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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-25 · Heft 47 (25.11.1898) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
Seite 564 (sequence 12)
Language
German
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lauern. Sie mögen gen Jerusalem heranziehen und sich mit uns verständigen. Es kann jeder Tag den Kampf um Salomos Thron gebären." H ' Der Aegypter blickte den Propheten fragend an. Dieser stand eine lange Pause mit gesenktem Haupt da. „Sei es also," sagte er endlich langsam. „Rasches Schlagen kann plötzliches Mißgeschick gut machen. Und bis Jene nahen, welchen die unerforschliche Weisheit Jehovahs diesen Kampf aufgetragen, werden unsere Pläne reifen. In so kurzer Zeit kann Reson nichts Gefährliches unternehmen. Sei es also! Ich will alles besorgen, während Sethron die Hütte der Edomiterin belauert. Und Israels künftiger Herrscher verberge unterdessen sein königliches Angesicht in der rauhen Grotte Ahijas." Jerobeam nickte, und die beiden Anderen entfernten sich. (Fortsetzung folgt.) Aas Gehrirnniß. Historische Erzählung von 21. Stern. VII. ir sind zur Stelle," sagte der Rottenmeister und blieb vor einem großen, geräumigen Hause stehen. „So weit nur habe ich Befehl, Euch zu geleiten. Tretet ein. Ihr habt jetzt nichts mehr zu befürchten und werdet drinnen mit Sehnsucht erwartet." Er beurlaubte sich ehrerbietig, und unser Kleebatt trat durch die mit vielem Schnitzwerk verzierte Thür auf die große geräumige Hausflur. Hier empfing sie ein bejahrter Diener des Hauses und geleitete sie nach den oberen Zimmern, wo er sie zu verweilen bat, bis er sie dem Herrn gemeldet. Jbn Wakar setzte sich ermüdet auf einen Sessel, und Marie blieb neben ihm stehe», während Wilibald aus jugendlicher Neugier das Hausgeräth besah. Auf einem Tisch fand er ein aufgeschlagenes Buch liegen und entdeckte, als er es näher beschaute, daß es eine Faustische Bibel sei. „Wie lob' ich mir diese Erfindung!" rief er, „die. ein festes Band, bald alle kultivirten Völker vereinen wird. Sollte man doch glauben, ein stumpfer Mönch habe in seiner Zelle Jahrhunderte lang daran geschnörkelt, so nett und sauber ist jedes Blatt!" Die Bibel noch genauer betrachtend, fand er auf dem Titelblatt folgende Worte mit schönen Zügen geschrieben: J. F. amico cerissimo W. W.i), „Also ein Geschenk des erfindungsreichen Faust selber," fuhr er fort, „ich möchte ihn kennen, diesen Mann, der, kühn dem Neid und Haß der Pfaffen trotzend, nicht Betrug auf Betrug baute, sondern das Werk seines Fleißes gab für das, was es war!" „Ich Hab' ihn gekannt und geliebt," sagte Jbn Wakar aufstehend, „das ist er!" Mit diesen Worten führte er ihn zu einem an der Wand hängenden Gemälde, das einen Mann vorstellte, der mit ernstem Blick nachsinnend vor einem aufgeschlagenen Buch stand. „Wie bekannt sind mir diese Züge!" rief Marie, „sie steigen wie ein Traum, dessen wir uns nur halb erinnern, vor mir auf und führen mich lockend in eine schöne Zeit hinüber." „Du hast ihn wohl gekannt und geliebt!" erwiederte Jbn Wakar. Sie sah ihn erstaunt an. „Forsche nicht," fuhr er fort, „alle Räthsel haben ihre Auflösung, denn nur die Erde hat welche; der Himmel nicht und die Liebe auch nicht!" *) I F. (Johannes Faust) seinem liebsten Freunde W. W. „Das ist gewiß!" sagte