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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-01-27 · Heft 4 (27.1.1899) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 4 (27.1.1899)
Date
1899-01-27
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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41 Aus der Berliner Gemeinde. 8. Berlin, 23. Januar. (^Ä^ie gestrige Repräsentantensitzung, welche eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen hatte und zwei Stunden in Anspruch nahm, gestattete sich zu einer recht interessanten. Zum geschäftlichen T hei l war ein Schreiben des Repräsentanten - Stellvertreters Herrn Isidor Sachs eingegangen, einen Beschluß dahin zu extrahiren, den Repräsentanten - Stellvertretern die Theilnahme an den geheimen Sitzungen zu gestatten. Das Interesse der Vertreter für Gemeindeangelegenheiten werde sicherlich durch eine solche Entscheidung wachsen. Die Angelegenheit wird dem Ausschuß zur Vorberathung überwiesen. Es folgen alsdann Ergänzungswahlen von Kommissionen, über die Herr Justizrath Apolant referirt. In die Kommisston für den Religionsunterricht werden an Stelle der ausgeschiedenen Herren Sanitätsrath Jastrowitz, Geheimrath Mareuse, Leonhard und Isidor Sachs die Herren Professor Blaschke, Justizrath Apolant, Dr. Minden und Leonhard Sachs gewählt, in die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleifches Herr Louis Sieskind an Stelle des Herrn Isidor Sachs. Für die Kommission zur Vorberathung der Rabbinerwahl wird die Wiederwahl des Herrn Leonhard Sachs beantragt. Hierzu ist ein Antrag eingegangen, der von den Herren Professor Geiger, Professor Blaschke, Dr. Minden und Manheimer unterzeichnet ist, die Kommission neu zu konstituiren, da die Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung eine andere sei als vor drei Jahren, und es zweckmäßiger sei, etwaige Differenzen bereits in der Kommission auszugleichen. An diesen Antrag knüpft sich eine lange und sehr angeregte Debatte. Die Dringlichkeit der Berathung dieses Antrages wird in kurzer Geschäftsordnungsdebatte als nicht erforderlich erachtet, da es sich nur um einen Abänderungsantrag zur Tagesordnung handelt. Nach kurzer Begründung seitens des mitunterzeichneten Antragstellers Herrn Professor Geiger bittet alsdann Herr Justizrath Apolant, den Antrag abzulehnen, da es stets so gehandhabt worden sei, frühere Kommissionen bestehen zu lassen. Würde dieser Antrag angenommen, so müßten sämmtliche übrigen Kommissionen ebenfalls aufgelöst werden. Zudem liege aber auch gar keine Veranlassung vor, der veränderten Zusammensetzung der Versammlung Rechnung zu tragen. Die Kommission sei zu dem ganz bestimmten Zweck eingesetzt worden, einen Rabbiner für eine „Nichtorgelsynagoge" zu wählen. Die Kommission habe die Aufgabe noch nicht gelöst, und es liege kein Grund vor, weshalb diejenigen Herren, die nicht auf diesem Standpunkt stehen, ein entscheidendes Wort hier mitreden wollen. Sei der vorgeschlagene Rabbiner nicht genehm, so bleibe es noch immer unbenommen, ihn nicht zu bestätigen, da ja zu dessen Wahl eine 2/3 Majorität erforderlich sei. Nachdem Herr Maurermeister Fränkel eine Wiederwahl für seine Person abgelehnt hat, betont Herr Professor Geiger, daß die Kommission mit der Aufgabe betraut worden sei, zwei Rabbiner zu wählen. Bei einer solchen Aufgabe komme es sehr wohl auf den Standpunkt der einzelnen Mitglieder der Kommission an. Was würde es für ein Schauspiel geben, einen Rabbiner zu wählen, den die Versammlung nicht bestätige! Also aus rein praktischen Gründen müsse schon eine Neuwahl vorgenommen werden. Vom Vorstandstisch spricht sich Herr Jacoby ebenfalls dafür aus, die Kommission in ihrer bisherigen Zusammensetzung nicht bestehen zu lassen. Das vorige Mal hätten die liberalen Mitglieder der Kommission aus bestimmten Gründen darauf verzichtet, an den Berathungen Theil zu nehmen. Da sie sich jetzt freiwillig dazu erböten, solle man ihnen die Theilnahme gestatten. Es liege im Interesse der Sache, endlich zum Ziele zu gelangen. Herr Geheimrath Senator ist für Aufrechterhaltung der bisherigen Zusammensetzung im Interesse einer endlichen günstigen Wendung der Angelegenheit. Die Art der Zusammensetzung dürfe überhaupt nicht in Betracht kommen. Er stehe auf dem Standpunkt, nur im Interesse der Gemeinde zu wirken. Ob er dabei einmal liberal oder einmal orthodox wähle, sei ihm ganz gleichgiltig. Herr Leonhard Sachs ist der Meinung, daß die Bedenken, die von Herrn Professor Geiger wie vom Borslandstische aus geäußert wurden, durch die Bildung einer neuen Kommission nicht beseitigt würden. Die endgiltige Entscheidung würde immerhin doch erst im Plenum gefällt werden können. Vorschläge, die nicht aceeptabel seien, würden eben nicht angenommen werden. Es liege sicher die Absicht