Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1898)
- Date
- 1898-12-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 nähme eingeholt, die Eltern müßten schriftlich erklären, auf die Bestimmung über ihre Kinder für ein Jahr nach der Entlassung aus der Anstalt zu verzichten. Auch die Frage scheine noch nicht spruchreif zu sein, ob es zweckmäßig sei, die Mädchen nur in ganz kleine oder auch in elegante Haushalte zu geben. Für reichlichere Arbeit in der Anstalt sei jetzt gesorgt durch die Uebernahme fremder Wäsche. An der technischen Ausbildung der Mädchen brauche überhaupt nichts geändert zu werden. Dagegen scheine es in einem Punkte an der geistigen Ausbildung zu fehlen, da die Mädchen zu wenig auf ihren zukünftigen Dienst und die in diesem zu entwickelnden Eigenschaften hingewiesen würden. In die Aufnahmebedingungen der Anstalt sei noch ein Zusatz eingefügt worden, nach dem die Eltern flch verpflichten, dafür einzustehen, daß die Kinder nicht vor Ablauf eines Jahres ohne Genehmigung des Vorstandes die ihnen zugewiesene Stellung verlassen. In dieser Verpflichtung liege ein moralischer Zwang für die Eltern. In den letzten drei Monaten vor der Entlassung aus der Anstalt sollen die Mädchen nunmehr mit Auswahl in Haushalte zur Hilfeleistung gegeben werden. Die Erfolge der Anstalt, so schließt der Vorsttzende seinen Bericht, seien bereits in weite Kreise gedrungen; so haben die Leiter der Militärwaisenhäuser das Haus eingehend besichtigt und sich anerkennend über die Prinzipien der Verwaltung ausgesprochen. In der Diskussion über diesen Punkt wurde die Errichtung einer Stiftung für tadellose Führung der Mädchen im Dienste angeregt; es solle sich ferner der Einfluß der Schutzdamen daraus erstrecken, daß die Mädchen einen Theil ihres Lohnes auf die Sparkasse geben. Den Revisoren und dem Vorstande wurde alsdann , seitens der Versammlung Decharge ertheilt, die ausscheidenden Vorstandsmitglieder per Akklamation wiedergewählt. Zu Revisoren wurden die Herren Louis Paderstein und Ludwig Mecklenburg wiedergewählt, Herr Otto Pariser neugewählt. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlung mit der Bitte an die Mitglieder, der Anstalt wie bisher das rege Interesse zu bewahren. L. Berlin, 6. Dezember. Ein Verein ehemaliger Schüler der Samsonschule zu Wolfenbüttel wurde am 28. v. M. von ehemaligen Schülern der Samsonschule zu Wolfenbütte! hier gegründet. Der Zweck des Vereins ist, durch geselliges Zusammensein, welches zweimal in jedem Monat stattfindet, die frühere Freundschaft und Bekanntschaft aus der Schule wieder frisch zu beleben, ferner hilfsbedürftige frühere Schüler zu unterstützen und die humanitären Einrichtungen der Samsonschule zu Wolfenbüttel nach Kräften zu fördern. Es sind dem Verein schon eine stattliche Zahl Schüler aus den verschiedensten Jahrgängen beigetreten, und sind weitere Anmeldungen an den Vorsitzenden Herrn Edm. Scharlach, Berlin, Unterwasserstr. 8 zu richten. Nächstes Zusammensein: Mittwoch den 7. Dezember, Abends 9 Uhr, im Hotel König von Portugal, Burgstraße. X. Aus Westpreutzeu, im Dezember. In Briefen sind die Herrn S. Moses, Leop. I. Littmann und M. Joelsohn zu Stadtverordneten gewählt worden. — In Graudenz sind zu Repräsentanten der jüdischen Gemeinde gewählt, auf 6 Jahre: die Herrn D. Jsraelowitz, L. Prager, Jacob Robert, R. Selig und Albert Jacobsohn; auf 3 Jahre: Herr Philipp Reich. Zu Stellvertretern auf 6 Jahre: die Herren A. Lublinski, S. Bernstein jun. und Jul. Hirschfeld. — Die Firma G. Hirschfeld, THorn, feierte jüngst das 50jährige Geschäftsjubiläum.—JnPillau ist der Kaufmann Klein zum Stadtverordneten gewählt. — In Schwetz sind die Herren Rechtsanwalt Hirsch und Kaufmann Jacobsohn in die Etat-Kommission gewählt worden. — In Lö bau ist der Kaufmann Salomon Goldstandt zum unbesoldeten Rathmann gewählt und bestätigt worden. — In Tuchel sind die Kaufleute Cohn und Neumann zu Stadtverordneten gewählt. — Der bejahrte Kaufmann Herr Aron Bloch in Lang fuhr bei Danzig verstarb am 24. November in einem Wagen der elektrischen Straßenbahn, als er von Langfuhr nach seinem in Danzig befindlichen Komtor fahren wollte, infolge eines Herzschlages und mußte mittelst eines Tragkorbes nach seiner Wohnung in Langfuhr zurückgetragen werden. Lp. