Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1898)
- Date
- 1898-12-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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worden ist. Ich glaube, man wird auch die Leistungen der jüdischen Lehrerinnen von gleichem Standpunkt beurtheilen und in Erwäguflg ziehen, daß ihnen im Beruf noch mehr Schwierigkeiten in den Weg treten, da den Jüdinnen bekanntlich weniger feste Stellen geboten werden. Nach Klarlegung der betreffenden Angelegenheit gestatte ich mir nun die herzliche Bitte an die Lehrerinnen und alle Menschenfreunde, welche das Wohl des Lehrerinnenstandes im Auge haben, unterstützen Sie meine Anregung, indem Jeder in seinem Kreise wirkt, um einflußreiche, maßgebende Persönlichkeiten zu finden, welche mit Rath und Thal zur Verwirklichung unseres Unternehmens beitragen können. Wahrlich, es wäre ein edles Werk, dem Bedürfnisse der Zeit entsprechend, wenn den Leiterinnen der Jugend ein Bau entstände, wo fie in Ruhe und Frieden ihren Lebensabend verbringen könnten. Zu diesem schönen Unternehmen erbitte ich von Herzen die Hilfe aller mildthätigen Menschenfreunde und Anhänger des Judenthums. Pauline Münchhausen, Berlin SW., Großbeerenstraße 9411. — Wir können diese Anregung nur aufs Wärmste befürworten und würden die Begründung eines solchen Heims für ein Ziel halten, daß innigst zu wünschen wäre. L2 Berlin, 20. Dezember. Am 16. d. M. ist hier Herr Isidor Gutmann, eines der besten Mitglieder unserer Gemeinde,im 55. Lebensjahre gestorben. Derselbe entwickelte in vielen jüdischen Vereinen eine wahrhaft segensreiche Thätigkeit. Die Bnai Berith-Logen, der Verein für Arbeitsnachweis u. v. a. beklagen den Tod dieses edlen Mannes auf das Lebhafteste. Auch der Repräsentantenversammlung gehörte der Verstorbene seit Jahren als Stellvertreter an. Das Leichenbegängniß fand am Sonntag unter allgemeiner Theilnahme statt. Am Grabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig, Rechtsanwalt Timendorfer Namens der Bnai Berith-Loge und Dr. Lipschitz für die Odd Fellow- Loge. Möge dem braven und wahrhaft frommen Manne die Erde leicht sein! L2 Berlin, 19. Dezember. Am l7. d. ist hier der bekannte Rechtsanwalt Hugo Wurm im 39. Lebensjahr, und zwar unter qualvollen Leiden, gestorben. Derselbe hatte vor acht Tagen mit seiner Frau und seinem sechsjährigen Knaben eine Droschke benutzt, um nach Hause zu fahren. Unter den Linden, in der Nähe des Brandenburger Thores, scheute das Pferd, die Droschke stürzte um, und alle drei Insassen erlitten anscheinend nur leichte Kontusionen, während der Kutscher schwer verletzt nach der Charit^ überführt werden mußte. Um Frau und Kind zu schützen, hatte sich Rechtsanwalt Wurm, während das Gefährt umfiel, an das Fenster des Kupees gelehnt, und die Glassplitter der zertrümmerten Fensterscheibe drangen in seinen Körper ein. In den ersten Tagen der verflossenen Woche spürte Herr Würm, während Frau und Kind der Genesung entgegengingen, einen leichten Schmerz am linken Knie, doch achtete er nicht weiter darauf. Erst am Donnerstag nahm er ärztliche Hilfe in Anspruch, da sich hochgradiges Fieber eingestellt hatte und Blutvergiftung, hervorgerufen durch einen Glassplitter im Knie, eingetreten war. Es war keine Rettung mehr möglich. Das Leichenbegängniß fand heute in Weißensee unter allgemeiner Theilnahme statt. g. Köpenick, 11. Dezember. In unserem Ort besteht jetzt eine korporirte Synagogengemeinde. Die Liste der stimmfähigen Mitglieder der Synagogengemeinde zu Köpenick wird in den Tagen vom 1. bis 16. Dezember bei dem Rendanten der Gemeinde, Herrn Max Cohn zu Köpenick, Schloßplatz 2, in seinen Geschäftsräumen von 9 bis 6 Uhr ausgelegt. — Es ist zu erwarten, daß in fast allen Vororten Berlins sich nach und nach Synagogengemeinden bilden werden. Namentlich bezüglich des seit Jahresfrist zur Stadt gewordenen Schöneberg bedarf es nur der geeigneten Vorarbeiten, um auch hier dem Kultus unserer Glaubensgemeinschaft eine würdige Stätte zu schaffen. Die Steuern der Israeliten, die in Vororten wohnen, bei denen, wie bei Schöneberg, die Verleihung der Stadtrcchte bereits erfolgt ist oder, wie bei Rixdorf, unmittelbar bevorsteht, gehen der Berliner Hauptgemeinde verloren, die bisher einzelnen Vororten erhebliche Zuschüsse zahlen mußte. m. Memel, 9. Dezember. Der hiesige Gemilluth-Chassodim- Be rein hat am 20.v.M. seine ordentliche Generalversammlung abgehalten, welche von ea. 60 Mitgliedern besucht war. Der Vorsitzende, Gerson Millner, gedachte zu Beginn in warmen Worten des Mitbegründers des Vereins, seines Ehrenmitgliedes Herrn Dr. Rülf, der von 'hier verzogen. