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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-02-03 · Heft 5 (3.2.1899) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 5 (3.2.1899)
Date
1899-02-03
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 2) Kräuter wuchsen, nach denen sie verlangten. Und siehe, die Rinder, die vor ihm herschritten, wurden sehr, sehr schön, und sehr, sehr stark ward ihre Vermehrung. Als aber die Jahreszeit des Pflanzens gekommen war, sagte ihni sein älterer Bruder: Auf denn, und laß uns unser Gespann nehmen, um zu pflüge»; denn die Gefilde treten (aus dem Wasser) hervor und sind gut zur Bestellung. Begieb Dü Dich also mit dem Saatkorn auf das Ackerland; denn morgen früh wollen wir die Arbeit des Pflügens verrichten. Also sprach er; sein jüngerer Bruder aber that alles (bis aufs Letzte), was ihm sein älterer Bruder geheißen. Als aber die Erde hell geworden und ein neuer Tag erschienen war, begaben sie sich auf das Feld, um die Arbeit des Pflügens zu verrichten, und sie waren sehr, sehr frohen Muthes bei ihrem Thun und ließen nicht ab von der Arbeit. Nachdem aber später viele Tage vergangen waren, befanden sie sich auf den Feldern, und es (fehlte) ihnen an Saatkorn. Da schickte er (der ältere) seinen jüngeren Bruder aus, indem er sagte: „Tummle Dich, und bringe uns Korn aus dem Dorfe!" Und der Jüngere fand das Weib seines älteren Bruders, wie sie dasaß und sich die Haare zöpfte. Da sagte er ihr: „Auf, und gieb mir Saatkorn. 3) Ich will zu dem Felde (zurück) eilen; denn als mein älterer Bruder mich aussandte, gebot er mir besonders, mir keinen Aufenthalt zu gönnen." Da entgegnete sie ihm: „So geh denn, öffne den Speicher, und hole Du Dir, was Dein Herz begehrt, damit meine Flechten sich auf dem Gange (dorthin) nicht wieder lösen." Nun machte der Jüngling sich auf, um sich in seinen Stall zu begeben, und nahm ein großes Gefäß. Er hatte nämlich im Sinn, viel Korn fortzuführen, und belud sich mit Durra und Weizen und trat damit heraus. Da sagte sie denn: „Nun? Wie groß mag das Gewicht (auf Deiner Schulter wohl sein?" Er aber) entgegnete ihr: „Drei Scheffel Durra und zwei Scheffel Weizen, im Ganzen fünf ist es, was auf meiner Schulter." So entgegnete er ihr; sie aber schaute ihn an und sagte: „Gewaltige Kraft wohnt Dir inne; denn Tag für Tag gewahrte ich schon Deine Stärke." So hatte ihr Herz ihn erkannt, und da sie (ihrem Verlangen nicht zu wehren) wußte, stand sie auf, ergriff ihn und rief ihm zu: „Komm, und laß uns zusammen eine Stunde der Rast feiern! Gewährst Du mir das, gewiß, dann mach' ich Dir schöne Kleider!" Da wurde der Jüngling wüthend wie die Panther des Südens wegen der bösen Aufforderung, die sie an ihn gerichtet; — sie aber überkam sehr, sehr große Angst. Da sagte er ihr: „Bis dahin hast Du Dich doch gegen mich ganz wie eine Mutter erwiesen und Dein Gatte ganz wie ein Vater. Derjenige, der älter als ich, für meinen Lebensunterhalt hat er gesorgt. Wie hast Du mir nun 4) eine so große Schlechtigkeit zumuthen können? Gieb es mir nicht zum anderen Male zu hören! Aber auch ich will zu Keinem davon reden, ja, ich werde es nicht vor irgend einem Menschen über die Lippen kommen lassen." Damit belud er sich wieder mit seiner Last, begab sich auf den Acker, gesellte sich seinem älteren Bruder, und sie ergaben sich ganz der Arbeit, und es lag ihnen am Herzen, das Tagewerk zu verrichten. Dann aber, als die Zeit des Abends gekommen war, hörte sein älterer Bruder auf und begab sich zu seinem Hause; sein jüngerer Bruder aber ging hinter seinen Rindern her, belastet mit allem, was die Fluren spenden, und er trieb sein Vieh vor sich her, um es in seinen Ställen, die sich im Dorfe befanden, rasten zu laffen. Und siehe, da ergriff das Weib seines älteren Bruders große Furcht wegen der Aufforderung, die sie an ihn gerichtet, und sie nahm schmutziges * 3) Fett, so daß sie das Aus- "1 gdst oder gder. Vielleicht