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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-10 · Heft 6 (10.2.1899) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
Seite 70 (sequence 10)
Language
German
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VW»..w.wiy»yw 'WWW wjw,jiMWWpww y Bjf muwwm^wp^g^1 70 die Hand giebt, und diese anfschäumt. Halte Dich nicht länger auf, sobald dies Ereigniß für Dich cintritt." Damit begab er sich in daß Cypreffenthal, und sein älterer Bruder ging zu seinem Hause zurück, und es lag seine Hand auf seinem Haupte, das er mit dem Staub des Bodens bestricheir. Als er aber zu seinem Hause gelangt waI, tödtete er sein Weib, warf es den Hunden vor und saß da und betrauerte seinen jüngeren Bruder. , Nachdem aber später viele Tage vergangen waren, weilte sein jüngerer Bruder im Cypressenthale. Kein Anderer war bei ihm. Gr brachte die Zeit hin, indem er die Thiere des Berglandes jagte, und am Abend begab er sich unter die Cypreffe zur Ruhe, in deren Blttthenspitze sein Herz sich befand. Nachdem aber später 9) viele Tage vergangen waren, baute er sich mit eigener Hand ein Landhaus in dem Cypressenthal. und es war voll von schönen Sachen, wie er sie liebte, wenn er daheim war. Als er aber einmal aus seinem Hause heraustrat, begegnete er der Neunzahl der Götter, die sich aufgemacht hatte, um die Angelegenheiten ihrer Erde bis zu ihrer äußersten Grenze zu ordnen. Und die Neunzahl der Götter beredete sich unter einander und sagte dann: „O Batau, Du Liebling') der Götterneunzahl, weilst Du hier nicht in Einsamkeit, nachdem Du Deine Heimath hinter Dich geworfen wegen des Weibes des Anubis, Deines älteren Bruders? Doch siehe, er tödtete sein Weist; Du aber wälztest auf ihn die Vergeltung aller Ueberschreitungeff, die gegen Dich gerichtet." Und es war ihr Herz sehr, sehr mitleidig mit ihm. und Ra Harmachis sagte dem Chnum °): „Willst Du nicht ein Weib für den Batau bilden; damit Du (hier wandte er sich an den Jüngling) nicht einsam verbleibest?" Da bildete ihm Chnum eine Genossin, und als sie sich niederließ, war sie schöner an ihren Gliedern als jedes andere Weibsbild auf Erden; ja, alle Götter waren in ihr. Da kamen die sieben Hathoren* * 8), um sie anzuschauen, und sie riefen wie aus einem Munde: „Sie wird durch die Schärfe des Schwertes sterben!" Er liebte sie gar, gar sehr, sie weilte in seinem Hause, und er brachte die Zeit hin, 10) indem er die Thiere des Berglandes jagte, um, was er erbeutet, por ihr niederznlegen. Er hatte ihr aber gesagt: „Tritt nicht hinaus ins Freie, damit der Stroms Dich nicht fortreißt; denn ich würde Dich vor ihm nicht zu retten vermögen; bin ich doch wie ein Weib und ganz so wie Du; denn mein Herz8) liegt in der Spitze der Blüthe der Cypreffe, und wenn Einer es findet, so habe ich mit ihm zu kämpfen." Damit erschloß er ihr seine Seele ganz ') Wörtlich: „Du Stier". Hier gewiß nur als Schmeichelname angewandt. ") Chnum ist „der Bildner". Er hatte das Weltenei auf der Töpferscheibe gedreht, das Ptah mit dem Hammer öffnete. Er gilt auch für den Bildner der Menschen, und mit seinen Gehilfen wird er als Bauherr alles Geschaffenen gedacht. Selbst beim Bau der Tempel zeigt er sich thätig. Auf der Insel Elephantine, nördlich vom ersten Katarakt, war er heimisch und besaß die Hauptstätte seines Kultus — wahrscheinlich, weil dort, an der Pforte Aegyptens und beim Anfang seines Fruchtlandes, Derjenige seine Werkstätte haben mußte, dem die meisten Gottesgaben, die das Nilthal zierten, ihre Entstehung verdankten. Seiner bildenden Hand mußte die Schöpfung des dem Batau bestimmten Weibes zugewiesen werden. b) Die Göttinnen der Liebe und alles Schönen hienieden. Sie sind die Feen unserer Märchen, und in ihrer Hand liegt es auch, das Geschick der neugeborenen Kinder vorauszubestimmen. b) Eigentlich das Meer; doch daffelbe ägyptische Wort xm'a wird (wie das arabische dabr) für die See und den Nil zugleich gebraucht. An den letzteren haben