Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1899)
- Date
- 1899-02-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 -- K. AuS Westprenßeu, im Februar. Zum Bau der Friedhofs mauer in der Synagogengemeinde Sch wetz hat der Kaufmann L. Jacob in Berlin, ein geborener Schwetzer, dieser Gemeinde 600 Mk. gespendet? Vor etwa drei Jahren hatte ein Kaufmann Groß in London, auch ein Schwetzer Kind, der Gemeinde 3000 Mk. zum Bau einer Leichenhalle unter der Bedingung überwiesen, daß dieselbe den Namen „Großstiftung^ trage. Diese Summe wurde bei der Sparkasse verzinslich angelegt. Als-, nun im vergangenen Jahre der Anschlag zur geplanten Leichenhalle gemacht war, stellte es sich heraus, daß dieser Bau das Dreifache dergeschenkten Summe kosten sollte. Der Vorstand wandte sich deshalb an den Geber in London mit der Bitte, das Fehlende noch zuzuschießem Der Londoner lehnte dies ab. Darauf sandte der Vorstand der Gemeinde- (ein seltener, aber ob korrekter Fall, möge dahingestellt bleiben) die 3000 Mk. mit den aufgelaufenen Zinsen dem Spender zurück. — In Garnsee ist Herr Kaufmann Fuchs, in Zinten Herr Rechtsanwalt Lilienthal zum Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung und in' Fra u st ad t der Arzt Herr Dr. Glaser zum stellvertretenden Vorsteher jener Körperschaft gewählt worden. — Der Senior der israelitischem Gemeinde in Dirschau, Herr Rentier Lipmann Hirschseld, feierte am 15. d. Mts. in seltener Rüstigkeit und Geistesfrische seinen 80. Geburts-- tag. Aus diesem Anlasse beglückwünschte der Vorstand der Gemeindeim Namen derselben den Greis, welcher viele Jahre dem Repräsentanten-? kollegium angehörte. Derselbe begeht übrigens, wills Gott, noch im Laufe dieses Jahres zwei seltene Ehrentage: die goldene Hochzeit und' daS 50jährige Jubiläum als Bürger der Stadt Dirschau. — Das" S. Schneider'sche Ehepaar in Gerdauen feierte am 2. d. Mts. und das Kaufmann Meyerfeld'sche Ehepaar in Neuterich am 4. d. Mts. die- Silberhochzeit. Das Erstere spendete aus diesem Anlässe der Stadv Gerdauen 500 Mk. zur Unterstützung bedürftiger Personen. — Herr Kaufmann Brasch in Zempelburg ist von der Generalversammlung: des Vaterländischen Frauenvereins zum Schatzmeister gewählt worden.. — Herr Kaufmann Cohn in Mühausen ist in den Vorstand des dortigen Männerturnvereins und Herr Rechtsanwalt Dr. Leyde in Tiegenhos. zum Vorsitzenden des dortigen Handwerkervereins gewählt worden. — Auf das vor Kurzem verstorbene Ehrenmitglied der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig, Prof. Dr. Ferdinand Cohn-Breslau, hielt ein Mitglied der Gesellschaft (Herr Dr. Lakowitz) nach einem Vortrage eine Gedächtnißrede. — Die Synagogengemeinde in Briefen hatden Kantor Falkenstein aus Namslau in Ober-Schlesien zu ihrem Kantor gewählt. S. Pose«, 2. Februar. Die zweite ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Synagogen-Gemeinden des Regierungsbezirks Posen hat am 29. v. Mts. im Sitzungssaals der hiesigem Synagogen-Gemeinde stattgefunden. Aus dem vom Verbandsvorsteher? Herrn Schoenlank vorgetragenen Jahresbericht für 1898 ging hervor, daß der Verband rege bemüht war, die ihm statutengemäß gestellten Ausgaben zu erfüllen, insbesondere das Religionsschulwesen sowie die Aus-' bildung von Religionslehrern und sonstigen Kultusbeamten zu "fördern. Nach erfolgter Wahl besteht nunmehr der Berbandsausschuß aus den' Herren: S. Schoenlank-Posen, Verbandsvorsteher, Rechtsanwalt Salz-? Posen, stellvertretender Verbandsvorsteher, S. Silberberg-Posen, Kassenführer, Kommerzien- und Stadtrath Herz-Posen, Jsr. Friedländer-Posen^ M. Werner-Posen, Rechtsanwalt Breslauer-Rawitsch, Rabbiner Bloch-? Jarotschin, I. Jastrow-Rogasen, A. Herzfeld-Grätz, Rittergutsbesitzer < Jf. Rohr-Langguhle-Bojanowo, Emil Cohn-Krotoschin. Die Fach-- kommisston besteht aus den Herren: Gemeinderabbiner Dr. W. Feilchenfeld-Posen, Rabbiner Dr. Bloch-Posen, S. Silberberg-Posen, Louise Oppler-Plefchen, Kreisphysikus Dr. Rubensohn-Grätz. Ferner wurde? beschlossen, daß der Verbandsvorsteher berechtigt sein soll, die statuten-5 gemäßen Jahresbeiträge erforderlichenfalls zu ermäßigen, um auch denkleineren Gemeinden den Beitritt zum Verbände zu erleichtern. Diö' Errichtung von Rabbinats-Bezirken im Bereiche des Regierungsbezirks Posen erklärte die Generalversammlung für wünschenswerth und beschloßzugleich, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund zu Berlin zu ersuchen, hierfür bei eintretender Abänderung des Gesetzes über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 zu wirken. Der Etat des Verbandes für 1899 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 