Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1898)
- Date
- 1898-12-02
- Page
- Seite 572 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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572 leibliche Auferstehung denken, ist durch Harnacks Agitation gegen das Ordinationsgelöbde hinlänglich bekannt. In Holtzmann und Zöpffels Lexikon für Theologie und Kirchenwesen wird in dem Artikel „Trinität" gesagt: diese Lehre wird, „wo man sich überhaupt noch darauf verläßt, bald theosophisch, bald philosophisch zu begründen versucht". Das heißt doch sonnenklar: Es lohnt sich überhaupt nicht, den Versuch eines Ausgleiches zwischen wiflenschaftlicher Ueberzeugung und dem kirchlichen Dreieinigkeits-Glauben zu machen. Wenn man sich nun solche Freiheiten mit den Jahrhunderte alten Symbolen der Kirche erlaubt, welche Autorität läßt sich von neuen, in viertägiger Sitzung zusammengeschweißten Glaubensartikeln erwarten? Rabbi Zei'ra. Ein palästinensischer Amoräer aus dem Anfang des 4. Jahrhunderts. Von Prof. Dr. Wilhelm Bacher. (Schluß.) n den Vorbereitungen zum Sabbath betheiligte sich Zei'ca persönlich, indem er am Freitag dos Feuer für die Sabbathspeisen selbst anzündete. Wenn er am Sabbath die Weisenjünger paarweise stehen und sich unterreden sah, ging er bei ihnen umher und bat sie, den Sabbath nicht zu entweihen (sich nicht so in das Gespräch zu vertiefen, daß ihnen der Sabbath aus dem Sinn komme). — Von pädagogischer Weisheit und strenger Sittlichkeit zeugt die Lehre Z.'s, daß man einem Kinde nicht etwas zu geben verspreche, was man ihm dann nicht giebt, weil man sonst die Kinder „ans Lügen gewöhne" (Irrem. 9, 4). Auf das Gebet legte Z. ein großes Gewicht. Wer seinen Nächsten grüßt, bevor er gebetet hat, der sündigt, als hätte er einen Götzenaltar gebaut. Nach dem Gebete sprach Z. das Privatgebet: Es sei dein Wille, o Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter daß deine Lehre unser Beruf sei, daß unsere Eifersucht nicht gegen Andere, die Eifersucht Anderer nicht gegen uns rege sei; nicht möge unser Herz siech, nicht unser Auge dunkel werden. — Z. wartete im Achtzehngebete auf den Vorbeter, um mit ihm zusammen die Verbeugungen bei der Benediktion der Danksagung zu machen. Eine Zeit lang brachte er im täglichen Gebete täglich etwas Neues hinein. Als er aber merkte, daß er dadurch Jrrthümer im Gebete begehe, unterließ er die Eiuschiebungen. Ein hervorstechender Charakterzug des Gesetzeslehrers Zeita ist seine Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit im Tradiren älterer Lehrsätze. Aus mehreren der bisherigen Angaben über seinen Verkehr mit den Autoritäten Palästinas ist das Streben zu erkennen, in den Besitz sicherer Ueberlieferungen zu gelangen. Was er von Chija den Abba rühmt, galt ihm gewiß auch selbst als Richtschnur in der Aneignung und im Vortrage des überlieferten Lehrstoffes. Ein klassisches Beispiel dafür, mit welcher Treue er die ihm gewordene Auskunft festhielt und weiter überlieferte, ist im babylonischen Talmud zu lesen. Z. berichtet über eine halachische Frage, auf die er mit schwerer Mühe die Antwort Assis zu erlangen wußte; dabei berichtet er gleichzeitig, daß dieselbe Frage auf gleiche Weise von Assi selbst an Jochanan, von Jochanan an Jannai, von Jannai an Jonathan ben Amram, von diesem an Jehuda I. gerichtet wurde, und wie dann Jonathan ben Amram von Chija einen anderen Bescheid erhielt als von Jehuda I. und schließlich Jehuda I. die Richtigkeit des Bescheides Chijas anerkannte. In den palästinensischen Schulen wurde auf Z. vermöge seines treuen, gewiffenhaften Forschens nach dem Ursprünge einer vernommenen Ueberlieferung das Wort angewendet: „Den