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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-10 · Heft 6 (10.2.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 X Hannover, 7. Februar. In hiesiger Stadt sowie in der Provinz ist das Gerücht verbreitet, nach -em das bekannte hiesige Damenpensionat von Frau Dr. Leverson und Frl. Constance Levy eingehen soll. Wie wir indeß aus zuverlässigster Quelle erfahren haben, beruht jenes Gerücht auf Erfindung. Die jetzige Vorsteherin des Instituts, Frl. Levy, denkt gar nicht an die Auflösung desselben, sondern wird dasselbe wie bisher unter Mitwirkung ausgezeichneter Lehrkräfte weiterführen. M. Hamburg, 6. Februar. Der hier kürzlich verstorbene Bankdirektor Julius Seckels, der sich stets durch seinen Wohlthätigkeitsstnn und sein warmes Interesse für die Institutionen unserer Gemeinde auszeichnete, hat in seinem jetzt publizirten Testamente bedeutende Summen für Wohlthätigkeitsvereine u. s. w. als Legale ausgesetzt. Die Armenkommission, das Krankeshaus, die Alliance Israelin Universelle und außerdem noch 10 Institute sind mit namhaften Summen bedacht worden. — Das Altonaer Unterstützungsinstitut (Sparkasse), eines der größten Institute dieser Art in Deutschland, feierte sein hundertjähriges Bestehen Unter den vielen Spenden, welche vom Vorstand des Instituts zur Feier des Tages weggegeben wurden, waren auch 6000 M. für Bedürftige in Altona, von dieser Summe erhielten auch die jüdischen Armen ca. 1000 M. Schon früher erhielten der Ettlinger Verein und der Verein zur Pflege weiblicher Kranken der jüdischen Gemeinde erhebliche Summen. Zu bemerken ist noch, daß vor 100 Jahren bei der Gründung sich viele reiche Mitglieder der damaligen portugiesisch-jüdischen Gemeinde mit erheblichen Summen betheiligten. — In einer am Freitag stattgefundenen Sitzung des Aufsichtsrathes der Wechslerbank wurde Herr Julius Lewandowsky zum ersten Direktor gewählt. Derselbe ist ein Sohn des früheren Oberkantors Lewandowsky in Hall^, er trat als Lehrling in die Bank ein und hat sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit zu dieser ehrenvollen Stellung emporgeschwnngen. 1. Marburg, 5. Februar. Beim Festakte der Universität am Kaiser-Geburtstage erhielten diesmal zwei Juden Preise für Lösung der im vorigen Jahre gestellten Preisaufgaben. Das juristische Thema: „Welche Rechtswirkung hat nach dem bürgerlichen Gesetzbuch die Täuschung, durch welche Jemand zur Abgabe einer Willensäußerung bestimmt ist?" hatte deren Bearbeitung gefunden, von denen die Arbeit des Stud. jur. Paul Steinberg aus Frankfurt den Preis erhielt. Das philosophische Thema: „Welche Vorarbeit zu einem System der Grundbegriffe und Grundsätze der Wissenschaft ist in den Untersuchungen Leibnizens über die Grundlagen der Mathematik geleistet", war von Stud. phil. Ernst Cassirer aus Breslau bearbeitet worden. Diese Arbeit wurde als eine ausgezeichnete Behandlung dieses höchst schwierigen Themas und als eine hervorragende Leistung bezeichnet und mit dem doppelten Preise gekrönt. i. München, 7. Februar. Ein interessantes Bild von dem Leben in unserer Gemeinde giebt der eben von der Verwaltung veröffentlichte Bericht über die Wohlthätigkeitspflege innerhalb derselben für das Jahr 1896. Bekanntlich dürfen hier aus den Einkünften der Gemeinde und namentlich auch aus den Kultusbeiträgen der Mitglieder keinerlei Aufwendungen für Wohlthätigkeitspflege gemacht werden. Es besteht daher unabhängig von der eigentlichen Gemeindekasse eine besondere Wohlthätigkeitskasse mit den aus nachstehender Aufstellung ersichtlichen Einnahmequellen. Aus dieser Kasse werden Armen zweimal im Jahre Beiträge zum Wohnungsmiethzinse und in dringenden Bedürfnissen sonstige Unterstützungen gewährt. Ausnahmsweise werden auch nicht hier wohnhafte Arme, für welche in erster Linie die Fürsorge des Fremdarmenvereins eintritt, mit Spenden bedacht. Die Einnahmen dieser Kasse betrugen 16 526,38 Mark. Die Ausgaben 11 988,05 Mark. Der Aktivrest 4538,33 Mark. Außerdem ist hier anzureihen die israelitische Waisenstiftung, deren Einnahmen 10 370,21 Mark, deren Ausgaben 6749,32 Mark betrugen. Der Stammfonds hatte am Schluffe des Jahres 1898 296 261,27 Mark. Burgpreppach, 5. Februar. Der 23. Rechenschaftsbericht über die Israelitische Präparandenschule „Talmud-Thora" für das Jahr 1897/98 zeigt diese Anstalt in gedeihlicher Entwickelung. Das abgelaufene Jahr kann in doppelter Hinsicht als ein befriedigendes bezeichnet werden. Zunächst hat die Schule in ihrer äußeren Entwickelung einen wesentlichen Fortschritt zu verzeichnen, indem durch den Bau eines Wohnhauses dem alten Uebelstande ein Ende gemacht worden ist, daß