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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-17 · Heft 7 (17.2.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 7 (17.2.1899)
Date
1899-02-17
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63 Jahrgang. Nr. 7. Der GemeLn-ebote. Berlin, 17. Februar 1899 Werkage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenlhums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 12. Februar. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung, die eine reiche Tagesordnung zu erledigen hatte, verlief recht ruhig. Zum geschäftlichen Theil war ein Urlaubsgesuch des» Herrn Rudolf Mosse eingegangen. Es ist infolgedessen der erste Repräsentanten-Stellvertreter, Herr Willibald Löwenthal, einberufen worden, der auch an der heutigen Sitzung Theil nimmt. Der Gemeindevorstand hat die Mittheilung zugehen lassen von dem Ausscheiden des Herrn Bamberger und dem Eintritt des Herrn Geheimen Sanitätsraths Dr. Boas in den Vorstand und das Ersuchen daran geknüpft, innerhalb sechs Wochen einen neuen Stellvertreter zu wählen. Zu Punkt 2: „Jahresberichte des Kreisschulinfpektors über die Knaben-und Mädchenschule", referirt Herr Professor Dr. Blaschke. Aus den Berichten ergebe sich, daß die . Inspektion, der von der Schulkommission die Herren Geheimer Sanitätsrath Abraham, Sanitätsrath Jastrowitz und Professor Geiger beigewohnt hätten, im Dezember durch den Kreisschulinspektor Herrn Dr. Lorenz stattgefunden habe. Während bei der Mädchenschule, welche 385 Schülerinnen zähle, ein kleiner Zuwachs gegen das Vorjahr zu konstatiren sei, sei bei der Knabenschule, welche 603 Schüler besuchen, ein kleiner Rückgang gegen das Vorjahr eingetreten. Das Gesammturtheil laute für beide Schulen außerordentlich günstig, nämlich, daß unter umsichtiger Leitung mit Hingabe und Berständniß gearbeitet worden sei. Auch über die baulichen Verhältnisse der Schulen spreche sich der Bericht sehr günstig aus Die städtische Schuldeputation habe eine Ueberflcht über die Frequenz der jüdischen Schulen beigegeben, was bei den Schulen z. B. der katholischen Konfession nicht der Fall sei, und habe hinzugefügt, daß die Volksschulen hätten ergänzend erngreifen müssen, weil die Bevölkerungszahl der Juden in Berlin zu groß geworden sei, und die jüdischen Schulen diesem Zuwachs nicht hätten folgen können. Ter Referent betont, daß die jüdischen Volksschulen weder Volksschulen im eigentlichen Sinn noch auch Mittelschulen seien, und daß die Kinder nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hätten, die öffentlichen Volksschulen zu besuchen. Es bleibe leider die innere Organisation der Schulen ein tiefes Geheimniß, und er rege deshalb an, da im nächsten Jahre 75 Jahre seit der Gründung der Knabenschule verflossen sein werden, entweder über die ganze Zeit oder über die letzten Jahre einen Bericht von Seilen der Anstaltsleitung erstatten zu lassen, aus dem die innere Organisation zu erkennen wäre. In der sich an dieses Referat anschließenden Diskussion begrüßt Herr Professor Geiger die dankenswerthe Anregung des Referenten, erinnert aber, daß vor zwei Jahren von der Schulkommission Aufklärung über die Geschichte der Schule und über die Organisation gegeben worden sei. Er schlage vor, diesen Bericht zu wiederholen uyd zur Kenntniß zu bringen. Der Schule selbst wünscht er ein größeres Interesse entgegengebracht zu sehen, als es bisher der Fall gewesen sei. Er konstatirt, daß mit großem Eifer und Erfolge an beiden Schulen gearbeitet werde, und es sei freudig zu begrüßen, daß der Kreisschulinspektor Herr Dr. Lorenz mit größtem Interesse die Anstrengungen der Lehrer und die Leistungen der Schüler verfolge. Herr Stadtrath Dr. Weigert drückt ebenfalls seine Freude darüber aus, daß die Schulen bei der amtlichen Revision ein so gutes Zeugniß erhalten hätten, wundert sich aber, daß von Seiten des Vorstandes nicht gegen die vom Referenten citirte Bemerkung der Schuldeputation Einspruch erhoben worden sei. Man müsse darauf Hinweisen, daß die Zunahme der jüdischen- Schüler in den Gemeindeschulen nur durchaus das Interesse dokumentire, die jüdischen Schüler an der allgemeinen Bildung, wie sie in Preußen gegeben werde, Antheil nehmen zu lassen. Redner erinnert ferner an die seit Jahresfrist andauernde Thatenlosigkeit der Kommission, die zu