Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1898)
- Date
- 1898-12-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Lade und endlich der Chorgesang des Psalm 150 schlossen den Festakt würdig ab, der auf alle Zuhörer einen tiefergreifenden Eindruck machte. Wir wünschen dem ehrwürdigen greisen Rektor der Anstalt, der dieselbe begründet, geführt und erhalten, noch langes Leben. Der Anstalt selbst aber wünschen wir, wenn auch unsere religiösen Anschauungen weit aus einander gehen, doch von ganzem Herzen Blühen und Gedeihen, damit sie ihr hohes Ziel, Thorastudium und allgemeine Bildung zu vereinigen, auch im nächsten Bierteljahrhundert ihres Bestandes immer mehr erreiche. L2 Berlin, 14. Dezember. Aus den Litteraturvereinen. In Berlin hielt am 7. d. M. Herr R. Faelberg-Wien eine Recitation aus dem Gebiete der neuhebräischen Poesie ab, in Allenstein sprachen Prediger Sturmann-Osterode über den Arbeiterstand bei Griechen, Römern und Juden, Gymnasiallehrer Levy: Streifzüge durch die jüdische Litteratur, Rabbiner Dr. Olitzki über die Frau in Bibel und Talmud, in Tilsit Rabbiner Dr. Bo gelstein-Königsberg über die Juden in Rom im Zeitalter Dantes, in Memel Herr L. Scheinhaus über jüdisches Kultus- und Gemeindeleben im Mittelalter, in Plefchen Rabbiner Dr. Bamberger-Schildberg über Don Jesef Naßi, Herzog von Naxos (der dortige Verein feierte am 11. d. M. ein schönes Chanukahfest, bei dem Rabbiner Dr. Königsberger die Festrede hielt), in Lissa Dr. H. Löwe über den Zionismus, Rabbiner Dr. Cohn- Rawitsch über Jehuda Halevi, in Ostrowo Prof. Dr. Philippson über einen jüdischen Staatsmann aus dem 16. Jahrhundert, Rabbiner Dr. Königsberger-Pleschen über das Wesen des Gebetes, in Krotys ch i n Reeitator Dr. S a l z e r über Szenen aus der Bibel und andere Lebens¬ und Sittenbilder, Rabbiner Dr. Berger über Poesie und Prosa im Talmud, in Hirsch b erg Dr. Adolf K ohu t über Friedrich II.und KaiserJosef II., in Breslau Rabbiner Dr. Rosenthal über die litterarische Thätigkeitder Juden nach dem großen Kriege mit Rom, Prof. Dr. Philippson über das Judenthum und die anderen Kulturreligionen, in Militsch Rabbinats- Kandidat Dr. Brettholz über Don Josef Naßi, Herzog von Naxos, in Brandenburg Rabbiner Dr. Ackermann über neuhebräische Poesie, Lehrer Steinhardt -Magdeburg über Feindesliebe im Judenthum, in Köthen Rabbiner Dr. Ackermann-Brandenburg über einen jüdischen Weisen vor zweitausend Jahren, in Hildesheim Seminardirektor Dr. Knoller-Hannover über Sozialpolitik im Lichte der mosaischen Gesetzgebung, in Leipzig Rabbiner Dr. Bogelstern- Stettin über Herodes und Hillel, in Hamburg Herr Albert Katz- Berlin über den Chassidismus, Rabbiner Dr. Löwenstein-Mosbach über jüdische Gemeindeverordnungen im Mittelalter, in Altona Rabbiner Dr. Cahn-Fulda über Ausgrabungen im Orient und das Buch Esther, in Essen Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln über Don Jsak Abravanel und seine Zeit und in Gelsenkirchen über den Unsterblichkeitsgedanken in der Bibel, in Dortmund Rechtsanwalt Dr. Kempenich über die jüdischen Gestalten in Fritz Reuters Werken, in Elberfeld Lehrer Ziwi über die Musik im jüdischen Alterthum, in Frankfurt a. M. Dr. A. Stern über die Medizin des Talmud, in Bingen Dr.med. Moses-Mannheimüber diePsychologieder Bibel, in Würzburg Distriktsrabbiner Bamberger über die ewige Stadt im Orient. Ein neuer Verein ist in Lippstadt begründet worden, der schon am Eröffnungsabend über 40 Mitglieder zählte. Den ersten Vortrag hielt Rabbiner Dr. Iaulus-Aachen über das Thema: Welchen Werth hat für uns die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur? 22 Berlin, 22. Dezember. Im Verein für jüdische Krankenpflegerinnen fand am Donnerstag Abend eine mit einer Bescheerung der Schwestern verbundene Chanukahfeier im Beisein von Ehrendamen und Vorstehern des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde statt. Die Schwestern und Schülerinnen waren im Schwesternheim fast vollzählig, dreißig an der Zahl, versammelt; auch eine Anzahl von Ehrengästen hatte sich eingefunden. Nach Anzündung des Chanukah-Leuchters hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Albert Philipp Meyer, eine ergreifende Ansprache an die Schwestern und gab seiner Freude über die guten Leistungen derselben und über die allseitige Anerkennung Ausdruck, welche dieselben genießen. Fünf Schwestern, welche nach vollendetem Lehrjahr drei Dienstjahre zurückgelegt haben, erhielten das Vereins-Diplom, während drei Schülerinnen zu Schwestern ernannt wurden und das Bereinsabzeichen empfingen. Sichtlich erfreut über die reichen Geschenke, welche