Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- Seite 600 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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WFWWMWWWSMWSSMWMWSMMWZ mm „Ich weine um Edom und seine gebrochenen Hoffnungen. Siehe, in dieser Hütte habe ich mein verlorenes Kind durch lange Jahre erwartet, und diese Hütte ist zerstört, und Zeruha muß von hinnen wandern, und ihr verlorenes Kind ist noch nicht gefunden! In dieser Hütte ist meiner Heimath Stern, unsere unglückliche Naemi, geraubt worden und ist untergegangen, gleich den Gestirnen hinter die Berge Serr!" „Es ist alles vergebens!" sagte der Rottenführer in tiefen Tönen. „Edom ist verloren, und sein Stern ging unter! Ich habe vor ihr gestanden und habe mit ihr gesprochen ein Wort des Abschiedes! Verhülle Dein Haupt, Tochter Edoms, denn sie ist glücklich in den Gärten Salomos!" „Sie ist glücklich!" rief die Edomiterin gramvoll. „Sie hat Edom vergessen, und Edom ist verloren! Es ist ein Fluch über Edom ausgesprochen. Die große Mutter zürnt den Stammcsgenoffen Edoms. Denn alles Unglück ist über unsere Häupter gekommen, und jede Hoffnung ist gebrochen. Und Du sahst die Unglückliche noch einmal?" „Ich sah sie in den Gärten des Königs!" versetzte Rcson, welcher sein Haupt gesenkt hatte und voll tiefen GramS vor sich hinstarrte. Der Schmerz der Edomiterin wich in diesem Augenblick einem raschen, heftigen Erstaunen. „Du sahst sie in Salomos Gärten?" rief sie. „Wie? In jene Gärten bist Du eingedrungen, Du, ein fremder Mann und Salomos Feind?" „Staune nicht, ich drang dort ein, verhüllt und verborgen zwischen den Sklaven einer mächtigen und edlen Fürstin. Und während sie an der Seite des Königs der großen Isis opferte, sprach ich mit Nasmi." „Wer ist diese Fürstin?" fragte die Matrone mit tiefer Ueberraschung. „Iva, die Königin von Saba!" „Iva!" schrie die Matrone in so freudigen, hellen Laute», daß Reson überrascht aufblickte und, da er bei der sanften Beleuchtung des Mondes Zeruhas freudestrahlende Züge bemerkte, nahe an sie trat. „Du bist freudig ob dieser Nachricht!" „Iva!" rief die Matrone noch immer mit sanfter, mütterlichzärtlicher Stimme. „Iva, die holde, edle Fürstin! Mein königliches Kind, das in meinen Armen schön und lieblich heranwuchs! O, Göttin Edoms, heilige Isis, warum hieltest Du mich fern von meinem Kinde, von meiner Fürstin! Meine Seele zittert, mein Ohr dürstet, die Worte der Lieblichen zu hören, ich will augenblicklich fort, sie aufzusuchen!" Die Matrone ordnete mit zitternden Händen ihren Mantel und wollte fort. „Besinne Dich, meine Mutter!" sagte Reson sanft und faßte den Arm der Aufgeregten. „Diese Stunde ist nicht günstig, Iva zu suchen, wo willst Du sie finden?" Die Matrone besann sich, indem sie mit der Hand über die Stirn fuhr. „Leite mich zu ihr!" bat sie rasch und heftig. „Jetzt nicht, meine Mutter! Die Stunde ist nicht günstig. Wenn der frühe Sonnenstrahl auf Moriah funkelt, dann leite ich Dich zu der edlen und mächtigen Fürstin." Die Matrone blieb stehen. Ihre Seele war weich, sie fügte sich ruhig der Verzögerung, sie war überschwenglich glücklich, daß sie die Fürstin von Saba in ihrer Nähe, in Jerusalem wußte. „Höre!" sagte sie mit sanfter, gerührter Stimme. „Unter den glücklichen Zelten von Saba brachte Zeruha die Tage