Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1899)
- Date
- 1899-01-13
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
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20 linguistischer und historischer Beweise zusammengereimt, z. B. die Stelle aus 1. Makkabäer (12 Kap. 20—22): „Areus, König zu Sparta, entbietet Onias. dem Hohenpriester, seinen Gruß. Wir finden in unseren alten Schriften, daß die von Sparta und die Juden Brüder sind, dieweil beide Völker von Abraham Herkommen. Nachdem wir nun solches wissen, bitten wir, ihr wollet uns schreiben, wie es euch gehet" u. s. w. Flavius Josephus citirt die Stelle, wobei er den Spartanerkönig Areios nennt, fügt aber die Worte hinzu: „Demoteles, der diesen Brief überbringt, übermittelt euch die Aufträge. Das Schriftstück ist viereckig, das Siegel ein Adler, der einen Drachen hält. Das sei nun aber genau das Wappen Dans. In der Antwort der Juden läßt Josephus den Hohenpriester Jonathan sagen, sie hätten von dieser Verwandtschaft ohnehin aus den heiligen Büchern gewußt. Nebenbei gesagt, benutzt der Franzose Alain A. die griechisch-jüdische Identität im Zusammenhalt mit den Engländern, um die halblegendarischen Siege der alten Griechen mit Waterloo und Trafalgar zu vergleichen, deren kriegerischen Glanz man leugnen würde, wenn man die Dinge näher untersucht hätte. Der Jdentifizirsport geht übrigens noch weiter. In Irland werden die vielen mit „Baal" beginnenden Orte (aber auch Balmoral in Schottland) für den Gott „Baal" der phönizisirenden Juden in Anspruch genommen. Auch sei Irland eine der ältesten Kultur- und Kultusstätten gewesen, eine Quelle für ganz Mittel¬ und Nord-Europa. Mit Wales verhalte es sich ebenso. Es sei durch die Kymri kolonisirt worden, die ihren Namm von Omri, dem Begründer von Samarias, der Hauptstadt Israels, haben. Auf assyrischen Obelisken der Gefangenschaftszeit seien die Namen „Beth-Kimri" und „Haus des Omri" allgemein identifizirt, auch komme das Wort „Beth", Haus, wie in Palästina (Bethlehem rc.), auch in Wales häufig vor (Bethnal, Lambeth rc.), und überdies biblische Namen wie Ararat, Salomons Court und andere. Das Merkwürdigste sei freilich die Reise des Propheten Jeremia nach Irland im Jahre 58 vor Christi. Nach der altirischen Sage sei damals eine jüdische Prinzessin Tea Tephi mit ihren Begleitern Ollam Folla und Brug nach Nord-Irland gekommen, wo sie den König Eochaidh Heremon geheirathet habe und in Tara bestattet liege. Im Jahre 513 nach Christi versammelten sich die Weisen Irlands und stellten fest, daß die Prinzessin eine Tochter Zedekias, des letzten Königs von Israel, gewesen sei, ihre Begleiter aber die Propheten Jeremia und Baruch. Ollam Folla bedeute auf Hebräisch Prophet, und das „Grab des großen Ollam" befinde sich noch jetzt auf der Insel Davenish. In jeder irischen Familie heiße seitdem ein Sohn Jeremia. Von den irischen Königen aber stammen die schottischen und von diesen die englischen ab, so daß Königin Viktoria durch Tea Tephi ein Abkömmling Davids sei. So stelle es auch ihr Stammbaum im königlichen Palaste dar. Was die Reise Jeremias nach Irland betrifft, erfolgte sie über Aegypten; Jeremia 43, 6 ist es geschildert, wie Johanan „Männer, Weiber und Kinder, dazu des Königs (Zedekia) Töchter, . . . auch den Propheten Jeremia und Baruch" zu sich nahm, und wie sie „zogen in Aegyptenland". Weiter erfuhr man nichts über Jeremias Verbleib, aber im feindlichen Aegypten habe er nicht bleiben können, sondern habe augenscheinlich den alten Handelsweg nach dem äußersten Westen eingeschlagen. Auch den Stein, auf dem Jakob geschlafen, hatte er mit; der liegt noch jetzt unter dem Thronsessel der englischen Könige, und der berühmte Theologe Dean Stanley sagt, die Engländer hätten es