Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1898)
- Date
- 1898-12-30
- Page
- Seite 622 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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WNK CI--J! 'ff 'W* 622 namentlich aber der hervorragenden jüdischen Gemeinde von Nürnberg. Dieses Memorbuch, eine wahre Fundgrube der jüdischen Geschichte, welches von Graetz in seiner Geschichte der Juden öfter benutzt und seinem wesentlichen Inhalt nach von Neubauer in der Revue äes^ etudes juives, IV, 1 ff. kurz und knapp mitgetheilt wurde, ist nun von Dr. Siegmund Salfeld, Rabbiner in Mainz, im Aufträge, der „Historischen Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland" unter dem Titel: „Das Marthrologium des Nürnberger M e m v r b u ch e s" vollständig cdirt und übersetzt worden. (Berlin 1898. Groß Oktav. XXXIX und 520 Seiten.) An das genannte Marthrologium reihen sich in diesem Werke Ergänzungen, welche ebenfalls im Urtext und in den Uebersetzungen enthalten: 1. Die Wormser Märtyrervom Jahre 1849; 2. Eine Liste von Ortschaften und Rabbinern, aus dem alten Memorbuche von Metz, die Verfolgungen von 1349 betreffend; 3. Ortsliste der Verfolgungen von 1298 und 1803 aus dem dem Rabbiner Charlville gehörenden Memorbuche; 4. Verzeichnis; von Blutnrten, aus einem im 14. Jahrhundert geschriebenen Gebetbuch; 5. Die Marterstätte zur Zeit des schwarzen- Todes; 6. Die Einleitung des ältesten deutschen (Nürnbergers) Gedenkbuches und 7. Die im Nekrologium (des Nürnberger Memorbuches) verewigten Gelehrten und Märtyrer sowie sonstige bemerkenswerthe Eintragungen dieser Quelle. Alle diese Stücke sind in der eingehendsten Weise erläutert. Daran schließen sich Beilagen und Exkurse: 1. Historische Elegien aus Handschriften und dem Machsor Salonichi; 2. Zur Gelehrtengeschichte des Memorbuches; 3. Zur Kunde der Eigennamen; 4. Der Ort Eller: 5. Französische Juden und 6. Der alte israelitische Friedhof in Mainz. Den Schluß bilden 5 verschiedene ausführliche Register. Das ganze Werk ist, wie man schon aus dem Umfang und der Inhaltsangabe ersieht, groß angelegt. Der Verfasser Dr. S. Salfeld, der sich bereits durch andere Schriften über die Geschichte dev, Juden in Deutschland einen wohlklingenden Namen errungen hat, hat mit diesem herrlichen Werk, in dem er neben einer ausgebreiteten Belesenheit, einem riesigen Fleiß und einer seltenen Gründlichkeit einen überaus wohlthuenden wissenschaftlichen Takt in der Anordnung und Darstellung des immensen Stoffes bekundet, der jüdischen Wissenschaft einen außerordentlichen Dienst geleistet und sich den größten Dank aller Derjenigen erworben, welche für die Pflege und Förderung derselben ein warmes Herz haben. EUILLETON Pit Rose von Saron. Line Erzählung. rp XXVII. (ci^f^Zieber befinden wir uns in den Gärten Salomos. Die Königin trat eben aus ihrem Gemach. Sie trug einen rü Turban, und ein Schleier war daran befestigt. Doch war die Hülle zurückgeworfeu und das ausdrucksvolle, jetzt leicht geröthete Antlitz der Königin frei. Ihren Leib umschloß in zierlichen Falten ein Rock von weicher weißer Wolle, welcher bis auf' die Knöchel reichte und in wehenden Aermeln von den entblößten vollen Achseln herabhiug. Iva war reizend schön, als sie in dieser Tracht, mit aufgeregten Zügen und blitzenden Augen, sich der Thür näherte. Aber draußen war nicht das geringste Geräusch zu vernehmen. „Er kommt noch