Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1899)
- Date
- 1899-01-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 schuß eingelegte Berufung wurde verworfen. — Dem Leiter der jüdischen Schule in Schrimm, Mittelschullehrer Falk, ist von der kgl. Regierung zu Wiesbaden mitgetheilt worden, daß ihm eine RektoratSstelle an einer fünfklasflgen Volksschule zu Frankfurt a. M. übertragen worden sei. — Kürzlich beging der Klempnermeiper Moses Kaliski in Ostrowo sein SOjähriges Meisterjubiläuw. — Am 17. Januar, dem Sterbetag deS Stifters des Waisenbauses in Jnowrazlaw versammelten sich die zwanzig Waisen der Stiftung — zehn Knaben und zehn Mädchen — im Borstandszimmer, und nachdem die Kinder die üblichen Gebete fürs Seelenheil des Verklärten unter Leitung des Herrn Inspektors Boß in hebräischer und deutscher Sprache verrichtet, hielt Herr Rabbiner Dr. Kohn eine herzergreifende Ansprache an die Kinder, die einen tiefen Eindruck hervorrief. W. Schwerin a. W, 16. Januar. Am 11. d. Mts. beging die Chewra Kadischa unserer Gemeinde, „Heiliger Bund", ihr Stiftungsfest, diesmal mit Damen. Die Stimmung war eine ernst-feierliche, aber dabei doch gemüthliche. Der langjährige bewährte Vorsitzende des Vereins, Herr Schleich, begrüßte die Festversammlung und hob in seiner Ansprache hervor, daß dem Verein kein Mitglied im abgelaufenen Bereinsjahre durch den Tod entrissen worden fei. Der Kultusbeamte, Herr Wolfgang, hielt hierauf die Festrede, der er die Tendenz des. Vereins zu Grunde legte, und hob zum Schluß noch den friedliebenden Sinn der Gemeinde lobend vor. Darauf ergriff der Senior der Chewra, Herr Jacob Cohn, das Wort und sprach speziell den Bemühungen und Leistungen des Vorstandes seinen Dank aus. Nun feierte Herr Wolfgang noch einmal Herrn Jacob Cohn als Senior des Vereins. Weitere Toaste auf die Damen, insbesondere auf die Borstandsdamen, folgten, und Alle konstatirten, daß die Feier eine schöne und würdige war. 0 Bernburg, 20. Januar. Am 28. Dezember v. I. wurde hierselbst ein „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" konstituirt, dem bis jetzt 55 Mitglieder der hiesigen Gemeinde beigetreten sind. Den Reigen der Vortragenden Redner eröffnete am gestrigen Abend unser einheimischer Rabbiner, Herr Dr. Flaschner, mit dem Thema: „Ein Gang durch die jüdische Geschichte und Litteratur". Zu weiteren Borträgen haben sich in dankenswerther Bereitwilligkeit die Herren Dr. Freudenthal-Dessau und Dr. Seligkowitz-Cöthen zur Verfügung gestellt, welche Anfang März resp. Anfang April hier sprechen werden. Vorsitzender des Vereins ist Herr Moritz Schwab. Köln, 18. Januar. Die hiesige, mit einem Kostenaufwand von nahe einer halben Million Mark gebaute Synagoge geht ihrer Fertigstellung immer mehr entgegen und wird dem Vernehmen nach am 21. März eingeweiht werden. Ein Festkomitee ist gebildet, Chöre werden eingeübt, ein neuer Kantor, Herr Cohn aus Tarnowitz, ist engagirt, und laut Bekanntmachung des Vorstandes werden die Plätze für Herren und Damen innerhalb verschiedener Preiskategorien ä 40, 30, 20, 10 und 5 Mark vermiethet resp. verloost. Die beiden Herren Rabbiner werden das Wort Gottes verkünden, es entzieht sich jedoch unserer Kenntnißnahme, wie die Thätigkeit der Prediger in den beiden Gotteshäusern vertheilt wird, und wir wollen uns der Hoffnung hingeben, daß die Stätten der Anbetung von Andächtigen stets gefüllt fein mögen. — Am 22. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, fand im Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache eine Gedächtnißfeier zu Ehren der verstorbenen Gönner und Wohlthäter der Anstalt statt. n. Aachen, 22. Januar. Gestern ist hier der Stadtbibliothekar Dr. Emil Fromm von einem längeren schweren Leiden durch den Tod erlöst worden. Emil Fromm war geboren am 9. Juli 1858 in Gnesen und hatte nach Absolvirung des Friedrich Wilhelms-Gymnasiums in Posen Geschichte und Philosophie in Berlin und Leipzig studirt. Nach vollendetem Studium widmete er sich dem Bibliothekfache. Er war zunächst an der Stadtblblioihek in Köln, später an der Universitätsbibliothek in Berlin beschäftigt. Seit dem 1. Juli 1889 hatte er die Leitung der Aachener Stadtbibliothek übernommen, deren Entwickelung er nach jeder Hinsicht förderte. Seinen Bemühungen ist es zu danken, daß die Stadtbibliothek, sowohl was den Werth der Bestände als auch ihre äußere Einrichtung betrifft, den größeren städtischen Bibliotheken Deutschlands würdig zur Seite gestellt werden kann. Wie er das Ansehen der Bibliothek in den Kreisen der Bürgerschaft zu heben wußte, davon zeugen am besten die außerordentlichen, zum Theil sehr werthvollen Zuwendungen der letzten Jahre sowie die sich von Jahr zu Jahr steigernde