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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-03 · Heft 5 (3.2.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Die Korrespondenten der vornehmsten ausländischen Zeitungen gaben ihrem trefflichen Kollegen das letzte Geleit, und zu den Schriftstellers, den Mitgliedern des „Vereins Berliner Presse", dessen Vorstand mehreren Mitgliedern zur Stelle war, gesellte sich auch eine Anzahl' bekannter Vertreter der Wissenschaft hinzu. Nach einem einleitenden Gesang hielt Rabbiner Dr. Weisse die Trauerrede, in der er mit warmem- und tieferem Verstände für den journalistischen Beruf im Allgemeinen wie für den besonderen Charakter dieses Gelehrten unter den Publizisten ein getreues Bild seines Lebens und Wirkens entwarf. Im Namen der Berufsgenossen nahm Geheimer Hofrath Dr. Wilhelm Lauser, Chefs redakteur der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", das Wort, um Schiff als das Muster eines gewissenhaften, unermüdlichen Publizisten von Takt und Urtheil zu schildern, als einen trefflichen Kollegen, dessen Wirken dem ganzen Stande zur Ehre gereichte. Als dritter Redner nahm Professor Dr. Posner das Wort, um in dem Heimgegangenen den Mann der Wissenschaft zu schildern, den Forscher, der aus idealem Triebe der Medizin und den Naturwissenschaften lebte und auf einen Kreis befreundeter Genossen so fördernd wie anregend wirkte. Gesang beschloß die Feier, und dann wurde Emil Schiff draußen im Sonnen glanz des schönsten Wintertages zur letzten Ruhestatt der mütterliche^ Erde anvertraut. Friede seinem Geiste! x. Danzig, 25. Januar. Am 19. d. M. ist nun auch in unserer Gemeinde ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur begründet worden. Die Verhältnisse lagen hier wenig günstig, da gerade die durch Bildung und Intelligenz hervorragenden Gemeindemitglieder Bedenken trugen, sich an einem Unternehmen zu betheiligen, das ihnen mit den liberalen Traditionen unserer Stadt nicht im Einklänge zit stehen schien. In fast zweijährigem Verkehr mit den maßgebenden Persönlichkeiten konnte Herr Rabbiner Dr. Blumenthal diese Bedenken allmälig zerstreuen und die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit und Lebensfähigkeit eines Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur be" festigen. Am 5. d. M. fand eine Vorbesprechung statt, zu welcher elf Herren erschienen. Nachdem Herr Dr. Blumenthal über das Gebiet der jüdischen Geschichte und Litteratur einen summarischen UeberblE gegeben und Tendenz und Bedeutung des zu gründenden Vereins eM wickelt hatte, fand eine eingehende Aussprache statt, deren Ergebniß eirr von den ersten Männern unserer Gemeinde Unterzeichneter Aufruf war/ Die Versammlung am 19. d. M. war gut besucht; gegen 70 Mitglieder traten dem Verein sofort bei; nachträglich haben noch etwa 60 ihren Beitritt angemeldet, und es ist zu hoffen, daß wir im Laufe des Wintersemesters im Ganzen bis auf etwa 200 Mitglieder kommen. Mit der Führung der Geschäfte sind einstweilen die folgenden Herren, die den Aufruf an erster Stelle unterzeichnet haben, betraut: Rabbiner Dr. Blumenthal, Gustav Davidsohn, Sanitätsrath Dr. Wallenberg, Rechtsanwalt Steinhardt, Dr. med. Lewy, Max Jacoby, Moritz Cohn. Die Festsetzung der Statuten und die Wahl des Vorstandes soll in einer auf den 15. Februar er. anberaumten Generalversammlung stattfinden. Möge der Verein in unserer altehrwürdigen Gemeinde blühen und gedeihen. Breslau, 29. Januar. Der Jahresbericht des jüdischtheologischen Seminars Fraenkel'scher Stiftung ist, wie alljährlich zur Gedächtnißfeier für den Stifter, am 27. Januar erschienen. Das jüdisch-theologische Seminar beging zum fünfundvierzigsten Male die Gedächtnißfeier. Im verflossenen Jahre wurde am 27. Januar, dem Geburtstage des Kaisers und dem gleichzeitigen Sterbetage .des' Stifters, die Doppelfeier in üblicher Weise begangen. Die Fest- und Gedenkrede hielt Dr. Horovitz. Daran schloß sich die feierliche Entlassung der Herren Kandidaten Dr. Moses Fried und Dr. Maximilian Schornstein unter Ueberreichung der Rabbinatsdiplome, worauf Dr. Schornstein Abschiedsworte an die Lehrer und die Studiengenossen richtete. Zur Bewerbung um den Joseph Lehmann'schen Preis war für das vergangene Jahr das Thema: „Wie verhält sich die Darstellung des Josephus über die makkabäische Erhebung zu den Berichten der ersten beiden Makkabäerbücher?" gestellt. Zwei Bearbeitungen sind eingelaufen. Der Verfasser der ersten Arbeit war Kand. phil. Julius Grünthal, der Verfasser der zweiten Kand. phil. Robert Kaelter. Die Aufgabe für den Lehmann'schen Preis im abgelaufenen Jahre lautet.