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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-01-20 · Heft 3 (20.1.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 3 (20.1.1899)
Date
1899-01-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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beiwohnen zu können. Herr Dr. Vogelstein, der sich auf der Rückreise von Aachen nach Stettin befand, machte, einer Einladung seines Vetters, des Herrn H. Vogelstein in Lage, folgend, einen Abstecher nach Lage und sprach am 22. v. M. im Hotel „Reichskrone" über Don Isaak Abravänel. Die Zuhörer bestanden nicht nur aus Juden, sondern auch aus Christen. Durch seinen Bortrag hat Herr Dr. Bogelstein die Entstehung unseres Litteraturvereins mächtig gefördert, wofür ihm an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt sei. 2C* Frankfurt a. M., 13. Januar. Bor Kurzem ist ausgegeben worden der sechzehnte Jahresbericht des israelitischen Hilfsvereins (Vereins zur Beschränkung des Wanderbettels), zugleich Auskunftsstelle für israelitische Armenpflege, für den Zeitraum vom 1. Oktober 1897 bis 30. September 1898. Das Jahr hat die Kräfte und Mittel des Vereins bedeutend mehr in Anspruch genommen als die vorhergehenden. Während in den Jahren 1895/96 und 1896/97 nur 1575 bezw 1465 Petenten erschienen und unter diesen 1301 bezw. 1180 der Unterstützung würdig befunden wurden, stellten sich die entsprechenden Zahlen diesmal auf 1826 und 1523, die in diesem Zweig der Unterstützung ausgegebenen Beträge ans 5186 Mark, gegen 3946 Mark im vorigen und 4378 in dem vorhergehenden Jahre. Die Mitgliederbeiträge hielten sich wiederum auf gleicher Höhe. An Geschenken zur Verwendung erhielten wir 6484 Mark gegen 5933 Mark im Vorjahr. Außerdem hat das Hilfskomitee für die russischen Juden uns wieder einen Betrag von 1000 Mark zur Verfügung gestellt. Die Ausgaben des Spezialfonds weisen gleichfalls einen wesentlich höheren Betrag, nämlich 32 258 Mark gegen 22 533 Mark im Vorjahre, auf. Diese Summe wurde in üblicher Weise für dringende Unterstützungen verwendet. Ferner sind, wie seit Jahren, vor den Feiertagen armen, würdigen Familien hier und in der Umgegend Gaben zugeschickt worden, was gleichfalls dazu beiträgt, die Bittgänge in den Häusern zu beschränken. Im Auftrag des Rosch-Chodesch-Bereins erfolgte die Bercheiligung von 6150 Mark in monatlichen Spenden. Nach den Mitteilungen dieses Vereins nahm derselbe an Mitgliederbeiträgen 5295,50 Mark, an Geschenken 285 Mark ein. Als Geschenke zum Tapitalfonds erhielt der Hilfsverein 2000 Mark. In außergewöhnlicher Weife wurde die Thätigkeit des Hilfsvereins durch die Ausweisungen n Anspruch genommen, welche im Sommer dieses Jahres über Hunderte von hier flch aufhaltenden galizischen und russischen Familien »erhängt wurde. Sobald die schmerzliche Kunde dieser aus uns un ekannten Gründen angeordneten, einschneidenden Maßregel zu uns rang, waren wir uns bewußt, daß es nun galt, den vielen Menschen, »ie um ihren bisher mühselig errungenen Lebensunterhalt gebracht varen, die Möglichkeit zu gewähren, anderwärts fich und ihre Familien zu ernähren. Nachdem bereits eine Anzahl Familien »on uns nicht nur mit Mitteln für die Reise in ihre Heimath, sondern uch für die erste Zeit nach ihrer Ankunft am Bestimmungsorte verrhen worden war, und es fich zeigte, daß bei der Menge der Fälle die Mittel des Vereins nicht ausreichen würden, versandte der Vorstand in Cirkular m»t der Bitte um Zuwendung außerordentlicher Gaben nd hatte die Freude, daß sein Appell an die jüdische Nächstenliebe uch bei diesem Anlaß reiche Früchte trug. Nicht nur von Mitgliedern, Indern auch von außerhalb des Vereins stehenden wohlthätigen Glaubensgenossen wurden unsere Bemühungen zu Gunsten der AusvLwiesenen durch Gaben sowohl als durch persönliche Thätigkeit in dankenswerthester Weife unterstützt. Ist es auch inzwischen gelungen, für manche Betroffenen die Ausweisung rückgängig zu machen, für andere einen Aufschub zu erwirken, so bleibt doch die Zahl der Familien, die den Wanderstab ergreifen und einem ungewissen Schicksal entgegengehen müssen, eine sehr große. Die Linderung ihres Elends wird noch bedeutende Geldopfer erfordern. In der letzten Generalversammlung wurden die Herren Konsul Ad. Baer-Goldschmidt, Gustav Dreyfuß, Em. Ettinghausen, Moritz Loewenhaar und Moritz Metzger wiedergewählt und im Laufe des Jahres für den ausgeschiedenen Herrn Stern Herr Dr. Leopold Walter kooptirt. Die Verbindung mit ähnlichen Vereinen Süddeutschlands ist eine sehr lebhafte geworden. Namentlich find es, außer den Vereinen zu Nürnberg und Fürth, diejenigen zu Mainz und Wiesbaden, mit denen der hiesige in inniger Fühlung, steht. Der Vorstand