dreihundert Generationen hindurch vorgezogen, zu sterben, als sich von Jakobs Stein zu trennen. Erwähnen wir schließlich, daß, wo dieser etymologischchronistische Bau noch geflickt werden muß, auch die guten Scythen herhalten müffen, die natürlich mit den Scoten identifizirt werden. Der Leser merkt schon, daß sie die aus Assyrien nach Norden ans Kaspische Meer gerathenen Juden waren. (Ueber das Judenthum der Chazaren ist übrigens auch bei uns viel bekannt geworden.) Die Saxons seien von dem scythischen Stamme der Sakai oder Sacä her, die nach Kappadozien grriethen. Und gerade dorthin seien die Apostel entsendet worden. Dort sagt Jesus (Ev. Matth. 15, 24): „Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel." Und ebenda, 10, 5 und 6, sagt er: „Gehet nicht in der Samariter Städte, sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel." Durch solche Citate wird die Kette noch sehr lange weitergezogen. Sollte der Leser noch nicht vollkommen überzeugt sein, so empfehle ich ihm folgende Argumente zur Würdigung: Die schottischen Hochländer effen, wie die Juden, kein Schweinefleisch. Zur Zeit Nebukadnezars wohnten die gefangenen Juden am Araxes in zwei Landschaften Namens Jberia und Akbion; Albion ist jetzt England und Jberieu (dasselbe Wort wie Hebräer) ist Spanien, das auf ihrem Weg nach England lag, und auch Irland heißt Hibernia. Ein unterwegs abhanden gekommener Rest der answandernden Juden sind die Albigenser in Albi (Südfrankreich). Man wundert sich nur, daß diese Forscher nicht auch die Albinos als Juden reklamiren. Mehrere irische Könige hießen David, Salomon und Daniel, selbst O'Connell hieß Daniel. Die vielen alttestamentarischen Einzelheiten in der englischen Liturgie habe» die Engländer instinktiv angenommen. Das Geschrei, das Josua seinen Truppen bei Jericho anbefahl, soll: „Horeeu" gelautet haben, was nichts Anderes sei als „Hurrah: König Jakob I. von England war Jude. Weihnachten heißt noch jetzt in England (und Skandinavien) Jultag, „Jul" aber heißt auf Chaldäisch „Kind". Die Zehn Gebote sind in England wörtlich übersetzt und in jeder Kirche angeschrieben; in Frankreich sind sie in ungenaue Verse gebracht. In England und im alten Israel erben die Grundstücke in männlicher Linie fort, und der Landbesitz wurde im alten England, wie bei den Juden, von Zeit zu Zeit neu vertheilt. Alle sieben Jahre geben die englischen Pächter ihrem Boden ein Sabbathjahr, wie die Juden in Palästina. Auch das Clanwesen mit den Silben „Mac", „O" und „Son", die an den Vaternamen gehängt werden, ist jüdisch. Die Schotten speziell sind vom Stamme Josefs, auch zeigt das Siegel ihrer Kirche den brennenden Dornbusch. Die Schotten sind überhaupt die Jdealjuden. Der Union Jack, die Fahne der vereinigten britischen Länder kommt, nach Dr. Moore, schon auf Jnschriftsteinen der Sakai in Indien vor, nebst dem Einhorn des britischen Wappens. Das allerbeliebteste dieser Argumente aber liefert die von Juden gebaute Große Pyramide in Aegypten. Dort sei die ganze mosaische Zeitrechnung eingegraben, nebst den Daten der Geburt und des Todes Christi. Und das Königsgemach dieser Grabpyramide habe genau die Maße der Bundeslade, wie sie Moses auf dem Sinai vorgeschrieben. Diese Maße aber entsprächen genau den alten britischen Hohlmaßen. Ihre Grundlage sei der englische Zoll. Die konservativen Engländer haben dieses von Gott selbst dem Moses angegebene Maß bis auf den heutigen Tag beibehalten und können sich noch immer nicht entschließen, das metrische System einzuführen. Auf diesen englischen-jüdischen Zoll sind die Briten nicht wenig stolz, und dieses Argument ist in England thatsächlich populär geworden. Wenn alle anderen Gründe wohlfeil wie Brombeeren sind, der englische Zoll und Fuß ist unwiderleglich.