Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1899)
- Date
- 1899-02-17
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228319--55275-3291460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 83 - Aas ägyptische Märchen von den beiden Brüdern. Aus dem Nachlasse von Georg Ebers. IV. ls aber die Erde hell geworden und ein zweiter Tag erschienen war, hatte Batau sich in - die Gestalt verwandelt, von der er zu seinem älteren Bruder geredet. Anubis, sein älterer Bruder, saß auf seinem Rücken, und gegen Morgen gelangte er dahin, wo man (der Pharao) sich befand. Da gab man Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — Kunde von ihm, und er besichtigte ihn und gerieth über ihn in sehr, sehr große Freude. Auch brachte er ihm ein großes Opfer dar, indem er sagte: „Ein außerordentlich großes Wunder hat sich ereignet", und man jubelte ihm zu im ganzen Lande und belud ihn mit Silber und Gold für seinen älteren Bruder; der aber blieb in seinem Dorf, und man gab ihm Leute und viele Sachen, und der Pharao — Ln. b. i. rc. — liebte ihn mehr als andere Menschen, die in seinem ganzen Lande. Nachdem aber später viele Tage vergangen waren, ging er (Batau) in das Innerste des Tempels, wo sich die Favoritin eben befand, und er redete sie an, indem er sagte: „Siehe, ich lebe noch wirklich". Da versetzte sie: „Wer bist Du denn eigentlich?" Er aber erwiederte: „Ich bin Batau; doch Du, Dir war wohl bewußt, als Du durch den Pharao — Ln. b. i. rc. — die Cypresse fällen ließest, unter der mein Platz, daß ich nicht mehr leben könne; aber siehe, 16) ich lebe thatsächlich, und zwar als Stier." Da überkam die Favoritin sehr, sehr große Furcht wegen der Eröffnung, welche ihr ihr Gatte gemacht, und sie ging hinaus aus dem inneren Tempel; Seine Majestät aber — Ln. b. i. rc. — geruhte, einen schönen Tag mit ihr zu verleben. Sie befand sich an der Tafel Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. —, und man (der König) erwies sich ihr sehr sehr gnädig. Da sprach Sie zu Seiner Majestät —Ln. b. i. rc. — „Schwöre mir doch der Ordnung gemäß das Folgende: „Was du auch fordern wirst, ich will es Dir erhören!"—Da öffnete er das Ohr allem, was sie sprach (und es lautete): „Gieb mir doch von der Leber dieses Stieres zu effen; denn er wird sich doch zu nichts (Rechtem) tauglich erweisen." Das war es, was sie ihm sagte. Der König aber fand dies sehr, sehr abscheulich, und das Herz des Pharao — Ln. b. i. rc. — ward ihm sehr, sehr krank. Als aber die Erde hell geworden und ein zweiter Tag entstanden war, rief man ein großes Opferfest aus, um den Stier zu schlachten, und man ließ einen der ersten Würdenträger Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — kommen, um den Stier zu opfern. Nachdem man ihn aber geschlachtet, und als er sich auf den Schultern der Leute befand (die ihn trugen), da schüttelte er sich am Halse und ließ zwei Tropfen Blut an die Stelle der beiden Thorhüterlogen Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — fallen; der eine aber fiel auf die eine Seite der großen Königspforte des Pharao, der zweite aber auf die andere Seite, und sie wuchsen auf zu zwei herrlichen Pcrseabäumen, 17) die alle beide von vorzüglichster Art. Da ging man hin, um Seiner Majestät — Lii. b. i. rc. — zu sagen: „Zwei herrliche Perseabäume sind als ein großes Wunder für Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — an der Stelle des großen Eingangsthores Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — in der Nacht erwachsen, und man jubelte ihnen zu im ganzen Lande und brachte ihnen Opfer. Als aber später viele Tage vergangen waren, trat Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — hervor aus der Pforte von Lapis lazuli, mit einem Kranz von Blumen jeder Art um den Hals. Er stand auf einem Wagen von Silbergold, und er verließ den Palast des Königs — Ln. b. i. rc. — um die Perseabäume zu besichtigen; die Favoritin aber kam heraus