ihrer ersten 600 - Jugend zu. Damals herrschte Jvas Mutter .in den glücklichen Ländern und liebte mich, wie auch später das holde Kind Iva mir anhing. Siehe, von den Zelten Sabas führte mich ein Mann aus ( Israel fort, und ich ward seine Gattin. Seit jenem Tage hat die große Mlltter ihr Angesicht von nrir gewendet! Aber aus den Zelten Sabas wird ein neues Glück und später Trost für Zeruha hervorgehen, denn dort wiffen sie von meinen Leiden und dem verlorenen Kinde Zeruhas!" Die Matrone blickte mit glänzenden, begeisterten Augen empor, und das Licht des Mondes fiel friedlich auf ihre sanften, von Thränen übergossenen Züge. „Doch-nein," fuhr sie nach einer Pause fort, „Iva ist ja da — die edle, gütige Iva, die von Jvas verlorenem Kinde weiß gleich ihrer Mutter! Ach, eile dich, Sonnenstrahl, auf Moriah zu glänzen! Fliehe von hinnen, öde, freundlose Nacht! Iva wird mir von meinem Kinde sagen! — O, sanfte, gütige Mutter Isis, Du spartest meinem Alter dies Wiedersehen und die Kunde von meinem Sohne! Dein Auge leuchtet noch immer auf Edom hernieder — noch sind nicht alle unsere Hoffnungen gebrochen!" Die Matrone sank auf die Kniee und streckte ihre Hände voll ängstlich-freudiger, voll vertrauend-begeisterter Bewegungen zum Himmel empor. Der Rottenführer blickte die Knieende trüb an und schüttelte langsam das Haupt. Er lehnte sich auf die immer noch entblößte Klinge und sprach in tiefen Tönen: „Hoffe nicht allzu verwegen, Tochter Edoms! Du sagtest recht: es ist ein Fluch über Edom ausgesprochen, und unser Stern ist 'Untergegangen gleich den Gestirnen hinter die Berge Seit. — Der Morgen ist gekommen — aber er ist wieder dahin!" Der Edomiter hatte kaum geendet, als ein heftiger, naher Schrei eines Schakals vernommen wurde, welchem in der nächsten Umgebung ein vielstimmiges, nahes Geheul der Thiere folgte. Die Edomiterin stieß bei diesem plötzlichen Geheul einen Ruf des Entsetzens aus — der Rottenführer drehte sich um und spähte fast erschrocken durch die Fensteröffnungen hinaus. Unmittelbar darauf drang durch beide Eingänge der Hütte ein Dutzend bewaffneter Menschengestalten herein und warf sich mit einem Gebrüll, welches diesmal dem Geheul des Schakals durchaus nicht glich, auf die Stammesgenossen Edoms. (Forts, folgt.) Litterarische Mitthriinngrn. ---- Die Schriften des 14. Jahrganges im hebräischen Litteratur- Berein(Mekize-Nirdamim) werden jetzt zur Versendung gelangen, und zwar 1. Refponsen des Rabbenu Tam im Sepher Hajafchar. Nach einer Handschrift von Neuem herausgegeben und mit kritischen Noten versehen von Dr. F. Rosenthal. t 2. Sepher Haschetaroth. Dokumentenbuch von Jehuda ben Barfilai aus Barcelona. Nach der einzigen Handschrift in Oxford zum ersten Male herausgegeben und erläutert von S. I. Halberstam. 3. Minchat Kenaoth von Jechiel ben Samuel aus Pisa. Streitschrift gegen Jedaja Peninis Verteidigung der Philosophie, mit Anmerkungen herausgegeben und biographisch eingeleitet von Dr. D. Kaufmann. 4. Sammelband, enthaltend verschiedene Materialien zur jüdischen Geschichte. 5. Diwan des Jehuda Halevi, Fortsetzung der Noten. Neue Beitrittserklärungen (10 M. für den Jahrgang) nimmt entgegen Der Vorsitzende: Dr. A. Berliner. Berlin, Auguststraße 51. Druck und Verlag von Ruvols Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.