. Frank: Sie sind kein Kroate, sondern ein Narr! — Der Präsident ertheilt dem Abgeordneten Tuskan wegen Verletzung des Anstandes und Beleidigung einer Konfession eine Rüge, welche ins Protokoll eingetragen wird. — Eine Sekte, welche jüdischen Satzungen huldigt, hat sich — wie die Blätter vor Kurzem meldeten — in Siebenbürgen gebildet und ganz besonders unter den Sachsen verbreitet. Die Sekte nennt sich „Adventisten des siebenten Tages" und feiert am Sabbath. — In Eg er