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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-25 · Heft 47 (25.11.1898) · p. Seite 562

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
Seite 562 (sequence 10)
Language
German
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!..|P WSW«VWWWW»8M!»»W«WSW «NMWWW 562 achthundert englische Meilen davon entfernt, müssen 22 Stunden mit dem Schnellzug fahren und für das ermäßigte Billet die Summe von dreißig Dollars, gleich 120 Mark, bezahlen. Man rechne dazu den subtropischen amerikanischen Sommer, den ich dadurch illustriren kann, daß in dem Eisenbahnwagen, in welchem ich reiste, eine Temperatur von 101° I?. herrschte, also eine Temperatur, welche der europäische Leser nur aus dem türkischen Bade kennt. Es ist also keine geringe Strapaze, wenn der im achtzigsten Lebensjahr stehende Präsident der Konferenz, Dr. Jsaac M. Wise, die Reise von Cincinnati nach der atlantischen Küste unternimmt. Seine Persönlichkeit, sein unermüdlicher Eifer und sein administratives Geschick haben auch der Konferenz jenes Ansehen verschafft und jenes Vertrauen erworben, welches sie im Gegensatz zu früheren, ephemeren Versuchen zu einer stabilen Einrichtung gemacht haben. Rabbi Zrfr*. Ein palästinensischer Anioräer aus dem Anfang des i. Jahrhunderts. Von Prof. Dr. Wilhelm Bacher. frj (Fortsetzung.) "" oii den Schülern Zci'raS seien noch hervorgehobe» Abba den Zebina und Chaggai, die Beide als ihm persönliche Dienste leistend erwähnt werden. Zeira kam auch nach dem Süden, wo er von Simon eine Halacha Josua den Levis vernahm. Unter seinen Hörern befanden sich zwei Lyddenser, Acha und Simons Sohn, Jehuda (ben Parri); als einmal Jirmeja die Frage stellte, warum in Lydda keine Jntercalation vorgenommen werde, antwortete Z. : weil die Lyddenser hochmüthig und von geringer Thorakenntniß sind. Da bemerkte er plötzlich die zwei genannten, aus Lydda stammenden Zuhörer, und er sprach vorwurfsvoll zum Fragesteller: Du hast es verschuldet, daß ich diese Gelehrten herabwürdigte. . Das Verhältnis; ZeirciS zu den Agadisten im Allgemeinen und zu Levi und Abba ben Kahana im Besonderen ist bereits früher berührt worden.') Hier sei nur noch in Kürze auf Z.'s Beziehnugen zu anderen als den bisher genannten palästinensischen Zeitgenossen hingewiesen. Bei den betreffenden Daten war sorgfältige Sichtung nöthig, da es nicht nur in Babylonien eine» späteren Namensgenossen Zenas gab, sondern auch unter den palästinensischen Amoräern ein jüngerer Zena angenommen werden muß, der ein Schüler Jirmejas, des Schülers unseres Zena war. Cs konnte nicht fehlen, daß Zerra, nachdem er sich in Palästina niedergelassen hatte, auch die den Mitgliedern der babylonischen Schulen versagte Auszeichnung erlangte, die Ordination. Er sträubte sich Anfangs gegen diese Ehre. Die Weigerung hängt wahrscheinlich mit der Verachtung zusammen, welche Z. gegen die unwürdigerweise Ordinirten hegte, wie es deren damals in Tiberias viele gab. Einmal saß Z. mit einem anderen Gelehrten vor dem Lehrhause von Tiberias, mit Thorastudium beschäftigt. Da ging Einer von Denen vorüber, die »m Geld ordinirt waren. Stellen wir uns, sagte Z.'s Freund, ins Thorastudium versunken, damit wir vor Jenem nicht aufzustehen brauchen. Darauf sagte Z.: Ich enthalte mich ausdrücklich der Ehrenbezeigung und stehe nicht auf. — Schließlich nahm Z. die Ordination dennoch an, nachdem er von einem tannaitischen Spruche Kenntnis; genommen hatte, wo- ') S. Die Agava der palästinensischen Amoräer, II. Bd., S. 297 ff. nach Dreien mit der von ihnen erlangten neuen Würde auch Sündenvergebung zu Theil wird: dem Gelehrten, dem Bräutigam, dem Fürsten. In Babylonien