die Zahl der Schüler der Anstalt besonders stark zuzunehmen begonnen hatte, so daß es nicht mehr möglich war, alle Zöglinge im Anstaltsgebäude wohnen zu laffen. Die Kosten des Baues belaufen sich insgesammt ans nahezu 9000 Mark, wovon bis jetzt nur 7500 Mark gedeckt sind. Infolgedessen mußte man darauf verzichten, auch in diesem Jahre für die Pensionskasse eine Reserve zurückzulegen. Noch wichtiger als die erwähnte äußere Erweiterung der Schulgebäude ist eine andere, für die innere Entwickelung der Schule sehr bedeutende Neuerung freudig zu registriren. Es ist dies die mit hoher königlicher Regierungsentschließung vom 28. Januar lanfenden Jahres angeordnete Einführung einer Schlußprüfung für die Schüler des III. Präparandenkurses, welche anstatt der früheren sechswöchentlichen Probezeit über deren Reife zum Eintritt in das Seminar entscheiden soll. Bon den Präparanden, die im abgelaufenen Jahre dem III. Kurse angehört hatten, sind im Frühjahr, bezw. im Herbst, 4 in die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, 3 in das israelitische Seminar zu Kassel und je 1 in das königliche Schullehrerseminar Würzburg, das königliche Seminar zu Halberstadt und die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover eingetreten. Die Leitung der Anstalt wendet sich zum Schluß an alle Freunde und Förderer, in dem edlen Eifer für die gute Sache nicht zu erlahmen und ihr auch weiter helfend beizustehen, damit sie ihrer Thätigkeit immer weitere Grenzen ziehen könne. Der Vorstand der Präparandenschule ist Dr. Salomon Bamberger. Die Verwaltung besteht aus den Herren: Dr. S. Bamberger, M. G. Ullmann, Burgpreppach, M. Neumann, Burgpreppach, I. Lippstädter, Aidhausen, B. Reus, Lendershausen. X. Baden, 2. Februar. Wie wir hören, hat sich der Großherzog von Baden während seiner Anwesenheit hier auch lebhaft für das Fortschreiten des Synagogenbaues, den er wiederholt besichtigte, interessirt. Bor der Abreise wurde der Synagogenrath zur Audienz befohlen, um die Abschrift der Urkunde, welche anläßlich der Grundsteinlegung eingemauert wurde, zu überreichen. Der Großherzog sprach seine volle Anerkennung für den schönen Bau aus und betonte seine Befriedigung über das Erstehen einer Synagoge in Baden, wodurch auch den Fremdeninteressen gedient sei. Auch gab der Großherzog sein Interesse für die israelitische Gemeinde der Stadt Baden kund, wodurch die hiesigen Israeliten sich hochgeehrt fühlen. Aus Württemberg, Ende Januar. In der größten Gemeinde des Schwarzwaldkreises, Rexingen, starb am 25. d. M. der Senior derselben, Herr Jesaias Levi, in seinem 86. Lebensjahre. Der Verblichene stand in hohem Ansehen sowohl bei der jüdischen als auch bei der christlichen Bevölkerung. Er war ein Original, dessen Jdeenkreis weit über das gewöhnliche Niveau hinausging. Er verband mit der gründlichen Kenntniß der Religionsschriften ein ungewöhnliches Maß weltlicher Bildung. Schiller und Heine waren seine Lieblingsklassiker. Er citirte sie. oft und treffend im täglichen Leben. In seiner Jugend durchwanderte er Deutschlands Gauen und betrachtete mit offenem und klarem Auge die Erscheinungen des Lebens. Später ließ er sich, da er nirgends in eine „Zunft" Aufnahme finden konnte, in seinem Heimathsorte nieder als ehrsamer Gewerbebeflissener und Oekonom. Seinen begabten Kindern ließ er eine sorgfältige Ausbildung angedeihen. Ein Sohn von ihm ist Chef der Firma Levi y Kocherthaler in Madrid und Ritter des Militärverdienstkreuzes I. Klaffe, ein zweiter ist Direktor in Barcelona, ein dritter Lehrer und Rabbinatsverweser in Hechingen, ein vierter Mitinhaber einer New-Uorker Groß-Firma. Seine einzige Tochter ist die Gattin des Hauptlehrers Graf in Essen (Ruhr). Seinen Lebensabend verbrachte der Entschlafene zufrieden und glücklich bei seinem ältesten Sohn in Rexingen. Er war nur einige Tage unwohl, aber der Humor verließ ihn nicht bis zur letzten Stunde. Sein Begräbniß gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgebung, wie sie Rexingen noch nie sah. Alt und Jung, Jude und Christ — Alles wollte dem seltenen Manne noch die letzte Ehre erweisen. Namentlich waren es die Armen christlicher und jüdischer Konfession, die den Verlust ihres warmen Fürsprechers betrauerten. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 6. Februar. Die falschen Zahlen über hiesige Taufen haßen sogar unseren Kultusvorstand aus seiner übergroßen Reserve herausgerissen. In der vorletzten Sitzung ließ sich der Vorsitzende über diese Zeitungsenten aus und theilte zur Richtigstellung des Sachverhalts mit, daß nach den vorliegenden amtlichen Daten: 424 Austritte im

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