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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-01-27 · Heft 4 (27.1.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 4 (27.1.1899)
Date
1899-01-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 volle Beachtung schenken, damit die Lage der israelitischen Lehrer Württembergs, die besonders für strebsame und junge Lehrer eine wenig beneidenswerthe ist, eine befriedigendere werde. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 23. Januar. Die Israelitische Allianz hat soeben über die im Vorjahre durchgeführte Hilfsaktion in Galizien einen vorläufigen Bericht erstattet. Diese bewilligte im Juni 1898 nach den an Juden begangenen Geivaltthaten, Plünderungen und Brandstiftungen aus ihren bescheidenen Mitteln 3000 fl. zur Linderung der Noth unter den Heimgesuchten und.eröffnete damit eine Spendensammlung. Weiter veranlaßte sie durch die Filialen in Krakau und Lemberg die Bildung, eines selbständigen galizischen Centralhilfskomitees, dem neben der Hilfsgeldersammlung im Lande selbst die Aufgabe zufiel, Lokalkomitees in Neu-Sandec und Jaslo zur Feststellung der Schadenziffern und zwecks mäßiger, gerechter Auftheilung der Aushilfe einzusetzen. Bon der Veröffentlichung eines Aufrufes in den Zeitungen sah sie ab und beschränkte sich auf die Versendung eines Rundschreibens an eine Reihe von Kultusgemeinden der Monarchie sowie an einige ick Auslande, ferner an einen größeren Kreis solcher Personen, die wir seit Jahren als Freunde und Förderer unserer Ziele und Zwecke kennen gelernt. Die Spendensammlung ergab den vollen Betrag von 60 000 fl. ö. W. einschließlich einer von der Alliance Israelite Universelle zu Paris zugekommenen Widmung von 20060 Francs. Nach Erledigung der dringendsten Vorarbeiten und unmittelbar nach Einlangen der ersten zuverlässigen Verzeichnisse der Schäden begab sich eines der Vorstandsmitglieder nach Westgalizien. Auf Grund reiflicher Erwägungen setzte man fest, daß der allerbedürftigsten Kategorie der Ausgeraubten, die Schäden bis zu 150 fl. erlitten, mit dem ganzen Betrage, Jenen aber, deren Verluste namhaftere Summen darstellen, durchschnittlich mit 30 Prozent aufzuhelfen sei. Die zugestandenen Unterstützungsbeträge stuften sich von fünf und zehn Gulden — dem Betriebskapital von Dorfgehern und Marktfrauen — bis zu drei- und viertausend Gulden ab, welche Höchstbeträge in zwei vereinzelten Fällen bewilligt worden sind. Die erste größeres Vertheilung fand unter Mitwirkung zweier Delegirten des Vereins^ Mitte August an Ort und Stelle statt. Damals gelangten 47000U Gulden zur Auftheilung. Diese Hilfe hat der großen Mehrzahl der bedachten 445 Familien die Neubegründung einer Existenz ermöglicht. Die später fuccesfive eingegangenen Spendenbeiträge in der Gesammtsumme von 13000 Gulden kamen im Dezember 1898 unter etwas mehr als 200 Familien zur Vertheilung. Parallel mit dieser Aktion lief die des galizischen Landcskomitees, das die Vertheilung seiner Spendensammlung unter jeweiliger Bekanntgabe der Unterstützungslisten an uns selbständig vornahm. Auch bei diesem Anlässe hat es sich deutlich manifestirt, wie unentbehrlich gegenüber den Verfolgungen, denen unsere Glaubensgenossen allenthalben ausgesetzt sind, das Vorhandensein einer bleibenden Centralstelle ist. — Im k. k. Hofoperntheater wurde am 17. d. Mts. die neue Oper „Die Kriegsgefangene" von Carl Goldmark mit großem Beifall aufgeführt.X Goldmark ist wohl jetzt der bedeutendste Opernkomponist Deutsch-Oesterreichs, trotz seiner 70 Jahre und seiner Religion. — Der in Saaz vor? seiner Verurtheilung bei einer antisemitischen Zeitung thätige, nach Nikolsburg zuständige Redakteur Edmund Pummer, welcher beim Kreisgericht in Brüx eine viermonatliche Kerkerstrafe verbüßt, die am 25. d. Mts. zu Ende geht, hatte die Absicht, zurückzukehren. Es wurde ihm jedoch^ ein Erlaß der Bezirkshauptmannfchaft zugestellt, womit er aus Böhmen ausgewiesen wird. — Vom Unterrichtsminister wurde der Ingenieur Alfred Löwbeer zum Lehrer in der neunten Rangklasse an der Fachschule für Weberei in Warnsdorf ernannt. Großbritannien. '] B. London, 21. Januar. Die Kolonie Neu-Süd-Wales hat wieder einen Juden zum Vertreter in London gewählt, ein Posten, den früher Sir Saül Samuel lange Jahre innegehabt hat. Diesmal ist die Wahl auf Sir Julian Salomons, einen bedeutenden Juristen und $ Politiker, gefallen. Derselbe hat eine glänzende Karriere hinter sich, er war bereits Oberstaatsanwalt, dann einige Jahre der Vorsteher der - Advokatengilde in Sydney und war auch schon zam Oberrichter