erzählte man dies so: Z. hatte sich der Ordination entzogen, mit Hinblick auf den Spruch Elearars )vou der am Leben erhaltenden Demuth. Nur als er einen anderen Spruch Elearars, von der sühnenden Kraft der Würde, vernommen hatte, nahm er die Ordination an. Mit Hinblick auf. seine Häßlichkeit begrüßte man Z., als er ordinirt wurde, mit den Worten eines Hochzeitsliedes: Ohne Schminke, ohne Schmuck, dennoch liebliche Gazelle! — Wenn man ihm aus dem Patriarchenhause etwas schickte, nahm er es nicht an; doch ging er hin, wenn man ihn einlud, denn er sagte: sie machen sich aus mir eine Ehre! — Daß er sich, trotz seiner aharonidischen Herkunft, an der Beerdigung des Patriarchen betheiligte, dazu wurde Z. von Chija ben Abba gezwungen. — Von Z.'s bürgerlicher Beschäftigung erfahren wir nur die eine Thatsache, daß er einmal mit Linnen Handel trieb und Abahu befragte, inwieweit er seiner Waare ein gefälliges Aeußere geben dürfe, ohne die Schuld bewußter Täuschung auf sich zu laden. — Von seinen Familienverhältnissen erfahren wir gar nichts. Nur eine Reminiscenz von seiner Hochzeit wurde überliefert, die ani Laubhüttenfeste stattfand. Ein Sohn Z.'s, Achava (auch Ähaba), ist namentlich durch verschiedene Agadasätze bekannt geworden. Von Z.'s öffentlicher Thätigkeit ist sehr wenig bekannt. In seinen Tagen geschah es einmal, daß eine feindselige Verordnung der römischen Regierung erlassen wurde, welche auch das Verbot enthielt, Fasten anzuordnen. Da rieth Z., die Fasten still auf sich zu nehmen, sie gber erst dann zu halten, wenn die Verordnung zurückgezogen sein werde. Denn es heiße in Daniel 10,12: Von dem ersten Tage an, da du deinen Sinn darauf gerichtet hast, zu fasten vor dem Ewigen, deinem Gotte, sind deine Worte erhört worden. Z. selbst war ein starker Faster; und von dem öffentlichen Fastenritus gestand er, daß er, so oft er denselben sah, am ganzen Körper zitterte. Als er einmal über einen Gelehrten in der Synagoge die Trauerrede zu halten hatte, sagte er. es sei dies eine öffentliche Trauerfeier; denn entweder dem Todten oder dem Redner zu Ehren werde alle Welt dazu kommen. Einmal fiel Z. während der Trauerrede der Länge nach hin; als mau ihn aufrichten wollte, fand man ihn ganz geschwächt. Nach der Ursache befragt, sagte er: Es ging mir, wie es in Koheleth (7, 3) . heißt: Der Lebende nimmt es sich zu Herzen. Nicht nur als Faster und Beter, sondern vermöge seiner ganzen Lebensführung verdiente Z. die Bezeichnung „der Fromme aus Babylonien". Einmal ging er, auf Chaggai gestützt, des Weges. Da begegnet ihnen Jemand, der ein Holzbündel trägt. Z. schickt Chaggai, ihm aus demselben einen Span zum Reinigen der Zähne zu holen. Doch widerruft er sofort den Auftrag; denn — so sagt er — wenn Jedermann dasselbe thäte, so wäre das Holzbündel des Mannes dahin. — Die alte Bestimmung, daß sich der einzelne Weisenjüuger jede Art von Selbstpeinigung auferlegen dürfe, schränkt Z. dahin ein, daß dies nur dann gestattet sei, wenn damit nicht eine Herabwürdigung Anderer verbunden ist. — Z. hatte gewaltthätigc Leute zu Nachbarn, gegen die er sich zuvorkommend benahm, um sie so zur Besserung zu bringen; dadurch erregte er aber nur die Mißbilligung der anderen Gelehrten. Als Z. starb, sagten die bösen Nachbarn: Bisher hat Z. für uns gebetet, wer wird jetzt für uns beten? Diese Erwägung ging ihnen jo zu Herzen, daß sie nun wirklich Buße thaten und sich besserten. — Wenn Z. von Jemandem verletzt worden war, bot er ihm Gelegenheit zur Versöhnung, indem er zu wiederholten Malen an ihm vorüberging und ihm so Anlaß gab, um Verzeihung zu bitten. — Wer nicht sündigt, so ergänzte Z.

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