Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 24 (24.2.1838)
- Date
- 1838-02-24
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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93 Abzeichen, noch durch altfränkische, so oft verhöhnte und be- 'pöttette Namen die Aufmerksamkeit des Pöbels auf uns ziehen wollen. Zweitens, weit wir das Sanktuarium unsres Familienlebens unberührt, und im Schooße deffelben an keinen Zwang erinnert zu werden wünschen. (Schluß folgt.) Correspondenze», Auszüge, Repliken. (Schluß des abgebrochenen Berichts über Rapoport.) ' Die Dajanim (Richter), die den ConsenS nicht unterzeichnen wollten, fanden sich trotz dem Bannflüche gegen alle, die Hrn. R. empfangen oder bewillkounnen werden, den man auf den Wänden des Ket -Hamidrascb geschrieben fand, allesammt ein, vermuthlich aus Furcht, widrigenfalls ihrer Stelle entsetzt zu werden. Um 12 Uhr legte Herr R. einen strengen Eid, wie gebräuchlich, Ln der Synagoge in Gegenwart deö Hrn. Bürgermeisters ab, worauf Letzterer eine kurze Anrede an das Publicum, das zahlreich herzuströmte, hielt, stellte ionen den Hrn. R. als ihren Rabbinen, den sie ehren und achten sollen, vor, und drohete, daß jede Aufregung, Schmähung, Verunglimpfung streng geahndet werden wird. So ist der Pöbel in Israel! Einem gemeinen Betrüger läuft er nach und vergöttert ihn, und das Nichtinsultiren eines ausgezeichneten hervorragenden Ehrenmannes muß ihm anbefohlen werden! Samstag den 12. holten die Vorsteher ihn ab, um in der alten Synagoge feine Antrittsrede oder Derafcha zu halten. Von allen Seiten strömten Personen jeden Standes und jeden Alters herbei, um bei der Deiascha zugegen zu sein, oder den Rabbiner wenigstens zu mustern und anzugaffen. Seine echt jüdische Tracht wie sein langer Bart machten vielen Eindruck, und gewannen ihm viele Herzen aus dem gemeinen Haufen, denen die Chasidim vorgelogen, daß er sich modisch trägt und seinen Bart rasiret. Nach dem Schachnt-Gebete bestieg er die Kanzel, und begann mit fester und lauter Stimme seine sehr gut zusammengesetzte, tief- und scharfsinnige D^ascha, die vielen Beifall einerndte, da man - in Galizien eine solche paffende, faßliche, rwnr Wüste der Sophisterei befreiete Deraselia zu vernehmen nicht gewohnt ist. Nachdem er von Gott und dem Publicum Erlaubniß sich erbat, wo er nachwies, daß dies auch zur Zeit des Talmuds Brauch war, besprach er einige Biographien berühmter Talmudisten, die in ihrer Jugend Kaufleute waren und hernach Lehrer des RabbiniSmus wurden, um dadurch einem Vorwurf, der ihn deßwewegen traf, zu begegnen. „Ich beschäftigte mich mit dem Handel," sprach er, „weil ich von Almosen nicht leben und anderen Menschen nicht zur Last fallen wollte, und daS kann keineswegs zur Schande mir gereichen. Hier schweifte er ein wenig zur Betrachtung von Tellaka ab, ging hernach zur Halacha über, machte die Oemara Sanhedrin: Dine Mamonot bi Sclielosclia zum Thema seiner Disputation, und! endigte zuletzt mit einigen Bemerkungen. Unter andern äußerte er auch sein Bedauern über die schlechte Sitte in Polen, Kennen und Wissen als Fehler anzurechnen rc. rc. Ob diese erste Derascha ganz befriedigend war, laffe ich, bis ich solche mirMuse durchlesen können werde—denn sie wird nächstens mit vielen Gratulationögedichten seiner zahlreichen Freunde, unter denen sich Eines vom berühmten Dichter Hrn. S.C o h-n und Eines vom gelehrten S. D. Luzzatto befindet, im Drucke erscheinen — dahin gestellt seyn. — Samstag darauf, den 19., predigte er in der neuen, vom Hrn. P. eingerichteten Synagoge, der Halacha geschah hier feine Erwähnung, und von rabbinischen Disputen war keine Rede; er eiferte mit Feuer und Energie gegen Parthci-Zwistigkeitcn, und las' den Chasidim, diesen