Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1898)
- Date
- 1898-11-25
- Page
- Seite 556 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gethan ist, das Ansehen und die Achtung des Ausgeschlossenen irn Lehrerkollegium und bei den in solchen Dingen außerordentlich scharf beobachtenden Kindern zu erschüttern und zu mindern. Wir sind es den an den städtischen Schulen angestellten jüdischen Lehrpersonen schuldig, dem gegenüber wiederholt hervorzuheben, daß nach unserer Ueberzeugung die mehr als 20 jährigen Erfahrungen an den städtischen Gemeindeschulen zu einer solchen Maßregel keinen Anlaß geben, daß vielmehr, von ganz geringfügigen Ausnahmen abgesehen, insbesondere auch nach dem übereinstimmenden Urtheil der fämmtlichen Herren Schulinspektoren, die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen ohne Rücksicht auf den Bekenntnißstand der ihnen anvertrauten Schüler auch als Ordinarien treu und gewissenhaft ihre Pflicht erfüllt und hinsichtlich der Leistungen und der sittlichen Haltung der Kinder gute Erfolge erzielt haben, und wir müssen in gleicher Weise wiederholt betonen, daß uns während jener langen Zeit auch hinsichtlich der Klaffenführung der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen weder aus dem Kreise der Kinder noch aus dem der Eltern noch aus dem der Lehrer und Rektoren irgendwelche begründeten Klagen bekannt geworden. Wir bitten hiernach gehorsamst, bei dem Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheitcn eine Aufhebung oder mindestens eine Einschränkung der durch den Erlaß vom 27. Dezember 1895 festgelegten Grundsätze wenigstens hinsichtlich der Uebertragung des Ordinariats zu befürworten, jedenfalls aber, falls das nicht ausführbar erscheint, die Ermächtigung zu erbitten, diese Grundsätze gegenüber den vor dem Dezember 1895 angestellten, zum Theil durch eine mehr als zwanzigjährige Dienstzeit erprobten Lehrern und Lehrerinnen nicht zur Anwendung zu bringen, indem wir uns zum Schluß noch besonders hervorzuheben gestatten, daß diese Lehrpersonen, welche im Vertrauen auf die durch zwanzig Jahre geübte, der Aufsichtsbehörde bekannte und von ihr bis dahin nicht beanstandete Praxis in den städtische» Dienst getreten sind, durch die neuen Anordnungen besonders hart betroffen werden." Wir freuen uns im Interesse der Lehrerinnen über die Anerkennung, die ihnen in dieser Antwort des Magistrats ausgedrückt wird. Man darf nunmehr auf den Bescheid gespannt sein, der dieser Eingabe zu Theil werden wird. * Wieder einmal drucken die polnischen Blätter Oesterreichs einen angeblich von der „Alliance Jsraölite" verfaßten und an die polnischen Juden gerichteten Aufruf ab, von dem sie sagen, daß er unter denselben massenhaft verbreitet werde und folgenden Inhaltes sei: „Brüder und Glaubensgenossen! Auf der ganzen Welt giebt es kein Stückchen Erde, das sich so ausschließlich gut und dauernd für unsere Herrschaft eignen würde wie das Land Galizien. Dieses Land muß unser Reich werden! Sorget dafür, die Christen in ihren Stellungen endlich gänzlich zu verdrängen und die gesammte Macht in Euren Händen zu vereinigen; alles, was den Christen gehört, muß in Euren Besitz übergehen. Die nothwendigsten Mittel hierzu werden Euch von der „Alliance Jsraslite" beigestellt werden. Großartige Sammlungen sind bereits eingeleitet worden, und sie gehen auch über alles Erwarten glänzend vor sich. Für den Plan der endgiltigen Entreißung Galiziens aus den Christenhänden haben sogar alle unsere „Großen" und Reichen bedeutende Summen gezeichnet. Es giebt der Baron Hirsch, und geben auch die Rothschilds, Bleichröders, Mendelfohns und so fort. Brüder und Glaubensgenossen! Sammelt alle Euere Kräfte, damit Ihr bald ans Ziel gelangt, welches wir Euch hiermit vorgesteckt haben." Die „Gazetta Narodowa", die diesen Aufruf in einem Leitartikel mit der Ausschrift: „Was soll das bedeuten?" bringt, bemerkt hierzu, daß sich auch die gewiß ernst zu nehmende Berliner „Germania" mit diesem Ausruf beschäftigte. Die deutschen Antisemiten begrüßen es mit Freuden, daß das Judenthum in dieser Frage einmal die Maske ablege und seine Pläne so offen enthülle. „Wir haben", so schreibt das Wiener „Deutsche Volksblatt", „auch gegen die Verwirklichung des Planes der „Alliance Jsraelite" nicht das Mindeste einzuwenden, freilich unter der Bedingung, daß 526 - säinmtliche österreichischen Juden in den neuen „Judenstaat" auswandern, und derselbe von jeglicher engeren Verbindung mit Oesterreich losgelöst wird, so daß wir nicht mehr nöthig haben, wie jetzt für die Polen, so in Zukunft fitr die Juden finanzielle Opfer zu bringen." — Schade nur, daß der ganze Aufruf von Anfang bis Ende erfunden und erlogen ist. wie längst authentisch festgestellt wurde. Es ist also nichts mit dem polnischen Judenreich! * In Algier spitzen sich die Dinge in gefährlicher Weise zu. Der neue Stadtrath wählte Max Regis, den Direktor des aus der antisemitischen Bewegung bekannten Blattes „Antijuif", zum Bürgermeister. Dieser fühlt sich als der unumschränkte Herr und Gebieter Algeriens. Er sprach mit zwei anderen neugewählkeN Gemeinderäthen Algiers bei dem Generalgouverneur Laferriöre vor, lim diesem seine Wünsche und Vorschläge mitzutheilen. Herr Laferriöre ließ die Allmächtigen durch seinen Kabinetschef, Herrn Albert Martin, empfangen, dem Max Regis seine Wünsche hinsichtlich einer sofortigen und vollständigen Amnestie vorbrachte. Herr Martin erwiederte, die Regierung könne, obwohl sie gleichfalls für die Amnestie wäre, gegenwärtig nicht für diese sein, da die letzten Unruhen bewiesen, daß eine Beschwichtigung noch nicht zu erwarten sei. Erst wenn die Regierung die Bürgschaft dafür besäße, daß keine weiteren Unruhen zu befürchten wären, könnte an eine Amnestie gedacht werden. Der Generalgouverneur, fügte Herr Martin hinzu, wäre gewiffermaßei! nur der Schiedsrichter zwischen den beiden Parteien und wolle daher vollständig neutral bleiben. Eine derartige Sprache seitens des Vertreters des Generalgouverneurs muß füglich überraschen, da dieser die Bevölkerung Algeriens in zwei Parteien, die der Plünderer uird die der Geplünderten, theilt und beiden gegenüber neutral bleiben will. Die Banden MaxRögis' hätten demnach Unrecht, sich diese Neutralität nicht zu Nutze zu machen. Als Regis dann die Austreibung der Juden verlangte, erklärte Herr Martin, das ginge denn doch zu weit, und er versicherte, keine republikanische Regierung würde sich dazu verstehen. Dafür gab Regis ihm die Versicherung, daß die neue, ausgesprochen antijüdische Gemeindevertretung eine Bürgschaft für die Aufrechterhaltung der Ordnung sei, falls nicht die Juden die Unruhen ailstifteli. Zum Schluß gab Regis die Versicherung, der antisemitische Gemeinderath werde seine Forderungen auf gesetzlichem Wege weiter verfolgen; das dürfte ihm um so leichter fallen, als er sich ja selbst die Gesetze vorschreibt. Auch in Paris geht es wieder wild her. Im Parlament Hai der jüdische Abgeordnete Klotz zwar Herrn Drumont ordentlich abgeführt, dafür haben die angedrohten Ausschreitungen der Antisemiten die Regierung veranlaßt, dem Präfekten und der Polizei di strengsten Maßregeln vorzuschreiben. Protokoll über dir vierzehnte Konferenz des Vereins der ifrarli tischen Lehrer der Landrabdinatsbezirke Emden nn Oldrnbnrg. Erste Sitzung am 28. August 1898, Nachmittags 4 Uhr. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung mit herzlichen Begrüßungwarten, in welchen er zugleich für das zahlreiche Erscheinen feinen Dank ausspricht. Darauf begrüßt Herr Dr. Rosenak aus Bremen für sich und im Namen des Festkomitees der jüdischen Gemeinde die Konserenzthew nehmer mit herzlichen Worten. Er ladet zugleich die Vereinsmitglirder