Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228257-3228308--55120-3291319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 echt Humane, was dem jüdischen Herzen eigen, hat sich besonders in der sozialen Frage geltend gemacht. Alle Richtungen der Sozialpolitik haben ihre hervorragenden Vertreter unter unseren Glaubensgenossen gefunden, in allen Richtungen sind Juden unter Denen, die sie mitbegründet haben und leiten. Wie man den Refugies, den Fremdlingen, noch heute, und zwar mit Recht, Dank zolle, daß sie vor 300 Jahren Kunst- und Gewerbefleiß auf unseren Boden verpflanzt haben, so sollte man endlich das Schaffen und Wirken der jüdischen Gewerbetreibenden, die Mitbürger und Deutsche sind, als eine große Förderung des Deutschen Reiches und Volkes anerkennen!" ^2 Berlin, 14. Dezember. Der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche erläßt die Einladung zu dem am 26. Dezember d. I. von Abends 6 Uhr und 27. Dezember von Vormittags 9y2 Uhr ab in dem Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde <Oranienburgerstraße 29 II.) stattfindenden ersten Berbandstage. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Konstituirung des Verbandstages (8 10 der Satzungen des Verbandes). 2. Berichterstattung des Berbandsvorstandes über die Verwaltungsperiode 1896—1898. 3. Wahl von drei Kaffenrevisoren und Entlastung des Schatzmeisters. 4. Beschlußfassung über die Satzungen der „Penstons-, Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes". (Res.: Der Vorsitzende.) 5. Anträge der Vereine in Mitteldeutschland und im Großherzogthum Hessen auf Aenderung der Zusammensetzung des Verbandsvorstandes. (Res.: Blumenfeld-Adelebsen,) 6. Berathung über die gegenwärtigen Verhältnisse der jüdischen Schulen und Beschlußfassung über Abfassung einer Denkschrift über die Bedeutung der jüdischen Schulen. (Ref.: Amram-Borken.) 7. Anträge der Vereine jüdischer Lehrer in Rheinland und Westfalen sowie in Südwepdeutschland, betreffend die Stellung der jüdischen Lehrer innerhalb der Gemeinden. (Ref.: Goldschmidt-Köln und Eppstein-Hoppstädten.) 8. Antrag des Lehrervereins „Mendelssohn" zu Hamburg betreffend die Vorbildung der jüdischen Lehrer. (Ref.: Marx-Alsheim und Feiner-Hamburg.) 9. Antrag des Vereins in Mitteldeutschland auf Bearbeitung von Hilfsbüchern für sämmtliche Disziplinen des jüdischen Religionsunterrichts. (Ref.: Steinhardt-Magdeburg.) 10. Beschlußfassung über den Modus der Suventionirung der Vereinsversammlungen (Ref.: Herbst-Lissa.) 11. Anträge der Vereine in Mitteldeutschland und Südwestdeutschland, betreffend die Begründung einer periodisch erscheinenden Verbandsschrift. (Ref.: Levi-Neuß.) 12. Antrag des Vereins Oberschlesten, betreffend Förderung der Gartenbau- und Handfertigkeitskurse für jüdische Lehrer. (Ref.: Bernhard-Tarnowitz.) 13. Antrag des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen auf Begründung eines Stellennachweises für die Mitglieder des Verbandes. (Ref.: Becker-Wollstein.) 14. Antrag des Vereins in Mitteldeutschland auf Ausgabe von Mitgliedskarten. (Ref.: Steinhardt - Magdeburg.) 15. Neuwahl des Verbandsvorstandes. (8 5 der Satzungen des Verbandes.) Der Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche besieht aus den Herren Rektor Dr. Adler-Berlin. Lehrer Blumenfeld-Adelebsen. Oberlehrer Dr. Blaschke-Berlin (Vertreter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes). Lehrer Bernhard- Tarnowitz. Lehrer Goldschmidt-Köln. Seminarlehrer Gutkind-Kassel. Hauptlehrer Herbst-Lissa (Prov. Posen). Lehrer Levi-Neuß. Der Einladung ist der Bericht über die bisherige segensreiche Thätigkeit des Verbandes beigegeben. C. Berlin, 14. Dezember. Der Verein der Schlesier — gegründet 1867 — wirkt seit über 30 Jahren hierorts in der segensreichsten Weise durch Erfüllung seiner Hauptaufgaben nach dem 8 1 der Satzungen: 1. Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder resp. Landsleute, 2. Pflege der Geselligkeit unter den Mitgliedern, und ist so der Sammelpunkt der besten Elemente unter den hier lebenden Schlesiern geworden. Der in der letzten Hauptversammlung erstattete Rechenschaftsbericht ergab einen Bermögensausweis von 123 000 Mark gegen 119 000 Mark des Vorjahres, und wurde die Wittwen- und Waisen-Stiftung auf 40 000 Mark und die der Dr. Paul Elsner-Stiftung (für studirende Schlesier) aus 6000 Mark erhöht. Für Vergnügungen sind in Vorbereitung: am 17. Dezember Herren-Abendessen, 29. Januar 1899 Mittageffen, Ball und 16. Februar Kränzchen, die in den schönen Räumen der „Gesellschaft der Freunde", Potsdamerstraße 9, stattfinden. — Den Vorstand bilden Herr Sanitätsrath Dr. Elsner als Vorsitzender und die Herren Sanitätsrath Dr. Ehrenhaus, Elias Hahn, Salo Böhm, Salo Bielski, Julius Cohn, Carl Großmann, Alex Hahn, M. Knoche, Carl Mirauer, M. Naphtali, Julius Proskauer, Siegfried Sachs, Rechtsanwalt Dr. Fedor Stern und Julius Friedländer. Anmeldungen zum Beitritt sind an den Schriftführer Herrn Alex Hahn, Ritterstraße 50, zu richten. 