Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1899)
- Date
- 1899-01-20
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 291 Personen ----- 36 pCt., während überhaupt 11181, d. h. 52 pEt. vorbestraft waren. Tie Zahl der gewohnheitsmäßigen Verbrecher ist also bei den Nichtjudeu viel größer als bei den Juden. Noch mag hinzugefügt werden, daß im städtischen Arbeitshause in Rummelsburg 6 Juden als Korrigenden unter 970 Korrigenden find, also eine sehr geringe Ziffer. z. Landsberg a. W , 15. Januar. Der Oberkantor unserer Gemeinde, Herr Mannheim, beging am 1. d. M. sein 25jähriges Amtsjubiläum als Kantor unserer Gemeinde. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Elsaß schon am vorangegangenen Freitag gelegentlich des Abend- Gottesdienstes in der Synagoge in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars um die Gemeinde gewürdigt hatte, erschienen am Sonntag der Vorstand und die Repräsentanten in der Wohnung des Jubilars und überreichten ihm als Zeichen der Anerkennung seiner langjährigen Thätigkeit im Dienste der Gemeinde ein namhaftes Ehrengeschenk. — Der Vorstand des israelitischen Schulvereins ehrte den Jubilar durch die Ueberreichung eines kostbaren Pokals. Die rege Theilnahme der Gemeinde- Mitglieder an dem Feste ist der beste Beweis für die Beliebtheit, deren der Jubilar sich erfreut. N. Breslau, 16. Januar. Auf die öffentliche Ausschreibung des Wettbewerbes um Pläne für die Erbauung des neuen israelitischen Krankenhauses waren laut Bekanntmachung des Vorstandes der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt 40 Entwürfe eingegangen. Das zur Prüfung derselben berufene Preisgericht hat von der Ertheilung eines ersten Preises Abstand genommen und zwei Preise von je 1600 M. und einen Preis im Betrage von 1000 M. ertheilt, die sämmtlich auswärtigen Architekten zuerkannt wurden. Hingegen empfahlen die Preisrichter, den Entwurf des hiesigen Architekten Grosser anzukaufen. Zur Zeit sind sämmtliche Entwürfe in dem hiefigen Kunstgewerbemuseum zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt. Lp. Aus der Provinz Posen, im Januar. Vor Kurzem verstarb in Witkowo einer der geachtetsten und ältesten Bürger der dortigen Gemeinde, Kaufmann David Brummer, im Alter von 86 Jahren. — Neulich feierte das Rentier S. Lachmannffche Ehepaar in Tremessen das Fest der goldenen Hochzeit. — Der Männer-Krankenverein in Wreschen hielt am Weihnachtstage seine diesjährige Generalversammlung ab. Die Gesammteinnahme für das letzte Geschäftsjahr betrug 836,95 M., die Ausgabe 257,38 M. In den Vorstand wurden die Herren Ziegel, Kantorowicz, Pollak, Zlotnicki und Engelmann gewählt. Der Verein besteht seit 1882 und zählt nahezu 60 Mitglieder. — Kaufmann Joseph Holländer in Samter feierte neulich das 25jährige Jubiläum als Stadtverordneter. Aus diesem Anlasse schenkte derselbe zur Ausschmückung des Rathhaussaales die Büsten der drei ersten deutschen Kaiser. GD Rakel, 11. Januar. Heute wurde hier Herr Heinrich Löwenheim unttr großen Ehren zu Grabe geleitet. Der Verstorbene, der ein Alter vcu 57 Jahren erreichte, war in allen Schichten der Bevölkerung sehr luiefct. Der Kriegerverein und die freiwillige Feuerwehr rückten vollzählig mit ihren Fahnen aus. Der Verstorbene hat die Feldzüge des Jahres 1866 und 1870 mitgemacht. Die Leichenrede hielt Dr. Perlitz. Nach Beendigung feuerte der Kriegerverein drei> Salven ab. Bemerkt sei noch, daß der Entschlafene ein Schwager des seligen Dr. Manuel Joel in Breslau war. K. Aus Westpreutzen, im Januar. In der Provinzialversammlung der Liberalen Westpreußens, zu deren Einberufung etwa ein Dutzend unserer Glaubensgenossen aus der Provinz, u. A. die Herren Fabrikbesitzer Gustav Davidsohn-Danzig, Rechtsanwalt Dr. Stein-Thorn, Rechtsanwalt Grün-Graudenz und Kaufmann Fabian-Tuchel, den Aufruf mitunterzeichnet haben, welche im Artushofe zu Thorn abgehalten wird, wird u. A. Herr Rechtsanwalt Dr. Stein-Thorn über das Hauptthema: „Die Nothwendigkeit eines engeren Zusammenschluffes der Liberalen Westpreußens" sprechen. — Die Synagogengemeinde Dirschau hat ein Grundstück (Marienburgerstraße 4, Westseite des Gotteshauses) angekauft, um einen bequemen Zugang durch dieses Haus für die Besucher der Synagoge zu schaffen und ihren Beamten in diesem Hause Wohnungen zu gewähren. Auch ein Schul- und Sessionszimmer sowie ein Betlokal für die kalte Jahreszeit sollen darin eingerichtet werden. Der Frauenverein dieser Gemeinde hielt am ersten Januar seine ordentliche Generalversammlung ab, in welcher der