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Kürzlich starb der weithin geachtete Kaufmann Marcus Ehrenfried in Wreschen. Derselbe war viele Jahre Repräsentant der jüdischen Gemeinde daselbst. Der Verstorbene hat die letzten Feldzüge mitgemacht. Bei seiner Beerdigung gab ihm auch der Kriegerverein das Ehrengeleit. —- Die 62 Jahr alte Kaufmannssrau Seligsohn in Samotschin ist todt in ihrem Bett aufgefunden worden; vermuthlich hat sie ein Herzschlag ereilt. — I b Einer der geachtetsten Bürger Pose ns, Kaufmann D. B. Cohn, > Z feierte am 1. Dezember cr. feinen 70. Geburtstag. — Die Synagogen- I „ Gemeinde in Zempelburg hat den Bau eines neuen Gotteshauses > % beschlossen; mit dem Abbruch der altey Synagoge ist bereits begonnen » d, worden. — Kaufmann Jsaac Bloch in Kempen ist zum Auffichtsrath » ii des dortigen Borschußvereins gewählt worden. — In Obersitzko find > fi bei der jüngst daselbst erfolgten Stadtverordnetenwahl in der 1. Ab- > c< theilung vier israelitische Herren, nämlich die Kaufleute S. Löwin so hn, > fi L. Arnswalder, Cohn und Schlimmer, gewählt worden. — Der > g Unierftützungsverein „Ansche Cheßed" in Posen hielt neulich seine I g diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Verein hatte im I d letzten Jahre eine Einnahme von 2127,95 Mark und eine Ausgabe von > z 811,15 Mark zu verzeichnen. Der Verein zählt jetzt bereits 118 Mit- > t glieder. Der bisherige Vorstand und die Revistonskommission wurden > d wiedergewählt. Der Verein gewährt seinen Mitgliedern freien Arzt I d und im Bedarfsfall freie Medikamente, gewährt Geldunterstütznngen » (ä und unterstützt hauptsächlich unverschuldet in Noth gerathene Mitglieder. >; GD Pinne, 4. Dezember. Gestern starb plötzlich der königliche > f Kreiswundarzt Dr. S. Peyser Hierselbst infolge eines Herzschlages im I 1 Alter von 51 Jahren. Durch das Hinscheiden dieses Mannes > 1 erleidet die Stadt Pinne den Verlust eines ihrer beliebtesten Bürger » und die jüdische Gemeinde eines ihrer besten Mitglieder. An- I z nähernd 25 Jahre hat der Verstorbene hier als praktischer Arzt > < sowie seit vielen Jahren auch als Armenarzt, Stadtverordneter, I \ königlicher Kreiswundarzt mit unermüdlichem Eifer, hingebender I < Treue und Gewissenhaftigkeit gewirkt. Er war in des Wortes weitester » i Bedeutung ein Helfer der Armen, denen er gar oft neben seinem ärzt- » ( lichen Rath auch thatkräftige Hilfe zu Theil werden ließ. > < G. Samotschin, 30. November. Auf Veranlassung des' hiesigen > 1 „israelitischen Frauen-Vereins" hielt im großen Saale des Schützenhauses >! Herr Rabbiner Dr. Freund aus Czarnikau einen Vortrag über „Die I ) Welt der Sagen im jüdischen Alterthum". Daß derselbe sowohl beleh- >! rend als auch interessant war, bewies der große Beifall, der dem ge- > wandten Redner mit Recht gezollt wurde. Da aber der Zweck dergleichen » ' Vorträge — die Förderung jüdischen Denkens und Fühlens — nicht er- » 1 reicht werden kann, wenn im. ganzen Jahr — wie in unserer kleinen »! Gemeinde — nur ein Vortrag gehalten wird, fühlte sich der emeritirte »! Lehrer Herr Spiewkowski veranlaßt, über Gründung einer Vereins- > Bibliothek das Wort zu ergreifen. Dieselbe darf nach Ansicht des Redners » nur aus jüdischen Schriften bestehen; denn dadurch wird der Jugend > die Liebe zum' Judenthum erhalten und zugleich nutzbringende Unter- I Haltung gewährt. Diesem Vorschläge wurde nicht nur allgemein zu- I gestimmt, sondern sofort eine solche Bibliothek ins Leben gerufen. I m. Hamburg, 29. November. Der Israelitische Stellen- > vermittelungs-Verein hielt im Hotel Continental seine diesjährige » Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn M. Jacobsen ab. Dem > vom Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die > langersehnte Verbindung der verschiedenen Vereine unter einander jetzt » gelungen sei, indem der hiesige Verein ein Kartell mit den den gleichen I Zweck verfolgenden Vereinen in Berlin/ Breslau, Frankfurt a. M. ab- > geschlossen hat, ferner ist es dem Vorstand gelungen, mit dem neu- » gegründeten Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit in Frank- > furt a. M. einen Vertrag abzuschließen, der den hiesigen Mitgliedern > große Vortheile sichert. Was nun die Thätigkeit des Vereins im ver- > flossenen Geschäftsjahr anbelangt, so waren beim Vorstand 270 Vakanzen I gemeldet, nämlich 196 Kommis und 74 Lehrlinge. Von den 155 Be- > werbern, nämlich 133 Kommis und 22 Lehrlinge, erhielten 49 Kommis fl und 22 Lehrlinge Stellung. Das Resultat kann bei den bescheidenen fl Mitteln, die dem Verein zur Verfügung stehen, immerhin als ein gün- I stiges bezeichnet werden. Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit 307. fl Der bisherige Vorstand wird per Akklamation wiedergewählt. Ein fl eingebrachter Antrag auf Statutenänderung, wonach Diejenigen, die fl durch Vermittelung des Vereins Stellung erhalten haben, in Zukunft H M. 6 bezahlen müssen, wofür fie die Mitgliedschaft für die folgenden fl zwei Jahre erwerben, wird nach kurzer Debatte mit großer Majorität fl angenommen. Nach Schluß der Versammlung hielt Herr I. Hirsch fl (Hannover) einen Vortrag über die Bedeutung des Kaufmannsstandes. — fl Eine Anzahl angesehener Glaubensgenossen hielt im Patriotischen Gefl