22 Berlin, 11. Dezember. Auch im Freisinnigen Bezirksverein der Schönhauser und Prenzlauer Borstadt wurde am 7. d. M. folgender Beschluß angenommen: „Die Versammlung des Freisinnigen Bezirksvereins der Schönhauser und Prenzlauer Vorstadt protestirt gegen die Verfügungen des Kultusministers beziehungsweise des Provinzial-Schulkollegiums auf Entziehung des Ordinariats jüdischer Lehrer und Lehrerinnen und fernere Erschwerung und Verhinderung der Neuanstellung solcher Lehrkräfte als dem Geiste der Verfassung und gesetzlich festgestellten Gleichberechtigung der Konfessionen widersprechend und den Frieden unter der Bürgerschaft störend und erwartet von der Stadtverordnetenversammlung entschiedenen Widerstand gegen die Ausführung der Regierungsverfügung." §2 Berlin, 11. Dezember. Der neue Jahrgang des im Berlage von August Scherl erscheinenden „Adreßbuch für Berlin und seine Vororte" ist in zwei stattlichen Bänden bereits zur Ausgabe gelangt. Sein Inhalt hat auch in diesem Jahre eine interessante Bereicherung erfahren, und zwar durch Erklärung der historischen Straßennamen Berlins, die auch für unsere Kreise vielfach von besonderem Interesse ist. Von wesentlichem Nutzen wird ferner die Neuerung sein, daß bei jedem einzelnen Namen der Vorname, soweit dieser in die Hauslisten oder Firmenkarten eingetragen war, vollständig wiedergegeben ist. Trotz der so ungewöhnlich frühzeitigen Fertigstellung ist auch der neue Jahrgang mit größter Gewissenhaftigkeit und unter Berücksichtigung der Wünsche des Publikums bearbeitet worden. Die jüdischen Gemeindeverhältnisse find diesmal etwas ausführlicher behandelt und auch die vielen unseren religiösen Interessen. gewidmeten Vereine so viel als möglich berücksichtigt worden. o. Insterburg, 9. Dezember. Der hiesige israelitische Verein für Krankenpflege feierte am 2. d. Mts. sein 26. Stiftungsfest. Um Sl/2 Uhr fand in der von Andächtigen überfüllten Synagoge der Festgottesdienst statt. Nach einem erhebenden Chorgesang der Knaben bestieg Herr Rabbiner Dr. Beermann die Kanzel und hielt eine ergreifende Festrede. Ueber den Inhalt können wir an dieser Stelle nur bemerken, daß Redner an Ruth II, 20 anknüpfte und im Anschluß an dieses Textwort Israels Liebe gegen die Lebenden und Israels Liebe gegen die Todten beleuchtete. Der Verein hat anläßlich seines 25 jährigen Stiftungsfestes ein Gedenkblatt seinen Mitgliedern gestiftet, in dem auch die Chronik des Vereins enthalten ist. Wir entnehmen derselben, daß der Gründer des Vereins Herr Benjamin Mendel Weinstein ist. Der Verein konstituirte sich am 9. November 1873 und nahm den Namen einer „Chewra Kaddischa und Bikkur Cholim", eines israelitischen Vereins für Krankenpflege und Beerdigung, an. Die Thätigkeit des Vereins verlief ruhig und stetig in dem Rahmen der durch das Statut vorgezeichneten Pflichten. Es wurde Sorge getragen, daß armen, unbemittelten Kranken Pflege und Abwartung wurde, daß bei hoffnungslos Daniederliegenden Chewra-Mitglieder Wache hielten, und die Bestattung der Dahingeschiedenen in der vom Religionsgesetz vorgeschriebenen Weise vorgenommen wurde. Durch die Mildthätigkeit seiner Mitglieder war es dem Verein möglich, alljährlich eine Summe zur Unterstützung von Nothleidenden auszusetzen. Im Jahre 1885 gestatteten es seine finanziellen Verhältnisse, einen Leichenwagen zu beschaffen. Ebenso hat der Verein in demselben Jahre eine reiche Fülle von Utensilien zur ordnungsmäßigen Krankenpflege, theilweise durch Kauf, theilweise durch Geschenke, erworben. Das Arbeitsfeld des Vereins erstreckte sich auch über die Grenzen der Gemeinden hinaus. ----- Gr. Glogau, 6. Dezember. Die Trauer in unserer Gemeinde um das Hinscheiden unseres verehrten Rabbiners Dr. Rippner fand einen würdigen Ausdruck in dem Leichenbegängniß selbst. Die Trauerfeierlichkeiten begannen mit einem Gottesdienst in der Synagoge. Bor der Kanzel, hinter der sich eine Blattpflanzendekoration erhob, stand der mit schwarzem Tuch verhüllte, jedes Blumenschmuckes baare Sarg, der die sterbliche Hülle des theueren Mannes barg. Das nunmehr verlassene Betpult des Verstorbenen zierte ein Lorbeerkranz. Die Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einem Trauergesang des Synagogenchors hielt Herr Rabbiner Dr. Bäck-Lissa, ein persönlicher