wir wohl zu denken, da ja die Locke von dem Gewässer zur Residenz des Pharao geführt ward. b) Der Mannesmuth liegt im Herzen, und Batau hat sich selbst verstümmelt. und gar. Nachdem aber später viele Tage vergangen waren, und sich Batau seiner täglichen Gewohnheit gemäß auf die Jagd begeben hatte, da ging die Jungfrau hinaus, um sich unter der Cypreffe bei ihrem Hause zu ergehen, und dabei erblickte sie den Strom, und sein Wogenschlag folgte ihr nach; sie aber machte sich auf, unr ihm zu entlaufen, und ging in ihr Haus, der Strom aber rief der Cypresse zu und sagte: „Ich bin verliebt in sie!" >) Da brachte die Cypreffe eine Locke ihres Haares, und der Strom führte sie nach Aegypten und legte sie nieder auf den Platz der Wäscher des Pharao — Leben blühe ihm. Heil und Gesundheit. Und der Duft der Locke des Haares drang in die Kleider des Pharao ein — Leben blühe ihm, Heil und Gesundheit — und man stritt sich unter den Wäschern des Pharao — Leben blühe ihm, Heil und Gesundheit — und sagte: „Es ist der Duft eines Salböles in den Gewändern des Pharao — Leben blühe ihm, Heil und Gesundheit." Und Tag für Tag entbrannte der Streit unter ihnen, 11) luid sie wußten nicht, was sie th»n sollten. Der Oberste der Wäscher aber ging an das Ufer, und sein Herz war sehr, sehr stark angewidrrt^) von dem Streit, den mau Tag für Tag gegen ihn erhob. Er wählte sich einen festen Standort, und da er sich auf dem Strande gerade gegenüber der Haarlocke im Waffer befand, ließ er (Jemand) zu ihr hinabsteigen, und der brachte sie ihm. Da fand sich ein Duft von sehr, sehr großer Süßigkeit; er nahm sie fort für den Pharao, — Leben blühe ihm, Heil und Gesundheit?) Nun führte man die Schreiber und Schriftgelehrten des Pharao — Ln. b. i. rc. — herbei, und sie sagten dem Pharao — Ln. b. i. rc. —: „Was die Haarlocke angeht, so gehört sie zu einer Tochter des Ra Harmachis; der Saft jedes Gottes ist in ihr; Derjenige aber, dem auch das „Heil über Dich" der Fremde erklingt?) möge Boten in alle Lande versenden, um sie zu suchen; mit dem Boten aber der sich in das Cypressenthal begiebt, sollen viele Leute gehen, um sie herzubringen. Hierauf sprach Seine Majestät — Ln. b. i. rc. —: „Gut, sehr gut ist das, was ihr uns saget," und man ließ sie aufbrechen. Nachdem aber später viele Tage vergangen waren, kamen die Leute, welche sich in die Fremde begeben hatten, um Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — Nachricht zll bringen; doch Diejenigen, welche in das Cypressenthal gegangen waren, kamen nicht. Batau hatte sie getödtet und nur Einen von ihnen übrig gelassen, um die Nachricht Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. — zu bringen. Da ließ Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — viele Mann von dem Fußvolk ausziehen und desgleichen von den Wagenkämpfern, damit sie zurückgebracht werde, lind es war eine Frau 12) unter ihnen, der man alle schönen Schmucksacheu eines Weibes in die Hand gegeben hatte, und die Frau (die des Batau Gefährtin gewesen) kam mit jener nach Aegypten, lind man jubelte ihr zu im ganzen Lande; Seine Majestät — Ln. b. i. rc. — aber liebte sie gar sehr, sehr, und man ernannte sie zur großen Favoritin. Man sprach auch mit ihr, um sie über die Art und Weise ihres Gatten zum Reden zu bringen. Sie aber sagte Seiner Majestät — Ln. b. i. rc. —: „Laß doch die Cypreffen abschneiden; damit wird man seine Vernichtung bewirken." Nun ließ man viele Mann von dem Fußvolk mit ihrem metallenen Handwerkszeug ausziehen, um die Cypreffen zu fällen. Sie schnitten die Blüthe ab, in der sich das Herz des Batau befand, und er fiel todt hin zur selbigen übelen Stunde. Als aber die Erde hell geworden und ein zweiter Tag >) Wörtlich: „Ich bin voll von ihr." 2) Wörtlich: „Sein Herz war stinkend gar sehr, gar sehr." 8) Statt dieser sehr häufig wiederkehrenden Formel führen wir von nun an die Abkürzung ein: Ln. b. i. rc. y Eyphemismus für „den Pharao".

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