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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-17 · Heft 7 (17.2.1899) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 7 (17.2.1899)
Date
1899-02-17
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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I - 82 -- Gedankeninhalt gewürdigt und den Lesern mannigfache Anregung gegeben hat, zeigt in den letzten Punkten entschieden einen Vorzug gegenüber der Auerbach'schen Schulbibel. Die Gliederung ist eine übersichtlichere, die Ueberschriften sind zumeist zweckentsprechend und zutreffend (eine Ausnahme bilden Seite 7 „das Paradies u»d der Sündenfaü" — das Judenthum kennt bekanntlich keinen Sündenfall — und Seite 35 „Isaaks Brautwerbung", wo es wohl besser „Eliesers Brautwerbung für Isaak" heißen müßte). Gegenüber der verwirrenden doppelten Numerirung bei Auerbach hat Tachau mit Recht die Kapitel- und Verszahlen der Bibel auch im Lesebuch beibehalten. Für seine Bearbeitung hat er die sogenannte Zunzbibel, die unter der Redaktion von Zlinz, von Arnheim, Fürst und Sachs übersetzten 24 Bücher der Heiligen Schrift, zu Grunde gelegt, dieselbe aber „nicht nur in Stil und Ausdruck zu Gunsten einer guten deutschen Ausdrucksweise verbessert, sondern auch in Bezug auf ihre Richtigkeit mit den neuesten Kommentaren und mit der neuesten, von Kautzsch veranstalteten Uebersetzung der Heiligen Schrift verglichen und erforderlichen Falls abgeändert; die poetischen Stellen sind fast ausschließlich in der Kautz'schen Uebersetzung gegeben". Gegen diese Methode wurden in der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner", die sich mit der Tachau'schcn Bearbeitung in der letzten Sitzung auf Grund eines Berichtes des Referenten ( beschäftigte, schwerwiegende Bedenken erhoben. Die Zunzbibel hat durch das Hineinarbeite» von Kautzsch ein ihr oft nicht zuträgliches - Gewand erhalten; als Beispiel kann die Stelle bei Esaus Segen (Gen. 27) dienen, die zwar in der Kautz'schen Fassung verständlicher erscheint, aber den gegentheiligen Sinn der üblichen Uebertragungen (auch der von Arnheim bei Zunz) zum Ausdruck bringt. Die Bemühungen des Bearbeiters, aus der Arnheim'schen Uebertragung ein korrektes Deutsch zu gestalten, sind zumeist von Erfolg (eine Ausnahme bildet S. 18, wo zehnmal „und" in drei aufeinanderfolgenden Versen erscheint, S. 202, Num. 27, 14); im Ganzen aber liest sich doch die Auerbach'sche Fassung besser, da sie aus einem Griffe ist. ' Auch manch andere Einwendungen wurden gegen die Tachau'sche Bearbeitung vom Referenten und den Mitgliedern in der erwähnten Sitzung erhoben. Bei einem biblischen Lesebuch hat es der Bearbeiter in der Hand, die Wiederholungen der Bibel zu vermeiden; er braucht nur in einer Anmerkung auf öfter vorkommende Stellen, ' wiederholt ausgesprochene Gebote hinzuweiseir. In dem Buche Tachaus erscheint nicht nur der Sintflnthbericht, die Ankündigung Isaaks, die Verleihung des Namens Israel doppelt, auch die Gesetze und Verordnungen werden z. B. im' Deuteronomium in gleicher Weise wiederholt. Abweichend von seinem Vorgänger, hat es der Bearbeiter dabei nnierlassen, die Parallelstellen zu bezeichnen, und hat hierdurch die pädagogische Begründung, welche eine solche Wiederholung auch iu einem Schulbnche berechtigt erscheinen läßt, aus der Hand gegeben. ) Auch mehr Nebensächliches ist in der ganzen epischen Breite der t Bibel von Tachau ausgenommen, so der Feldzug des Kedorlaomer, - die zehn Plagen (Ex. 7—10 ohne jede Kürzung), die Stiftshütbe und ihre Geräthe, die Priesterkleidung (Ex. 25—28 vollständig).; Andererseits erscheint die Streichung der Völkertafel