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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-10 · Heft 6 (10.2.1899) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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.---^.1 ■ - ~,rv >■. --- - . - - - —_ 69 - Mehrheit der Bezirke beglaubigter und feierlicher im Interesse der Juden sein wird als der Wunsch, der nur von der Stadtverordnetenversammlung ausgesprochen würde." Der Präsident Mulot wendet sich nun an die in der Versammlung anwesenden Juden mit dem Bemerken, daß er nun sein Versprechen erfüllt habe, und daß er dem Beschluß der Versammlung aus vollem Herzen zustimme. Godard dankt ihm im Namen der Juden in Paris, indem er das Wort Baillys, das einige Tage vorher ausgesprochen war, wiederholt: „Segnen wir die Revolution, die uns alle zu Brüdern machen wird." Aus den späteren Verhandlungen ergiebt sich, daß sich 53 Distrikte für die Juden aussprachen und einer gegen sie; sechs Distrikte scheinen nicht berathen zu haben, wenigstens ist von diesen nichts bekannt. Fast alle erwähnten 53 Bezirke sandten der Stadtverordnetenversammlung begründete Zustimmungen ein, von denen etwa fünf oder sechs, theils vollständig, theils bruchstückweise, erhalten sind. Da indeß diese Begründungen in der Adresse ihren Platz gefunden haben, die die Stadtverordnetenversammlung am 24. Februar an die Nationalversammlung absändte, und die ich weiter unten ausführlich wiedergeben werde, so glaube ich davon absehen zu dürfen, diese Begründungen auch nur im Auszuge miizutheilen. Nur aus der Zusendung des Distrikts des Petits Peres möchte ich einen Absatz anführen, weil darin ein Jude mit Namen genannt ist. Es heißt dort gegen den Schluß: „Die Juden dienen unter den Fahnen der Nation, und wir kennen ihre Vaterlandsliebe und ihre Tapferkeit. Einer von ihnen hat sogar schon ein ganz besonderes Zeichen Ihrer Hochschätzung erhalten: ja, meine Herren, ein Sohn Abrahams dem Blute nach, Herr Calman, ein Jude aus Metz, der im Distrikt der Petits Pöres seinen Wohnsitz hat, ein freiwilliger Grenadier, ist von Ihnen gewühlt worden, um einen Platz in Ihrem Komitee ausznfülleu, und Ihr Komitee kann sich zu Ihrer Wahl nur Glück wünschen." Es scheint mir aber interessant, die einzige judenfeindliche Kundgebung, die des Distrikts des Mathurins, zu charakterisiren. Vier Sitzungen haben die Bewohner dieses Bezirkes der Berathung über die Petition der Juden gewidmet, und mannigfaltig sind die Erwägungen, die sie in ihrer Beschlußfassung jener Bittschrift gegenüber geleitet haben. Die sogenannten deutschen Juden in Frankreich seien nicht wirklich Franzosen, denn sie hätten nicht unter französischem Gesetz gelebt. Alle Juden, sei es in Frankreich oder sei es anderswo, hätten stets ein Volk für sich gebildet, das sich nie mit einem anderen Volke vermischt hätte. Auch trennten sie sich nicht nur durch den Unterschied der religiösen Ansichten von ihnen, sondern auch durch ein anderes Civilrecht und Staatsrecht, und sie müßten auf der einen oder der anderen Seite meineidig werdenwenn sie der Nation, dem Gesetz, dem Könige und der französischen Verfassung den Schwur der Treue ablegten; hätten sie doch stets ihre eigenen Beamten, ihre Richter, ihre Sanhedrin und ihre Rabbiner gehabt, und das nicht nur für die Erfordernisse der Religion, sondern auch für ihre bürgerliche Rechtsstellung, so daß der Einfluß eines solchen Volkes in der Versammlung französischer Bürger zu fürchten wäre, wenn man ihm das Recht-verliehe, in diesen Versammlungen als aktive Bürger ihre Stitnme abzugeben. Außerdem müßte das ganze Volk befragt werden, sollte es ein anderes bei sich als gleichberechtigt aufnehmen, denn die Abgeordneten, die jetzt in der Nationalversammlung säßen, hätten von