Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1899)
- Date
- 1899-02-10
- Page
- Seite 71 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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m PÜHiWUii1» ÜWHIHiWWWiyWWl^EglPH' 71 erschienen war, hatte man die Cypreffe gefällt, und Anubis, der ältere Bruder des Batau, ging in sein Hans, setzte sich nieder und wusch seine Hand. Nun bracht» man ihm eine Flasche Bier, und sie schäumte auf. Dann brachte man ihm eine andere mit Wein, und er begann sich zu trüben. Da nahm er seinen 13) Stab und seine Schuhe und desgleichen seine Kleider und sein Handwerkszeug und machte sich auf, um nach dem Cypreffenwald zu wandern. Dort trat er in das Haus seines jüngere», Bruders ein und fand seinen jüngere»» Bruder auf seiner Matte liegen, und er war todt. Da weinte er, nachdem er wahrgenomme», daß sein jüngerer Bruder in der Thal verstorben. Dann machte er sich auf, um das Herz seines jüngeren Bruders unter der Cypreffe zu suchen, unter der sein jüngerer Bruder sonst an» Abend geruht. So verbrachte er drei Jahre mit Suchen, ohr»e zu finden. Als er aber auch das vierte Jahr begonnen, da sehnte sich sein Herz nach Aegypten zurück, und er sagte sich: „Morgen breche ich auf". So war es ihm zu Sinne. Als aber die Erde hell geworden und ei»» zweiter Tag erschienen war, ward es ihm doch wieder zu Theil, sich unter die Cypreffe zu begeben, und er verbrachte die Zeit, indem er danach suchte. Am Abend hörte er auf, und als er um sich her schaute, un» abermals zu suchen, fand er eine Bohne, und wie er sie an ihrem unteren Theile löste, siehe, da war es das Herz seines jüngeren Bruders. Nun holte er einen Krug mit frischem Waffer und warf es hinein, und da saß er da, so wie alle Tage. Nachdem es aber Nacht geworden war, 14) schlürfte sein Herz das Wasser ein, und Batau schauerte an all seinen Gliedern zusammen, blickte auf seinen älteren Bruder, und dann schwanden ihm die Sinne. - Da ergriff Anubis, sein älterer Bruder, den Krug mit frischem Waffer, worin das Herz seines jüngeren Bruders lag; dieser trank es in sich hinein, sein Herz stellte sich wieder an seine alte Stelle, und er wurde wieder ganz, wie er gewesen war. Da umarmte Einer den Anderen, jeder von ihnei» redete mit seinem Genossen, und Batau sprach zu seinem älteren Bruder: „Siehe, ich werde mich in einen großen Stier verwandeln, der mit allen guten Hautzeichen (des Apisstieres) ansgestattet ist. und der einzig in seiner Art sein wird. Du aber setze Dich auf meinen Rücken, und wenn dann die Sonne aufgeht, werden wir uns am Aufenthaltsort meiner Frau befinden; ich aber werde Vergeltung üben. Was Dich angeht, so führe Du mich dahin, wo man (der Pharao) sich aufhält; denn inan wird Dir alle guten Dinge erweisen; ja, Dich mit Gold uub Silber belasten dafür, daß Du mich zu den» Pharao — Ln. b. i. rc. — brachtest. Ich werde nämlich zu einem großen Wunder werden, und man wird mir zujubeln in» ganzen Lande. Doch Du begieb Dich (zurück) in Dein Dorf." (Schluß folgt.) EUILLETON Sl Me Mose von Saron. Eine Erzählung. - XXXII. Prophet trat an die Knieende heran, ergriff sie trotz ihres SS* Sträubens an der Hand und suchte sie emporzuzerreir, während er in tiefen heiseren Tönen schrie: „Tochter eines verfluchten Stammes — eh' neue Lügen über Deine Lippen gehen, soll mein Grimm Dich zerschmettern!" Der Prophet blickte sein Opfer mit wildein Grimme an, aber er hob nicht einmal die Faust, denn die Wuth hatte ihn jetzt in eine Aufregung versetzt, welcher jedes Wunder möglich schien. Der Prophet stand lange in einer horchenden Stellung.