Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1898)
- Date
- 1898-12-23
- Page
- Seite 612 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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612 Mitternacht war jetzt vorüber. Die Nachtluft rauschte wie trauervoll zwischen den Oelbüumen. Die Schakale hatten ihre Beute erfaßt und waren verschwunden. Es heulte keiner mehr u»i Gethsemane. Die Einsamkeit der Gegend kehrte wieder, und die Nacht war von Neuem still, duftig und lieblich. (Forts, folgt.) Litterarische Mittheilungen. Der Bortrag über die Herkunft altjüdischer Melodien, welchen Herr Professor Emil Breslaur im vorigen Jahre im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur gehalten, hatte eine so beifällige Aufnahme gefunden, daß der Vortragende von vielen Seiten um Wiederholung desselben ersucht wurde. Herr Professor Breslaur kam diesem Wunsch am 27. November im Saale der königlichen Hochschule für Musik nach, und abermals fanden seine Ausführungen sowie die unter seiner Leitung ausgeführten Gesänge den reichen Beifall der zahlreichen Hörer, unter ihnen Exzellenz v. Cramm-Burgdorf, der Braunschweigische Ministerrestdent am preußischen Hofe, die Herren Professoren Robert Radecke, Direktor des akademischen Instituts für Kirchenmusik, Franz Kullak, Vierling, Fleischer und andere Vertreter der Kunst und Wissenschaft. Inzwischen ist der Vortrag unter dem Titel: „Sind originale Synagogen- und Volks-Melodien bei den Juden geschichtlich nachweisbar?" bei Breitkopf u. Härtel im Druck erschienen, und verschiedene Autoritäten auf musikwissenschaftlichem Gebiet haben sich aufs Günstigste darüber geäußert. So schreibt Professor Dr. Salomon Jadassohn, Lehrer am königlichen Konservatorium in Leipzig und Chorleiter an der dortigen Synagoge, an den Autor: „Ich erhielt vom Hause Breitkopf u. Härtel ein Exemplar Ihrer Abhandlung: „Sind originale Synagogen re." und bin in der That der beregten Weltfirma zu größtem Dank für die Zusendung der mich im höchsten Grade interefsirenden Broschüre verpflichtet. Mehr aber drängt es mich. Ihnen recht herzlich zu danken für die eingehende, gründliche, in überzeugender Klarheit gegebene Beantwortung der unseren Gottesdienst so tief berührenden Frage. Ich habe nur Worte der Anerkennung für alles das, was Sie über das Entlehnen der Melodien, über deren oft so wenig den Textworten Anpassendes sagen, ich bewundere den großen Fleiß Ihrer Forschungen, Ihres Quellenstudiums und die scharfsinnigen Folgerungen, die Sie daraus ziehen." Und Herr Oberkantor Henle vom israelitischen Tempel in Hamburg äußert sich folgendermaßen: „In diesen Tagen ist mir durch den Buchhandel Ihr Vortrag: „Sind originale rc." zugegangen. Darf ich Ihnen sagen, daß ich denselben mit steigendem Interesse gelesen habe? Trotz der Kürze seiner Form ist sein Inhalt so reich, daß es dem sich dafür Interefsirenden wohl thut, neben den vielen Faseleien und Hypothesen, welche dieses Gebiet der musikalischen Kunst zu Tage gefördert hat, endlich einmal ein auf Fachstudium fußendes, klarlegendes Wort zu vernehmen. Es drängt mich. Ihnen das auszusprechen, umsomehr, als mich meine Studien in dieser Materie zu demselben Resultat führten, so daß ich jedes Wort Ihrer verdienstvollen Arbeit voll und ganz unterschreiben möchte." — Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart von Arnold Mann. Berlin, Verlag von H. Jtzkowski. 