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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-25 · Heft 47 (25.11.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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62. Zcchrgang. Ar. 47. Berlin« 25.November 1898. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. £2 Berlin, 23. November. Wenn diese Zeilen in die Hände unserer Leser gelangen, sind die Repräsentantenwahlen bereits abgeschlossen. Die Verkündigung des Wahlresultates wird diesmal hoffentlich nicht so lange auf sich warten lassen wie in früheren Jahren. Bekanntlich hat auch das königliche Polizeipräsidium bei der Bestätigung der neuen Gemeindestatuten eine raschere Feststellung des Wahlresultats verlangt. In den letzten Tagen vor den Wahlen hat auch urplötzlich ein „Komitee zur Einführung des mit Predigt verbundenen Sonntagsgottesdienstes unter Beibehaltung der bisherigen Sonnabendfeier" eine eigene Liste ausgestellt, in der außer mehreren Kandidaten des liberalen Wahlvereins noch die folgenden Herren ausgestellt worden find: Gustav Levinstein, Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Aron, Geheimer Sanitätsrath Dr. Michael Wollner, Stadtverordneter L. Kalisch, Franz Teichmann, Dr. Martin Mendelssohn, Rechtsanwalt Dr. Eugen Böhm. Wir können die Motive, die zur Aufstellung einer zweiten liberalen Wählerliste führten, nicht billigen, weil zu einer solchen keine sachliche Veranlassung Vorgelegen hat. Der Vollständigkeit wegen theilen wir auch die Kandidatenliste des „Centralvereins", also die konservative, hier mit. Es waren aufgestellt die Herren: Sanitätsrath Dr. Moritz Jastrowitz, Leonhard Sachs, Bankdirektor Isidor Sachs, Julius Bodenstein, Moritz Manheimer, Louis Sachs, Jacob Weinberg, Rechtsanwalt Ignaz Holz, Professor Dr. Leopold Landau, Dr. med.- Julius Stern, Oskar Berlin, Max Salinger, Siegmund Berge!, Max Weiß, Julius Oliven, Isidor Gutmann, Leopold Benjamin, Gerson Simon, Berthold Israel, Wilhelm Caspari, Sally Leszynski. L2 Berlin, 25. November. Wie wir hören, hat die Rabbinerwahlkommission, die bekanntlich jetzt nur aus Mitgliedern der sogenannten konservativen Partei besteht, Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Königshütte gewählt. Es ist nicht zu bezweifeln, daß diese Wahl von den Gemeindebehörden bestätigt werden wird. Hoffentlich ist damit das unwürdige Schauspiel der Probepredigten abgeschlossen. Es wird jetzt nun — den konservativen Versprechungen gemäß — an die Wahl eines sechsten Rabbiners gedacht werden müssen, der der liberalen Richtung angehört. QA> Berlin, 20. November. Anläßlich der Begründung des hundertsten „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" ist eine Stiftung als Fonds für Wanderredner ins Leben gerufen worden, für die von Privaten und Vereinen ansehnliche Beiträge gespendet wurden, und die mit einer früheren Schenkung zusammen bereits den Betrag von ca. 8000 Mark erreicht hat. Da außerdem noch namhafte Spenden für diesen Zweck in Aussicht stehen, so ist zu hoffen, daß die Stiftung, die den Zweck haben soll, Wanderredner in die armen und kleinen Gemeinden zu schicken, vielleicht schon im nächsten Herbst ins Leben treten kann. F. Berlin, 18. November. In der am 12. d. Mts. stattgehabten Monatsfitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" machte der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, zunächst Mittheilung von dem Eingang mehrerer Drucksachen, die er der Beachtung der Versammlung empfahl. Bon diesen verdienen besonders hervorgehoben zu werden: Spanier und Flanter, Wegweiser für den jüdischen Religionsunterricht, ein nützliches und zeitgemäßes Unternehmen, und Tachau: Die prophetischen Bücher der Heiligen Schrift, ein Buch, dessen eingehende Besprechung Herr Kollege Dr. Joel für die Februarsitzung übernommen hat. — Nach Erledigung des geschäftlichen Theils trat die Versammlung in eine Besprechung der Verfügung ein, durch welche jüdischen Lehrerinnen an hiesigen Gemeindefchulen neuerdings das Ordinariat entzogen worden ist. Der Vorsitzende legte in einem ausführlichen Referat die Stellung der jüdischen Lehrkräfte an den Berliner Gemeindeschulen dar. Durch