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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-03 · Heft 5 (3.2.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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ßerliit, 3. Frliruar L8(J9. 63. Jahrgang. Nr. 5. Werkage zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthurns". Korrespondenten und Nachrichten. Drntschland. §£g Berlin, 31. Januar. Aus den Litteraturvereinen. Soeben ist die Nummer 6 der vom geschäftsführenden Ausschuß herausgegebeüen „Mittheilungen aus dem Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland" erschienen. Dieselben werden mit einem Aufsatze „Zur Geschichte des Verbandes" eröffnet, der u. a. von der Begründung des Fonds für Wanderredner (bisher 8000 Mark) Kenntniß giebt und zu Sammlungen für denselben auffordert. Die Zahl der Vereine ist auf 101 mit ca. 10 000 Mitgliedern gestiegen; neun fernere sind in der Bildung begriffen. Der Bericht über die im Winterhalbjahr 1897/98 gehaltenen Vorträge bietet ein Bild vielseitiger, reger Thätigkeit. Seither ist noch Folgendes anzumerken: In Tilsit sprach Rabbiner Dr. Ehrlich über Abravanel und seine Zeit, in Schönlanke Rabbiner Dr. Kraus über die hebräische Thierfabeldichtung, in Wronke Rabbiner Dr. Lew in-Pinne über Geschichtliches und Kulturgeschichtliches aus der Vergangenheit der Juden in der Provinz Posen, in Bromberg Rabbiner Dr. Richter-Filehne über die Juden in Spanien und Südfrankreich, in Glogau Rabbiner Dr. Silberstein-Elbing über Gabirol und Dr. A. Kohut über Friedrich den Großen und Josef II. in ihren Beziehungen zu den Juden, in Breslau Rabbiner Dr. Guttmann über Salomo Gabirol, in Magdeburg Professor Philippson über einen jüdischen Leibarzt der Königin Elisabeth und Shakespeares Shylok Dr. Kohut über Friedrich II. und Josef II. in ihren Beziehungen zum Judenthum und Herr Max Weinberg über Spruchdichtungen in der talmudischen Litteratur in ihren Beziehungen zur Gegenwart, als Seitenstück zu seinem im letzten Winter gehaltenen Vortrage über Fabeln und Parabeln im Talmud, beides in eigenen poetischen Uebertragungen, in Leipzig Professor Dr. Cornill über die Propheten als Dichter, in Hamburg Rabbiner Dr. Nobel-Köln über Friedr. Nietzsches Stellung zum Judenthum, Professor Dr. Tachau- Wolfenbüttel über Geschichte der Erziehung bei den Juden im Mittelalter, in Altona Professor Dr. Werner-Frankfurt a. M. über Manasse ben Israel, in Eisenach Landrabbiner Dr. Salzer über Humor im Talmud, Lehrer Hörwitz-Kassel über die Geburtsstadt Mendelssohns, in Dortmund Herr M. Fleischhacker über Hiob und Faust, Prediger Rothschild über die letzten Jahrzehnte des jüdischen Staates, Professor Philippson über das Judenthum und die übrigen Kulturreligionen, in Elberfeld Rabbiner Dr. Auerbach über Uriel Acosta und Ben Akiba, in Gelsenkirchen Professor Philippson über die jüdische Gesellschaft in Berlin vor 100 Jahren, Lehrer Katz über die Geschichte der deutschen Ju-en bis zum 14. Jahrhundert, Rabbiner Dr. Kalischer über Rabbi Meir von Rothenburg, in Hörde und Bochum derselbe über altjüdischeParabeln, in Köln Prof. Philippson über Papst Martin V. und die Juden, in Frankfurt a. M. Prof. Dr. Sulzbach über die letzten Erhebungen der Juden unter römischen Kaisern, in Karlsruhe Rektor Dr. Schwarz-Wien über die alten jüdischen Hochschulen, inFreiburg i. Baden Rabbiner Dr. Lewin über den Widerstreit des Nationalen und Religiösen im Judenthum, in München Landrabbiner Dr. Prager-Kassel über das Prinzip der Vergeltung im Judenthum. In Leipzig hat Herr Rabbiner Dr. Porges einen Cpklus religions-philosophischer Vorlesungen eröffnet, die allgemeine Theilnahme erregen. Es ist lebhaft zu wünschen, daß dieses Beispiel Nachahmung finde. Neue Litteraturvereine find begründet worden in Danzig, Bremen, Lippe-Detmold, Bernburg und Pleß, Ob.