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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-10 · Heft 6 (10.2.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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1V- - V r- 63. Ächrgang. «t. 6. f|f£ Ittfrtfll Ö t^4 Berlin. 10. Februar 1899. Weiscrge zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenttzums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L^v Berlin, 6. Februar. Der Ausschuß der Stadtverordneten- Bersammlung zur Vorberathung des Antrages Dr. Preuß und Gen. und der Vorlage des Magistrats über die Ordinariate der jüdischen Lehrerinnen an den Gemeindeschulen hat nunmehr folgenden Beschluß gefaßt: „Die Versammlung nimmt davon Kenntniß, daß eine Antwort des Provinzial-Schulkollegiums auf die Remonstration der städtischen Schuldeputation vom 10. November v. I. gegen die Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums vom 22. April v. I. bisher nicht ertheilt worden ist, die Angelegenheit mithin ihre Erledigung noch nicht gefunden hat, und spricht die Erwartung aus, daß der Magistrat mit ihr das Interesse der durch die Verfügung betroffenen jüdischen Lehrkräfte sowie die bestehenden Einrichtungen unseres Gemeindeschulwesens wahren wird." S. Berlin, 6. Februar. Herr Louis M. Bamberger hat, nachdem er bereits vor einigen Tagen diese Absicht geäußert, mit dem heutigen Tage definitiv sein Mandat als Mitglied des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde niedergelegt. Veranlassung hierzu gab ihm der Tod seines Schwiegersohnes, der nach 1 ]/2 jähriger glücklicher Ehe nach kurzem Krankenlager verschieden ist. Herr Bamberger gehörte seit dem Jahre 1893 dem Vorstände an und leitete während dieser Zeit das große Ressort der Waisenverwaltung, der er sich mit regstem Interesse und unermüdlichem Eifer widmete. In die erledigte Stelle ist nunmehr der bisherige Stellvertreter, Herr Geh. Sanitätsrath Dr. Boas, heraufgerückt. Die nächste Sitzung der Repräsentanten-Versammlung findet am Sonntag den 12. Februar statt. Auf der Tagesordnung derselben steht die wichtige Vorlage betr. die Kommission zur Rabbinerwahl. Da der diese Materie vorberathende Ausschuß III eine orthodoxe Majorität hat, so darf man den Vorschlägen mit Spannung entgegensetzen. 22 Berlin, 7. Februar. Den Reigen der Montags-Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums eröffnete gestern Herr Professor Dr. Martin Philippson mit einem höchst interessanten Vortrage über Peter Arbues, den heiligen Großinquisitor. Ausgehend von dem berühmten Gemälde Wilhelm Kaulbachs, erzählte der Redner zunächst die Vorgeschichte der Inquisition und schilderte sodann die Institution selbst, um sich hierauf Peter Arbues de Epila zuzuwenden, dessen Leben und grausam fanatisches Treiben er in anschaulicher Weise beschrieb. Von besonderem Interesse war die aus neue Daten gestützte und die Angaben von Grätz vielfach berichtigende Darstellung der Verschwörung gegen die Führer der Inquisition, durch die Arbues, gerade als er an den Stufen des Altars die Messe las, tödtlich verwundet wurde und zwei Tage darauf — am 17. September 1485 — starb. Lange wehrte sich deshalb die katholische Kirche, diesen wilden Fanatiker zum Heiligen zu machen. Papst Alexander VII. sprach ihn nur selig. Erst dem neunzehnten Jahrhundert, in dem ja sich auch ein gelehrter Vertheidiger der Inquisition fand, war es Vorbehalten, die Heiligsprechung des Peter Arbues 1867 durch Pius IX. zu erleben. Der Bortrag Philippsons war gediegen, geistvoll und hochinteressant; er bewährte von Neuem all die Vorzüge, die wir an diesem Historiker längst schätzen gelernt haben: Die Gründlichkeit des Studiums, die Klarheit des Vortrages, die Eleganz der Darstellung' und die Wärme der Empfindung, die namentlich in den Schlußbetrachtungen zum Ausdruck gelangte. Das zahlreich versammelte Publikum spendete dem Vortrag reichen Beifall. B. Berlin, 8. Februar. Der Spar- und Hilfs-Verein der Beamten der jüdischen Gemeinde zu Berlin hielt am 5. d. M» seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Dem Bericht des Vorsitzenden ist zu