den Erlaß des Herrn Kultusministers Dr. Falk vom Jahre 1875 sei die Anstellung jüdischer Lehrpersonen an solchen Anstalten, wo die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes geboten sei, als ordentlicher Lehrer zugelaffen und bis zum Jahre 1894 auch anstandslos die Bokationsurkunde für. solche Lehrpersonen ausgestellt worden. Dann sei, offenbar durch die Neubesetzung des Dezernats, über die Berliner Gemeindeschulen im Provinzial-Schulkollegium die Stimmung umgeschlagen. Der Anstellung jüdischer Lehrpersonen seien große Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden, und wenn auch der Herr Kultusminister Dr. Bosse versichert habe, daß er den jüdischen Lehrpersonen dasselbe Wohlwollen entgegenbringe wie den nichtjüdischen, so seien doch derartige Beschränkungen in der Lehrthätigkeit der jüdischen Lehrkräfte eingeführt, daß die Gesammtheit der jüdischen Lehrer aufs Schmerzlichste berührt werde. — In der an das Referat sich anschließenden Diskussion gab ein Lehrer diesem Schmerz unverhohlenen Ausdruck und konstatirte, an welchen Stellen sich ein bedauernswerther Mangel an Wohlwollen den jüdischen Lehrkräften gegenüber gezeigt habe. — Der als Gast anwesende Herr Redakteur Klausner suchte den Nachweis zu führen, daß die Schuld an der unglücklichen Lage der Lehrer, die auch er aufs Lebhafteste bedauere, weder am Minister, noch am Provinzial-Schulkollegium, sondern allein an der städtischen Schuldeputation liege, die nicht zur rechten Zeit die geeigneten Maßregeln ergriffen habe, um die Rechte der jüdischen Lehrkräfte zu schützen. Diese Ausführungen wurden von der Versammlung theilweise mit Widerspruch ausgenommen. — Schließlich einigte sich die Versammlung dahin, dem Vorstand und dem Repräsentantenkollegium der hiesigen jüdischen Gemeinde folgende Resolution zur Kenntnißnahme zu übermitteln: „Die wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin giebt ihrem tiefen Schmerz über die Zurücksetzung Ausdruck, welche die von den letzten Maßregeln betroffenen jüdischen Lehrerinnen erfahren haben, und steht hierin ein gegen den ganzen jüdischen Lehrerstand gerichtetes, unverdientes Mißtrauen." £2 Berlin, 22. November. Herr Professor Emil Breslaur wird auf vielseitiges Verlangen seinen Vortrag: „Sind originale Synagogen- und Volks-Melodien bei den Juden geschichtlich nachweisbar?" erläutert durch Solo- und Chorgesangsvorträge, am Sonntag den 27. November, Mittags 12 Uhr, im Saal der königlichen Hochschule für Musik, Potsdamerstraße 120, wiederholen. Billets ü 1 Mark sind in den Musikalienhandlungen von Schlesinger, Jranzöstschestraße 23, und Raabe & Plothow, Potsdamerstraße 21, in den Buchhandlungen von Bär, Friedrichstraße 131 c, und Alb. Katz, Rosenstraße 12, zu haben. Der Ertrag ist zu einem wohlthätigen Zweck bestimmt. £2 Berlin, 20. November. Das Berzeichniß der wahlfähigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde, das kurz vor den Wahlen erschienen, ist wieder zu einem stattlichen Bande angewachsen, der diesmal in etwas handlicherem Format als früher, leider nur durch viele Druckfehler entstellt, ausgegeben worden ist. Wir entnehmen diesem Bericht manche interessanten Daten, die sich auf die soziale Stellung der Juden in Berlin beziehen. Was zunächst die Gelehrtenberufe anbelangt, so befinden sich unter den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde 716 Aerzte und 362 Rechtsanwälte (nur der schamloseste Antisemit dürfte es wagen, diese Zahl erzwungener Berufe gegen die Juden auszubeuten). Unter den Aerzten befinden sich vier Geheime Medizinalräthe, vierzehn Geheime Sanitätsräthe und 61 Sanitätsräthe. Unter den Rechtsanwälten 21 Justizräthe. Dem juristischen Beruf gehören noch an zwanzig Amts- und Landgerichtsräthe, fünf Amtsrichter, ein Staatsanwaltssekretär, ein Amtsgerichtssekretär, ein Landgerichtssekretär. Die Liste zählt ferner auf 45 Professoren, darunter zwei Geheime Regierungsräthe und fünfzehn Privatdozenten,26 Ober-und Gymnasiallehrer,46 Lehrer, 17 Rabbiner, 43 Rektoren, 15 Journalisten (das ist die verjudete Berliner Presse), 63 Schriftsteller, 3 Komponisten, 13 Musiker, 10 Musik-

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