auf einem von Rossen gezogenen Fuhrwerk, das dem Pharao — Ln. b. i. rc. — folgte. Darauf setzte sich Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — unter einen der Perseabäume nieder, (die Favoritin aber nahm unter dem anderen Platz). Da erhob dieser die Stimme und sagte zu seinem Weibe: „O, welche Niedertracht! Ich bin Batau, und, ja, ich lebe! Als Du die Miffethat gegen mich vollbrachtest, da war es Dir bewußt, was das Fällen (der Cypreffe), unter der sich meine Wohnung befand, durch den Pharao — Ln. b. i. rc. — bewirken werde; so habe ich mich denn in einen Stier verwandelt; Du aber bewirktest, daß ich getödtet wurde." — Nachdem aber später viele Tage vergangen waren, und die Favoritin an der Tafel Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — verweilte, und man (der König) sich ihr gnädig erwies, sagte sie zu Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. —: „Schwöre mir bei Gott mit den Worten: ,Was die Favoritin thut, und was sie mir sagt, das werde ich für sie erhören/" Und wirklich hörte er alles an, 18) was sie sprach; sie aber sagte: „Veranlasse doch, daß die beiden Perseabäume gefällt werden, damit man schöne Bretter mache." Und man (der König) erhörte alles, was sie verlangte. Und viele Tage darauf ließ Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — geschickte Handiverker kommen, und sie fällten die Bäume an der hohen Pforte') — Ln. b. i. ec. —, und die königliche Gemahlin, die Favoritin, stand dabei und schaute dem zu. Da flog ein Splitter davon und drang in den Mund der Favoritin. Sie schluckte ihn hinunter, und gute Hoffnung begann sich in ihr zu regen. Inzwischen that man alles, wonach ihr der Sinn stand. Als aber hierauf viele Tage vergangen waren, gab sie einem Knaben das Leben, und man machte sich auf, um Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — zu verkünden: „Es ward Dir ein männlicher Erbe geboren." Dann brachte man ihm denselben, er gab ihm eine Amme und Wärterinnen, man jubelte ihm zu im ganzen Lande; der König aber geruhte einen Feiertag zu feiern, und man gab sich damit ab, ihn (den Knaben) zu benennen. Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — liebte ihn von Stund an gar sehr, gar sehr; auch ernannte man (der König) ihn . 19) zum Prinzen von Aethiopien. Als aber später viele Tage vergangen waren, verlieh ihm Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — die Erbprinzenwürde über das ganze Land. Als aber viele Tage vergangen waren, und er viele Jahre in der Erbprinzenwürde des ganzen Landes zurückgelegt hatte, flog Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — gen Himmel, und man (der neue König, d. i. Batau) sprach: „Man möge mir unsere Fürsten, die Großen Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. —, herbeiführen. Ich will sie mit allen Thatsachen bekannt machen, die sich mit mir zugetragen haben." Dann führte man ihm auch ein Weib zu, er schloß vor ihnen seine Rechnung mit ihr ab, und vollzogen ward das Verdikt, das sie unter einander gefällt. Man brachte ihm auch seinen älteren Bruder, und er verlieh ihm die Erbprinzenwürde über ein ganzes Land. Zwanzig Jahre lang war er (Batau) König von Aegypten. Dann wandelte er fort aus dem Leben, und sein älterer Bruder stellte sich am Tage des Begräbniffes an seinen Platz. So wäre denn dies glücklich zu Ende. Nach Mittheilung der Namen der gelehrten Beamten, unter deren Auspicien unsere Erzählung niedergeschrieben ward, folgt ein gereimter Satz, der uns in ähnlicher Form auch am Schluß anderer Papyri aus dieser Zeit begegnet, und der lautet: Wer das Lob dieses Buches Anderen verkündet. Dem bleibt Thot als sein Kampfgenosse verbündet. >) Das gleiche Wort per'ae, woraus das hebräische Pharao wurde, bedeutet „die hohe Pforte", d. i. den Königspalast mit seinem hohen Eingangsthor, und den Pharao selbst. Der gleiche Titel eignet heute noch in ähnlicher Weise den Sultanen des Osmanischen Reiches.