Wilibald treuherzig und drückte Marien fest an sich, ließ sie aber schnell wieder fahren, als sich eine Seitenthür des Gemaches öffnete, durch die ein ehrwürdiger Greis eintrat. ( Er war reich in Pelzwerk gekleidet; sein Antlitz zeigte Spuren wahrer Zufriedenheit, wie sein Anzug Spuren wahren Wohlstandes zeigte. Eine goldene Kette, gleichfalls mit dem Bilde Karls des Vierten geschmückt, die der, welche Marie trug, auf ein Haar glich, hing um seinen Hals. „Seid willkommen, Ihr Pilger!" sagte er. „Ihr fandet Werner am Leben, doch ist er einer der Letzten der dreimal Zehn." Wilibald und Marie sahen sich betroffen an und wußten nicht, was sie erwiedern sollten, denn Werners Worte waren ihnen durchaus | unverständlich. Das war nicht der Fall bei Jbn Wakar, der das , Wort nahm. r „Sei gegrüßt, Du Stütze der dreimal Zehn; ich bringe Besitz i und Aussaat. Hier ist Besitz," sagte er, indem er auf Marie zeigte; ' „hier Aussaat," auf Wilibald deutend; „aber gesprochenes Wort gilt ' nur Einem!" j „So komm'," erwiederte der Siebenherr, „damit es beginne, fest , zu stehen!" < Jbn Wakar folgte ihm in ein Seitengemach. Ehe er ging, sagte Werner zu dem zurückbleibenden Paare: „Während wir geistig für Euch sorgen, soll auch Leibessorge getragen werden für Euch; darum; genießt und seid guten Muthes, denn Ihr nahet dem Ziel!" ' Sie verschwanden durch die Seitenthür. Wilibald sah ihnen erstaunt, Marie gleichgiltig nach. < „Es scheint, als würde hier Spielwerk mit mir getrieben, und das gefällt mir nicht!" rief er unwillig. „Deinetwegen, Marie, begleitete ich Euch, aber Jbn Wakar thut, als wäre ich nur für ihn da, und für eine Aussaat bin ich doch schon zu sehr in die Höhe geschossen." „Sei doch nicht wunderlich!" entgegnete Marie, „so lange ich denken kann, sorgt er wie ein Vater, ich möchte sagen, wie ein Gott für mich, wenn das nicht Sünde wäre, und nun willst Du an ihm zweifeln? Wenn uns ihre Rede auch unverständlich scheint, daß sie es gut meine», ist gewiß." Wilibald war leicht besänftigt, denn mit diesen Worten hatte Marie das erste trauliche „Du" ausgesprochen, und das machte ihn alles um sich her vergessen. Ein reich gekleideter Diener trat ein und setzte Speisen und Wein auf den Tisch. Als er hinausgegangen, rief Marie: „Eben Recht, ich bin hungrig und durstig! Komm', mein Bär," sagte sie neckend zu Wilibald, „komm' und iß. mit einem gefüllten Magen erträgt man besser die Leiden der Zeit. Wir wollen einmal recht auf Studentenmanier tafeln. 6suckeumu8 heißt ja Dein Lieblingslied." Schon während des Smollistrinkens waren Werner und Jbn Wakar, von den Beiden unbemerkt, eingetreten. „Das gefällt mir!" sagte der alte Siebenherr^ „ich bin selbst ei» flotter Bursch gewesen und hätte, als ich noch in Ingolstadt studirte, Jedem das Glas an den Kopf geworfen, der mir ein Swollis abgeschlagen hätte." „Wir gehen nicht nach Spanien, sondern nach Mainz," sagte Jbn Wakar. Aber zum Aufbruch! Die Stunden schwinden! Das Warum sollt Ihr zu seiner Zeit erfahren!" Unter herzlichen Umarmungen beurlaubten sie sich von Werner Wyttenbach, der sie durch die Hellebardiere sicher nach der Herberge zurückgeleiten ließ, und brachen am folgenden Morgen nach Mainz auf. (Schluß folgt.) Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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