- „Abraham b. Chija als Religionsphilosoph". Eine Bearbeitung des Gegenstandes ist nicht eingegangen. Zur Bewerbung um den Dr. David Rofin'schen Preis wurde die Aufgabe: „Die Geschichte des Achtzehngebets" gestellt. Eine Arbeit ist eingegangen. Das Seminar zählt gegenwärtig (einschließlich zweier bereits amtirenden, aber noch nicht als Rabbiner entlassenen Kandidaten) 2S Hörer. Bon ehemaligen Zöglingen des Seminars sind im verflossenen Jahre folgende in Aemter berufen worden: Herr Dr. I. S. Finkelscherer zum^ Religionslehrer und^ stellvertretenden Rabbiner in Münchens und Herr^Dr. S. Freund, bisher Rabbiner in Czarnikau, zum Rabbiners in Ostrowo. Dem Jahresbericht geht ein hebräischer Kommentar zum Talmud: Traktat^Nestkin von Dr. I. Levy, voran. Um 11 Uhr fand sich in der Aula ein zahlreich geladenes Publikum ein. Das Kaisergebet, vorgetragen vom Synagogenchor, leitete die Feier ein; die Leitung des gesanglichen Theils und die Harmoniumbegleitung lag in den Händen des Herrn Kantor Friedland. Dann hielt Herr Seminar-Rabbiner Dr. Lewy, derzeitiger Vorfitzender des Lehrerkollegiums, die Festrede über: „Rab binischtalmudische Sittenlehre". Daran schloß stch die feierliche Entlassung der Herren Dr. Doktor, Dr. Ellbogen, Dr. Thieberger, die im Laufe des Jahres die theologisch-wissenschaftliche und die rabbinischtalmudische Prüfung abgelegt haben; mit einer zu Herzen gehenden Ansprache überreichte ihnen Herr Dr. Lewy die Rabbinatsdiplome. Dann nahm Herr Dr. Doktor, zugleich im Namen seiner Kollegen in bewegten Worten Abschied von seinen Lehrern, Studiengenoffen und Freunden. Der Vortrag des Psalm 16 schloß die erhebende Feier. Der Schluß des Jahresberichtes ist, wie üblich, dem Unterstützungsverein hilfsbedürftiger Hörer am Seminar „Liwjath Chen" gewidmet, auf dessen edle Bestrebungen auch wir alle Freunde der jüdischen Theologie an dieser Stelle aufmerksam machen möchten. Wg. Magdeburg, 24. Januar. Der soeben erschienene Rechenschaftsbericht über unseren Witt wen- und Waisen-Unterstützungs- Verein pro 1898 schließt ab mit einem Vermögensbestand von 69 911,46 Mark gegen 68 827,51 Mark im Vorjahre. Der sehr segensreich wirkende Verein — es wurden im Berichtsjahr u.k a.^23 Wittwen mit Beträgen von 60 Mark bis 600 Mark unterstützt — steht noch immer unter der bewährten Leitung seines ersten Mitbegründers, unseres durch seinen Gemeinsinn vorbildlich wirkenden Oberstabsarztes a. D. Dr. Rosenthal, der als Repräsentant unserer Gemeinde, Vorsttzender des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege rc. trotz feiner 72 Jahre noch immer eine weitreichende gemeinnützige Thätigkeit entfaltet. Auch als Stadtverordneter ist er jüngsthin bei außerordentlich reger Betheiligung fast einstimmig wiedergewählt. S. Dresden, 25. Januar. Die hiesige israelitische Gemeinde hat von einem ihrer Mitglieder, welches dieser Tage verstarb, 260 000 Mark geerbt. Die Summe soll bereits vor Jahren der Stadt Dresden testamentarisch ausgesetzt gewesen sein, der Erblasser hat sich jedoch durch den kürzlichen Beschluß der hiesigen Stadtverordneten gegen die Naturalisation eines sonst hochgeachteten, völlig einwandfreien Mitgliedes der hiesigen israelitischen Gemeinde zur Aenderung seines letzten Willens bestimmen lassen. Sehr gut! y. Bremen, 24. Januar. Heute bin ich in der Lage, Ihnen mittheilen zu können, daß es den Bemühungen unseres Herrn Rabbiners Dr. Rosenak gelungen ist, den seit etwa zwei Jahren, ja schon in seiner Antrittsrede vor drei Jahren angeregten jüdischen Litteraturv er ein zu Stande zu bringen. Leicht war die Arbeit nicht, aber der schöne Erfolg bietet vollen Ersatz für jegliche Mühe. Der Verein hat heute schon 90 Mitglieder, darunter 80 hiesige und 10 aus der Umgegend. Auch Oldenburg ist durch Herrn Landrabbiner Dr. Mannheimer vertreten. Am 26. Januar hält Rabbiner Dr. Rosenak den ersten Vortrag „Ueber jüdische Litteratur und Geschichte". Wir wollen hoffen, daß der Verein der hiesigen Gemeinde zum Segen gereicht. Mn großes Verdienst um das Zustandekommen deslBereins hat stch auch Herr Julius Aschendorff erworben. Ich behalte mir vor, Ihnen auch über die weiteren Erfolge des Vereins zu berichten. A Köln, 25. Januar. Am vergangenen Sonntag fand im hiesigen Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache die Gedächtnißfeier für die verstorbenen Wohlthäter und Gründer der Anstalt statt. Rabbiner Dr. Frank hielt in gewohnter meisterhafter Weise die Gedächtnißrede über die drei Kardinaltugenden aller Religionen: Praktische Menschenliebe, Pflege und Besuch der Kranken und Liebesdienst gegen die Verstorbenen. Im Anschlüsse hieran wurde auf den in den letzten Wochen gebildeten Verein zur Ausbildung jüdischer

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