Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Einzelheiten gehende Diskussion, die zwar lebhaft zur Erheiterung der Herren Repräsentanten und des zahlreichen Tribünenpublikums beitrug, aber für die Oeffentlichkeit belanglos war. Damit schloß die Sitzudg, auf deren Ergebniß hinsichtlich der Rabbinerwahlkommission wir noch ausführlich zurückkommen. §2Berlin, 14.Februar. ZurFrageder jüdischen Lehrerinnen an den Berliner Gemeindeschulen hat, wie aus dem Protokoll des Ausschusses zur Berathung des Antrages Preuß hervorgeht, das Provinzial-Schulkollegium nun endlich dem Berliner Magistrat mit dem Datum vom 1. Dezember folgendes Schreiben zugehen lassen: „Der Schuldeputation lassen wir auf den Bericht vom 10. November, betreffend die Anstellung jüdischer Lehrkräfte in den hiesigen Gemeindeschulen insonderheit Uebertragung von Ordinariaten an jüdische Lehrkräfte, die Mittheilung zugehen, daß wir dem Herrn Minister erneuten Vortrag gehalten haben. Wohldiefelbe wolle deshalb weiterer Entscheidung gewärtig sein." Man darf darauf gespannt sein, was nunmehr erfolgen wird. 8. Berlin, 13. Februar. „Ein Vorkämpfer der Emanzipation, Christian Wilhelm Dohm", so lautete das Thema der zweiten Montags- Borlesung zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums. Referent war der rühmlichst bekannte und preisgekrönte Goethe-Biograph Herr Privatdozent Dr. Richard M. Meyer, der das Leben und Wirken Dohms und speziell dessen Eintreten für die Emanzipation der Juden, die Jahrhunderte lang in unwürdiger Stellung geschmachtet, in ebenso anregender wie fesselnder Weise schilderte. Dohm war ein ungewöhnlicher Geist, der weit über den Vorurtheilen und dem Durchschnitt seiner Zeitgenossen stand. Im Sinne der Aufklärung, im Sinne der Menschenliebe trat er für die Gleichberechtigung der Juden ein, die nach seiner Ansicht ebenso im Interesse des Staates wie der Juden lag. Eine der Hauptaufgaben des Staates sollte es sein, durch gute Behandlung, durch Erleichterung der Ehebedingungen und der Ansiedelung die Juden zu guten Staatsbürgern heranzubilden und hierdurch die Fehler und Schwächen, die auch Dohm keineswegs verkannte, die er aber nur der Zurücksetzung und Bedrückung zuschrieb, auszumerzen. Erst dem Jahre 1848 war es Vorbehalten, die Emanzipation herbeizuführen, die ein Dohm, von Humboldt, Lessing und Moses Mendelssohn angestrebt und beeinflußt hatten. Allerdings wäre es betrübend, eingestehen zu müssen, daß die den Juden gewährten Erleichterungen mehr ein doktrinärer Zwang im Gefolge anderer Freiheiten gewesen, nicht aus Wohlwollen erfolgt seien. Zu hoffen und wünschen sei, daß die Toleranz, die den Staat Friedrichs des Großen erst zu dem erhoben, was er sei, wieder herrschend bei uns werden möge. Durch reichen Beifall gaben die Anwesenden dem Redner für seine hochinteressanten Ausführungen ihren Dank zu erkennen. £2 Berlin, 14. Februar. Der Israelitische Frauen-Unterstützungsverein, einer der größten und besten Berliner Vereine, versendet mit der Einladung zur Generalversammlung auf den 20. d. M. seinen Rechenschaftsbericht. An Einnahmen hat derselbe 9708,89 Mark, an Ausgaben 8881,52 Mark aufzuweisen, der Reservefonds hat ein Kapital von 12 000 Mark aufgesammelt. Die Unterstützungen des Vereins an Wöchnerinnen, eheverlassene und kranke Frauen betrugen im Berichtsjahr 1 a 30 Mark, 3 a 25 Mark, 23 a 20 Mark, 200 a 15 Mark, 311 ä 10 Mark, 16 ä 6 Mark, 2 ä 5 Mark, zusammen 6781 Mark. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren und Damen: I. Weinberg, Vorsitzender, Martin Fernbach, Schriftführer, H. Benjamin, Rendant, Frau Fanny Arndt, Frau Sophie Grätz, Frau Emma Eloesser, Frau S. Alterthum, Frau P. Arnheim, Frau Flora Baumann, Frau Valeska Bodlaender, Frau Henriette Feldmann, Frau Johanna Hirschlaff, Frau Louise Jaeoby, Frau Clara Jordan, Frau Dr. Anna Karpeles, Frau Henriette Lehfeld, Frau Recha Levy, Frau Toni Lichtenstein, Frau Hertha Marks, Frau Henriette May, Frau Martha Neumann, Frau Bianka Schayer, Frau Ereile Steinitz, Frau Emma Stern, Frau Dr. Elise Weisse. Es ist dringend zu wünschen, daß diesem Verein, der eine so gedeihliche Thätigkeit entwickelt, die allgemeine Theilnahme aller Menschenfreunde sich in noch höherem Maße zuwende, damit derselbe seine immer schwieriger sich gestaltenden Aufgaben in vollem Umfange erfüllen kann. £2 Berlin, 16. Februar. Das Komitee für Chanukah- Bescheerung hat seinen Spendern, welche ihm wiederum die Mittel gewährten, zu Chanukah armen Kommunalschülern die nothwendigsten Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheeren, Bericht über seine Thätigkeit abgestattet. Es gingen diesmal ein 16217,80 Mark gegen 16 987,50 Mark im Vorjahr; außerdem werthvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug, Bücher und andere Gegenstände. Es wurden verausgabt 18 016,04 Mark gegen 15 874,66 Mark im Vorjahr; es ergab sich demnach ein Minus von 1797,24 Mark, die dem Reservefonds entnommen werden mußten. Diese bedeutende Mehrausgabe entstand durch die größere Zahl der berücksichtigten Kinder und durch die Ausbesserung des Schuhzeugs im Laufe des Jahres. 