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Wirksamkeit des Vereins eine immer zunehmende ist. Es wurden in 5658 78 Darlehen ä g—200 M. im Gesammkbdtrag von 7392,45 M. bewilligt, gegen 24 Tarlehen im Betrag von 6122,85 M. im Vorjahre Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 6104,90 M. Die Mitgliederzahl ist 223. In der Versammlung kam ein Antrag des Vorstandes zur Annahme, nach welchem der Maximalbetrag der einzelnen Darlehen von 200 auf 300 M. erhöht wurde. K. Aus Westpreußen, im Dezember. Der Fabrikbefitzer und Vorsteher der jüdischen Gemeinde Gold färb in Pr. Stargard stiftete in Gemeinschaft mit seinen Geschwistern den Betrag von 20 000 Mark zur Begründung eines Altenheims daselbst. In der Stadtverordnetenversammlung vom 1. d. Mts. wurde von der Genehmigung des Königs zur Annahme dieser Stiftung Kenntniß genommen. Der Name dieser Stiftung ist „Goldfarbs Altenheim". — In Kulmsee find die Herren Rechtsanwalt Lewinski und Kaufmann Arnold Löwenberg zu Stadtverordneten gewählt. — In Neumark sind die Kaufleute Mich. Cohn, Carl Hirsch und Max Bernstein im ersten Wahlgange und in einer Stichwahl die Herren Kaufmann^Adolf Marcus und Max Cohn zu Stadtverordneten gewählt worden. — In Flatow feierte jüngst das Ehepaar Jonas Schwarz das Fest der goldenen Hochzeit. Daselbst ist an Stelle des in den Magistrat gewählten Kaufmann Stein der Kaufmann Jfidor Kahnemann als Stadtverordneter neu- und Rechtsanwalt Dr. Pink wiedergewählt. — In Krojanke wurden die Herren Gutsbesitzer Meyer Hardt und Kaufmann Margoninski zu Stadtverordneten wiedergewählt. — In Zempelburg wird die jüdische Gemeinde eine neue Synagoge erbauen lassen; mit dem Abbruch des alten Gotteshauses ist bereits begonnen worden. Daselbst ist der Kaufmann Herr Mendelsohn zum Stadtverordneten gewählt worden. — In Lautenburg find die Herren Kaufleute Louis Jacobi, Moritz Jacobowitz, Brauereibesitzer Max Salomon und Fabrikbefitzer Max Neumann zu Stadtverordneten gewählt worden. — Ferner sind zu Stadtverordneten gewählt: in Lomdek Herr Kaufmann Falk, in Garnsee Herr Kaufmann Fuchs. — Kantor Go Idstein aus Lomdek ist für dasselbe Amt von der jüdischen Gemeinde in Wittkowo (Posen) gewählt worden. — In der Hauptversammlung des Nadfahrervereins zu Kulm ist der Kaufmann Hirsch zum Vorsitzenden dieses Vereins, und in Mewe Holzhändler I. Klein zum Stadtverordneten gewählt worden. — Bei einer Stadtverordneten - Ersatzwahl in Neustadt ist an Stelle des von dort nach Königsberg in Pr. verzogenen praktischen Arztes Dr. Hirschberg der Kaufmann Max Lewinneck zum Stadtverordneten gewählt worden. — Am 6. Dezember starb in Thorn der Kaufmann Herr Samuel Bernstein im Alter von 63 Jahren. Der Verstorbene war eine allgemein geachtete Persönlichkeit. Kp. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Am lö* d. M. fand in Ostromo die feierliche Amtseinführung des neugewählten Rabbiners Dr. S. Freund aus Czarnikau statt. Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde geleiteten den Rabbiner in die festlich dekorirte Synagoge; dort führte der erste Vorsteher, Fabrikbefitzer Fabian Fränkel, denselben mit einer Ansprache in sein Amt ein. Hierauf beschritt Dr. Freund die Kanzel und hielt vor zahlreich versammelter Gemeinde eine warm empfundene und zu Herzen gehende Antrittsrede. Die Feier wurde durch gesangliche Vorträge eines wohlgeschulten Chors sehr wesentlich gehoben. Die Einübung der Gesänge erfolgte durch den Musikdirigenten Zeüner und Lehrer Nadel daselbst. Abends fand zu Ehren des neuen Geistlichen ein Festdiner statt, an welchem die Mitglieder beider Gemeindebehörden und einige geladene Gäste sich betheiligten. — Der israelitische Waisenverein in Kempen feierte kürzlich das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens. — Vor Kurzem starb in Breslau der langjährige Vorsteher der Synagogengemeinde in Schild - berg, Herr Feibelsohn, im Alter von 74 Jahren. —Der Litteraturverein in Czarnikau hat den Rabbiner Dr. Freund anläßlich seiner Uebersiedelung nach Ostrowo in Anerkennung seiner reichen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. — Bei der kürzlich stattgehabten Generalversammlung des israelitischen Frauenvereins .in Wreschen wurde Frau Kreisphysikus Michaelsohn zur ersten und Frau Rabbiner Dr. Lew in zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Der Kassenbericht für zwei Jahre ergab eine Einnahme von 1700 Mark und eine