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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-23 · Heft 51 (23.12.1898) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 51 (23.12.1898)
Date
1898-12-23
Page
Seite 610 (sequence 10)
Language
German
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WNWMMWMVBWWNWMWWWWWW WWMWWMMWMMWWWWWWW 610 Ausbildung erhalten haben, als „neu" zu bezeichnen. Es giebt wohl keinen älteren Kollegen, der aus seiner Erfahrung und Beobachtung heraus nicht ausrufen möchte: Rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß auf 17—20 jährige junge Leute nach der religiösen Seite wohl eingewirkt werden kann,' in der einen wie in der anderen Beziehung, aber man vergesse doch nicht, daß der Lehrer, deffen Amt einen gaiizen Mann verlangt, sich bald seine religiöse Ueberzeugung selbst bildet, sehr oft unabhängig von dem Einfluß seiner Lehrer, die drei Jahre seine geistige Führung in Händen hatten. (Schluß folgt.) EUILLETON Ptt Rose von Saron. Eine Erzählung. XXVI. ,in Einziger der Eingedrungenen blieb auf der Schwelle stehen und rief in der Sprache der Araber mit gebietendem Ausdruck: „Den Edomiter faßt und bindet! Laßt ihn sein Schwert nicht gebrauchen!" Der Angriff war so plötzlich, daß Reson sich von hinten durch riesenhafte Arme umschlungen fühlte, ehe er sein Schwert nur gehoben. Seine nächste Empfindung war die eines wüthenden Schmerzes, da sein kaum geheilter Arm wie von einer eisernen Schraube gepreßt wurde. Dann flog sein Schwert klirrend in die Ecke, und Derjenige, welcher mit mächtigem Stahl daffelbe fortgeschlagen hatte, holte einen Strick hervor und hatte rasch die beiden Hände des Edomiters damit umwunden. Die Matrone blickte das alles mit starreni Auge und leblosen Zügen an. Der Schrecken hatte sie zur, Bildsäule gemacht. Jetzt näherte sich Derjenige, welcher in der Thür stehen geblieben, den Gefangenen. Er hatte dunkle Gesichtsfarbe, funkelnde kleine Augen, und seine Figur war dürr und nicht hoch. „Wir haben die Rechten erwischt!" sagte der Geschilderte frohlockend. „Ich muß Eure Wachsamkeit und Eure Schnelligkeit loben, meine Schakale!" Die also Benannten ließen ein zufriedenes Murmeln ob dem Gelingen des Abenteuers hören. „Sethron!" rief in diesem Augenblick der gefangene Edomiter mit wuthbebender Stimme: „Wieder fiel ich in Deine Krallen, Verräther, treuloses, schändliches Thier!" „Du hast das richtigste Urtheil von Deiner Lage, Edomiter!" sagte Sethron trocken. „Zwar bist Du niir einmal entwischt, aber meine Schakale haben Dich von Neuem aufgespiirt, und Du bist um dieser Alten willen in die Falle gegangen!" „Seine Schakale!" murmelte der Rottenführer, deffen Wnth einer unendlich schmerzvollen Empfindung wich. „Er sollte meine Männer kennen lernen, die Wüstensöhne Edoms und von den Küsten der Sidonier! O klägliche Ungunst des Geschickes! Wo bleiben meine Männer?" „In der Wüste," ergänzte Sethron trocken, „denn was hätten sie zu Jerusalem zu rauben? Aber draußen in der Wüste sind, zitternde Kauflente und geschmückte Weiber, die auf langsamen Kameelen einherziehen! Und dort erhaschen die Söhne Edoms ihre Beutel" „Schelm!" sagte Reson mit Zorn und Verachtung. „Vor Dir bedürfen EdomS unglückliche Streiter keiner Vertheidigung. Du aber selbst, ehemals Räuber, jetzt ein treuloser Verräther, haschest heimlich nach wehrloser Beute und überfällst den waffenlosen verwundeten Mann, nein, nicht selbst, sondern mit gedungenen Knechten!" - Der Aegypter zuckte die Achseln. „Es wäre traun das Beginnen eines Thoren, wenn ich diese geschwächten Glieder Deiner jungen Kraft preisgäbe! Wir haben in Aegypten und Arabien von solchen Sachen eine andere und klügere Meinung!" „Aegypter!" sagte Reson abbrechend, „was wird mein Schicksal sein unter Deineil Krallen?" „Ei," versetzte Sethron und lächelte spöttisch, was Reson bei dem Strahl des Mondes gut bemerkte, „ei, quält die gewiffe Aussicht langer Qualen Dein muthigeS Herz?" „Sklave," murmelte Edoms Sohn, „die Qualen, die ich bereits erduldet, hätten mich für alle ferneren Leiden bereits gestählt, wenn Reson nicht ursprünglich von der großen Mutter eine Brust von Stahl erhalten hätte. Noch einmal, »vas wird mein Schicksal sein?" „Der heilige Mann von Silo hat hierüber zu bestimmen," erwiederte Sethron kurz und wandte sich jetzt, die Gefangene zu betrachten. Diese zitternde, entsetzte Gestalt, welche im fahlen Mondlicht dastand und den Führer des nächtlichen Ueberfallcs stumm anstarrte, stieß einen Schrei aus, als der Aegypter sein dunkles Gesicht gegen sie wandte. „Sethron!" schrie sie, „Ahijas Genofle! Schändlicher!" Du erkennst mich?" sagte der Aegypter gelassen. „Faffe Dich, spare Dein Entsetzen für ein schöneres Wiedersehen!" „Was meinst Du?" flüsterte die Matrone mit heiserer Stimme, und sie stand weggebogen von dem Aegypter, gleichsam instinktmäßig vor etwas Abscheulichem zurückweichend. „Meinen Fersen folgt der heilige Mann von Silo!" sagte Sethron laut, und sein aufmerksamer Blick strich über Zeruhas Züge. „Ahija?" rief diese mit erstickter Stimme. „Ahija, der heilige Mann von Silo!" bestätigte der Aegypter mit sonderbarem Grinsen. Die Matrone stieß einen Schrei des tiefsten Entsetzens aus, und dann warf sie sich seitwärts zwischen die herumstehenden Krieger und suchte mit verzweiflungsvoller Anstrengung, zu entfliehen. Jener, vor welchem sie floh, stand plötzlich vor ihr. Er streckte seinen Stab aus und rief mit fester, lauter Stimme: „Tochter des verfluchten Stammes — steh'! Der Fluchtweg ist versperrt!" Bei den Tönen dieser Stimme sank Zeruha in die Kniee — sie gab keinen Laut mehr von sich — sie verhüllte ihr Haupt in die Falten des Oberkleides und verbarg sich schaudernd vor den Blicken des eben Hereingetretenen. Der Prophet, deffen Züge von fanatischer Aufregung durchglüht waren, schleppte die Knieende am Arme zurück. „Erbarmen!" schrie die Matrone in gellenden Tönen. „Tödte mich nicht!" Der Prophet erhob seine Augen zum Pillen Nachthimmel, so lange und so ernst, als richte er eine Frage an die sanft leuchtenden Gestirne. Dann sank er schaudernd wie in sich selbst zusammen und murmelte: „Deine Stimme ist Deinem Knechte unverständlich — ich weiß nicht, ob die Erfüllung da ist."

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