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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-16 · Heft 50 (16.12.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 50 (16.12.1898)
Date
1898-12-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Freund des Verstorbenen, eine tiefempfundene Ansprache. Hierauf trat der Vorsteher des Repräsentantenkollegiums der Gemeinde, Bankier I. Landsberger, an die Bahre und rief dem Verstorbenen an der GWtte, wo die Gemeinde so gern seinen Wunderworten lauschte, Worte des Abschiedes und Dankes zu. Nach einem Gesang des Synagogenchors wurde der Sarg nach dem Leichenwagen getragen. Die Vertreter der städtischen Behörden waren fast vollzählig erschienen; außer den Mitgliedern der Gemeinde folgten auch Amtsgenossen des Verstorbenen von auswärts, ferner eine große Anzahl Personen aus der hiesigen Bürgerschaft, Lehrerschaft u. s. w. Auf dem Friedhof wurde der Sarg von Mitgliedern des Repräsentantenkollegiums und der Gemeinde zu dem offenen Grabe getragen, an welchem Rabbiner Dr. Bloch-Posen, ein Studienfreund des Verstorbenen, demselben an seiner letzten Ruhestätte herzliche Worte des Abschiedes zurief und Trostesworte an die Familie, die Freunde und die Gemeinde des Verstorbenen richtete. Hierauf trat Rabbiner Dr. G uttmann -Breslau an das offene Grab und gab in ergreifenden Worten Namens des deutschen Rabbinerverbandes den Gefühlen des Schmerzes über das Hinscheiden eines so werthvollen und treuen Mitarbeiters Ausdruck. Kantor Fränkel-Glogau rief Namens der Beamten und Kollegen in der hiesigen Gemeinde dem Verstorbenen ein letztes Lebewohl zu. Er pries die Wohlthätigkeit und die innige Theilnahme des Dahingeschiedenen und verlas ein von B. Rippner selbst verfaßtes „Gebet am Grabe", das auf die Trauerversammlung, einen mächtigen Eindruck machte. Mit einem Gesang des Synagogenchors fand die ergreifende Trauerfeier ihr Ende. L. Hannover, 12. Dezember. Am ersten Abend des Chanukahfestes veranstaltete, wie alljährlich, der „Verein ehemaliger Religionsschülerinnen" ein Kinderfest. Die Festlichkeit war von der ersten Vorsteherin des Vereins, Frau Landrabbiner Dr. Gronemann, in gewohnter Weise vorbereitet. Es fanden sich zu derselben etwa 230 Kinder ein, die in den hell erleuchteten, festlich geschmückten Sälen „der Börse" mit strahlenden Gesichtern erwartungsvoll auf den Beginn harrten. Ein Knabe entzündete das Chanukahlicht, und nach gemeinschaftlichem Gesang hielt Herr Landrabbiner Dr. Gronemann eine Ansprache an die kleine. Schaar. Er führte aus, daß das Wunder mit dem Oel nicht nur in der nachbiblischen Zeit, sondern schon zur Zeit der Propheten Elijahu und Elisa vorkomme. Im Bilde bleibend, giebt sich der Redner der Hoffnung hin, daß das heilige Oel, die Gotteserkenntniß, niemals versiegen werde; es ermangele nur zuweilen der Krüglein. In unserer Gemeinde werden aber die Krüglein so leicht nicht fehlen; denn wenn das Heranwachsende Geschlecht, wie es der „Verein ehemaliger Religionsfchülerinnen" zeige, sich im Wohlthun übe, so blühe der Gemeinde eine schöne Zukunft. Auf die Ansprache folgten verschiedene Deklamationen und Gesänge, die, von Herrn Lehrer Levisohn eingeübt, den Beifall der erschienenen Angehörigen der Kinder fanden. Hieraus wurden die Kinder, die sich aus allen Ständen unserer Gemeinde zusammensetzten, gespeist, und nachdem die jungen Damen der angesehensten Familien, die bei Tische die Kinder bedient hatten, unter Leitung des Herrn Lehrer Levisohn mit der kleinen Schaar noch eine Stunde gespielt hatten, wurden die Kleinen entlassen, während die Erwachsenen noch einige Stunden fröhlich beisammen blieben. — Es wäre wohl angebracht, die Ziele des hiesigen Vereins ehemaliger Religionsschülerinnen einer größeren Oeffentlichkeit vor Augen zu führen; denn diese Bereinigung könnte der Jugend vieler Gemeinden zum Vorbild dienen. Die erste Vorsteherin und die Begründerin des Vereins ist Frau Landrabbiner Dr. Gronemann. Außerdem gehören noch Frau Rahel Neumann, Frl. Gertrud Blumenthal, Frl. Klara Wechsler, Frau Rosa Danziger, Frl. Recha Fridberg, Frl. Käthe Kyzer, Frl. Grete Schwabe, Frl. Eva Meyerhoff dem Vorstand an. Die Bereinsmitglieder machen es sich zur Aufgabe, bedürftige junge Mädchen, die etwas erlernen wollen, zu unterstützen. Jetzt faßten die Damen den wahrhaft hochherzigen Entschluß, abwechselnd die Schularbeiten der ärmeren jungen Volksschülerinnen, deren Eltern für einen Nachhilfeunterricht nicht sorgen können, zu beaufsichtigen. Außerdem wollen sie sich durch Borträge, die während der Vereinsabende gehalren werden sollen, weiterbilden. Möge es den jungen Damen gelingen, ihre Bestrebungen in vollem Maße zu verwirklichen! Es wäre zu wünschen, daß in jeder Gemeinde, groß oder klein, solche Vereine zu finden wären. — Am dritten Chanukahabend wurde eine große Anzahl armer Kinder beiderlei Geschlechts