auch das Fett des gdöt-Thieres, ein Brechmittel. sehen eines Menschen gewann, den Räuber geschlagen, weil es sie verlangte, ihrem Gatten vorzuspiegeln, es sei sein jüngerer Bruder gewesen, der die Mißhandlung verübt. Und als ihr Gatte bei Einbruch der Nacht Feierabend machte, wie er es täglich zu thun pflegte, und er in sein Haus gelangte, fand er sein Weib, als sei es eines gewaltsamen Todes gestorben. Sie goß ihm kein Wasser über seine Hand, wie sie gewohnt war, und sie hatte kein Licht vor ihm entzündet. Sein Haus war dunkel; sie aber lag da und erbrach sich. Da rief ihr Gatte ihr zu: „Wer hat denn mit Dir geredet?" Und nun entgegnete sie ihm: „Kein Einziger sprach mit mir, außer Deinem 5) jüngeren Bruder. Als er nämlich kam, um Saatkorn für Dich zu holen, fand er mich, wie ich allein saß, und da sagte er: Komm, und laß uns zusammen eine Stunde der Rast feiern. Löse Deine Haare wieder auf!' So sprach er zu mir. Ich aber verschloß ihm das Ohr; denn (sagte ich ihm): ,bin ich nicht Deine Mutter? Und Dein älterer Bruder war doch gegen Dich wie ein Vater.' So sprach ich zu ihm; doch er fürchtete sich und schlug mich, damit ich Dir es nicht mittheilen möge. Wenn Du aber zugiebst, daß er am Leben bleibt, so wird es mein Tod sein; denn siehe, er wird am Abend kommen, und was er dann thun wird, da ich doch seine nichtswürdigen Anträge verwünschte, das ist ja klar." Da ward sein älterer Bruder wie die Panther des Südens; er schliff sein Messer und nahm es in seine Hand, und sein älterer Bruder stellte sich unter der Thür seines Stalles auf, um seinen jüngeren Bruder zu tödten, wenn er am Abend heimkehren würde, um seine Rinder in den Stall einzulaffen. Als aber die Sonne 4 5 6) unterging, belastete er (Batau) sich mit allen Kräutern des Feldes, wie er alltäglich zu thun pflegte, und als er daherschritt, und die vorderste Kuh in den Stall eintrat, sagte sie zu ihrem Hirten: „Gieb acht! Dein älterer Bruder hat sich vor Dir aufgestellt und hält sein Messer in der Hand, um Dich zu tödten. Entweiche vor ihm!" Er aber vernahm die Rede seiner vordersten Kuh, und als 6) eine andere hineinging, sagte sie ihm dasselbe. Er aber schaute unter die Thür des Stalles und nahm die beiden Beine seines älteren Bruders wahr, der mit dem Meffer in seiner Hand hinter der Thür stand. Da legte er seine Last auf den Boden und machte sich auf und lief in aller Eile davon; sein älterer Bruder aber lief mit seinem Messer hinter ihm her. Da rief sein jüngerer Bruder den Ra Harmachis3) an: „O, mein guter Herr; Du bist es. der das Unrecht von Recht unterscheidet!" Und der Sonnengott vernahm all seine Klagen, und der Sonnengott ließ ein großes Wasser zwischen ihm und seinem älteren (Bruder) entstehen, das voll war von Krokodilen, und es kam der Eine von ihnen auf der einen, der Andere auf der anderen Seite zu stehen. Da versuchte sein älterer Bruder, ihn zweimal mit seiner Hand zu schlagen, doch ohne daß es ihm gelungen wäre, ihn zu tödten. So that er. Sein jüngerer Bruder aber rief ihm von seiner Seite aus zu, indem er sprach: „Warte nun hier, bis der Morgen dämmert, und wenn dann die Sonnenscheibe sich erhebt, werde ich 7) mit Dir vor ihr zur Abrechnung kommen, damit ich der Wahrheit den Sieg verschaffe; denn nie und nimmer werde ich mehr mit Dir zusammen sein und auch nicht an derStätte bleiben, woDuDich aufhältst. In das Cypressenthal") werde ich ziehen." «.Forts, folgt.) ■i) Schu. solarer Gott, welcher auch der Herr der Lust, des Windes und also des Aethers, der oberen Lustregion, war, die er mit erhobenen Armen stützte. 5) Der Sonnengott, und zwar der der Morgensonne. 6) Das Wort ‘asch, welches wir „Cyprefse" übersetzen, ward, nachdem Chabas erwiesen, daß es die Ceder bedeute, nach Lepstus' Vorgang von Vielen für die Akazie gehalten; doch meinen wir, in unserer den Augenkrankheiten im Papyrus Ebers gewidmeten Arbeit erwiesen zu

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