Benutzung der Bibliothek. Für seine Beamten, denen er stets ein guter, in allen Angelegenheiten hilfsbereiter Vorgesetzter war, wie für die zahlreichen Freunde der Bibliothek bedeutet sein Tod einen unersetzlichen Verlust. Die litterarische Thätigkeit Fromms war sehr vielseitig. Sein außerordentlicher Fleiß und seine ungewöhnlichen Kenntnisse befähigten ihn, auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft schriftstellerisch aufzutreten. Seine erste Arbeit erschien 1883 und behandelte die Kaiserwahl Franz' I. Daran schlossen sich verschiedene Abhandlungen über die imitatio Christi, in welchen er wichtige Aufklärungen über den wirklichen Verfasser dieses weitverbreiteten Werkes gab. Am bekanntesten ist seine gediegene Uebersetzung der Imitatio, die mit einer ausführlichen Einleitung als 24. Band der Bibliothek theologischer Klassiker 1889 erschien. 1887 veröffentlichte er ein systematisches Verzeichniß der Hauptwerke der deutschen Litteratur aus den Gebieten der Geschichte und Geographie von 1620—1882, ein unentbehrliches Hilfs- und Nachschlagebuch für jede Bibliothek. Außerdem war der Verstorbene Mitarbeiter mehrerer wissenschaftlich bedeutender Fachzeitschriften; u. a. bearbeitete er regelmäßig in den letzten. Jahren die litterarische Ueberstcht zur Urgeschichte und Ethnographie im Archiv für Anthropologie. Einen Theil seiner Ergebnisse auf dem Gebiete der Kant-Forschung veröffentlichte er in Zeitschriftenaufsätzen; an der Herausgabe eines größeren Werkes über Kant, in welchem er das gesammte, durch fleißiges Studium auf diesem schwierigen Gebiete gesammelte Material zu verwerthen hoffte, hinderte ihn der Tod. Seine lokalgeschichtlichen Arbeiten fanden Aufnahme in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, deren Redaktion er seit 1891 mit Umsicht und Geschick geleitet hat. Das Leichenbegängniß fand heute statt. Die städtischen Behörden und die offiziellen Kreise waren vollzählig erschienen. Herr Rabbiner Dr. I. Saulus hielt eme ausgezeichnete Gedenkrede, die Alle tief ergriffen hat. -t. München, 20. Januar. Unter den Glückwünschen des Rabbiners und den Ehrungen der Verwaltung der Kultusgemeinde sowie unter der Theilnahme zahlreicher Gemeindemitglieder beging heute der Religionslehrer, Kantor und Chordirigent Heinrich Frei das 25jährige Jubiläum seines Eintrittes in die Dienste der hiesigen Kultusgemeinde. Seine Verdienste um die ihm während dieser langen Zeit von der größten Gemeinde des Königreiches zum Religionsunterricht in den zahlreichen hiesigen Mittelschulen und Volksschulen anvertraute Jugend find stets offensichtlich gewesen und haben allgemeine Anerkennung gefunden. r. Zweibrücken, 20. Januar. Herr Rabbiner Dr. Eugen Meyer der am 1. September vorigen Jahres die Stelle des Bezirksrabbiners übernahm, hat sich in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit in so reichem Maße die Liebe und Verehrung seiner Gemeinden erworben, daß die Kultüsvorstände des Rabbinatsbezirkes mit Genehmigung hoher königl. Regierung denselben durch einstimmigen Beschluß auf Lebenszeit anstellten. Hiernach ist die in mehreren Blättern gebrachte Notiz zu berichtigen Möge das Wirken unseres hochgeschätzten Bezirksrabbiners auch sürderhin ein segensreiches sein. ll. Württemberg, im Januar. Vor uns liegt der Rechenschaftsbericht des Israelitischen Lehrerunterstützungsvereins pro 1897/98. Er konnte bei nur 57 ordentlichen Mitgliedern 2800 Mk. Unterstützungen gewähren. Zahlreiche Gaben aus den Gemeinden des Landes, von Freunden und Gönnern ermöglichten nicht nur, diese so hohe Summe zur Vertheilung gelangen zu lassen, sondern gestatteten dem Verein auch, seinem Grundstock, der jetzt 51164 Mk. beträgt, die Summe von 1100 Mk. zuzusühren. Der Tod des Herrn Bankier Sontheimer in Stuttgart, der so eifrig für die Interessen des Vereins dort thätig war, sowie der des Herrn Religionslehrers Königsbacher in Rottweil waren die schmerzlichen Anlässe, die der Verein in diesem Jahre zu verzeichnen hatte. Doch war ihm auch die Freude vergönnt, seinem verehrten Vorstand, Herrn Oberlehrer Stern in Eßlingen, zur Jubelfeier 26jähriger Thätigkeit eine dankbare Anerkennung für sein reiches Wirken im Dienste der württembergischen israelitischen Lehrer zu zollen. Auch seinem Mitglied Herrn Lehrer Strauß in Braunsbach durste der Verein zur 25jährigen Wirksamkeit dort herzliche Glückwünsche darbringen. In der jährlichen Berfammluna wurde lebhaft verhandelt über „die Verhältnisse der israelitischen Lehrer und Vorsänger des Landes und die Lage des Dienstes derselben". Eine umfassende Denkschrift soll der königlichen israelitischen Oberkirchenbehördc die Wünsche der Lehrerschaft unterbreiten. Möge die Behörde denselben