entnehmen, daß der am 11. Januar 1898 begründete Verein gegenwärtig 90 Mitglieder zählt. Der Kapitalfonds, welcher sich vornehmlich aus Geschenken von Mitgliedern der Gemeindeverwaltung zusammensetzt, hatte Ende 1898 eine Höhe von 3127,70 Mark, der aus Spareinlagen der Mitglieder bestehende Sparfond s eine solche von 2993,85 Mark erreicht. Die Einlagen werden den Mitgliedern verzinst und sind in pupillarisch sicheren Effekten angelegt. Nachdem die einjährige Karrenzzeit abgelaufen, hat der Verein mit der Gewährung zinsfreier Darlehen an Mitglieder begonnen. Der weitere Zweck des Vereins, zu Gunsten der materiellen Lage seiner Mitglieder einzutreten, kam in einer Resolution zum Ausdruck, durch welche der Vereinsvorstand ersucht wird, zur Berathung von für die Beamtenschaft wichtigen Fragen Zusammenkünfte zu veranstalten und die Wünsche des Beamtenkörpers in geeigneter Weise bei den Gemeindebehörden zu vertreten. In den Vereinsvorstand wurden für das Jahr 1899/1900 die Herren Generalsekretär Budwig, Kassenkontroleur Simon, Hauptkassirer Rosenberg, Registrator Halle und Nuntius Rieß, zu Revisoren die Herren Büreauassistenten Cohn und Simonsohn gewählt. S2 Bertin, 7. Februar. Der dritte Jahresbericht des Vereins für Arbeitsnachweis, den die Berliner Bnai-Briß-Logen begründet haben, für das Jahr 1898 giebt ein erfreuliches Bild des Aufschwungs dieser jungen Institution. Während im Jahre 1896 661 Personen und im Jahre 1897 758 Personen untergebracht wurden, konnten im Jahre 1898 1512 Personen in dauernde Stellungen gebracht und ea. 250 Personen vorübergehend mit Beschäftigung versehen werden. Diese überraschenden Erfolge verdankt der Verein seiner sich immer mehr verbessernden Organisation und dem stetig zunehmenden Wohlwollen der Arbeitgeber (Fabrikanten, Geschäftshäuser, Banken, Gesellschaften, Institute, Vereine, Arbeitsstuben, Handwerksmeister rc.), die sich der für beide Theile kostenlosen Vermittelung immer mehr bedienen und täglich bei ein tretenden Vakanzen Aufträge zur Besetzung derselben geben. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin unterstützt den Verein und hat in den Vorstand die Herren Julius Cohn und Siegfried Loewenwald delegirt. Ferner ergänzte der Vorstand sich durch Kooptirung der Herren Maurermeister Marcus Adler, Rentier Maximilian Heymann, Rentier S. Stolzmann und Rechtsanwalt Timendorfer. Das im Monat Dezember 1897 eingesetzte Damenkomitee hat sich erfolgreich und wirksam bethätigt. Es besteht aus 15 Damen, die den Vorständen der verschiedenen jüdischen Frauenvereine Berlins angehören. Redendem Zuschuß, welchen die Jüdische Gemeinde zu Berlin gegeben hat, und der Beihilfe der drei Berliner U. O. B. B. Logen wurden von dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, dem Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und von dem Israelitischen Miethe- Hilfsverein Subventionen gewährt. Frau Franziska Ginsberg geb. Sachs nebst Kindern hat zu Ehren ihres verstorbenen Gatten, des Herrn Adolf Ginsberg, den Betrag von 3000 Mark, welcher zur Gründung einer Adolf Ginsberg-Stiftung verwandt werden soll, gespendet. Aus den Zinsen dieser Stiftung sollen die laufenden Ausgaben mit gedeckt werden; soweit sie hierzu nicht erforderlich sind, sollen sie zu Stipendien für Handwerkslehrlinge verwandt werden. Der Vorstand besteht aus den Herren: Eugen Rosenstiel, I. Vorsitzender, D. Lichtenstein, Schriftführer, Direktor A. Ehrenberg, Schatzmeister, Ludwig Cohn, II. Vorsitzender, Otto Haber, stellvertr. Schriftführer, S. Steinthal, stellvertr. Schatzmeister, Marcus Adler, Julius Bodenstein, Albert Bloch, Jlia Ber, Th. Bernheim, Julius Cohn, H. Davidsohn, Maximilian Heymann, Dr. Hirsch Hildesheimer, Dr. Max Leichtentritt, Siegfried Loewenwald, Simon Stolzmann, Rechtsanwalt Timendorfer, S. Weile. Dem Damenkomitee gehören an: Helene Cohn, Nathalie Cohn, Elise David, Jenny Feibusch, Jenny Gutmann, Sara Guttmann, Martha Guttentag, Rosalie Gerling, Louise Jacoby, Julie Leichtentritt, Franciska Lüpschütz, Frau Dr. Maybaum, Amalie Rosenstiel, Johanna Weber.

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