Mann der Treue, wer findet ihn" (Prov. 20, 6). In Bezug auf die tannaitische Ueberlieferung spricht Z. den maßgebend gewordenen Grundsatz aus, daß nur die Traditionssammlungen Chijas und seines Schülers Hoschaja die nicht in die' Mischna aUfgenommenen Halachasätze in korrekter Weise enthalten. Die den Babyloniern gleichsam angeborene Hochschätzung Chijas bekundete sich auch in einem Traume Z.s, der ihm die Rangverhältniffe-As Jenseits offenbarte. — Zuweilen findet sich Z. als Tradent für Aussprüche palästinensischer Autoren, die er persönlich nicht gekannt hat. Auch als Gewährsmann tannaitischer Traditionen kommt Z. vor. Sentenzen und Sprüche. Groß ist die Ehre der Menge — die Achtung vor den Menschen, das Ansehen der öffentlichen Meinung, — daß sie für eine Weile sogar ein biblisches Verbot aufhebt. — Wenn deine Nation altersschwach geworden ist, tritt auf und umzäune sie, wie Elkana that, als er durch sein Beispiel die jährlichen Festwallfahrten wieder in Schwung brachte (I. Sam. 1. 3). — Wenn die Alten Engel waren, dann sind wir Menschen; waren sie Menschen, dann sind wir Esel! — Den Wiederaufbau des ersten Tempels bewirkte die Reue; der Mangel der Reue hinderte den Wiederaufbau des zweiten Tempels. — Es giebt Familien, in denen ein Vorzug erblich ist: eine Familie von Schriftgelehrten läßt Schriftgelehrte erstehen; eine Familie von Thorajüngern Thorajünger; eine Familie von Reichen Reiche. Als man ihm Beispiele des Gegentheils einwandte, sagte Z.: Es ist nicht geschrieben: der dreifache Faden reißt niemals, sondern: reißt nicht so bald (Koh. 4, 12). — Auch die gewöhnliche Redeweise der Palästinenser ist Thora (enthält Belehrung). Wer um eine Wohlthat bittet, sagt: '2 '2p erwirb dir ein Verdienst durch mich. Der Lohn des im Lehrhause gehaltenen öffentlichen Vortrages gilt dem Hineilen zu demselben (da das Verständniß des Vortrages nicht Allen gegönnt ist). — Jochanan genügte es, seinen Lehrer Hoschaja zu sehen, auch wenn er nichts von ihm lernte; denn wer seinen Lehrer besucht, der besucht gleichsam die Herrlichkeit Gottes. — Ein gegen die Autorität der gesetzlichen Bestimmung sich auflehnender Aeltester ist nur dann schuldig, wenn sich seine gesetzwidrige Entscheidung auf etwas bezieht, was seine Wurzel in der Thora, seine Erklärung in den Worten der Schriftgelehrten hat. Als die Redeweise Z.s kennzeichnend, seien hier noch folgende Einzelheiten erwähnt. Als ihn Samuel ben Abba fragte, ob einem minderjährigen Taubstummen die Pflicht der Festwallfahrt obliege, antwortete er mit dem in Babylonien gebräuchlichen Sprichworte: „Der Einheimische unten auf der Erde, der Fremdling im obersten Himmel!" Nachdem dem großjährigen Taubstummen jene Pflicht nicht obliegt, um so weniger dem Minderjährigen. Als derselbe Samuel ben Abba eine halachische Frage aufwarf, sagte Z.: „Wer mir darauf Bescheid giebt, dem gebe ich Würzwein zu trinken." Als von zwei Seiten Bescheid kam, sprach Z. mit scherzhafter Betrübniß: „Fort ist der Würzwein". In Bezug auf Kontroversen der Schulen Schammais und Hillels sagt Z.: „Fürchtete ich nicht, meinen Kopf zwischen die kämpfenden Löwen zu bringen, so würde ich eine Ansicht sagen." Exegetisches und Homiletisches. Gen. 1, 31. In NiNI 212 ist das Paradies und die Hölle angedeutet (beide gehören zur Vollkommenheit der Weltordnung). Ist denn aber die Hölle „sehr gut"? Ein Gleichniß erkläre es: Ein König hatte einen Garten, in den er Arbeiter brachte, und an dessen Thüre er eine Schatzkammer baute. Wer sich — so sprach der König — in der Arbeit des Gartens als tüchtig erweist, der darf in die Schatzkammer hineinkommen; wer sich nicht als tüchtig erweist, der wird nicht hinein-