besteht aus den Herren: Konsul Adolph Baer-Goldschmidt, Vorsitzender; Charles L. Hallgarten, stellvertretender Vorsitzender; Leopold Hirschler, Direktor; Max Wertheimer, Direktor, Gustav Dreyfuß, Direktor; Adolph Marx-Leo, stellvertretender Direktor; Henry Seligman, I. Kasfirer; Emanuel Ettinghausen, II. Kassirer; Alfred Geiger, Schriftführer; Salomon Cabn, Gegenschreiber; Moritz Loewenhaar, Moritz Metzger, Wilhelm Meyer, Philipp Schiff, Dr. Leop. Walter, Pfleger. O Aachen, 15. Januar. Am 10. d. M. ist Hierselbst der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde zu Aachen, Herr Stadtverordneter Isaak Herz, im Alter von 71 Jahren gestorben. Dem Stadtverordnetenkollegium gehörte der Verstorbene seit 1874, also beinahe 25 Jahre, ununterbrochen an und entfaltete in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter in verschiedenen Kommissionen, besonders in der Finanzkommission, eine hervorragende, umsichtige und geschätzte Thätigkeit. Er war ein Vertreter der weisen Sparsamkeit in städtischen Angelegenheiten; seine Stimme und sein Rath waren für finanzielle Projekte sehr oft ausschlaggebend. Metz, 9. Januar. Aus dem Jahresbericht der hiesigen Handelskammer sende ich Ihnen folgenden, Ihren Leserkreis interesstrenden Ausschnitt: „Ein Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu Berlin hat geglaubt, die Kammer darauf aufmerksam machen zu müssen, daß gewisse antisemitische Blätter angebliche Auszüge aus ihrem Jahresbericht veröffentlicht haben, in denen die stets zunehmenden Erwerbungen von lothringischen Landgütern durch Israeliten bitter beklagt wurden. Die Kammer erwiederte, daß der Verein, da er seinem Schreiben nach ihren Jahresbericht zur Hand habe, sich selbst von der Grundlosigkeit dieser Beschuldigung überzeugen könne. Sie kann das Verfahren jener Zeitungen nur tadeln, aber sie fühlt sich nicht berufen, sich dieserhalb mit ihnen in eine Polemik einzulassen." Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 16. Januar. Wie bereits gemeldet, wurde vor einiger Zeit die Erweiterung des israelitischen Spitals in Währing beschlossen, da sich die vorhandenen Räume für die Zahl der Hilfesuchenden aus aller Herren Länder als zu klein erwies. Nun hat aber der antisemitische Stadtrath beschlossen, gegen die geplante Erweiterung des israelitischen Spitales in Währing den Rekurs an das Ministerium zu ergreifen. — Eine große Auszeichnung wurde dem Maler Leopold Horowitz zu Theil; der Kaiser hat den berühmten Maler beauftragt, ein Bild zu malen, welches die verewigte Kaiserin im Alter von ungefähr 45 Jahren darstellt. Das Werk, ein Meisterstück der Porträtirkunst, ist nun vollendet. Es stellt die Kaiserin, entsprechend ihrer Liebe zur Natur, inmitten einer Landschaft dar, das Haupt wie von milden Lüften umfächelt. Der von reichen Flechten umrahmte Kopf ist zum Sprechen ähnlich. Das seelenvolle Auge spiegelt die Milde und das poetische, zu melancholischer Schwärmerei neigende Wesen der hohen Frau mit überraschender Treue wider. — Die Nachricht eines hiesigen orthodoxen Blattes, daß im abgelaufenen Jahre 4000 Juden hier zum Christenthum übergetreten seien, ist Gott sei Dank grundfalsch. Es sind im abgelaufenen Jahre ungefähr 446 Personen in Wien aus dem Verbände des Judenthums geschieden, um ungefähr 40 mehr als im Vorjahre. Von diesen ehemaligen Juden haben sich die meisten konfessionslos erklärt. Interessant ist aber, daß auch die Fälle von Uebertritten zum Judenthum eine Vermehrung erfahren haben. — Der Vorstand unserer Gemeinde hat sich in seiner letzten Sitzung selbst geehrt, indem er einen großen Gelehrten und ein bedeutendes Werk ehrte. Auf Antrag des Dozenten Dr. Griinfeld wurde Herrn Prof. Lazarus der Dank des Vorstandes für sein Werk über die Ethik des Judenthums einstimmig votirt und zugleich der Beschluß gefaßt, hundert Exemplare für die Gemeinde anzukaufen. Ein wahrhaft nachahmenswerthes Beispiel! — Der hiesige Stadtrath, der statt des alljährlichen Balles ein Konzert veranstaltet, hat zur Mitwirkung das philharmonische Orchester aufgefordert, die Mitwirkung jedoch ohne Direktor Mahler (der bekannttich Jude war) gewünscht, daraufhin jedoch haben die Philharmoniker auf jede Mitwirkung im Konzert der Stadt Men verzichtet. — Der Eisenbahnminister hat die Herren Siegmund Sonnenschein und Dr. Th. Pollak zu Ministerial-Sekretären ernannt. — Nachdem sämmtliche Verhandlungen wegen der antisemitischen Bauernunruhen beendet sind, wird in den nächsten Tagen der Ausnahmezustand in allen Bezirken Galiziens aufgehoben und das Geschworenengericht im Bezirk Neusandee wieder eingeführt werden. — Der Bürgermeister von Stauislau, Dr. Nimhin,

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