immer nicht!" flüsterte sie schmerzlich. „Gewiß erfuhr er noch immer nichts von ResonS Schicksal!" Die Königin öffnete die Thür und sprach mit den Dienerinnen, welche draußen standen. Aber sie erhielt nur verneinende Antworten. Dann ging sie mit geneigtem Haupt zurück und sank in den Divan, wobei sie ihr Haupt auf den Arm stützte und mit den langen, glänzenden Haaren verhüllte. Es trat eine lange Pause ein. Die Königin war traurig, weil Reson spurlos verschwunden schien, und weil dies Verschwinden muthmaßlich nur durch seine Feinde bewirkt sein konnte. Am frühen Morgen waren in Begleitung eines Sabäers Männer aus der Gegend vom Tobten Meere im Hause der Fürstin angekommen, die Treuen Resons. Der Anführer derselben hatte durch Iva alsbald vom Verschwinden Resons gehört, war aber sogleich fort, alle seine Genossen zum angestrengten Nachspüren innerhalb Jerusalems aufzubieten. Es waren aber wohl hundert Wüstensöhne und Anhänger Resons herbeigekommen, meistentheils verkleidet als Ziegenhirten aus der Wüste Jericho oder fahrende Kaufleute. Diese Macht, welche zum Schutz Resons herbeigeeilt war, begann nun ein eifriges Spähen und Suchen nach dem geliebten verlorenen Führer. Die Königin von Saba erwartete den Ersten des Haufens, welcher versprochen hatte, jede Entdeckung der Fürstin alsbald zu überbringen. Die erwähnte lange Pause nahm ein Ende. Eine Dienerin trat herein und flüsterte den Namen: „Hiram!" Iva fuhr auf und winkte rasch, den Genannten hereinzulaffen. Gleich darauf trat ein Ziegenhirt herein, welcher mit einer Keule bewaffnet und kein Anderer war als der den Lesern bereits bekannte Phönizier, welcher den Phropheten von Silo an den Ufern des Jordan begrüßte. Dieser Mann trug blos einen kurzen, kaum bis auf die Kniee reichenden Rock. Seine Füße waren von Sandalen umwunden, seine muskulösen, gebräunten Schenkel nackt, so wie seine Arme, da die Aermel des Kleides bloS um den Oberarm flatterten. Er hatte einen leichten, dunkelfarbigen Turban um sein Haupt geschlungen und führte, wie gesagt, blos eine mächtige, eisenbeschlagene Keule. Sein Gesicht, von schwarzem Barte umwuchert, hatte ausdrucksvolle, scharfe Züge und Augen von unergründlicher Schlauheit. Das war Hiram, der Phönizier, Resons treuester und angesehenster Anhänger, ein Wüstensohn voll Kraft und List, eine riesige Gestalt, ansprechend in ihrer mächtigen Entwickelung und wieder abstoßend ob dem finsteren Charakter derselben. Als der Phönizier vor Iva stand, waren es die ewigen Gegensätze der Anmuth und der Kraft, welche diese Gruppe bildeten. Iva, aufgeregt und angstvoll, vergaß, den Schleier über das Angesicht zu ziehen. Sie legte ihre feine, weiche Hand auf den eisernen Arm des Phöniziers und fragte mit einer von heftiger Bewegung fast erstickten Stimme: „Du hast ihn gefunden?" „Reson ist gefunden," versetzte der sidonische Mann mit tiefer, dröhnender Stimme, „und seine Treuen freuen sich. Aber er ist listig versteckt, und starke Arme bewachen ihn. Aber seine Treuen dürfen nicht mit Gewalt eindringen, wo er in schmählicher Gefangenschaft hinschmachtet!" „Aber Ihr habt ihn gefunden?" rief Iva mit strahlender Freude, denn über diesem einen Gelingen vergaß sie die noch immer gefährliche lind unwahrscheinliche Rettung des Gefangenen. „Meine Spürhunde." erzählte Hiram, der Phönizier, „streiften auf und ab zwischen Moriah und Zion, bis sie des Propheten von 1