8o 142 S. Es ist eine stehende Klage in unseren Zeitschriften wie in den Vereinen, daß so wenig für novellestische jüdische Lektüre gesorgt ist. Nun, hier ist einmal ein Buch, das die vielen neugegründeten Litteraturvereine schleunigst ihrer Bibliothek einverleiben sollten. Psychologisch bis in die kleinsten Details durchgearbeitet, bieten die in dieser modernen Erzählung vorgeführten Gestalten bis zum Schluß das höchste Interesse. Packend isi die Figur dieses Landgerichtsraths, den der Fluch der bösen That, der schmählichen Abwendung von seinem Glauben, bis zu feinem Lebensende verfolgt. In Spannung hält auch das Schicksal der Kinder dieses Mannes sowie das der Kinder seines gestnnungstüchtigen Jugendfreundes. Die beiden Männer sind lebendige Beispiele für die Wahrheit des biblischen Satzes, daß der „Väter Schuld heimgesucht werde an den Kindern". Als wirksames Gegenbild tritt noch eine dritte Hauptperson auf, die trotz äußerer Armuth von den auf des Lebens Höhen stehenden Jugendgenossen beneidet wird um die Freude am Sohne. — Wir wünschen dem übrigens wohlfeilen Buch den regen Absatz, den es verdient. L. Sprechsaat. 35) uf die in Nummer 49 dieses geschätzten Blattes enthaltene Erklärung && des Vorsitzenden des Westfälischen Gemeindeverbandes, Herrn M. Katzenstein, haben wir zu erwiedern: Wir nehmen zunächst von der Eröffnung Akt, daß nicht das Arnsberg er Lesebuch bearbeitet worden ist. Zur Kenntniß der Interessenten, die vom Verbände wohl nicht allzu reich mit Mittheilungen über den Stand und Fortgang der Lesebuchsache versehen worden sind, wollen wir hinzufügen, daß ein neues, noch nicht genehmigtes Lesebuch von Rektor Heinecke-Essen (verlegt bei G. D. Bädeker) die Grundlage für die Bemühungen der Herren Dr. Gutmann und B. Coblenz abgegeben hat. Unsere Mittheilungen auf der Krefelder Bezirkskonferenz „entbehren trotzdem keineswegs in allen ihren Theilen der Begründung und mithin auch der Berechtigung", sondern sind auf Grund unserer intimeren Kenntniß der Vorgänge entstanden. Vor zwei Jahren etwa ist der Gemeindeverband mit der Buchhandlung von Bel- Hagen u. Klasing wegen Bearbeitung des Arnsberger Lesebuches in Verhandlung getreten. Im Sommer d. I. gab der Verband dann durch Rundschreiben bekannt, daß sein Lesebuch spätestens bis zum Oktober d. I. fertiggestellt sein würde. Angabe des bearbeiteten Lesebuches und der Bearbeiter fehlten, wie denn auch weitere Fachkreise über ein zu bearbeitendes Werk nicht befragt worden sind. Die Annahme war also wohl berechtigt, daß die Herren Bearbeiter an dem zuerst in Aussicht genommenen Buche festgehalten hätten. München-Gladbach, l8. Dezember. Andorn, Krefeld. Fröhlich, München-Gladbach. Graf, Essen. * Geehrte Redaktion! us Anlaß der Gründung des 101. Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur ersuche ich Sie zur Steuer der Wahrheit um gefl. Bekanntgabe, daß der Verein, der jahrelang allein gestanden und seinen Nachfolgern auch den Namen gegeben hat, das Urbild aller späteren, der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur zu Frankfurt a. M. ist. Der erste in diesem Verein gehaltene Vortrag datirt vom 14. Dezember 1863 (heute vor IS Jahren). Frankfurt a. M., 14. Dez. Alfred Geiger, z. Z. Vorsitzender des Vereins für jüd. Geschichte und Litteratur. * Sehr geehrter Herr Redakteur! n meiner in Nr. 49 veröffentlichten Festrede „der entweihte Altar" soll es Zeile 16, Seite 679, heißen: Anstatt „den Tempel entehrt und entheiligt", „den Tempel entweiht und entheiligt" ... Jnowrazlaw, 9. Dezember 1898. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Kohn. Ärirfkastrn der Redaktion. Auch diesmal sind uns ausführliche Berichte über schöne und wohlgelungene Chanukahfeste aus Aachen, Bocholt, Berlin, Gnesen, Breslau, Königsberg und vielen anderen Gemeinden zugegangen, die wir aber leider großen Raummangels wegen, mit Ausnahme des Berichtes aus Köln, zu unserem Bedauern nicht bringen können. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.