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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-02 · Heft 48 (2.12.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 48 (2.12.1898)
Date
1898-12-02
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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62. Jahrgang. Ar. 48. DkV Berlin. 2. Dezember 1898. Weikrge zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöentbums". Korrespondenzen und Nachrichten« Deutschland. 8. Berlin, 27. November. Eine der segensreichsten Erfindungen ist das Telephon, denn nur durch dessen zufällige Benutzung ward dem Schreiber dieses die Wissenschaft der Anberaumung der heutigen Repräsentantensitzung. Hat sich etwa die Gemeindeverwaltung schon zu der Ansicht Brausewetters durchgerungen, daß es eine öffentliche Meinung nicht giebt, sollen nur die wenigen Synagogenbesucher, deren Blicke zufällig auf das „schwarze Brett" fallen, von dem Termin einer Sitzung erfahren?! Treffen unsere Bermuthungen nicht zu, so wäre es dringend wünschenswerth, daß der althergebrachte gute Modus der Veröffentlichung der Sitzungen in den Tageszeitungen und jüdischen Wochenblättern wieder eingeführt wird. Da, wie uns bekannt, die Einladungen zur Sitzung statutengemäß drei Tage vorher in Händen der Repräsentanten sein müssen, so dürfte sich wohl auch genügend Zeit finden, um die Anberaumung einer Sitzung in den Tagesblättern bekannt zu geben. — Nun zur Sache selbst. Die Tagesordnung der heutigen Sitzung umfaßte nur 5 Punkte und konnte binnen einer Stunde erledigt werden. Der Gemeindevorstand hat der Versammlung die Nachricht zugehen lassen, daß in die Kommission zur Berathung der an das Kultusministerium betreffs der jüdischen Lehrerinnen abzusendenden Petition die Herren DDr. Fuchs und Lilienthal delegirt worden sind. — Punkt 2, die Vorlage betreffend die Geschäftsordnung für die Repräsentanten-Bersammlung, mußte von der Tagesordnung abgesetzt werden. Das Resultat der Kommissionsberathung soll erst den einzelnen Mitgliedern zugehen, bevor die Plenarberathung angesetzt wird. — Vom Geheimen Kommerzienrath Herrn Albert Hahn ist der Gemeinde ein Legat in Höhe von 100000 Mark zum Fonds für entlassene Zöglinge des Waisenhauses überwiesen worden. Das Legat wird mit dieser Bestimmung debattelos angenommen. Ueber die Verwendung derFelixBlumenthal'schen Nachlaßmasse — wir glauben ein Betrag von 100 000 Mark, wenn uns die Akustik des Sitzungssaales, über die es schwer ist, keine Satire zu schreiben, nicht getäuscht hat — entspinnt sich eine längere Diskussion. Der Ausschuß ließ durch seinen Referenten, Herrn Geheimrath Blumen thal, als Resultat seiner Berathung verkünden, daß die ganze Summe dem Reliktenfonds für die Beamten überwiesen werden soll. Der Vorstand hat beschlossen, die eine Hälfte des Legates dem Pensionsfonds, die andere dem Reliktenfonds für die Beamten zuzuweisen. Die Gemeinde habe, so führten Justizrath Meyer und Dr. Lachmann aus, keine rechtliche Verpflichtung, ihre Beamten zu pensioniren. Es seien nur sehr Wenige, die mit dieser kontraktlichen Verpflichtung angestellt seien. Man könne auch gar nicht wissen, wie die Finanzen der Gemeinde sich in Zukunft gestalten und ob sie ausreichen würden, das Beamtenheer in gehöriger Weise zu versorgen. In der ferneren Diskussion vertheidigteu Herr Louis Sachs und Justizrath Ti kt in den Ausschußantrag, Professor Lew in den Beschluß des Gemeindevorstandes. In der Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses mit großer Majorität angenommen. — Zu Punkt 4 der Tagesordnung werden dem Verein für Arbeitsnachweis 500 Mark als außerordentliche Subvention bewilligt. Vom 1. Januar bis 31. Oktober sind 1265 Personen plazirt worden, das ist 800 Personen mehr als im Vorjahr. — Zum letzten Punkt der Tagesordnung werden 350 Mark bewilligt, zur Anschaffung eines Chanukaleuchters für die Synagoge in der Lützowstraße. LXv Berlin, 25. November. Die Repräsentantenwahlen der jüdischen Gemeinde fanden — wie bereits gemeldet — gestern statt. Die Wahlbetheiligung war nur wenig lebhafter als die von 1895. Während im Jahre 1895 von 13 040 Wahlberechtigten 4800 von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht hatten, gaben diesmal von 16695 