-Schl. Ken jirbeh! F. Berlin, 30. Januar. Die „Wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Schulmännerzu Berlin" beschäftigte sich in den Sitzungen vom 7. und 21. Januar mit den von Herrn Dr. Warschauer im Anschluß an seinen Bortrag ausgestellten Thesen. Nachdem der Referent nochmals ein kurzes Bild vom Stand der Wissenschaft und von seiner Stellung zu derselben gegeben und im Zusammenhang damit ein neues Lehrziel ausgestellt hatte, wurde die Frage diskutirt, ob es möglich ist, daß das von der modernen biblischen Wissenschaft entworfene Bild von der religiösen Entwickelung im alten Israel im Unterricht verwendet werde. Während nach ihm die Möglichkeit vorliegt, wurde dieselbe von den meisten Rednern bestritten und nur so viel zugegeben, daß die gesicherten Ergebnisse der modernen Bibelforschung im Seminar und in den oberen Klassen der höheren Schulen überliefert werden. Die Thesen des Herrn Dr. Warschauer hatten folgenden Wortlaut: 1. Das von der modernen biblischen Wissenschaft entworfene Bild der religiösen Entnickelung des israelitischen Monotheismus hat Anspruch auf Berwerthung in der religiösen Erziehung aus folgenden Gründen: a) Es beseitigt den mit unserer Weltanschauung unverträglichen, daher oft den eigentlichen religiösen Glauben gefährdenden Wunderglauben, b) Es ermöglicht die Beseitigung resp.rein historische Erklärung solcher biblischer Anschauungen, die mit unserem fortgeschrittenen religiösen und sittlichen Bewußtsein nicht vereinbar sind, e) Es stellt uns einen einheitlichen, vom Niederen zum Hohen aufsteigenden Geschichtsverlauf dar, der das religiöse Gefühl weckt und mächtig anregt, da hier wie sonst nirgends in der menschlichen Geschichte das machtvolle Durchbrechen der religiös-stttlichen Ideen, die Macht des Guten im Leben der Menschheit geschildert wird. Zugleich werden in den Trägern dieser Ideen, den Propheten, unvergleichliche, religiös-sittliche Vorbilder dargestellt, d) Die neue Geschichtsauffassung liefert uns somit einen mit unserer Weltanschauung durchaus übereinstimmenden Offenbarungsbegriff, e) In ihr erscheinen Gesetz und Judenthum als naturgemäßer Abschluß, nämlich als volkstümlicher Ausdruck und als Fortbildung der Prophetenreligion, f) Sie weckt durch den Nachweis der Bedeutung des israelitischen Geistes für die Religionsentwickelung ein starkes jüdisches Selbstbewußtsein. 2. Bei der Verwerthung im Unterricht muß die negative Kritik in den Hintergrund treten: der Lehrer muß danach trachten, vor allem die in These 1 c geschilderten Eindrücke hervorzurufen. Der Nachdruck ist daher zu legen auf eine liebevolle, begeisterte Darstellung der Persönlichkeiten der Propheten, auf den Offenbarungscharakter der Prophetie und die Darstellung des Gesetzes und der Institutionen als Ausdruck der prophetischen Ideen. 3. Die Resultate der modernen biblischen Wissenschaft müssen ausgenommen werden in den Lehrplan der Lehrerbildungsanstalten. 4. Angemessene Berwerthung dieser Resultate ist Pflicht in den oberen Klassen sämmtlicher höheren Lehranstalten. Diesen Thesen gegenüber wurden folgende Resolutionen den Mitgliedern zur Annahme unterbreitet: I. Resolution Hauff: Die Verwendung der gesicherten Ergebnisse der modernen Bibelforschung im Religionsunterricht des Seminars und der oberen Klassen der höheren Schulen und der Neligionsschulen wird sowohl durch die Art und Aufgabe dieser Lehranstalten als auch durch erziehliche, sittliche und religiöse Rücksichten erfordert, doch nur insoweit, als sie für das richtige Verständniß des Religiös-Sittlichen unentbehrlich sind. II. Resolution Tichauer: Die Ergebnisse der Wissenschaft find vor Entlassung aus dem Religionsunterricht mitzutheilen. III. Resolution Remack: Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" erklärt, daß den Schülern die feststehenden Resultate der modernen Bibelforschung entsprechend ihrem geistigen Standpunkt mitgetheilt werden. Unter Ablehnung der Thesen und der übrigen Resolutionen wurde die Resolution Hauff angenommen. £2 Berlin, 27. Januar. Auf dem Friedhofe zu Weißensee wurde heute Dr. EmilS chiff, der entschlafene Vertreter der „Neuen Freien Presse" in Berlin und bekannte Schriftsteller, zur letzten Ruhe bestattet. Das Ansehen, in dem der Heimgegangene stand, die Geltung, die er gleichermaßen in der Presse, in unserer schriftstellerischen wie in unserer wissenschaftlichen Welt besaß, fand ihren Ausdruck in der großen Theilnahme an seiner Bestattungsfeier. Fast alle hervorragenden Blätter Berlins waren zumeist durch ihre Verleger oder Chefredakteure vertreten.

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