dem Zweck eingesetzt sei, einen Plan für den Religionsunterricht anszuarbeiten, der dem Kreisfchulinspektor eiugereicht werden sollte. Er bittet um Beschleunigung der Arbeiten, da sonst leicht eine Unterrichtsordnung festgestellt werden könnte, ohne daß die Gemeindeverwaltung in dieser Frage gehört werde. Vom Vorstandstisch giebt Herr Jacoby die beruhigende Versicherung ab, daß Herr Kreisschulinspektor Fischer, der mit dieser Materie betraut sei, nicht eher etwas unternehmen werde, bis die Kommission ihre Arbeiten erledigt hätte. In seinem Schlußwort weist der Referent darauf hin, daß der vor zwei Jahren erstattete Bericht nur allgemeine Angaben enthalte. Er wünsche einen Bericht nach Form und Inhalt wie die jährlichen Berichte der höheren Lehranstalten Berlins. Er habe häufig Schüler der jüdischen Schule zu prüfen und wisse nicht, welche Ansprüche er stellen könne. Es sei ein billiger Anspruch, einmal in 75 Jahren einen solchen Bericht zu erhalten. — Zu Punkt 3: Wahl einer Kommission zur Vorbereitung der Neuwahl eines Vorsteherstellvertreters, bittet Herr Geheimrath Blumenthal, die Dringlichkeit zu beschließen und gleich die Wahl zu vollziehen. Er schlägt Herrn Hermann Landsberger, den früheren Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung, vor, der seit Jahren in der Gemeindeverwaltung hervorragend thätig sei. Während Herr Leonhard Sachs auf die Zwecklosigkeit der Wahl aufmerksam macht, da Herr Landsberger es bereits zweimal definitiv abgelehnt habe, das Amt zu übernehmen, plädirt Herr Landgerichtsrath Löwe für die Vornahme der Wahl in der Hoffnung, daß Herr Landsberger sich bei einem einstimmigen Beschluß der Versammlung doch wohl zur Annahme des Amtes verstehen werde. Bei der Abstimmung wurde Herr Landsberger alsdann einstimmig zum Borsteherstellvertreter gewählt. — Zur Vorlage der Neuwahl der Kommission zur Vorbereitung der Rabbinerwahl referirt Herr Landgerichtsrath Löwe, es sei erfreulich gewesen, daß über die größere Zahl der neu zu wählenden Herren eine Einstimmigkeit im Ausschuß erzielt worden sei. Es würden vorgeschlagen die Herren Geheimrath Senator, Geheimrath Blumenthal, Leonhard Sachs, Professor Geiger, Dr. Minden und Manheimer. Herr Maurermeister Frankel schlägt noch Herrn Opp enheim zur Wiederwahl vor. Die Zettelwahl ergab folgendes Resultat: es erhielten Stimmen die Herren Geheimrath Blumenthal und Senator und Professor Geiger 19, Leonhard Sachs und Dr. Minden 20, ferner Oppenheim und Manheimer 11. Statutengemäß hat bei Stimmengleichheit das Loos zu entscheiden, das der Vorsitzende zu ziehen hat. Durch dasselbe wurde Herr Oppenheim als sechstes Mitglied der Kommission bestimmt. — In die Armenkommission wurde Herr Kommerzienrath Julius Martin Friedländer einstimmig abgeordnet. — Der Antrag betreffend die Zulassung der Repräsentantensteüvertreter zu den geheimen Sitzungen wurde ebenfalls nach nur kurzer Befürwortung seitens des Referenten, Herrn Landgerichtsrath Löwe, genehmigt. Herr Dr. Minden bittet ebenfalls um Annahme des Antrages und stellt humoristisch dar, wie traurig es die Stellvertreter vor einigen Jahren gehabt hätten. Trotz seines zweimaligen mündlichen Antrages hätte man noch vor 12 Jahren Bedenken getragen, auch nur die Tagesordnung den Stellvertretern zugehen zu lassen; erst nach Ablauf von 6 Jahren sei sein dahin zielender schriftlicher Antrag angenommen worden. Damals habe er den Verhandlungen noch von der Tribüne, einem „recht unangenehmen Platz", aus (lebhaftes Bravo und Händeklatschen seitens der Vertreter der Presse) folgen müssen. Die Stellvertreter, die sich von den Repräsentanten doch nur dadurch unterschieden, daß sie ein paar Hundert Stimmen weniger erhalten hätten, hätten ein moralisches Recht, sämmtlichen Verhandlungen folgen zu können. Der letzte Punkt der Tagesordnung,, die Nachbewilligung von 61882,95 Mark für die an den Gemeindegrundstücken auszuführenden Reparaturen und Bewilligung von 88 Mark für Erneuerung eines Luftheizofens in der Altersversorgungsanstalt, wurde ebenfalls nach einem ausführlichen Referat des Herrn Maurermeisters Frankel ausgesprochen. Im Anschluß an ein Monitum des Herrn Manheimer entspann sich über die Mängel der Wasserspülung in der Altersversorgungsanstalt eine überaus sachliche und bis in die größten

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