von den Vorstandsmitgliedern dargebracht waren, gaben sich die Schwestern noch einige Zeit einer fröhlichen Stimmung hin, um dann wieder zu ihrer» ernsten Pflichten zurückzukehren. Möge dem Verein eine fernere segensreiche Wirksamkeit, wie bisher, beschieden sein. §2 Berlin, 28. Dezember. Die Vereinigung der Synagogenfänger zu Berlin veranstaltet am 26. Januar 1899, Abends 8 Uhr, in den Räumen der Philharmonie Bernburgerstraße 22a, zum Besten ihrer Unterstützungskaffe ein Konzert mit anschließendem Tanz. Die königliche Hofopernsängerin Frau Litban-Globig, Herr Konzertsänger Alexander Heinemann, der königlich preußische Hoscellist Herr Heinrich Grünfeld, der königliche Konzertmeister Herr Fabian Rehfeld sowie hervorragendste Kräfte unserer ersten Bühnen haben ihre freundliche Mitwirkung zugesagt. Die Chöre werden von den vereinigten Synagogensängern ausgeführt; Direktion Herr Kapellmeister A. Kellermann. In Anbetracht des humanitären Zweckes dieser Veranstaltung sowie der hohen künstlerischen Genüsse empfehlen wir die Förderung dieses Unternehmens auf das Wärmste. Karten find bei Herrn P. Michaelis, O., Blumenstraße 79, zu haben. 22 Berlin, 27. Dezember. Die „Märkische Volkszeitung" brachte am 25. d. einen Artikel über die segensreiche Wirksamkeit der katholischen Orden nach dem Jahresbericht, welchen soeben die Filiale der Grauen Schwestern in der Niederwallstraße 8/9 über ihre Thätigkeit im Jahre 1898 versendet. Dort heißt es: „Auffällig ist auch die Vorliebe der Juden für unsere katholischen Krankenschwestern, denn während sich unter den im Krankenhaus verpflegten Kranken nur 14 Juden befanden, beträgt die Zahl der in ihrer Privatwohnung von den Schwestern gepflegten Juden 52. Die Juden hatten hier also ausdrücklich die Schwestern zu sich rufen lassen. Der Konfession nach waren unter den Kranken: Katholiken 162, Protestanten 536, Israeliten 14, ev. lutherisch 3, freireligiös 1. Die Zahl der Kranken, welche in ihrer Privatwohnung von den Schwestern verpflegt wurden, betrug 320. Für diese Kranken waren nothwendig 4125 Tag- und 2980 Nachtwachen. Bon diesen 320 Kranken sind genesen 198, gestorben 65, erleichtert 29, in Anstalten gebracht 16, in Pflege verblieben 12. Der Konfession nach befanden sich unter denselben Katholiken 148, Evangelische 120, Israeliten 52." So weit dies katholische Blatt. Bei aller Anerkennung und Würdigung der selbstlosen Thätigkeit der katholischen Ordensschwestern ersteht man aber doch aus dieser Mittheilung, wie wichtig und segensreich das Institut für jüdische Krankenpflegerinnen ist. K. Aus Westpreußen, im Dezember. Für unsere Zeitströmung bernerkenswerth und für weitere Kreise von besonderem Interesse ist eine Entscheidung des Bezirksausschusses des Regierungsbezirks Danzig. Das „Altenheim" in Marienburg, welches städtisches Eigenthum ist, konnte nach einem Beschlüsse der städtischen Verwaltung von der evangelischen Konfession zu % und von anderen Konfessionen nur zu 1/A benntzt werden; in einer diesbezüglich anhängig gemachten Streitfrage hat der Bezirksausschuß entschieden, daß das Altenheim von allen Konfessionen, also auch der jüdischen, gleichmäßig benutzt werden soll. — In Danzig sind die Herren Fabrikbesitzer Davidsohn und Simson zu Stadtverordneten gewählt worden. — Der von Herrn Kantor Rawitscher inS chlo chau gegründete Synagogengesangverein veranstaltete am zweiten Chanukahäbend eine Feier, die stark besucht war. Zur Aufführung gelangte das dramatische Gedicht in fünf Akten von Longfellow: „Juda Maccabäus". Der Reinertrag ist für wohlthätige Zwecke bestimmt. — Die zehnte Jahresversammlung der jüdischen Lehrer der Ostprovinzen findet am 2. Januar in Posen statt. — Die jüdische Gemeinde in Jastrow ist bei der städtischen Schuldeputation vorstellig geworden, sie möchte die von etwa 30 Kindern besuchte jüdische Privatschule als öffentliche Schule übernehmen. Herr Kaufmann Apolant daselbst ist in den Vorstand der dort neu errichteten städtischen Sparkasse gewählt worden. — Die Josef Meyer'schen Eheleute in Briefen, begingen vor Kurzem ihre goldene Hochzeit. Aus diesem Anlaß überreichte der Vorstand des israelitischen Vereins für Krankenpflege dem Jubilar das Diplom als Ehrenmitglied. — In Seeburg wurde am 11. Dezember die neu eingerichtete Synagoge feierlich eingeweiht. — In Bartschin sind in der ersten Abtheilung die bisherigen Stadtverordneten, die Herren Gerson und Lachmann, wiedergewählt. — In Graudenz starb plötzlich am Herzschlag Herr Peretz Rachelmann im 77. Lebensjahre. — Berichtigung: Im letzten Bericht muß es heißen statt „Lomdeck" Land eck, Westpr.