nicht gerecht- ) fertigt, ebenso wenig die des „Siloverses" bei dem Segen Jakobs k über Juda (Gen. 49, 10 — warum auch hier die Veränderung vom \ Herrscherstab „aus seinen Händen"), dem Auerbach eine so glückliche [• Deutung gegeben hat. [■ Erklärende Anmerkungen hat der Bearbeiter nur hier und da t gegeben; er ist wohl der Ansicht von Dix und Pfeiffer gefolgt, daß das Lesebuch in diesem Falle zu umfangreich und dem Unterricht vorgegriffen würde. Wenn aber Bdolach, Tragakanth und Ladanum aufgeführt und erklärt werden (es hätte wohl genügt, für diese Ausdrücke „köstliches Harz" zu setzen), dürften auch Byssus und Mop nicht des erklärenden Zusatzes entbehren. Die Eigennamen sind von Tachau mit Recht nach der von der neueren Wiffenschaft anerkannten Schreibweise wiedergegeben, nur werden wir uns schwer an die immerhin richtigen Formen „Tharah" für „Terah", „Rebeka" für „Rebekka" gewöhnen. Zum ersten Male findet sich bei Tachau auch hebräischer Text in einem Biblischen Lesebuch; der Bearbeiter scheint den oben ausgesprochenen Wunsch getheilt und ihm in seiner Bearbeitung entsprochen zu haben. Leider fehlt der hebräische Text auch in dem Tachau'schcn Buch gerade da, wo der Referent ihn für durchaus nothwendig hält: in den sogenannten ethischen Kapiteln der Bibel (Lev. 19, Deut. 22—25 in Auswahl); erfreulich bleibt immerhin die Aufnahme des hebräischen Wortlautes in den als „wünschenswerth" bezeichneten Stellen, die in unser tägliches Gebetbuch übergegangen sind. Die Wiedergabe des Hebräischen bei den Festtagsvorlesungen wurde von den meisten Mitgliedern der Vereinigung als nicht erforderlich bezeichnet. Ein jeder Lehrer einer jüdischen Schule nimmt wohl vor den Feiertagen mit den Kindern aus dem Machsor, das für einige Religionsstunden zur Schule gebracht wird, die Gebetordnung für die Festtage durch und kann dann aus demselben die Festtagsvorlesungen übersetzen lassen und behandeln; die Haph; taroth werden in vielen Gemeinde» bereits in deutscher Sprache vorgetragen, so daß ein Uebersetzen dieser Prophetenstücke nicht überall geboten erscheint. *) Daß die Kinder, wie Tachau will, an die Stelle des Machsor ihr Schullesebuch und daneben noch ihr tägliches Gebetbuch in die Synagoge mitnehmen werden, ist kaum anzunehmen. Durch das von dem Bearbeiter befolgte Prinzip ist aber der zweisprachige Satz so häufig nöthig geworden, daß hierdurch der Preis des Buches sich beträchtlich steigern mußte. An der Höhe des Preises (Theil 1 kostet allein Mark 2,25 gebunden!) scheitert aber von vornherein die Absicht des Bearbeiters lind Verlegers, dem für die Schule bestimmten und geeigneten Lehrmittel — denn die Ausstellungen beeinträchtigen den Werth des Buches nur theilweise und können leicht in einer zweiten Auflage beseitigt werden — breiten Eingang zu verschaffen: Das vollständige Biblische Lesebuch dürste, den Preis der Auerbach'schen Bibel noch wesentlich übersteigen! Sollte es nicht möglich werden, einen für die Schule bestimmten Auszug zu einem Preise zu liefern, der weit geringer als der für eine Vollbibel ist, dann diirste es sich noch am ehesten empfehlen, wie H. Meltzer jüngst es in seinem „Alttestamentlichen Lesebuch"'^) für christliche Schulen gethan hat, das wirklich Nöthige, das zudem nicht über das Verständniß der Kinder hinansgeht ^), in einem kurzen und billigen Lesebuch zusammenzustellen und in einem Anhang (zur Vermeidung des zweisprachigen Satzes) den hebräischen Text wenigstens der wichtigsten ethischen Stellen zu bringen. 0 Vergk. Maybaums Methodik, Seite 40. 2) Dresden 1898. Preis 80 Pfennig. -') Maybaum a. a. O., Seite 29, Anm

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