Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 24 (24.2.1838)
- Date
- 1838-02-24
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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94 und gäbe waren, noch mehr nach Herodcs, wo mit dem zunehmenden Einfluß der Römer auch viele römische Namen sich ansässig machten, wie: Agrippa, Capellus, Drusus, Derus rc. Noch beträchtlicher waren neben neuen hebräischen Namen die persischen und aramäischen, die in Ost- und Westasien bei den Juden Ln Umlauf kamen, selbst das phönkzische Hannibal (hebr. Channiel) — neben denen nur eine kleine Zahl biblischer Namen in Gebrauch war. — DieDFrauennamen bieten dasselbe Berhältniß dar, unter fünfzig genannten kaum ein Sechstel biblisch, z. B. Channa (Anna), Elisabet (Eliseba), Mirjam (Maria), Jochanna (Johanna), auch griechische und römische darunter. Indem nun die fremden Namen oft neben den nationalen begleitend hergingen, bildeten sich die Doppelnamen; bei zunehmender Einbürgerung der bisher fremden Sprache verbreiteten sich die ausländischen Namen immer mehr und machten sich zu alleinigen, so daß es zur geschichtlichen Wahrheit sich macht, daß selbst schon auf palästinischem Boden die frömmsten und hervorragendsten Personen ausländische Namen annahmen. So der Mischnalehrer Anrigonus (180 vor d. g. Z.), der Hohepriester Aristobut und Theophitus, der Synagogen-Beamte Zeno, der Priester Boethus, der Märtyrer Pappus rc. Priester gaben daher ihren Kindern heidnische Namen, Proselyten behielten die ihrigen bei. Dieses hat denn Niemand den Juden verpönt, denn die Sprache ist, wie Sonne und Lust, ein Gemeingut. Die Juden beschränkten sich selbst gar nicht, sondern sprachen sogar atthebraische Namen griechisch aus. Auch im Mittelalter war das Bereich der Namen unangetastet und ungezwungen; und die Namen waren in der Periode von 476—1000 hebräisch, aramäisch, arabisch, persisch und europäisch. Bis dahin ungebräuchliche Bibelnamen, wie Abraham, Ahron , Moses rc. wurden allerdings gebräuchlicher, in den moslemischen Ländern aber nahmen dieJuden völlig arabische Namen an, wie Abdalla, Abulhedschadsch rc. und in den christlichen Staaten fuhren sie fort, europäische Namen zu führen, wie: Asterius, Julius, Justus, Leon, Lupus rc., Frauensnamen, wie Sophia. Allmälig fing man an, die Söhne nach dem Großvater zu nennen, besonders in der zweiten Halste des Mittelalters. Je mehr aber der Druck von außen, unerträglich wurde, desto mehr schloß sich die Synagoge von Außen ab, und so entstand die Sitte, den Knaben zu den Functionen in der Synagoge besondere kirchliche Namen nach bestimmten Gesetzen zu geben, neben denen unabhängig die bürgerlichen im Gebrauch blieben. Gerade diese letzteren aber blieben im wirklichen Leben, und ihre Wahl war uneingeschränkt. Daher geben die Verzeichnisse der um 1000 -1492 herrschenden Namen: arabische, europäische, wie Albert, Astruc, Benedicts Vertrant, Bonifaz, Crjspkn, Denys, Fidel, Hercules, Leontin, Martin, Peter, Phöbus, Vital, Theodor und unzählige; deutsche, wie Albertin, Anschel, Berchthold, Bischof, Eberhard, Falk, Friede!, Fritzel, Fuchs, Gottlieb, Gottschalk, Gumprecht, Hinz, Lowe, Luz, Mendel, Menke, Kalman, Lieberman, Liepman, Seligman, Meinster, Michel, Pfefferkorn, Süßkind, Wolf und unzählige. Noch mehr nahmen die Frauen Landesnamen an. — Eben so werden dieVerzeichniffe dee jüdischen Namen von 1492—1781 immer reicher an entlehnten Namen, wohingegen manche mittelalterliche Namen aus dem Cours kamen, und sich bei der Vermischung der Gemeinden englische Namen germanisirten, slavische sich französisch zustutzten, ja man ließ sogar die hebräischen Namen oft fremde Aussprache annehmen, wie pnx* in lateinischer Aussprache Isaak, in englischer Eisak, Abbrevirung nach deutscher Weise 'in Sekel; Jakew englische und hebräische Aussprache combinirt u. s. w. — Von der Zeit, als das Streben nach Emancipation durch Dohm angeregt wurde, als das Streben nach Selbstemancipation in den Juden lebendig ward, beginnt auch für die Namen eine neue Periode, indem, was mit der Zeit 'geschmacklos und geschmackwidrig geworden, was die andere Welt in Jahrhunderten abgeworfen, die Juden in wenigen Jahrzehenden von sich warfen, und der gegenwärtigen Welt zustehendere Namen annahmen. Viele Namen also, die jetzt für jüdisch gehalten werden, sind deutsch, die nur früher schon von den Deutschen abgesetzt, von den Juden länger erhalten wurden. Wie will man daher die Juden jetzt auf solche Namen beschränken, da sie ihnen eigentlich nicht gehören? warum wollte man ihnen jetzt nicht erlauben, deutsche Namen anzunehmen, da sie sie stets angenommen? Noch dazu da viele christliche Namen, wenn man davon sprechen könnte, Nichts als jüdische Namen sind, wie z. B. Andreas, Anna, Balthasar, Elisabeth, Hanna, Joachim, Paulus, Peter rc. Hieraus stellt sich denn die Unmöglichkeit heraus, die Juden auf gewisse Namen zu beschränken, indem es nur gestattet sein kann, Namen, wie Christian, Christoph, Christophorus, als eigentlich christliche in Anspruch zu nehmen, wonach denn auch kein Jude gelüsten wird. Wie heuchlerisch gehen aber die zu Wege, welche da die deutschen Juden anktagen, sie wollten ihr „ehrwürdiges Charakteristische" mit den Namen abstreistn, Anklagen, die wir im vorigen Jahre öfter zucückgewiesen. Um was ist es uns denn zu thun? Erstens hat es die Erfahrung sattsam gelehrt, daß wir nur sicher leben können, wenn wir uns geräuschlos in die Menge verlieren, und weder durch gelbe