- Es war eine angstvolle, peinigende Gruppe! Jerobcam blickte düster mit verschränkten Armen vor sich hin. zuweilen n»»r hob er den Blick und ließ ihn mit einein gewiffen Entsetzen auf dem Propheten weilen. Die Matrone, gewaltsain an den Schrecklichen herangeschleppt, so daß ihr Haupt seine Gewänder berührte, schien betvußtlos, obwohl ihre Züge wie ihre Augen grelles Entsetzen aussprachen. Die Pause war lang und angstvoll. Der Grnnm des Propheten ward alllnälig durch scharfen, schadenfrohen Verstand gezügelt, doch nicht gesänftigt, und nun machte er sich mit vernichtender Kälte und bitterem Hohne Luft. „Du hofftest, ihn Dein zu nennen?" schrie er und schüttelte barbarisch den Arm der Matrone. „Du hofftest, ihn mit Deinen Thränen, mit Deinen kläglichen Lügen zu erweichen? Abgöttisches, verfluchtem Saamen entsprossenes Weib, weißt Du, wer er ist, er, den Du Sohn nennen möchtest, den Du nie Sohn nennen wirst?" Die Züge der Matrone erhellte kein Strahl des Bewußtseins, sie suchte blos unter unverständlichem klagenden Murineln ihren Arin von dem eisernen Griffe des Propheten frei zu machen. Ihr Blick war starr und beängstigend. „Weißt Du, wer er ist?" wiederholte der Prophet von Neuem Mit trinmphirender Stimme, ohne die sonderbare Veränderung im Gesicht der Matrone zu bemerken. „Wer er ist — Du betrogene, verlassene Mutter — Du. welche der Entsprossene Deines Schooßes anspeit! Wer er ist — Israels Held uub Hoffnung, der nur Ekel hat für die Erzeugerin aus dem verfluchten Stamme Edoms?" Die Züge der Knieenden belebten sich nicht. Sie schien blos thierischen Schmerz zu empfinden, denn sie wimmerte, als der Prophet sie von Neuem unbarmherzig schüttelte. „Ich will Dir sagen," fuhr der Prophet fort in hohlen und dennoch verständlichen Tönen, „Dein Sohn ist Israels Hoffnung, ist Israels Morgenroth, ist Israels Held!" Die Stimme des Propheteir schloß in gellenden Laute»»: „Dein Sohn ist Israels König!" Da bebte die Matrone — eine rasende Freude verklärte ihr Angesicht — ihre Augen traten aus den Höhlen fast hervor, und dann ging ein schneidendes, wahnsinniges Geschrei von ihren Lippen: „Mein Sohn ist Israels König!" Sie brach in unbändiges, rasendes Gelächter aus, sie lachte, als lache die Hölle aus ihren Zügen, sie lachte bewußtlos voll gräßlichen Entzückens. Jerobeam bebte zusaminen, alles Blut verließ sein Herz, er wich zurück und schlug n»it einem dumpfen Schrei die Hände vor das Angesicht, als scheue er sich, etwas Entsetzliches zu schauen. Der Prophet schleuderte die Unglückliche zurück, er betrachtete sie »nit einem Blick, in welche,n Anfangs eine gewiffe Angst lag. Sie »välzte sich ain Boden und schrie unter fortwährendem Gelächter: „Mein Sohn ist Israels König!" Es war klar, sie war wahnsinnig geworden. Nun konnte sie das Geheimniß nicht mehr verrathen, Jerobeams Vermuthungen waren leicht zu besiegen. Der Prophet und Jerobeam standen einander gegeirüber, der Prophet kalt und ruhig, Jerobeam aller Faffung vollkommen beraubt, von Entsetzen niedergeschmettert, nur das Lachen der Wahnsinnigen hörend.