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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-25 · Heft 47 (25.11.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Mühl ist dem Lehrer Moses in Kolmar die zweite Stelle an der jüdischen Schule daselbst übertragen worden. Die Verwaltung der Stelle in Kolmar hat Herr Lehrer Salomon aus Kro ne a. Br. übernommen. — Nach dem Jahresbericht des israelitischen Litteraturvereins in R ogasen hatte derselbe im letzten Bereinsjahr eine Einnahme' von 127 Mark und eine Ausgabe von 75,53 Mark. Bon dem Bestände wurde ein Theil zur Erweiterung der Bibliothek bestimmt. — Die Strafkammer zu Posen verurtheilte neulich den Bäckergesellen Salomon Kronthal wegen Vergehens gegen die Religion zu einem Monat Gefängniß. Kronthal war am 13. Juli er. bei seinem Eintritt in die Synagoge von einem inzwischen verstorbenen Glaubensgenossen beschimpft worden und hatte diesen laut wieder geschmäht, wodurch die Andacht der anderen Personen gestört wurde. — In den Synagogen zu Allenstein und Osterode sind kürzlich Einbrüche verübt worden. Die Diebe erbrachen die Opferkästen, fanden aber darin nichts. — Zur Vorsitzenden des israelitischen Frauenvereins in Myslowitz ist Frau Kaufmann Kuhn daselbst gewählt worden. — Lehrer Wolf in Wreschen ist jetzt zum zwölften Male als Vorstandsmitglied des dort bestehenden Lehrer- und Pestalozzivereins gewählt worden. — Frau Oekonomierath Goldstein in Ostrowo hat aus Gesundheitsrücksichten das Amt einer Borstandsdame im Vaterländischen Frauenverein daselbst niedergelegt. — Synagogenvorsteher Gustav Kauf in Samter ist zum Stadtverordneten neugewählt worden. — In Ostrowo ist, da die Rabbinerstelle unbesetzt ist, amtlicherseits Hauptlehrer Hayen mit der Vereidigung der Rekruten dortiger Garnison beauftragt worden. — In Polzin ist Kaufmann A. Goldstein zum Stadtverordneten gewählt worden. §2 Görlitz, 16. November. Vor einigen Tagen verstarb hier, wie wir bereits gemeldet, der in der Finanzwelt bekannte Großindustrielle, Bergwerks- und Fabrikbesitzer Kommerzienrath Emil Meyer. Er hat sich besonders um die Entwickelung des Ortes Weißwasser, O.-L., verdient gemacht. Ihm hat es Weißwasser zu verdanken, daß es sich im Zeitraum von nur 18 Jahren um über 3700 Einwohner vermehrt hat; denn als der Verstorbene im Jahre 1880 dort ein Braunkohlenwerk gründete, hatte Weißwafser knapp 300 Einwohner, heute hat es über 1000. Mit weitsehendem Blick erkannte er, daß die Bedeutung von Weißwasser vermöge der dort befindlichen, eine reiche Ausbeute liefernden Ouarzsand- und Kohlenlager und seiner günstigen Bahnverbindung in dev Entwickelung seiner heute berühmt gewordenen Glasindustrie liegt. Vier der bedeutendsten Glashütten sind auf seinen Antrieb und mit seiner Unterstützung entstanden Der Verstorbene war auch ein gediegener Kenner des jüdischen Schriftthums und in seinem früheren Wohnort Cöthen Vorsitzender des dortigen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur und 25 Jahre lang Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Ehre seinem Andenken. — Bei der am 10. d. Mts., dem Geburtstage Luthers, in Görlitz erfolgten Grundsteinlegung zur Lutherkirche eröffnete der dortige Oberbürgermeister Büchtemann die Reihe der die Hammerschläge begleitenden Ansprachen mit den Worten: „Als Vertreter des Patronats und als Vertreter der Bürgerschaft folgenden Spruch: Der hohe Dom, der sich über diesem Grundstein erheben wird, sei eine Stätte der Erbauung und Aufrichtung für jeden evangelischen Christen. Er fei eine Stätte der Vereinigung von Religion und Wissenschaft zum Segen der evangelischen Lehre und sei eine Stätte des Friedens, von der die Duldsamkeit gegen Andersgläubige ausgehen möge zum Segen der Stadt". r. Hannover, 9. November. Die am 5. U Mts. stattgefundene silberne Hochzeit des Herrn Landrabbiner Dr. Gronewann gestaltete sich zu einer schönen Kundgebung für den werthgeschätzten Seelsorger. In der Synagoge und im Hause wurden ihm reiche Ehrungen zu Theil. Gemeindebehörden und einzelne Vereine wetteiferten, ihm ihre Liebe und Achtung zu. bezeugen, so daß es unmöglich ist, hier der kostbaren Geschenke und schönen Adressen gebührend Erwähnung zu thun. Wir hegen den aufrichtigen Wunsch, daß dem verehrten Herrn Landrabbiner an der Seite seiner liebenswürdigen Gattin beschieden sein möge, auch das goldene Ehejubiläum in derselben Körper- und Geistesfrische, von der Liebe seiner Gemeindemitglieder getragen, zu begehen.— Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir es als einen sinnigen Gedanken bezeichnen, daß Herr Dr. Gronemann anläßlich seiner silbernen Hochzeit „Familienblätter" zur Erinnerung an seinen verewigten Vater Raphael I. Karger im Namen der Familie herausgegeben hat, Frankfurt a. M., A. I. Hofmann, die u. a. die auch für weitere Kreise sehr interessante Genealogie des durch seine philanthropischen Bestrebungen wohlbekannten, im vorigen Jahre zur ewigen Ruhe Heimgegangenen R. Karger in Grätz aufweisen. A Köln, 19. November. Der Architekten- und Jngenieurverein für Niederrhein und Westfalen besichtigte vor einigen Tagen die in der Fertigstellung begriffene neue Synagoge am Königsplatz. Eine große Anzahl der Mitglieder mit ihren Damen war der Einladung gefolgt. Zuerst wurde die Synagoge unter Führung der Architekten Schreiterer und Below, der Schöpfer des Baues, und des bauleitenden Architekten Schütz besichtigt. Das im romanischen Stil ausgeführte monumentale Gebäude ist bei 50 Meter Breite und Tiefe als Centralanlage mit mächtiger Vierung und Kuppelbau ausgeführt. Die in romanischen Formen gehaltene Fassade wirkt durch die geschickte Gruppirung der Vorbauten, Vorhalle, Thürme und den Kuppelbau sowie durch die gewählten echten Baumaterialien und die originelle Deckung höchst künstlerisch. Im Innern des mächtigen Raumes ist entgegen sonstigen Ausführungen das Anbringen von Architekturgliedern vermieden worden, an deren Stelle eine herrliche Ausmalung getreten ist, für welche die mächtigen Gewölbe, Gurtbogen, Wandflächen und die Kuppel den weitesten Spielraum boten. Sie ist nach Entwürfen und unter Leitung des Professors Schaper-Hannover in Kaseinfarben auf rauhem Putz hergestellt. Die eigenartige Ornamentik, in die Formen frühchristlicher Kunst übergehend, verbunden mit einer ziemlich stumpfen, durch Gold belebten Farbenstellung, übt eine geradezu großartige Wirkung aus. Die Kosten des ganzen Bauwerkes sollen einschließlich Einrichtung nur 480000 Mark betragen. Das Bauwerk wird kommenden Jahres dem Kultus übergeben werden können und wird stets eine Sehenswürdigkeit Kölns bilden. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 20. November. Auch bei uns ist jetzt so etwas wie eine Wahlagitation. Aber es handelt sich da nicht um religiöse Gegensätze, sondern vielmehr um Personenfragen. Der Bericht des Vorstandes über - 'die abgelaufene Amtsperiode ist in diesen Tagen erschienen. Der wichtigste Posten in dem Budget ist der für den Religionsunterricht. An Kosten für den Religionsunterricht wurden aufgewendet im Jahre 1897 rund 71 000 Gulden und im laufenden Jahre bis zum 1. September 66 000 Gulden. Der Vorstand begnügte sich nicht mit der Inspektion des Religionsunterrichtes durch drei Religionsschulinspektoren, sondern übte durch den Besuch von Schulen durch einzelne Vorstandsmitglieder eine Art Super-Inspektion. Zur Besprechung der wichtigsten Fragen des Religionsunterrichtes werden Lehrerkonferenzen abgehalten. — Im Gemeinderath haben Dr. Vogler und Genossen den Bürgermeister in Angelegenheit der Beamten-Avancements interpellirt; es heißt in der Interpellation unter anderem, „daß der Stadtrath sich an diese für ihn maßgebende Norm (§ 46 Gemeindestatut) bei den vorgenommenen Besetzungen nicht gehalten hat, da in mehreren Fällen vorzügliche Beamte präterirt und minder gut qualifizirte Beamte mit geringerer Dienstzeit ernannt worden sind. Ganz außerordentlich bedenklich erscheint es aber insbesondere, daß es nach den bisherigen Besetzungen den Anschein gewinnt, daß der Stadtrath bei diesen Besetzungen das konfessionelle Moment mit in Betracht gezogen hat, indem er Beamte jüdischer Konfession trotz vorzüglicher Befähigung und Verwendung offenbar blos deshalb übergangen hat, weil sie Juden sind. Da durch einen derartigen Vorgang die Dienstpragmatik zweifellos verletzt wird, da weiter die bereits definitiv angestellten Beamten ein Recht (jus quaesitum) auf normale Beförderung ohne Rücksicht auf ihre Konfession sicherlich besitzen, da es weiter höchst unbillig wäre, lang gedienten Beamten und Familienvätern ihre Beamtenkarriere deshalb abzuschneiden, weil sie Juden sind, so halten sich die Gefertigten verpflichtet, diese Angelegenheit im Gemeinderath zur Sprache zu bringen, umsomehr, als verlautet, daß die Frage, ob bei den im Zuge befindlichen Besetzungen „Juden" ernannt werden sollen, dem „Bürgerklub" zur prinzipiellen Entscheidung vorgelegt worden sein soll. Nachdem der Herr Bürgermeister nicht blos das Vollzugsorgan des Stadtrathes, sondern auch für dessen Beschlüsse dem Gemeinderath gegenüber verantwortlich ist, stellen die Gefertigten an den Herrn Bürgermeister die Anfrage: „Ist der Herr Bürgermeister geneigt, den Herrn Referenten des Stadtrathes über die Beamtenernennungen sowie die' übrigen Mitglieder des Stadt-

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