1314,77 M. festgestellt/ Kp. Aus der Provinz Posen, im Februar. Die Lehrerin Frl. Türk an der städtischen Schule in Posen ist in den Ruhestand getreten. — Inder neulich stattgehabten Generalversammlung des Vereins zur Förderung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden in Posen gedachte der Vorsitzende, Herr Ludwig Manheimer, zunächst mit ehrenden Worten des verstorbenen Vorsitzenden, des Kommerzienraths Milch, und knüpfte hieran die Mittheilung, daß die Hinterbliebenen desselben dem Verein den Betrag von 10000 M. als Moritz Milch-Fonds überwiesen haben mit der Bedingung, daß die Zinsen für Zwecke des Vereins verwandt werden sollen, während das Kapital nicht angegriffen werden darf. Nach dem hierauf erfolgten Geschäfts- und Kassenbericht waren zu Beginn des Jahres 15 Zöglinge in der Fürsorge des Vereins; dieselben widmeten sich den verschiedensten Gewerben. Bis zum Schluffe des Jahres war die Zahl der Lehrlinge auf 18 angewachsen. Verausgabt wurden insgesammt 3520 M. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Kommerzienrath Milch wurde Fabrikdirektor Nazary Kantorowicz und als neue Vorstandsmitglieder die Herren Oberlehrer Dr. Peyser und Kaufmann Carl Goldschmidt gewählt. Der Verein, welcher jetzt im vierten Jahre besteht, ist dem Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden als Mitglied beigetreten. — Bon amtlicher Steve ist dem Rechtsanwalt und Notar Cohn in Rogasen gestattet worden, anstatt seines bisherigen Familiennamens „Cohn" den Familiennamen „Hahn" wieder annehmen zu dürfen. — Am 22. d. Mts. feierte das Schneidermeister Stäckel'sche Ehepaar inKoschmin das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. — Kaufmann und Stadtverordneter Joseph Holländer in Samter feierte neulich sein 70. Geburtstagsfest, aus welchem Anlasse derselbe der Synagoge eine Thorarolle schenkte. Holländer ist seit 30 Jahren Stadtverordneter, Schulvorsteher und Mitglied des dortigen Synagogenvorstandes. — Die israelitischen Gemeindebehörden in Ostrowo beabsichtigen, das bisher daselbst als Zahlschule bestehende Religionsunterrichtsinstitut als Gemeindeschule zu übernehmen; es würde dadurch der Etat mit etwa 1000 Mark belastet werden. Die Schule soll alsdann ans vier Klassen bestehen. Die Regierung zu Posen hat dem Magistrat in Santomischel mitgetheilt, daß sie die Versetzung des dortigen Lehrers der jüdischen Schule in Erwägung gezogen habe, weil sie die Absicht habe, die Schule aufzulösen. Letztere wird gegenwärtig von nur 11 Kindern besucht. — Kaufmann Leo Wolfsohn in Neustadt b. P. ist zum Stadtverordnetenvorsteher daselbst gewählt worden. Leovschütz i. Schl., 2.Februar. DerJsraelitischeFrauenverein hiesiger Gemeinde hielt am 28. v. M. seine ordentliche Generalversammlung ab. Dieselbe eröffnete und leitete der Vorsteher hiesiger Gemeinde Herr Siegmund Luft und ernannte zum Schriftführer Herrn Prediger Abraham. Der Verein, welcher am 1. Januar 1659 gegründet wurde, zählt gegenwärtig 63 Mitglieder. Die Jahresbeiträge betragen ca. 360 M., außerdem fließen dem Verein aus Anlaß freudiger Familienereignisse freiwillige Spenden zu. An Ausgaben waren an baaren Unterstützungen und für Anschaffung von Brennmaterial ca. 430 M. zu verzeichnen, außerdem wurde eine arme hiesige Braut mit 90 M. unterstützt. Das Vereinsvermögen beträgt 2200 M., welche zinsbar angelegt sind. O EberSbach, 3. Februar. Aufsehen erregt hier der Ende voriger Woche über das Vermögen des bekannten Antisemiten-Häuptlings Spediteur Schladitz ausgebrochene Konkurs. Schladitz, ein eifriger „Reformer" vom Schlage Ahlwardts, sammelte zur Zeit des Judenflinten-Prozefses milde Beiträge für den „Rektor aller Deutschen". Wer sich damals nicht sofort bereit fand, für den „hochverehrten Mann" sein Scherflein zu spenden, der wurde zum „Judenknecht" gestempelt. Jedem politischen Gegner wurde von Schladitz Mangel an Vaterlandsliebe vorgeworfen, er selbst aber brüstete sich mit seinem „nationalen Deutschthum". Als Anhänger der antisemitischen „Reform"-Partei spielte er sich überall als Retter des Mittelstandes und des Handwerks auf. Aber gerade diese Kreise find es, die jetzt durch seinen Konkurs sehr erheblich geschädigt werden. Verschiedene ärmere Handelsleute, kleine Professionisten verlieren nun ihre sauer erworbenen Groschen bei dem Konkurs. Die Erbitterung unter diesen Leuten ist daher sehr groß und macht sich vielfach in drastischen Worten Luft. Bemerkt sei noch, daß Schladitz im Verein mit dem Abgeordneten Hänichen s. Zt. auch in Zittau den Antisemitismus einzuführen versuchte. Damit haben die Herren freilich kein Glück gehabt.