vor, nach jeder Seite hin Rechnung zu tragen. Es handele sich nur um die Personenfrage, welche in der Kommission entschieden werden müsse. Man werde nur solche Vorschläge bringen, die aceeptabel seien. Herr Justizrath Apolant giebt nun ebenfalls zu, daß die Kommission später mit dem Aufträge betraut worden sei, auch einen zweiten Rabbiner oder Hilfsprediger für die Synagoge Lützowstraße zu wählen. Bei der gemischten Kommission handele es sich nicht um eine ständige Einrichtung. Den Statuten gemäß müssen die Ausschüsse ausdrücklich neu gewählt werden. Daraus folge ohne Weiteres, daß die gemischten Kommissionen nach der Auffassung der Statuten nicht neu zu wählen find, sondern nur zu ergänzen. Es würde durch eine andere Entscheidung ein Präjudiz geschaffen werden, das die allerbedeutendsten Folgen haben könnte. Herr Oppenheim spricht sich gegen den Antrag aus, da man durch die Kontinuität am schnellsten zu einer Wahl gelangen werde. Drei Jahre hindurch habe man sich lediglich mit der Wahl eines konservativen Rabbiners befaßt, und es sei stets der Wunsch rege gewesen, die Sache thunlichst zur Erledigung zu bringen. Eine andere Zusammensetzung der Kommission werde auch kein schnelleres Resultat ergeben. (Werweiß?) Er habe die Ueberzeugung, daß die Versammlung gegen einen konservativen Rabbiner keine Einwendungen machen werde. Herr Professor Geiger betont, daß die Bemerkungen bezüglich der Kontinuität dem wirklichen Thatbestande nicht entsprechen, da vor drei Jahren ebenfalls der Antrag gestellt worden sei, die bisherigen Mitglieder der Kommission durch andere zu ersetzen. Die Kontinuität sei diesmal umsoweniger angebracht, als es sich um die Wahl zweier Rabbiner handele. Er glaube auch im Namen aller Neugewählten bestätigen zu können, daß sie ihre einzige Aufgabe darin erblicken, für die Interessen der Gesammtgemeinde zu wirken. Er sehe keinen Grund ein, warum die Kommission nur aus orthodoxen Mitgliedern bestehen solle. Herrn Dr. Minden scheint die Neuwahl nach dem Gang der Debatte durchaus nothwendig. Einem Rabbiner könne man nichts Schlechteres mit auf den Weg geben, als ausschließlich als Rabbiner einer einzigen Partei zu gelten. Die Bemerkung des Herrn Professor Geiger, daß die Gemeindevertreter nicht einer einseitigen Richtung huldigen dürfen, sei so richtig und so selbstverständlich, daß auch die Andersdenkenden sie nicht bezweifeln werden. Wenn aber eine Kommission bestehen solle, die ausschließlich die Interessen der orthodoxen Partei vertrete, so erinnere er an einen Vorgang in der deutschen Geschichte, an die Itio in partes, wo sich die Reichsstämme in ein eorpus evangelicorum und ein corpus catholicorum getrennt hätten, ein Vorgang, der zu dem Untergang des Reiches beigetragen hätte. Er glaube, daß die Repräsentantenversammlung ihre Thätigkeit nicht besser beginnen könne, als daß sie solche Reminiscenzen an eine Zweitheilung der Gemeinde von der Hand weise. Nachdem noch Herr Oppenheim kurz dargelegt hat, daß sich die alte Kommission auch bereits mit der Wahl eines liberalen Rabbiners beschäftigt habe, wird die Abstimmung vorgenommen. Es stimmen acht Mitglieder dafür (die Herren Blaschke, Geiger, Löwe, Albert Philipp Meyer, Minden, Manheimer, Neufeld und Louis Sachs) und acht Mitglieder dagegen. Da bei Stimmengleichheit nach § 38 des Gemeindestatuts die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag giebt, so ist der Antrag auf Neukonstituirung der Kommission angenommen. Der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, bedauert, in dieser großen prinzipiellen Frage nicht anders handeln zu können, und hofft, nicht oft mehr in die Lage zu kommen, durch seine Stimme die Entscheidung herbeiführen zu müssen. Die Angelegenheit wird dem Ausschuß III zur weiteren Veranlassung überwiesen. Es fährt alsdann Herr Justizrath Apolant in seinem Referat fort. Das Mandat der Kommission für die Grundsätze der Waisenpflege ist erledigt, und die Kommission ist aufgelöst. In die Kommission für den Neubau der Synagoge Lützowstraße werden an Stelle der ausgeschiedenen Herren Geheimrath Mareuse und Leonhard Sachs die Herren Albert Philipp Meyer neu- und Herr Leonhard Sachs wiedergewählt. In die Kommission zur Auswahl von Synagogenbauplätzen werden die Herren Kornmerzienrath Fried Länder und Albert Philipp Meyer an Stelle der ausgeschiedenen Herren Bodenfiein und Louis Sachs, in die Kommission für Berathung des Normalbesoldungsetats die Herren Professor Blaschke und Landgerichtsrath Löwe (für die Herren Geheimrath Mareuse und Isidor Sachs), in die Kommission für die Verwaltung der Ephraim-Stiftung dieHerren Albert Philipp Meyer, Dr. Minden und Maurermeister Fränkel (für die Herren /Geheimrath Mareuse, Bodenslein und Louis Sachs) und in die

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