Wahlberechtigten 6153 ihr Votum ab. Die stärkste Wahlbetheiligung war im Wahllokal Oranienburgerstraße. Dort erschienen 1574 Wähler, während 1001 in der Lindenstraße, 1218 in der Potsdamerstraße 408 in der Luckauerstraße, 618 in der Großen Frankfurterstraße, 565 in der Schönhauser Allee, 401 am Holsteiner User und 338 in der Joachimsthalerstraße die dort belegenen Wahllokale aufsuchten. — Die Wahlen fanden von 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags statt. Die Polizeihauptleute, welche die Wahlakte leiteten, versiegelten nach Zählung der Stimmzettel die letzteren und nahmen ein Protokoll über die Beendigung des Wahlaktes, sowie dessen Verlauf auf. Die versiegelten Bündel gelangten nun an den Polizeihauptmann Haccius, der im Aufträge des Polizeipräsidenten am Montag die Zählung der für die einzelnen Kandidaten abgegebenen Stimmen begonnen hat. Da die Wahl eine geheime ist, so kann bis dahin selbstverständlich über den Ausgang derselben nichts festgestellt werden. L2 Berlin, 29. November. Wie wir bereits in der letzten Nummer mitgetheilt, ist aus Anlaß der Begründung des hundertsten Vereines für jüdische Geschichte und Litteratur ein Fonds für Wanderredner von den Litteraturvereinen selbst und einzelnen Gönnern ins Leben gerufen worden, der den Namen „Karpeles-Stiftung" führen soll und der zusammen mit dem von den Erben des sel. Adolf Ginsberg für diesen Zweck gestifteten Legat bereits ca. 8000 Mark besitzt. Die Hauptsache wird jetzt sein, eine Vergrößerung dieses Fonds anzustreben, damit die Stiftung womöglich schon zum nächsten Herbst ins Leben treten kann. Aus dem gleichen Anlaß haben die Litteraturvereine und Private dem Vorsitzenden des Verbandes ein großes Sefer Thora in prächtiger Ausstattung und mit allem Zubehör, sowie eine wahrhaft künstlerisch ausgeführte Adresse gewidmet die von den Herren Kommerzienrath Julius Jsaae -und Benas Levy überreicht wurde und in der der Genugthuung über das Gedeihen der Litteratur-Bereine beredter Ausdruck verliehen wird. Alle andern Beweise von Wohlwollen glaubte jedoch der Vorsitzende des Verbandes jüd. Litteraturvereine in der Ueberzeugung ablehnen zu müssen, daß das Gedeihen des Werkes nicht sowohl seinen -Bemühungen, sondern vielmehr den gebieterischen Forderungen der Zeit und der vereinten Arbeit vieler trefflicher und für das Gemeinwohl begeisterter Männer zu danken sei. Nur auf dieser Basis wird auch in Zukunft die Arbeit der Litteraturvereine eine gedeihliche bleiben. Wo in einer Gemeinde ein solcher Verein bisher noch nicht begründet wurdeträgt in den meisten Fällen der Rabbiner oder der Lehrer oder der Gemeindevorsteher die Schuld daran; dem Zusammenwirken dieser drei Faktoren müßte es überall, in jeder deutschen Gemeinde gelingen, einen Verein zu begründen, in dem die Kenntniß unsrer Geschichte und Litteratur verbreitet wird. Möchte diese Anregung in den Kreisen, die es angeht, mit Theilnahme ausgenommen werden! 22 Berlin,29. November. Aus den Litteraturve reinen. In Tilsit sprach Rabb. Dr. Ehrlich über Abraham Iba Esra als Forscher und Dichter, Rabb. Dr. Munk aus Königsberg über Aberglaube und Glaube, in Memel Rabb. Dr. Vogelstein-Königsberg über die Juden Roms im klassischen Zeitalter Dantes, in Schivelbein Dr. Bogelstein- Stettin über Herodes und Hillel; in Birnbaum Rabb. Dr. Freund-Ostrowo über die Welt der altjüdischen Sage; in Witkowo Lehrer Munter über den ersten Kreuzzug und seine Leiden, in Eisenach Rabb. Dr. Munk- Marburg über die soziale Frage im jüd. Alterthum; in Leipzig Rabb. Dr. Freudenthal-Dessau über Glücke! von Hameln und ihre Memoiren, in Hamburg Schuldirektor Dr. Löwenberg über Gabriel Riesser; in Köln und Elberfeld Rabb. Dr. Salfeld-Mainz über eine historische Rheinfahrt von Worms nach Köln; ferner Rabb. Dr. Nobel über Nietzsche's Stellung zum Judenthum; in Frankfurt a. M. Rabb. Dr. Loewenthal-Tarnowitz über jüdischen Humor im 13. Jahrhundert; in Kitzingen Rechtsanwalt Dr. Freudenthal-Würzburg über die rechtliche Stellung der Juden im Mittelalter; in München Rabb. Dr. Ehrentreu über talmudische Hochschulen in Bayern im 17. Jahrhundert. Neue Litteraturvereine sind im Entstehen begriffen in Belgard, Bremen und Detmold.

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