603 Familien mit 1184 Kindern erbaten die Unterstützung. Davon durften trotz strengster. Nachforschung nur 11 Familien mit 23 Kindern abgewiesen werden. Für die übrigen 1161 Kinder wurden durchschnittlich je 15,52 Mark verwendet. Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiesel und Wäsche nach Maß gefertigt. Das Komitee hat also die Spenden für die armen Kinder sorgsam verwaltet und darf gewiß an das Wohlwollen aller Menschenfreunde auch für die Zukunft appelliren. X Insterburg, 12. Februar. Die Generalversammlung des hiesigen Thierschutzvereins, welche am 5. d. M. im „Königl. Hof" tagte, war sehr zahlreich besucht. Herr Rabbiner Dr. Beermann hielt einen Bortrag über Thierschutz in Bibel und Talmud mit besonderer Berücksichtigung der Sch ächtfrage. Der Redner schloß seine interessanten Ausführungen mit der Mittheilung, daß der Direktor des physiologischen Instituts in Berlin, Prof. Dr. Th. W. Engelmann, ihn noch kürzlich schriftlich benachrichtigt habe, daß er immer noch der Ansicht vom Jahre 1893 sei, daß nämlich das Schächten allgemein als humanste Schlachtmethode an die Stelle aller anderen zu treten habe. Nachdem Herr Landrath Brasch als Vorsitzender des Vereins zugleich auch im Namen der Versammlung dem Redner in warmen Worten gedankt hatte, wurde nach längerer Debatte die vom Redner eingebrachte Resolution angenommen: „Das rituelle Schächten ist eine mindestens so humane Schlachtmethode wie alle übrigen." Lp. Aus der Provinz Posen, im Februar. Ende Januar starb in Schroda im Alter von 78 Jahren der frühere Kaufmann Lewin Kasper. Derselbe war ununterbrochen 30 Jahre Vorsteher der dortigen Chewra Kadifcha. — Der praktische Arzt Dr. med. Kaliski in Rosenberg hat seinen Wohnsitz nach Breslau verlegt. Derselbe war erster Vorsteher der Synagogengemeinde in Rosenberg. — Der Israelitische Frauenverein in Ostrowo hat den königl. Oekonomierath D. Goldstein daselbst für 25jährige verdienstvolle Thätigkeit um den Verein zum Ehrenmitgliede ernannt. — Zum Stiftsrabbiner in Jnowrazlaw ist nach fast zweijähriger Vakanz dieser Stelle Dr. Bamberger aus Würzbürg gewählt worden. — Bei der kürzlich in Crone a. Br. stattgehabten Wahl von Repräsentanten der dortigen Synagogengemeinde sind die Kaufleute Krakauer, N. Joseph, B. Laß, Louis Zander, Heimann Cohn und zu deren Stellvertretern die Herren Lobsenzer, Kronheim, A. Josephsohn, M. Jacobsohn und Simon Weiß gewählt worden. — Kantor Heymann aus Briefen ist in gleicher Eigenschaft an die Synagogengemeinde in Schwersenz berufen worden. — Die in Schrimm frei werdende jüdische Lehrerstelle ist dem bisherigen Lehrer Abraham in Zerkow übertragen worden. — Der Verwalter der Spezialkommisston in Ostrowo, Oekonomierath D. Goldstein, feierte kürzlich sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Herr Goldstein, der einzige Israelit Deutschlands, der ein solches Fach verwaltet, steht im Alter von 65 Jahren und tritt demnächst in den Ruhestand. — Am 30. Januar cr. starb der frühere Hotelbesitzer M. D. Ritzewoller in Obersitz ko im Alter von 64 Jahren. Derselbe hat 16 Jahre hindurch ununterbrochen dem dortigen Stadtverordnetenkollegium angehört. — Die israelitischen Litteratur- und Geschichtsvereine in Kempen und Ostrowo haben die Gründung von Vereinsbibliotheken beschlossen. —- Der langjährige Stadtverordnete Kirschner in Ro gasen ist zum Ehrenbürger dieser Stadt ernannt worden. — Rechtsanwalt Warschauer in Tremessen ist zum Stadtverordnetenvorsteher dqselbst gewählt worden. — Der Israelitische Krankenunterstützungs- und Beerdigungsverein in Bromberg hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 1198,35 Mark und eine Ausgabe von 1144 Mark. Das Gesammtvermögen beläuft sich auf 12 354 Mark. Der Verein zählt 71 Mitglieder. In den Vorstand wurden zuletzt die Herren Abraham Busse, E. Chaskel, I. Greger und M. Russak gewählt. — Der Israelitische Verein für Krankenpflege und