ernannt, hat aber diese Würde nicht angenommen. Im Jahre 1891 erhielt er die Ritterwürde. Die Wahl zum Generalagenten von Nen-Süd-Wales in London hat er definitiv angenommen. t Amerika. New - Uork, im Januar. Die „Jewish tlieological 4880ciation“ hat vor einigen Tagen ihren sechsten, zwei Jahre umfassenden Rechenschaftsbericht über das hiesige sogenannte orthodoxe Rabbinerseminar veröffentlicht. Demselben geht ein warmempfundener Nachruf auf den Heimgegangenen Leiter und Förderer der Anstalt Sabbato Morais und eine Darstellung der Trauerkundgebungen voran), welche der Board of trustefes (Kuratorium) des Seminars, die Mikweh Israel- Gemeinde in Philadelphia, die Gemeinde Scheins Jisroel in New-Aork, die Vereinigung der orthodoxen Gemeinden Amerikas, der Centralverein amerikanischer Rabbiner, das Lehrerkollegium, die Studirenden des Seminars und endlich Dr. Cyrus Adler in Washington, ein Schüler des Verblichenen, dem Dahingeschiedenen gewidmet haben. Eine gleichfalls dem Andenken Sabbato Morais' gewidmete Arbeit über „Bachja, den jüdischen Thomas a Kempis", von Dr. Jos. H Hertz, jetzt in Johannesburg, bildet die wissenschaftliche Beilage. Ueber die Leistungen der Präparandie, welche die Schüler, von den jüdischen Elementargegenständen beginnend, bis zu den talmudischen Einführungswissenschaften vorbildet, berichten Rev. Speaker und Mr. Reich, über die ihnen unterstellten höheren Klassen die Herren Rev. B. Drachmann und Professor Joffe. Im Kassenrapport werden neben einer Schenkung von 6000 Dollar seitens der Baronin Hirsch zahlreiche Legate aufgeführt. Don Nah und Fern, --- Die praktischen Aerzte Dr. Th. Lippmann und Dr. Moritz Mar cus hier find zu Sanitätsräthen ernannt worden.— Am 21. d. ist Herr Hermann London, der langjährige Vorsteher der Adaß-Jisroel- Gemeinde, ein wahrhaft frommer und allgemein geachteter Mann, im 76. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken! — Am 17. d. ist nach langen Leiden der Justizrath Dr. Moritz Hirsch im 69. Lebensjahre. gestorben. — In Arnswalde feierte am 16. d. das M. Schwärz'sche Ehepaar die goldene Hochzeit. Die Ehejubiläumsmedaille des Kaisers wurde ihm im Aufträge des Landraths durch den Kultusbeamten in weihevoller Rede überreicht. Ad multos annos! — In Gollub feierte am 15. d. M. der Kantor Benjamin Jacobsohn sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum als Kantor in derselben Gemeinde. — In Jnowrazlaw wurde der bisherige Fabrikbesitzer Julius Levy zum Vorsitzenden einstimmig wiedergewählt. Ein Zeichen, daß dieser das Vertrauen der ganzen Bürgerschaft in vollem Maße besitzt. — In Leipzig ist Gustav Arnhold im 67. Lebensjahr gestorben, derselbe war lange Zeit Mitglied des Gemeindekollegiums und ist stets für die Rechte der Juden eingetreten. — In Bingen verschied am 18. d. die Vorsteherin des bekannten israelitischen Pensionats von Geschwister Sobernheim, Fräulein Emma Sobernheim, im 51. Lebensjahre. Dieselbe war die älteste Tochter des angesehenen, 1869 verstorbenen Rabbiners Dr. Sobernheim in Bingen. Die Dahingeschiedene sowohl wie das von ihr geleitete Institut erfreute sich hoher Werthschätzung, wovon die große Betheiligung an dem Leichenbegängniß Zeugniß ablegte. Rabbiner Dr. Grünfeld hielt die Leichenrede. — Die bauernbündlerische „Bundeszeitung" in Pfarrkirchen wurde wegen Beleidigung des Großwaarenhauses Tietz in München zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt. — Die Baronin Hirsch hat den russischen Juden schon wieder ein neues Geschenk gemacht. In dem Dorfe Dubrovno sowie in dem Städtchen Orscha arbeiten viele Hunderte Juden in der Talletweberei. Da sie aber kein Kapital haben, müssen sie theuer einkaufen und billig an Zwischenhändler verkaufen. Jetzt werden aber, unter Aufsicht des Herrn Lazar Poljakow, in beiden Plätzen Faktoreien eingerichtet, zu denen die Baronin Hirsch die Fonds gegeben hat. — In Wilna ist der rühmlichst bekannte hebräische Schriftsteller Kalmann Schulmann im 78. Lebensjahre gestorben. Ein Nekrolog folgt in der nächsten Nummer. — In Paris ist Jules David, der Präsident der Tempelverwaltung, im 81. Lebensjahre gestorben. — Der „Antijüif" in Paris hatte eine Liste jüdischer Kaufleute publizirt; dagegen klagten einige derselben, und das Civiltribunal verurtheilte den antisemitischen Redakteur zu 500 Francs Schadenersatz für jeden Kläger und verbot die Fortsetzung der Liste bei 20 Francs Strafe jür jeden einzelnen Uebertretungsfall. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: M a x B a u ch w i tz in Berlin.

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