Complottstiftern und Zwietrachtanschürern den Text. Er äußerte auch öffentlich, künftighin in der alten Synagoge gegen den ChasidäiSmus, wie gegen jeglichen Aberglauben, zu streiten; und dieser Aeußerung gemäß haben wir viel GuteS von der Zukunft zu erwarten. —- Man kann nach meiner Meinung fein Rabbinat als befestiget ansehen, und trotz der Machinationen der leidigen Opponenten, die im Finstern seinen Sturz herbeizuführen arbeiten, wird er seinen Sitz mit Ehre, Kraft und Autorität behaupten; die reichsten, angesehensten und größten Männer Tarnopols mit einer kleinen Ausnahme einerseits, und der verdienstvolle, vielgenügende Hr. P. andererseits, werden ihn vor aller Antastung wahren und schützen, seinen Gegnern den Mund stopfen, und ihren Reactionen und Aufreizungen des Pöbels Schranken zu setzen wissen. WaS diese bigotte Parthei nicht alles angewendet und noch anwendct, um ihren verwerflichen Zweck zu erreichen ‘l! Den Tod eines Mitgliedes der Familie Bik schrieben sie deren Mitwirkung zur Bestätigung der Wahl zu; eine unbedeutende Feuersbrunst, die während diescrZeit in Tarnopot ausbrach, gaben sie der Creation schuld, kurz sie scheueren kein Verbrechen, keine Mühe und keine Anstrengung, sie ließen keine Gelegenheit vorbei, die Leidenschaften anzufeuern, die Gemüther aufzuregen und den Pöbel gegen R. zu erbittern. Montag den 14. fand man ein anonymes Schreiben, betitelt DH PPPvII/ denen Zweck dahin gehet, eine Spaltung zwischen d. H. Rapoport und Perl, den sie, weil er zuweilen in deutscher Sprache predigt, Magid nennen, zu Wege zu bringen, indem sie die Eifersucht deö Letztem aufzuregen bestrebt sind. Hr. R. sagt nemlich im erwähnten Schreiben zum Magid: Mir ist darum mehr Ehre als dir zu Theil geworden, weil meine Verdienste und Kenntnisse die deinigen überragen. Daß die tückischen Chasidim ihren Zweck ganz verfehlten, brauche ich wol nicht erst hinzuzufügen. Bevor ich diesen Bericht schließe', werde ich die Beweggründe zweier der größten Antagonisten Herstellen. Der Eine widersetzte lsich vorzüglich', polterte ^und lärmte, libellirte und denunzirte. Seine vergebliche Mühe endlich gewahr werdend, kam er zum Hrn. Perl, machte den Antrag, von aller Opposition nachzulaffen, unter der Conditio sine qua non, daß er das More- Horaa-Amr (ReLigionSlveiser) mit. einem fixen Gehalte bekleiden müßte; und die eine» Ehrenmannes würdige Antwort lautete folgendermaßen: Wenn Sie sich anfangs, bevor Sie als Gegner ausgetreten, um diese Stelle beworben hatten, wäre sie Ihnen vielleicht zu Theit geworden; jetzt aber kcinenfallS; thun Sie übrigens was Sie wollen und können und ich werde das Meinige thun. Der zweite, ein reicher Mann, der sich dann und wann mit Kommissionsgeschäften abgibt, fürchtete, daß ihm die lcmberger und brodyer Freunde die Kommissionsgeschäfte abnehmen, und einem Verwandten des Hrn. Rap opo rt übertragen würden. Anzeiger. 2» demselben werden Annoncen aller Art argen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile auS Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Von mehren meiner Bekannten aufgefordert, habe ich mickentschlossen, zu Ostern d. I. neben meiner bereits seit ein und ein halb Jahren bestehenden PensionS-Anstalt meine Lehranstalt wieder zu eröffnen. Jeder, der seine Kinder meinem* Unterrichte und meiner Leitung anzuvertrauen gedenkt, darf sich überzeugt halten, daß ich die Religiosität, die GeisteSentwickelung und die Herzensbildung der mir anvertrauten Jugend aufs Sorgfältigste befördern werde. Unterzeichnete hofft, recht bald iw einen nützlichen Wirkungskreis versetzt zu werden, und wird deS ihr geschenkten Zutrauens gewiß sich würdig zeigen. Hamburg, den 29. Januar 1838. 8. I). V688UN Neuer Steinweg, No. 69.