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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-02 · Heft 48 (2.12.1898) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 48 (2.12.1898)
Date
1898-12-02
Page
Seite 570 (sequence 6)
Language
German
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WWWW m m >70 In der zu erfolgenden Bestätigung wäre ein Zurückkommen von diesem Prinzip zu erblicken, doch wäre eine solche Wahrnehmung nur dann begründet, wenn die Bestätigung die Form einer Vokation hat oder offen ausfpricht, daß der Angestellte als Oberrabbiner der Mitglieder einer Konfession vom Staate anerkannt und ihm die Leitung ihrer geistlichen Angelegenheiten anvertraut sei. Nur so wäre der Anfang zu dem Werke des Rechts und der Billigkeit, der Anerkennung der jüdischen Konfession gethan. Würden keine Aussichten zu einer solchen Anerkennung vorliegen, würde die Wahl nur als ein Vertrag zwischen zwei Parteien angesehen und die Bestätigung sich nur auf die Giltigkeit des Vertrages beziehen, so müßte ich auch hier meiner Ueberzeugung folgen und im Interesse der Konfession selbst die Stelle zu Berlin als unannehmbar erklären. Ich trete nun aber noch mit einer Ansicht hervor, die Ew. Exzellenz meine Gesinnung offenbaren möge. Es erfreut die Synagoge in Preußen sich nicht nur keiner Aufmunterung, sie wird nicht nur vom Staate ignorirt, und läßt man sie ihrem Verfall entgegengehen, sondern es wird auch dahin gewirkt, ihre Glieder von ihr loszureißen und sie mit Zerstörung der heiligsten Bande zum Christenthum hinüber zu ziehen; das Judenmissionswesen ist in Preußen am ausgebreitetsten und verzweigtesten. Auch hier habe ich eine Ueberzeugung, von der ich nie abgehen werde; ich erblicke in diesen Missionen eine Herabwürdigung des Glaubens, für den angeworben, und einen unverantwortlichen Eingriff in den Glauben, von dem abtrünnig gemacht werden soll. Es spiegelt sich in diesen Verführungen das Bild der moralischen Folter ab; es wird durch sie Unfriede und Unheil in den Schooß der Familien ausgestreut und die Gewissensruhe untergraben; und da man eine Reziprozität nicht zugesteht (und die Synagoge würde auch hiervon keinen Gebrauch machen, würde Bekehrungen solcher Art mit dem tiefsten Unwillen zurückweisen), so gilt dies System nur der gedrückten und verachteten Synagoge. Auch diese Schmach muß abgethan werden, wenigstens muß dem angegriffenen Theile die Abwehr freistehen; und ich werde es zu meiner Lebensaufgabe machen, das Gewebe des Truges und der Verführung (denn welchen Händen ist oft das Misstonswesen anvertraut!) zu enthüllen, die Künste der Lüge und der Täuschung und der Vorspiegelung, deren man sich bedient, aufzudecken, das schändliche von Missionaren und Proselyten mit dem Heiligsten getriebene Spiel in seiner eigentlichen Gestalt darzustellen und auf das minder Verdienstliche der Beförderung solcher Kriegserklärung gegen die Synagoge aufmerksam zu machen. Der Wahrheit soll ihr Recht werden, und sie soll bekunden, wie unvereinbar jene Bekehrungsversuche mit dem eigentlichen Wesen der Religion seien; ich werde aber auch nicht ermüden, von der Kanzel und in anderen Vorträgen, in öffentlichen und Privatunterredungen meine Gemeinde zu warnen, zu belehren, zu ermahnen, wie sie vor der ihre Ruhe bedrohenden Bekehrungssucht sich hüte. Denn bin ich auch weit davon entfernt, Frömmlinge zu bilden, ist mir jede pietistisch-mystische Richtung im Judenthum verhaßt, so erkenne ich nicht minder, was ich dem von mir vertretenen Glauben schuldig bin; zu seiner Vertheidigung, zu seiner Aufrechthaltung gegen äußere Eingriffe muß mir jedes rechtliche Mittel, muß mir vorzüglich die Belehrung, das Wort in seiner Ausdehnung zu Gebote stehen. Ich habe nun Ew. Exzellenz meine Ansichten ganz offen dargelegt. Sie haben sich in mir zur Ueberzeugung gestaltet; ich werde von ihnen nie zurücktreten. Können Ew. Exzellenz sie nicht billigen, so wird mir das Bewußtsein Zurückbleiben, mich als redlicher Mann nach meinem ganzen Wesen gegeben und jedem später