von Frau Hirsch, der ersten Vorsteherin des Frauenvereins, mit Kleidern, Büchern re. beschenkt, am vierten Chanukah abend beschenkte Frau Dambitsch, die Inhaberin des rühmlichst bekannten Damenpensionats, sechs Mädchen mit Kleidern und Büchern. Die Kleidungsstücke wurden von den jugendlichen Zöglingen des Pensionats selbst angefertigt. A Köln, 7. Dezember. Ein tu seiner Art seltenes Fest war es, welches die hiesige Schul- und Synagogengemeinde zu Ehren der Hauptlehrerin an der städtischen jüdischen Mädchenschule, Frl. Caroline Meyer, anläßlich ihres 50jährigen Lehrerin-Jubiläums veranstaltet hatte. Jubiläen sind an und für sich nichts Seltenes mehr; ein solches wird insofern nicht leicht Vorkommen, weil die Jubilarin hier geboren, erzogen, ausgebildet und ununterbrochen an derselben Schule ein halbes Jahrhundert gewirkt und mit der ganzen Gemeinde innig verwachsen ist. Es hatte sich darum auch schon vor drei Monaten ein aus hiesigen Herren und Damen bestehendes Komitee gebildet, um das Fest in würdiger Weise feiern zu können. Die Vorbereitungen waren auch nicht vergebens. Morgens 10 Uhr fand in der mit Lorbeerbäumen, Topfpflanzen und Fahnen geschmückten Schule (Schildergasse) eine erhebende Feier statt. Es hatte sich dort eine ansehnliche Versammlung von Herren und Damen eingefunden; an der Spitze der Herr Schulrath Dr. Brandenburg, mehrere städtische Rektoren, Kollegen und Kolleginnen der Gefeierten rc. Ein Gesang der Schulkinder, beginnend mit den Worten: „Gott in der Höhe sei Preis und Ehr'", eröffnete die Feier. Nun hielt Herr Dr. Frank eine längere Rede, worin die Verdienste der treuen Lehrerin um die Gemeinde, ihre Religiosität, mit der sie Allen ein leuchtendes Vorbild gewesen rc., hervorgehoben wurden, und schloß mit dem priesterlichen Segen für ihr ferneres Wohlergehen und gedeihliche Thätigkeit im Dienste des Unterrichts und der Erziehung. Nach wiederholtem Gesang und Deklamiren passender Gedichte ergriff der Herr Schulrath das Wort, rühmte ihre während des langen Zeitraums bewiesene Pflichttreue, ihre Berufsliebe, ihre großen Verdienste um die Schule, verlas ein Schreiben des Kultusministers, überreichte ein prachtvolles, mit Goldrahmen eingefaßtes Oelgemälde als Geschenk der Kaiserin, ferner Namens der Stadt ein ansehnliches Geldgeschenk und die Zusicherung, daß ihr bei eventuell eintretender Penstonirung fünf Sechstel ihres Diensteinkommens als Ruhegehalt bewilligt würde. Herr de Jonge, Vorsitzender des Vorstandes, sprach Namens der Synagogengemeinde seinen Dank aus, hob hervor, wie schon vor Oeffentlichkeitserklärung und Kommunalisirung der jüdischen Schule sie unter schwierigen Verhältnissen ihre Kraft der Gemeinde gewidmet, unausgesetzt nicht blos während des schulpflichtigen Alters, sondern oft nachher noch sich armer Kinder angenommen, rühmte ihr musterhaftes Familienleben und überreichte eine Ehrengabe der Gemeinde. Ein christlicher Kollege vertrat die Lehrerschaft des Jnspektionsbezirks und machte die Mittheilung, daß dieselbe in ihre Wohnung ein Sopha nebst zwei Sesseln als gemeinsames Andenken placirt hätte. Herr Hauptlehrer Hermanns begrüßte und beglückwünschte die Jubilarin im Aufträge der an der Schule wirkenden Lehrpersonen. Gesang und Deklamation der Schulkinder schlossen die Feier. Nun begaben sich die Anwesenden nach vorheriger Einladung in die in einen wahren Blumengarten verwandelte Wohnung, wo Gratulation und ein solennes Dejeuner stattfand. Hunderte von Depeschen, selbst aus entlegenen Welttheilen, Gratulationsschreiben, Privatgeschenke, Blumenarrangements waren im Laufe des Tages angekommen, die Nachbarn hatten geflaggt. Abends 8 Uhr war im Saale der Lesegesellschaft ein großer Kommers: bis auf den letzten Platz war das nach dem Gürzenich größte Lokal Kölns angefüllt. Ein sehr reichhaltiges Programm wurde erledigt, bedeutende Künstler und Künstlerinnen des Konservatoriums hatten dabei in uneigennütziger Weise mitgewirkt. Das Orchester bestand aus der Kapelle des 7. westfälischen Infanterieregiments. Den Reigen der Toaste eröffnete Herr Rabbiner Dr. Frank selbstverständlich auf den Kaiser und das kaiserliche Haus, das nicht blos sein Auge auf die Schlachtfelder, sondern auch auf die Schule und deren Leiter richte. Ebenso begrüßte er die Jubilarin Namens des Festkomitees unter Ueberreichung einer dritten werthvollen Ehrengabe und kunstvoll ausgestatteter Adresse. Frl. Meyer dankte tiefgerührt in herzlicher Weise für alle Ovationen und Ehrenbezeugungen. Auch der Herr Schulrath hatte die Versammlung mil seiner Gegenwart beehrt, sprach sich noch in anerkennender Weise über die jüdische Schule Kölns und deren Lehrpersonen aus, wofür Herr Dr. Frank, der unermüdlich, oft in humorvoller Weise, das Fest dirigirtc, dankte. Der emeritirte Lehrer Goldberg gedachte schließlich noch des

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