Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1899)
- Date
- 1899-02-10
- Page
- Seite 72 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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. -> STV V-7-i— r-j. tj. r -- s’'•»<' «. <"" SÄ^1? w?.. *T,C'V.' r A '"■'“' ’ J'*Iff? 72 Der Prophet murmelte nach einer langen Pause vor sich hin. „Er wird kein Leid uni sie tragen, er wird Israels König und vergißt sie. Gottes Hand hat die Entscheidung gebracht und ihren Geist umhüllt!" Und der fanatische Manu kniete nieder und dankte zerknirscht seinem Herrn für die geleistete Hilfe. Denn wer anders konnte die Sünderin vom verfluchten Stamme so gerecht und so fürchterlich strafen? Da stürzte ein bleicher, erschrockener Krieger herein, es war einer von Sethrons Kriegern. o „Reson ist befreit, Sethron erschlagen!" schrie der Söldner. Der Prophet erhob sich. Es war keine Veränderung in seinen Zügen zu bemerken, während Jerobeam zurückwich. Aber eine Bildsäule konnte nicht regungsloser dastehen als der getäuschte Prophet. Da warf sich ein zweiter Krieger herein mit stürmischem Wesen, in eilender Hast. Er war von dunkler Gesichtsfarbe, trug einen Turban, und seine ganze Kleidung war von Staub bedeckt. Ehe der Prophet fragen konnte, schrie er in der Sprache der Aegypter: „Die Krieger des Pharao stehen an Israels Grenzen, Amalek ist abgefallen von Salomo, sollen wir den Siegerschritt auf Zion lenken?" Das Auge des Propheten leuchtete auf in trunkener, mächtiger Freude. Er ergriff heftig Jerobeams Arm und rief in Tönen un? verholenen Entzückens: „König von Israel, für welche dieser Nachrichten sparen wir die größere Ueberraschung?" (Forts, folgt.) Einer von den Areiunddreißigern. fic 33 er, nämlich das Ostpr. Infanterie-Regiment Nr. 33, dem s.Z. zum Andenken an den preußischen Kriegs minister im deutschfranzösischen Kriege der Name von Roon beigelegt wurde, feiern am 6. März 1899 ihr 150 jähriges Bestehen. Das Regiment hat eine ruhmreiche Geschichte. Unter den Beweisen, von Tapferkeit, die es im letzten Feldzuge erbrachte, wo die kraftvollen Ostpreußen manches Bravourstückchen ausführten und ihrem Regiment nur Lorbeeren eintrugen, ist für uns hier an dieser Stelle namentlich eines von Interesse. Waren es doch die 33 er, die in der Schlacht bei Gravelotte die größten Verluste erlitten, denn auf dies Regiment entfiel der 30. Theil des Gesammtverlustes der deutschen Armee. Der vierte Theil des Regiments blieb in jener Schlacht auf dem Felde der Ehre. Eine große Anzahl 33 er kehrte aus dem Kriege mit dem Eisernen Kreuz geschmückt heim. In dem Buche „Wie wir unser Eisern Kreuz erwarben"^ lesen wir: „Am 23. Dezember in der Schlacht an der Hallue. Querrieux war genommen, und eben auch waren die Franzosen aus Pont Noyelles zurückgetrieben, als die 33 er von den Höhen nördlich dieses Ortes Artillerie- und Gewehrfeuer bekamen. „Kinder, heute ist ein Tag für die Ostpreußen! Entweder das Hölzerne oder das Eiserne Kreuz!" Mit dem Rufe stürmte der Füsilier Alexa nder Müller einer Abtheilung von etwa 30 Mann des Schützenzuges der 5. Kompagnie voraus und einer Anhöhe zu, die von feindlichen Geschützen gekrönt war. Vizefeldwebel Kiefing, der Zugführer, hatte wohl eigentlich beabsichtigt, am Abhang vorläufig Deckung zu nehmen, nun aber ging's zum Angriff, und — der gelang — unter Hurrah wurde die Stellung genommen — der Feind floh. Ein Geschütz blieb in den Händen der Schützen, und der Füsilier Müller, der eigentliche Urheber des kühnen Anlaufs gegen große Uebermacht, vernagelte selbst das Geschütz durch Eintreiben eines Entladestycks in das Zündloch, den er dann abbrach. Von den 30 Mann kamen nur 10 zurück, denn bald erkannte der Feind die Schwäche der muthvollen Schaar und rückte von Neuem vor. Viele der tapferen Ostpreußen ruhten bald unter dem Hölzernen Kreuz — nach ehrenreichem Soldatentod. Alexander Müller aber, der, bei Gravelotte durch einen Granatsplitter verwundet, erst kürzlich geheilt von Köln zurückgekehrt war, wurde mit dem Eisernen belohnt und lebt als Kaufmann in Elbing." Erwähnenswerth dürfte noch sein, so schreibt die konservative „Elbinger Zeitung" in Nr. 299, daß Herr Alexander Müller einer alten jüdischen Militärfamilie (den damals sogenannten Schutzjuden) entstammt. Sein Großvater diente schon Ausgangs des vorigen und Herrn Müllers Vater, der in Stuhm ansässig war, zu Anfang dieses Jahrhunderts in der preußischen Armee, und ebenfalls im 33. Infanterieregiment. Der Truppentheil lag damals in Graudenz in Garnison, wo Herr Müller (Vater) 1817 die Qualifikation eines Regiments-Fechtmeisters errang. Herr Alexander Müller ist gegenwärtig Repräsentant der jüdischen Genieinde zu Elbing. Wir haben aus vielen anderen nur dieses eine Beispiel für heute herausgegriffcn und hoffen, daß die antisemitischen Blätter, die selbst die jüdische Soldatenehre zu begeifern versucht haben, sich beeilen werden, diesen Artikel so rasch wie möglich nachzuvrucken. ^abt ihr den Ruf gehört von Ost und West? Von Nord und Süd schallt er mit Donnerton: Zum Kampf, zum Kampf fürs heiligste der Güter, Zum Kampfe für die Religion! Mahnruf. Don!Dilhelm Ginsberg. Herbei denn Alle! Arm und Reich Und Alt und Jung ist uns willkommen. In diesem Kampf ist Alles gleich. Was nur vom rechten Muth durchglommen. Das ist ein Freiheitskrieg, ein heiliger Krieg, Für uns'res heiligen Glaubens Freiheit steh'n, Mit Gut und Blut, mit Leib und Seel", Und sollten wir zu Grunde geh'n. Fluch über Die, die in dem sichern Port Des Reichthums ihren Brüdern sich entziehen! Fluch über Die, die aus dem heil'gen Krieg Elend und feige fliehen! Was ist denn Macht? was sind denn Güter Vergänglicher, verwehter Tand. Es hielt im Sturmgebraus der Zeiten Kein Kapitol, kein Spanien Stand. Doch immer noch steht unser Glaube. Ihm sei, was unser ist, geweiht! Wer für den Glauben ist gefallen. Der hat gelebt für seine Zeit. Solch Dasein nur ist ja ein„ Leben, Das einem großen Zweck geglüht. Für ihn gestritten und gerungen Mit Leib und Seel', mit That und Lied. Drum auf! Das Wissen sind die Waffen, Die alles Schlechte überwinden! Was wir geleistet und geschaffen. Das mögen spät're Zeiten künden! Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.