nur schwer auszugleichenden Mißverständnisse vorgebeugt zu haben. Lassen aber Hochderoselben die Bestätigung erfolgen, so ist mir dieses eine ermunternde Wahrnehmung, daß meine Ansichten gut geheißen und auch von Seiten der hohen Staatsregierung als Norm angesehen werden, nach der ich meine Stelle antreten und in ihr wirken soll. - Ich habe die Ehre, mit tiefster Hochachtung und Verehrung zu zeichnen Dresden, den 6. Februar 1843." Dr. Z. Frankel, Oberrabbiner. Das amerikanische Israel. Dargestellt an der Hand von Berichten über die Rabbiner- Aonferenz in Atlantic City. Von Professor Dr. G. Deutsch in Cincinnati, O. 3. Die Dogmenfrage. Sskie Versammlung begann statutengemäß am fünften (dem ersten Dienstag des Monats) Juli in der einfachen, aber hübschen Synagoge in Atlantic City. Sonst pflegt ein lokaler Repräsentant die Versammlung zu begrüßen. Im vorigen Jahre in Montreal geschah das durch ordensgeschmückte hohe Regierungsbeamte. In diesem Jahre machte Dr. Berkowitz als Rabbiner der nächstgelegenen Gemeinde die Honneurs, und ihm erwiederte der zweite Vizepräsident Dr. Silverman vom Tempel Emanuel in New- Aork Namens der Konferenz. Man sieht an diesem Beispiel, wie religiöse Riten entstehen. Einmal Gewohnheit geworden, müssen sie, wenn auch nicht strikt durchführbar, mindestens symbolisch angedeutei werden. Der Wüstenaraber trägt wohl zum Schutze gegen die versengenden Sonnenstrahlen ein großes Tuch, in welches er Kopf und Oberkörper einhüllt, und an dessen Enden er geheimnißvoll geknüpfte Schnüre als Talisman befestigt. Veränderte religiöse Anschauungen geben dem Talisman eine andere Bedeutung; veränderte Trachten räumen mit dem Oberkleide auf, und so wird es ein religiöses Gebrauchsstück, beschränkt auf besonders feierliche Anlässe, wo es in der Art des Wüstenarabers angelegt wird. Eine solche zum Ritus gewordene Tradition ist die Jahresbotschaft des Präsidenten, die übrigens im politischen sowie im Vereinsleben Amerikas allgemein Sitte ist. Der amerikanische Präsident regiert nicht, er hat blos die Beschlüsse der Legislatur durchznführen, er legt daher keine Gesetzentwürfe vor, sondern berichtet blos über seine Thätigkeit als oberstes Organ der Exekutive und beschränkt sich darauf, Empfehlungen zu machen, die auf seinen Erfahrungen basiren- Die diesjährige Botschaft des Präsidenten Dr. Jsaac M. Wise, welche den Sabbathgruß: „Euer Kommen sei zum Frieden, Boten des Friedens, Boten des Höchsten" zum Texte nahm, hatte nur zwei untergeordnete Punkte zu empfehlen: die Schaffung eines Katechismus und die Erweckung regeren Interesses an der jüdischen Litteratm. Im Uebrigen konstatirt die Botschaft die Friedensmission der Versammlung. Die Zeit des Kampfes ist vorüber. Die Reform ist in ihren wesentlichen Zielen eine allgemein adoptirte Anschauung geworden Dasselbe kehrt in Dr. K. Köhlers Festpredigt, gehalten am Freitag Abend in der Synagoge, wieder. Die Reform ist in ihren wesentlichen negativen Zielen eine vollendete Thatsache. Man erhitzt sich nid;! mehr über Fragen des Ritus. Selbst in den Kreisen russischer Einwanderer ist das Abnehnien der Kopfbedeckung bei gottesdienstliche '. Handlungen sehr häufig. Mir ist ein Fall vorgekommen, wo eine russische Familie, die in einem Dorfe, etwa zwanzig Meilen von den nächsten jüdischen Gemeinde entfernt, lebt und unter sehr große;: Opfern einen koscheren Haushalt führt, bei der Trauung einer Tochte sich zum unbedeckten Haupte reformirte. Eine in Amerika geboren und erzogene Dame, die bei ihrer Verheirathung die Nonnenhaud oder die Perrücke adoptirt, giebt es wohl nicht. Mir ist ein solcher Fall noch nicht vorgekommen, wenigstens auch in solchen Familien nicht, welche das Benutzen einer Straßenbahn am Sabbath für Sünde halten. Und diese Familien sind schon hier zu Lande hyperorthodox. Ich kenne russische Juden in New-Aork, die Sabbath- und Feiertage in ihrem Geschäft streng beobachten, die Speisegesetze nicht W N! L € st w g hl bi g 2 z> lk n v zl u h <3

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