Geschäftsbericht erstattet wurde. Der Verein zählt 64 Mitglieder und hat eine jährliche Einnahme von 384 Mark. An Ausgaben wurden außer den baaren monatlichen und außerordentlichen Unterstützungen sowie Naturalien und Brennmaterial verschiedene Beträge für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke bestritten, u. a. für die innere Ausstattung des rituellen Badehauses eine entsprechende Summe bestimmt. Kaffenbestand am 1. Januar 477 Mark. Beschlossen wurde die Wiederaufnahme eines lange Jahre ausgeschieden gewesenen Mitgliedes gegen Entrichtung einer bestimmten höheren Summe. — Am 30. v. M. starb in Praust bei Danzig der frühere Kantor, jetzige Rentier Herr Samuel Hirschberg und wurde auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Danzig zur ewigen Ruhe bestattet. Er war wegen seiner reichen Kenntnisse auf dem Gebiete der hebräischen und jüdischen Litteratur hochgeschätzt. A; Kolverg, 16. Januar. Das hiefige Kurhospital erläßt einen neuen Aufruf. Durch den vorjährigen Bericht sind die Mitglieder, Freunde und Gönner der Anstalt bereits davon in Kenntniß gesetzt, daß das jüdische Kurhospital im vierundzwanzigsten Jahre seines Bestehens im Zeichen des Neubaues steht. Eine nothwendige Folge desselben war aber der Umstand, daß die Anstatt in diesem Jahre keine Heimstätte besaß. Infolge der Einstellung des Anstaltsbetriebes erübrigt es sich, einen Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr zu erstatten. Seit Mitte August ist der Rohbau fertig gestellt; seitdem schreitet der Ausbau rüstig vorwärts, und die Vollendung des Neubaues sowie der inneren Einrichtung des neuen Hauses steht daher im Frühling 1899 sicher zu erwarten. Bekanntlich haben unter dem Vorsitz des Herrn Kommerzienrath Julius Jsaae die Herren Dr. I. Ginsberg, Hermann N. Israel, James Simon und Martin Simon, sämmtlich zu Berlin, seit dem Herbst 1896 als Komitee für den Neubau sich die Aufgabe gestellt, die nothwendigen Mittel zu den Kosten des Neubaues durch Sammlungen aufzubringen. Schon in dem vorjährigen Bericht wurde erwähnt, daß der zielbewußten Arbeit dieses Komitees die Aufbringung des überwiegend größten Theiles der Neubaukosten zu danken sind. Das Baukomitee sah sich veranlaßt, im Oktober d. I. einen neuen Aufruf an die opferwillige Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen zu erlassen. Der glückliche Erfolg dieses zweiten Aufrufs war nicht minder durchschlagend als der des ersten, so daß nunmehr nur noch etwa 25 000 Mark fehlen dürften. Möge der Anstatt auch ferner die Theilnahme weiter Kreise unserer Glaubensgenossen verbleiben, denn noch ist viel zu thun, um die ausreichenden Betriebsmittel u. s. w. zu beschaffen. Der Vorstand besteht aus den Herren H. Bernhardt, Vorsitzender, Rabbiner Dr. S. Goldschnndt, Schriftführer, M. Friedlaender, G. Paechter, Rechtsanwalt Bennheim, Kaffenfübrer, Stadtrath Paul Lindenhayn, Dr. Heinrichsdorff, Anstaltsarzt. Das Komitee für den Neubau besteht aus den Herren Julius Jsaac, königlicher Kommerzienrath, Vorsitzender, Dr. I. Ginsberg, Schatzmeister, Hermann N. Israel, James Simon, Martin Simon, Schriftführer. x. Lage (Lippe), 10. Januar. Am Sonntag den 8. d. M. wurde hier ein „Lippescher Landesverein zur Pflege der jüdischen Geschichte und Litteratur" gegründet. In der Versammlung im Hotel „Neichskrone", wo sich etwa 100 Damen und Herren aus fast allen Theilen des Fürstenthums eingefunden hatten, sprach Herr Lehrer A. Plaut-Detmold über das Thema: Was wir wollen. Im Laufe der Versammlung schrieben sich 40 Mitglieder in die Vereinsliste ein. Das ist für die hiesigen Verhältnisse schon eine stattliche Zahl; doch kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß der Verein es in nächster Zeit bis auf 70 Mitglieder bringen wird. Von der Gründung von Lokalvereinen mußte Abstand genommen werden, da die einzelnen Gemeinden in unserem Lande zu klein sind. Zum Vorsthenden des Vereins wurde Herr H. Bogelstein-Lage, zum Schriftführer Herr Rektor Saphra-Lemgo, zum Schatzmeister Herr Blank-Horn und zu Beisitzern wurden die Herren Plaut-Detmold und Kabaker-Lemgo gewählt. An die Gründung schloß sich ein gemüthliches Beisammensein. Seine Entstehung verdankt der Verein Herrn H. Bogelstein und Herrn Lehrer N. Schimmelmann-Lage. Den Anstoß aber gab die Gemahlin des Herrn Vogelstein, eine für das Judenthum wie für alles Gute und Edle begeisterte Dame. Möge der Verein blühen und gedeihen. — Noch bevor unser Verein gegründet war, hatten wir die Freude, einem Bortrage des Herrn Rabbiner Dr. Bogelstein-Stettin