ihren Wählern keinen Auftrag hierüber erhalten, weil die Frage zur Zeit ihrer Wahl noch nicht vorhergesehen war. Schließlich gewähre man den Juden ja die Menschenrechte, sie könnten Handel und Gewerbe treiben, Grundbesitz erwerben, kurz, alles thun, was für ihre Existenz nothwendig sei, und was sich mit ihrer Eigenschaft als bloße Bewohner Frankreichs vereinbaren laste, ohne daß es ihre Thätigkeit als aktive Bürger fordere. Dadurch schon werde sich Frankreich alle Vortheile sichern, die ihrem Fleiß und ihrem Reichthum entsprießen könnten. Frankreich könnte ihnen durch die bloße Gewährung der Menschenrechte mehr Vortheile bieten, als sie in den Meisten Städten Europas erreicht hätten, und könnte doch die Gefahren vermeiden, die daraus entständen, wenn man zu den Rechten aktiver Bürger ein Volk heranziehe, das sich mit den anderen Bürgern durchaus nicht vereinigen lasse. (Schluß folgt.) Aas ägyptische Märchen von den beiden Brüdern. Aus dem Nachlasse von Georg Ebers. HI. achdem nun die Erde hell und ein zweiter Tag geworden war, ging Ra Harmachis auf, lind Einer von ihnen gewahrt den Anderen, und nun erhob der Jüngling die Stimme zu seinem (älteren Bruder) und sprach: „Was verfolgst Du mich, um mich mit Hinterlist zu tödten, obgleich Du noch gar nicht vernommen, was mein Mund zu sagen hatte? Und doch bin ich thatsächlich Dein jüngerer Bruder, doch hast Du Dich wie ein Vater und Dein Weib wie eine Mutter gegen mich erwiesen. Aber dann, als Du mich fortschicktest, um uns Saatkorn zu holen, hat mir Dein Weib nicht gesagt: „Komm, und laß uns mit einander eine Ruhestunde feiern?" Aber siehe, man stellte es Dir verkehrt dar, wie etwas ganz anderes." Und nun gab er ihm alles zu wissen, was sich zwischen ihm und seinem Weibe zugetragen hatte. Dann leistete er einen Eid beim Ra Harmachis und sagte: „Als Du im Sinne trügest, mich hinterlistig zu tödten, als Du schon Dein Meffer erfaßt und Dich draußen im Hinterhalt hieltest (?), ist das sicher etwas (dem Gotte) Verabscheuensivürdiges gewesen." (?) Damit nahm er eine scharfe >) Klinge und schnitt sich ein Glied ab'). Er warf es ins Wasser, und der Welsfisch verschluckte es. 8) Nun versagten ihm die Kräfte, und er sank in Ohnmacht; sein älterer Bruder aber verwünschte das eigene Herz gar sehr, er blieb stehen und beweinte ihn laut; denn wegen der Krokodile lvußte er nicht zu der Stelle zu gelangen, wo sein jüngerer Bruder sich befand; sein jüngerer Bruder aber rief ihm zu, indem er sprach: „So ist denn gewiß schlecht, was Du im Sinne hattest, und sicherlich behieltest Du nicht das Gute oder eine einzige der Handlungen im Gedächtuiß, die ich für Dich vollbrachte. Wohl, so mache Dich denn auf zu Deinem Hause, und hüte Du selbst Deine Rinder; denn ich werde nicht da bleiben, wo Du bist. Ich begebe mich in das Thal der Cypresse. Nun aber zu dem, was Du für mich verrichten sollst! Es wird Deine Pflicht sein, zu kommen und nach mir zu sehen, sobald Du erfahren haben wirst, daß mir etwas begegnet. Ich bin nämlich Willens, mein Herz zu verzaubern. In die Spitze der Blüthe der Cypreste will ich es legen. Wenn aber die Cypresse gefällt ward und zu Boden sank, dann komme Du, lim es (das Herz) zu suchen. Wenn du aber auch sieben Jahre brauchen solltest,; um es zu suchen, so laß es doch Deine Seele nicht verdrießen. Hast Du es aber gefunden, so thue es in einen Krug mit frischem Wasser. Gewiß werde ich dann wieder aufleben und die Ueberschreitungen : vergelten (denen ich zum Opfer fiel). Du wirst aber erfahren, daß ' sich etwas mit mir ereignete, wenn man Dir eine Flasche Bier in y Vielleicht auch: ein Schilfmefser, ein Stück scharfen Schilfrohres. , 2) Um durch die Verstümmelung seine Unschuld zu beweisen.

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